Freundlich

Der Stadtpark war heute sehr gut besucht. Man genoss wohl die Sonne, die diesen Tag zu einem der erfreulichen des wie üblich durchwachsenen August gemacht hat. Viele Bäume, welche ich nicht bestimmen konnte, und mindestens ein Baumwesen sind mir begegnet:

Platanen-Baumwesen

Es scheint uns etwas sagen zu wollen, bleibt aber stumm und hält dem Betrachter, wie es so Art der Bäume ist, den Spiegel vor. Dennoch ein freundliches Wesen, wie es nicht anders sein kann bei den Platanen, die massige Körperlichkeit mit Lichte und Geselligkeit vermischen. Der Gang war mir ein Anlass, in den Folgetagen meine Fotoserien von Früchten weiter verfolgen zu wollen. Einige Orte in M. und der Park in Me. Sind meine favorisierten Ziele, einige ruhige Stunden ohne Katastrophen inklusive.

Noch blass

Die Baum- und Strauchfrüchte sind noch nicht so richtig reif. Die Ebereschen, der gemeine Schneeball, der Hartriegel, die Schlehen und das Pfaffenhütchen fallen zwar schon auf, aber alles wirkt noch sehr blass: blassrosa, blassviolett, blassgrünschwarz. Ich glaube, die Pflanzen sind mit dem extremen Wechsel überfordert. Gleich nach der Dauerhitze des Juli kam jetzt der ausgiebige Regen und die Merkwürdigkeit, dass nach durchwachsenem Tag gegen Abend die Sonne rauskommt und die Temperatur deutlich ansteigt. Nicht gerade der typische August, eher das, was den gesamten Sommer 2005 gekennzeichnet hat. Ich merke, dass Hitze mir heute besser bekommt als früher. Insofern wünsche ich mir den vergangenen Monat wieder herbei. Wegen des Klimas, nicht so sehr wegen der unschönen Ereignisse.

Einfach mal raus

Wirklich klasse, endlich mal ein paar Tage Urlaub. Am besten mal an gar nichts denken, schon gar nicht an das, was mich seit 2 Wochen zwangsläufig bewegt. Vielleicht werde ich einige längere Spaziergänge machen, bei dem milderen Klima durchaus eine Perspektive. Oder eine neue Baum-Motiv-Serie angehen, was die Spaziergänge ebenso voraussetzt. Vielleicht werde ich aber auch ein paar Ausflüge mit M. unternehmen, einfach mal raus, Dinge tun, zu denen man sonst nie kommt. Ich freue mich drauf.

lux21

Wie lange ich daran nun schon arbeite, kann ich gar nicht genau sagen. Ziemlich lange jedenfalls, wenn man das Fotografieren der bildhauerischen Arbeiten, das endlose Auswählen, Freistellen, Formatieren und Animieren der Grafiken und Fotos hinzurechnet. Natürlich hat auch das Erlernen und Experimentieren mit der Flash-Technik sehr viel Zeit in Anspruch genommen. Von Fertig-Sein kann ich immer noch nicht reden, aber mein höchst persönliches Web-Portfolio steht nun zumindest auf soliden Füßen, ist substantiell abgeschlossen. Sehr viele Details werde ich aber noch zu überarbeiten und korrigieren haben. Dennoch fällt mir so etwas wie ein Stein vom Herzen, denn das war wirklich ein Mammutprojekt, bei dem selbst geduldigste Menschen, zu denen ich mich zählen würde, zwischenzeitlich die Krise kriegen. Ich denke, ich werde die lux21-Seite demnächst online stellen können und damit eine Plattform geschaffen haben, welche mein Spektrum weit über die Beschäftigung mit Bäumen hinaus weiter zeichnet.

Licht und zauberlos

Der Stadtpark ist immer noch nur zur Hälfte begehbar. Das geht nun schon seit bestimmt zwei Jahren so, eine endlose Baustelle, die mit einer geschotterten Zufahrtsstraße den gesamten Park durchschneidet. Immerhin die Saline kann auf Umwegen erreicht werden, und auch das Zentrum mit dem Brunnen und dem schönen Baumkreis. Aber ein Gesamtbild kommt natürlich gar nicht mehr zustande, und wirklich gut besucht ist er seitdem auch nicht mehr, man vermisst die Mitte und das freie Flanieren. Rund um den Park hat man heftigst mit der Kettensäge gewütet. Riesige Weiden wurden gefällt und zerkleinert, nur die dicken Stümpfe sind jetzt noch zu sehen. Nicht immer einsichtig, warum solche stattlichen Bäume gefällt werden, obwohl sie auf Grund ihres Standortes keinerlei Gefahr darstellen. Das an einen Urwald erinnernde Ambiente geht dadurch verloren, zu Gunsten einer lichteren Anmutung, die auf mich weniger zauberhaft wirkt. Die wachsende Tendenz der städtischen Gärtner zum ,,Aufräumen” habe ich ja schon öfter in diesem Baumtagebuch moniert, sie regt mich immer wieder aufs Neue auf.

