Kirschpflaumenpflanzung

Mit etwas Verspätung kam heute die Nachricht, dass auch die Kirschpflaume nun geliefert worden sei. Ein Halbstamm, der sich im Umfang kaum von unserem neuen Maulbeerbaum unterscheidet, aber nur ca. 1,80 m hoch ist. Anders als bei dem Maulbeerbaum waren die Wurzeln nicht in einen Wurzelballen eingeschlossen. So ließ er sich leicht im Auto transportieren. Schräg vor dem Bienenhaus haben wir ihn platziert, wieder mit Drahtkorb als Schutz vor den Wühlmäusen, und wieder mit einem aufgehäuften kleinen Wall rundherum, um das Regenwasser besser zu kanalisieren. V. hat ihn ziemlich heftig geschnitten, eigentlich ist jetzt nur noch ein langer Haupttrieb übrig, und wenige auch schon gekürzte Seitentriebe. Er will ihn wohl zu einem Hochstamm heranziehen. Hoffen wir, dass er den Winter gut übersteht. Die Gärtnerin der Baumschule hat zuvor ihre Empfehlung zum Baumschnitt abgegeben. Wegen der Frostempfindlichkeit der Maulbeerbäume sei es ratsam, sie erst im Frühjahr, so im April, zu beschneiden. Sie meinte, auch den Haupttrieb solle man beschneiden, so etwa um ein Vierteil seiner Länge, und die übrigen Triebe etwas stärker. Ich denke, den Rat werde ich beherzigen, obwohl ich mich anders als V. eher scheue, einen so schönen Baum so zu reduzieren. Aber angeblich ist das dem folgenden Wachstum förderlich, und da halte ich mich einfach mal an die Fachleute.

Winterarbeit

Vielleicht ist es die für die Jahreszeit ungewöhnlich milde Witterung, welche uns in diesem Jahr so früh mit der Vorbereitung des Winters beschäftigt sein lässt. So fiel es uns nicht schwer, den winterlichen Brennholzvorrat in einem Rutsch bereit zu stellen. Die abgelagerten Apfelbaum-, Kiefer- und Fichtenabschnitte waren recht schnell aufgeladen und transportiert. Und das Sägen auf der schweren Kreissäge mit dem großen Blatt ging ebenfalls recht zügig über die Bühne. Jedenfalls wird das bei einem dem Vorjahr vergleichbaren recht mäßig kalten Winter wahrscheinlich ausreichend sein. Notfalls können wir bereits klein geschnittenes Material später auch leicht nachfüllen. Die Kranzaktivität hat heute unterdessen geruht und wird erst morgen fortgesetzt, die Utensilien dafür sind allesamt schon vorbereitet. Und so freue ich mich auf die kreativeren Elemente der ,,Winterarbeit” und auf hoffentlich spannende Überraschungen während der Adventszeit.

Stechpalmen mit und ohne

Stechpalmen sind in unserer Gegend nicht wirklich selten. An manchen Orten im Wald, erst recht in den Vorgärten, sind sie recht häufig anzutreffen. Rar machen sich aber die leuchtend roten Beerenfrüchte. So war M. sehr enttäuscht, als ich von der Suche nach Stechpalmenzweigen mit ausschließlich beerenlosen Exemplaren zurück kam. Das ,,Highlight” fehle, meinte sie. Deshalb habe ich mich, nachdem ich am Vormittag noch Utensilien wie Strohkränze und Kerzen für die Weihnachtsdekoration besorgt hatte, am Nachmittag noch einmal aufgemacht. Diesmal auf einen anderen Waldweg, an dem ich zwei Jahre zuvor schon einmal fündig geworden war. Auch dort war die schmucklose Form in der Überzahl, aber ich habe dann doch 3 Bäume entdeckt, die für meine Zwecke gerüstet waren. M. konnte sich über eine ganze Tüte mit schönen Frucht-Zweigen freuen. Leider war der Tag heute irgendwie nervig, es fehlte die Ruhe, und so ist nur ein einziger Kranz zustande gekommen, der Türkranz, den wir diesmal etwas anders, mit eingearbeiteten Mistelzweigen und einem Stechpalmenzweig, ansonsten mit Efeu und verschieden gefärbten Zypressen und Tannen gestaltet haben. Das ist aber noch lange nicht der Abschluss, eine Reihe weiterer Kränze und Gestecke werden noch folgen, so wir die Muße dafür realisieren können. Ob allerdings aus meiner Idee, eine Art Weihnachts-Gesteck-Pyramide zu versuchen, etwas wird, weiß ich gegenwärtig nicht abschließend vorauszusagen.

Erste Weihnachtsschmuck-Versuche

Das war so ein Tag, an dem man schon morgens wissen konnte, dass er relativ unproduktiv ablaufen würde. Meine Einschätzung hat sich bestätigt, zumindest was mich selber betrifft. Außer einigen Internet-Recherchen in Sachen Weihnachten und dem Verbrennen der von J. aussortierten alten Briefe und Schul-Materialien habe ich heute nicht sehr viel ausrichten können. Obwohl M. nicht weniger ermüdet schien, hat sie sich doch am Nachmittag dazu aufraffen können, die verschiedenen Nadelbaumzweige in dekorationsfähige Abschnitte zu schneiden, dazu habe ich noch einige Efeu-Frucht-Zweige mit anhängenden Blättern von unserem Grotten-Efeu geschnitten. Am Abend hat sie dann den ersten Kranz gebunden, aus wenigen gelblichen und mehr grünlichen Zypressen, einigen Weißtannenzweigen und Efeu. Dieser Kranz wird noch vier – in diesem Jahr rote – Kerzen erhalten und als Adventskranz dienen. Auf die Folgemodelle, so sie Zeit und Nerven dazu aufbringen kann, bin ich sehr gespannt, vor allem auf die Kränze für die Tür. Und vielleicht gelingt es uns ja tatsächlich, in der Art des gesehenen, allerdings aus künstlichen Misteln bestehenden, Kranzes einen Mistel-Kranz zu flechten, der dann den sonst üblichen Zweig ersetzen könnte. Wir sind uns aber nicht sicher, ob das mit echten Misteln funktioniert, allzu leicht brechen diese Zweige, wenn man sie zu sehr umbiegt.

Baumpflanzung und weihnachtliches Erleben

Schon um 7.30 Uhr in der Früh sind die Leute von der Baumschule vorbeigekommen und haben den Maulbeerbaum gebracht. V. ist dann mit ihnen zum Bienenhaus gefahren und hat den Baum erstmal dort abgesetzt. Weil es stark regnete, haben wir das Einpflanzen etwas geschoben und zunächst 150 Honiggläser gefüllt, die M. dieses Jahr wieder an ihre Kunden verschenken möchte. Dazu muss ich morgen noch die Etiketten gestalten und aufkleben. Dann gings endlich los. Das Loch war ja schon vorbereitet, allerdings haben wir dann doch das Drahtgeflecht am Boden entfernt, weil uns das doch zu gefährlich schien für das spätere Wurzelwachstum.

Maulbeerbaumpflanzung

Obwohl der Baum selber noch sehr schlank und nicht sonderlich schwer war, konnten wir selbst zu zweit den Wurzelballen kaum anheben, mit der Schubkarre ließ er sich zumindest bis zum Standort transportieren, wo wir ihn einfach in die Grube fallen ließen. Danach haben wir die am Vortag geteerten Stützpfosten eingeschlagen und oben mit Querlatten zusammen genagelt. Anschließend war der Baum leicht mit einer Gurtkordel von drei Seiten exakt auszurichten:

Maulbeerbaumpflanzung

Zuletzt haben wir einen kleinen Wall um den Wurzelbereich herum aufgehäuft, damit sich das Regenwasser besser sammeln kann, das ist für das Anwachsen, jedenfalls bis er wieder kräftige und tief gehende Wurzeln ausgebildet hat, von nicht unerheblicher Bedeutung. Mit dem Rohr können wir ihn auch im Sommer zusätzlich bewässern.

Maulbeerbaumpflanzung

Und das ist er, unser morus alba, ca. 4 Meter hoch und jetzt schon die meisten älteren Genossen dieses Gartens überragend. Aber wir müssen ihn noch schneiden. V. meint, er wird es ohne einen radikalen Schnitt nicht schaffen, da die Wurzeln das noch nicht leisten können.