Die interaktive Alternative

Das interaktive Angebot des virtuellen Wunschbaums haben in jüngster Zeit gleich zwei Menschen in Anspruch genommen, welche in unmittelbarer Nachbarschaft zu meinem Wohnort leben. Das ist schon eine interessante Konstellation: Jemand findet einen Link zum virtuellen Wunschbaum im Internet und kommt in Kontakt mit einem Projekt, welches seinen Ursprung bei einem Menschen aus seinem näheren regionalen Umfeld hat. Skurrile Wege, die aber auch den Reiz dieses Mediums ausmachen. Natürlich ist das auch sehr unpersönlich, aber Sinn und Zweck eines interaktiven Netzes dieser Art sehe ich ohnehin darin, eine abstrakte Plattform für den Gedankenaustausch, für das gleichzeitige Wahrnehmen von Eindrücken und das Aufnehmen und Vermitteln von Inhalten zu bieten. Ich sehe das vor allem als Ergänzung und Erweiterung der Möglichkeiten, die mit der direkten Face-to-Face-Kommunikation oder dem über Korrespondenz gesteuerten Austausch verbunden sind.

Wann dürfen Bäume gefällt werden?

Aus dem Pinneberger Tageblatt vom 03.08.2006

Kein Freund, der Baum
Von Oliver Gabriel

Man stelle sich einmal vor, welche Geschichten große, alte Bäume erzählen würden – wenn sie erzählen könnten. Menschen können, und sie müssen, respektive mussten auch, wenn sie etwa begründen wollten, warum dieser oder jener stumme Riese gefällt werden sollte. Denn bis 2004, bis also die alte Baumschutzsatzung abgesägt wurde, und voraussichtlich noch in 2006, wenn eine neue Light-Version in Kraft tritt, galt beziehungsweise gilt: Als per Grundgesetz sanktionierte Enteignung des Einzelnen soll Baumschutz dem Wohle der Allgemeinheit dienen. Und da muss eben der Einzelne stichhaltig und nachvollziebar aufzeigen, warum in Einzelfällen sein Wohl vorgeht.

Das tut er auch, weiß Gerhard Seggelke aus der städtischen Leitstelle Umweltschutz. Bei ihm liefen die Fällanträge auf – ,,zum Großteil mit guter Argumentation”, wie der Verwaltungsmitarbeiter berichtet. So wurden denn auch von 1987 bis 2004 insgesamt 2455 Anträge für 3541 zu sägende Bäume genehmigt, die unter die Schutzsatzung fielen. Entspricht einer Quote von etwa 85 Prozent. Nicht in jedem Fall musste Seggelke dabei innerhalb des eigenen Ermessensspielraums entscheiden. Teils besteht ein klarer Rechtsanspruch auf Fällungen.

Was aber, wenn sich die Frage stellt, ob die Beeinträchtigungen durch einen Baum im Garten, vor dem Haus oder am Parkplatz zumutbar sind oder nicht? Da ist die Palette von einleuchtend bis skurril bunt und breit gefächert. Ganz oben rangiert offenbar elterliche Fürsorge auf der Begründungs-Liste.

So wollte ein Vater seinen kleinen Sohn per Fällantrag schützen: Eine Kastanie müsse weichen, da die Früchte dem Kind im Herbst auf den Kopf fallen und es verletzen könnten. Oder die Mutter, die eine Birke vor dem Autostellplatz ihres Sohnes für unzumutbar hielt. Ständig müsse der Filius wegen des Taubendrecks in die Waschanlage fahren. Da könnte die Stadt doch mal zur Säge greifen, zumal Sohnemann schließlich auch viel für diese tue.

Ganz tief in die Niederungen des Tierreichs aber nahm ein Familienvater Seggelke mit, der das Baumproblem buchstäblich auf die Spitze trieb. Der Mann wollte eine alte Kiefer abholzen lassen – nicht bei sich selbst, sondern bei der Nachbarin. Begründung: Regenwürmer würden die Nadeln, die auch in seinen Garten fielen, in ihre Löcher in den Boden ziehen. Derart zu kleinen Speer-Fallen umfunktioniert, verletzten die Baumabfälle die Kinder beim Herumtollen.