Maulbeerbaumpflanzung

Das war eine ganz schöne Arbeit, aber angesichts der Investition und meiner Begeisterung für diese Baumart durchaus angemessen. V. war sichtlich froh, es hinter sich zu haben:

Maulbeerbaumpflanzung

Am Nachmittag war der Besuch bei den ,,Winterträumen” durchaus lohnenswert. Zwar war die Ausstellerwahl nicht immer themengerecht und ein bisschen mehr weihnachtliche Atmosphäre hätte schon sein können. Aber manche sehr schöne Dinge konnte man dann doch entdecken, inklusive einiger Anschauungsbeispiele und Ideen für die weihnachtliche Dekoration und das Kranzbinden. Das absolute Highlight aber ist dieser wunderbare Samt-Strass-Weihnachtsbaum, von dem ich mir gleich zwei Exemplare gesichert habe, M. besitzt jetzt zwei Varianten hierzu in Herz- und Sternform:

Samtweihnachtsbaum

Baumunternehmungen

Das Pflanzloch für morus alba haben wir rechtzeitig vor der Lieferung morgen früh schon gegraben. Etwa 60 cm3 umfasst es, ausreichend für den zwar schon sehr hohen, aber sonst noch nicht so starken Baum, dessen Wurzeln in einem Ballen fest zusammengehalten sind. Nicht ganz leicht war es, die sehr sandige Erde bis zu diesem Tiefe auszuheben, aber mit einem Spitzspaten und einem Flachspaten zum vorherigen Abstechen gelang es dann doch, trotz der vielen Steine. V. sagt, früher ist an dieser Stelle eine Landstraße verlaufen, eine schlüssige Erklärung für die Bodenbeschaffenheit. Na ja, der weiße Maulbeerbaum soll laut Literatur sandige Böden mögen. Hoffen wir, dass dies auch für unser Exemplar zutrifft. Den Drahtkorb aus weitmaschigem Hasendraht haben wir auch schon angepasst, mit nach oben überstehenden Enden, die wir an den Knickkanten eingeschnitten und nach den vier Seiten des quadratischen Lochs umgeschlagen haben. Nach dem Einsetzen des Baums kann der Draht so bis dicht an den Stamm gebogen werden, so dass die Wühlmäuse keine Chance mehr haben dürften. Nach unten haben wir zwar auch einen flächendeckenden Draht platziert, diesen aber nicht mit dem übrigen Korb verknüpft. Ich denke, der Baum hat so bei seinem weiteren Wachstum am ehesten die Möglichkeit, Wurzeln gefahrlos in die Tiefe abzusenken, ohne von den Drahtmaschen verletzt zu werden. Den kleinen Walnussbaum, der an der Stelle des neuen Pflanzlochs stand, haben wir umgepflanzt, vor den Misthaufen. Er steht somit in der Mitte zwischen zwei schon größeren Artgenossen. Wenn die alle sich gut entwickeln, könnte daraus einmal eine schöne Dreiergruppe werden. Nach der Aktion mit dem Loch haben wir die ,,Hondsärsche” gepflückt. Die Mispelfrüchte hingen zuletzt ohne Begleitung von Blättern an den niedrigen Bäumen und ließen sich ganz gut abernten. Für die Hinterseite musste ich allerdings über den Holzhaufen klettern. Für die Ernte der Mispeln war es höchste Zeit, viele Früchte waren schon abgefallen, und die des zweiten kleineren Baums waren schon ganz matschig, was für das Einmaischen allerdings keine Rolle spielt. Einige noch feste Früchte habe ich zur Seite gelegt. Damit will ich, wie im letzten Jahr das erste Mal ausprobiert, eines der ungeheuer arbeitsaufwändigen Mispel-Gerichte zubereiten. Nach dem Mittagessen gings dann noch mal raus, diesmal auf den ,,Alten Berg”, eine traditionell ergiebige Fundstelle für Mistelzweige, die sich auf den meist nicht mehr gepflegten Obstbäumen der dortigen Streuobstwiesen besonders wohl fühlen. Es war wie schon seit Jahren: Zwar Misteln ohne Ende an fast jedem Baum, aber die meisten leider mit gelblichen Blättern oder ohne die schönen weiß-transparenten Beeren. Da mussten wir wieder suchen und wurden auch in einigen Fällen fündig. Die getroffene Auswahl ist gar nicht mal so schlecht ausgefallen. Für das Einbinden in diverse Weihnachts- und Adventskränze und zum Aufhängen reicht es allemal aus. Das will sich M. auch dieses Jahr wieder antun, und ich bin schon gespannt auf die Ergebnisse, die ich ganz sicher wieder als Fotografien festhalten werde. Mit voll beladenem Kofferraum sind wir auf dem Rückweg noch bei der Baumschule B. vorbei gefahren. Ich habe V. den Maulbeerbaum gezeigt, damit er weiß, was ihn morgen erwartet. Und dann haben wir noch nach der Kirschpflaume gefragt, von der es noch vor wenigen Tagen hieß, als Halb- oder Hochstamm sei sie nicht aufzutreiben. Nun erfuhren wir zu unserer großen Überraschung, dass der Baum als Hochstamm doch geliefert werden wird, zusammen mit dem Maulbeerbaum. Einige Stunden später hat man allerdings telefonisch wieder abgewinkt. Die Kirschpflaume wurde wider Erwarten nicht rechtzeitig geliefert, und so wird sich deren Einpflanzung noch etwas hinauszögern.

Vor Weihnachten

Heute konnte man den ganzen Tag keinen Hund vor die Tür lassen. Deshalb mussten wir das Ausheben des Pflanzlochs für den weißen Maulbeerbaum auf morgen verschieben, in der Hoffnung, dass es trockener sein wird. Einen Drahtkorb zum Schutz gegen die Wühlmäuse müssen wir auch noch flechten. Und am Samstag früh wird der Baum gebracht, so dass wir ihn gleich einpflanzen können. Ich hoffe, er hat durch die längere Lagerung im Wurzelballen keinen Schaden genommen. Vor allem aber wünsche ich mir, dass er an seinem neuen Standort gut anwächst und die Bodenverhältnisse gut verträgt. Wenn wir dann noch einen einigermaßen milden Winter erleben, sehe ich gute Chancen, dass der Baum in wenigen Jahren schon beachtliche Dimensionen annimmt. Und hoffentlich auch jede Menge saftig-klebriger Maulbeeren. Unterdessen kommen mir die vielen noch unerledigten Aufgaben anlässlich des Weihnachtsfestes ein. Gut eine Woche vor dem 1. Advent ist es höchste Zeit, alles Vorgenommene in Angriff zu nehmen, damit es nicht zu hektisch wird und ich mir noch genügend Gedanken über die Präsentation machen kann.

Bei WELEDA

Das war ein ganz besonderer Tag. Mit einer Reihe Reminiszenzen an meine erste Arbeitsstelle. Vielleicht lag das an der Oasenhaftigkeit des Ortes, dieser Verbindung von natürlicher Atmosphäre, sinnhaftem Hintergrund und tatsächlich an Kommunikation interessierten Menschen. Dass im Innenhof ein kleiner Baumpfad mit Schildern zu finden ist, die die jeweilige Art kennzeichnen, ist dabei nur eines von vielen Details. Die WELEDA-Philosophie ist auf und in dem gesamten Verwaltungsgebäude spürbar, strahlt eine fast familiär wirkende Aura ab. Fast schon unwahrscheinlich erschien mir das, und wer weiß, wie sehr ich für Unwahrscheinliches schwärme, versteht auch, dass dies einen deutlichen Eindruck bei mir hinterlassen hat. Ganz unabhängig davon, ob es zu weiteren Gesprächen kommen wird und wie man mich im Vergleich mit Mitbewerbern einordnet. Die Einladung zu diesem Gespräch war an sich schon eine sehr schöne Synchronizität, die ich so oder so als für mich gewinnbringend wahrnehme. Ich denke, der WELEDA-Tag könnte so etwas wie eine Wendung für mich bedeuten. Wie diese Wendung konkret aussieht, kann ich augenblicklich noch nicht einschätzen.