Zukunftsängste haben sich ebenfalls breit gemacht in dem einen oder anderen Antrag. Der Baum wird doch riesengroß, hörte Seggelke ein ums andere Mal. Auch Mauerklinker-Risse durch Wurzelwerk wurden schon geltend gemacht. Nicht selten vorgebracht seien drohende Depressionen oder Krankheit durch Schattenwurf. Speziell Birken sind ein ums andere Mal ins Visier gekommen, da ihre Pollen bekanntlich nicht nur Allergien verursachen können, sondern – weniger bekanntlich – auch Autolackierungen nicht gut tun. Indes: Seggelke hat sich angehört, geprüft und am Ende hieß es Daumen hoch, aber auch Daumen runter für die Säge.

Und er darf sich auf neue Baumgeschichten freuen: Schon ab Herbst sollen wieder stumme Riesen per Satzung geschützt werden – weniger und deutlich größere als vormals, doch auch sie dürften wieder so manch skurrile Stories ins Rathaus bringen.

Belastet

Also war es doch der heißeste Juli seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 200 Jahren! Und schon werden wieder Prognosen laut, nach denen die Bäume aus der Hitzeperiode mit starken Schädigungen hervorgehen werden. Dort heißt es dann auch, die Hitzeschäden, wie die vom 1. Jahrhundertsommer 2003 stammenden, seien gravierender als das ganze Waldsterben der letzten beiden Jahrzehnte zusammen genommen. Weil mehr Bäume dadurch zu schaden gekommen seien. Schwer zu entscheiden, ob solche Rechnungen realistisch sind. Vorstellbar ist es aber, zumal die Diskussion um das Waldsterben derart ideologisch und nationalsymbolisch aufgeladen ist, dass von objektiver Analyse ohnehin kaum geredet werden kann. Hoffen wir, dass die milde und regnerische Witterung dieser Tage einen Ausgleich schaffen kann und die Bäume rettet. Damit sie für den Winter gerüstet sind, der Belastungen besonderer Art mit sich bringt.

Symbolkraft und Neuanfang

Zum Schluss des Umtrunks, der im Anschluss an D. Ks Begräbnis statt fand, ging es um die Kirschbäume in D., die der Gastgeber vor wenigen Wochen abgeerntet hatte. Und um Moral und das ungute Gefühl, welches mir dadurch entstand, dass ich auf Ks Wunsch hin die türkische Anliegerfamilie davon abhalten musste, die reifen Früchte zu pflücken. Ein Freundschaftsdienst in der Denkart Ks, aber in seiner Ausformung einfach überzogen und tendenziell unmoralisch, was auch der Gastgeber einräumen musste. Von solch differenten Einschätzungen abgesehen: Ich fand es bemerkenswert, dass ein Gespräch über uns beiden bekannte Bäume den Abschluss der Zusammenkunft bildete. In den beiden Stunden zuvor hatte ich kein Wort mit ihm gewechselt. Offenbar erinnerte er sich an Erzählungen Ks, in denen dieser möglicherweise meine Person mit dem Thema ,,Bäume” in Verbindung gebracht hatte. Vielleicht war es aber auch einfach die symbolische Kraft der Bäume, die das Thema in den sinnhaften Kontext des Todes und der Hoffnung auf einen kreativen Neuanfang gestellt hat. Etwas, was ihm sicherlich unbewusst über die Lippen ging, für mich dennoch mehr Bedeutung hatte als alles andere, was die Trauernden zuvor über die Zukunft des Unternehmens geäußert hatten.

Erschöpfung

Ich hätte die Nachricht heute bei google-alerts nicht lesen müssen, um es zu bemerken: Die Blätter mancher Bäume sind schon verdorrt und herbstlich verfärbt. Das ist natürlich keine Herbstfärbung im eigentlichen Sinne, Anfang August ist das viel zu früh. Die Bäume sind ganz einfach nicht ausreichend bewässert. Nach dieser wochenlangen Hitzeperiode zeigen sich die ersten Erschöpfungserscheinungen, z. B. bei den Tulpenbäumen am Rundplatz in D., die ich gerade während des Sommers so intensiv wahrnehme. Dieser Sommer ist zu viel für sie, und so werfen sie jetzt schon einen Teil ihres Laubs ab. Es könnte sein, dass das mildere Klima im August längerfristig wirksame Schäden zu vermeiden vermag. Den tapferen Bäumen ist es zu wünschen, sind sie doch so standhaft, so sehr sie selber, dass man ihnen solche Dauerqualen einfach nicht zumuten möchte.

Atempause

Der Regen liegt ständig in der Luft, scheinbar energisch nimmt der Wind und das dahinter vermutete Gewitter Anlauf, äußert sich dann aber doch nur in einer frischen Brise und einem kaum spürbaren Nieselregen, der nach einer Minute schon wieder verschwunden ist. Im Nachbardorf soll es vor einigen Tagen wie aus Eimern gegossen haben, nur hier scheint sich eine regenfreie Zone herausgebildet zu haben. Unterdessen bekommen die Bäume schon ganz ledrige Blätter, ein Zeichen dafür, dass der Sommer seinen Höhepunkt fast überschritten hat und die satte, meist wechselhafte Augustwitterung bevorsteht. Gut wär’s, denn die Organismen brauchen endlich mal eine Atempause, müssen dringend die Speicher auffüllen, um für die Fruchtphase der Herbstes gerüstet zu sein. Dabei bin ich erstaunlich kreativ und produktiv, ein Umstand, der mir zeigt, wie entscheidend das situative Umfeld ist, und wie mobilisierend plötzliche Veränderungen von außen sein können.

Baumgeschicke

,,haselgrün” scheint eine besondere Anziehungskraft zu besitzen. Heute hat doch tatsächlich ein zweiter Kreativer dieses Foto aus meiner fotolia-Auswahl herunter geladen. Bin mal gespannt, ob auch andere Motive Interesse finden und über die Suchbegriffe gut auffindbar sein werden. Der Haselstrauch hat mich in den letzten Wochen allerdings weniger beschäftigt. Häufig habe ich jetzt mit Efeu zu tun. Ich weiß nicht, zum wievielten Male ich ihn heute geschnitten habe, um ihn in Form zu halten. Die Dauerhitze scheint dieser Pflanze nichts auszumachen. Sie erfreut sich im Gegenteil offenbar daran und treibt kräftig neu aus. Auch der Feigenbaum bewegt sich voll in seinem Element, scheinbar kaum Wasser benötigend, und bildet große, ledrige Blätter sowie zahlreiche dicke Früchte aus. Eine Wahrheit, die ich nicht wahrhaben will: Der Wacholder sieht gar nicht gut aus, ich muss befürchten, ihn zu verlieren. Und das fällt schwer, steht er doch symbolisch gerade für das ,,Wachhalten”, das Vermeiden des in den Tod Fallens. Aber wenn es so sein soll, werde ich es nicht verhindern können. Vielleicht erschließt sich mir irgendwann später der Sinn.

Üppig

Der kleine Zwergwacholder tut sich sehr schwer. Ich hatte ihn vor einigen Wochen umgetopft, in der Hoffnung, dass er sich erholt. Aber die nächsten dürren Nadeln sind jetzt schon zu sehen, und so ist zu befürchten, dass er es nicht mehr packen wird. Ansonsten wächst alles wie verrückt, vor allem der Feigenbaum wuchert geradezu, in die Höhe, in die Breite, und auch die Früchte sind prall und groß. Wenn wir einen ähnlichen langen Sommer wie im vergangenen Jahr erleben, wird das eine richtig üppige Feigenernte. Die Zypressen schießen jetzt auch stark nach oben. Es wird notwendig sein, sie demnächst zu kappen, damit sich der Garten nicht in eine Festung umwandelt. Hoffen wir auf ein paar Stunden Regen, bevor die Bäume ernsthafte Hitzeschäden davontragen und, wie schon einmal, lange Zeit darunter zu leiden haben.

Überleben

Das Gewitter und damit der erste Regen seit Wochen liegt förmlich in der Luft. Wenn es uns auch nicht erreicht und nur in anderen Regionen der Republik wütet. Wie sehr sehnt man sich nach einer nassen Abwechslung und der damit verbundenen Abkühlung der wie eine dichte Masse wirkenden Luft. Immerhin wehte heute ein leichter Wind, der das Schwitzen etwas eingedämmt hat. Ich wundere mich, dass trotz des Klimastress die großflächig durch den Unfall entrindete Linde sich so gut hält. Ein Blick in die Krone lässt keinerlei Schockreaktion oder Verwelken erkennen. Es ist so, als ob sie es einfach ignorierte und beschlossen hätte zu überleben. Hoffentlich zeigen sich nicht in einigen Jahren dann schädliche Folgewirkungen.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.