Verschiebungen

Bei den sehr heftigen Regenfällen, die die sonnigen Abschnitte unterbrechen, lassen die meisten Bäume ihr Herbstlaub und die rutschige nass-kalte Jahreszeit beginnt. Viel zu wenig hatten wir für meinen Geschmack von diesem Herbst, ich beobachte auch im Wechsel vom Sommer zum Herbst und vom Herbst zum Winter diese merkwürdige Undeutlichkeit, die in den Jahren meiner Kindheit so nicht bestand. Man kann sich einfach nicht mehr darauf verlassen, dass die einzelnen Jahreszeiten deutlich voneinander getrennt und während ihres Verlaufs einigermaßen konstant sind. Da sind frühlingshafte Momente im Herbst, sommerliche Elemente im Frühling und frühlingshafte Phasen im Winter zu beobachten. Und man hat den Eindruck, dass sich die Breitengrade unmerklich verschoben hätten. Insgesamt bedauere ich das. Die größere Abwechslung des ,,neuen Wetters” kann die atmosphärischen und symbolischen Stärken identifizierbarer Jahreszeiten nicht ausgleichen. Ich glaube, durch die klimatischen Veränderungen gehen allmählich wichtige kulturelle Charakteristika verloren, schwindet der Sinn für die Verbindung von Traditionen, Ritualen und Bräuchen mit jahreszeitlichen Differenzen in der Natur. Dass sich die Baumpopulationen unserer Wälder damit gleichzeitig verschieben in Richtung von Arten, die höhere Durchschnittstemperaturen und heftigere Klimasprünge besser vertragen, ist dabei nur eine Erscheinung der ersten Beobachtungsebene. Wirklich einschneidend werden die Auswirkungen sein, die diese Veränderungen im Denken, der Wahrnehmung und im kulturellen Ausdruck der Menschen hinterlässt.

Das Baumtagebuch feiert 2. Geburtstag

Kaum zu glauben, genau zwei Jahre besteht nun dieses Baumtagebuch. Und ich wundere mich selber, dass ich es tatsächlich täglich mit Inhalt füllen konnte. Eigentlich war es eine Art Experiment, das sich aber schnell als realisierbar und für mich sinnvoll heraus gestellt hat. So viele Schichten im Verhältnis von Menschen und Bäumen, so viele Dimensionen in diesem einzigartigen Zusammenleben zweier verschiedener und doch sehr eng verbundener Lebensformen gibt es, dass es einfach eines offenen, experimentierfreudigen Mediums bedarf, um dies zu beschreiben und begreifbar zu machen. Ich meine, das ist mir bisher ganz gut gelungen, mit tagesaktuellen Erlebnis- und Eindrucksbeschreibungen, abstrakteren Reflexionen und gelegentlich auch Fotografien aus meiner eigenen Baumerlebniswelt. Der Stoff wird mir hoffentlich nicht ausgehen, zumal ich plane, das Baumtagebuch unter eigener Domain zugänglich zu machen, um es nicht am Wachsen zu hindern. Gespannt bin ich in jedem Fall auf die Überraschungen, die sich aus diesem Projekt für mich selber ergeben. Denn oft ist mir vor Beginn des Schreibens noch nicht ganz klar, was der Inhalt des Eintrags sein wird. Ein ganz gutes Mittel, um der vielschichtigen Symbolik der Bäume und ihrer Bedeutung für uns Menschen auf die Spur zu kommen.

Kreative Entwicklungen

Meine weihnachtlichen Motive scheinen sehr beliebt zu sein. Heute erneut zwei Downloads meiner Adventskranz-Fotografien. Ich glaube, man sieht den Arbeiten meinen besonderen Draht zu Feiertagen an und nimmt sie als authentisch und emotional überzeugend wahr. Das freut mich sehr, besonders in dieser Vorweihnachtszeit, denn es lässt vermuten, dass die Bilder zur Illustration von Weihnachtsgrüßen Verwendung finden werden, mein Blick auf das Atmosphärische des Festes also eine größeren Zahl von Menschen, wenn man so will, ,,vermittelt” wird. Das Fotografieren ist für mich eine noch relativ neue Beschäftigung, seit etwa 3 Jahren habe ich hierfür einen Zugang und komme auch häufig zu Ergebnissen, die mich selber und andere dann überzeugen. Meine bildhauerische Arbeit ist viel älter, über zwanzig Jahre, und meine kunsthandwerkliche etwa 6 Jahre alt. Es entspricht meinem Hang, nicht am immer Gleichen festzuhalten, dass sich meine kreativen Schwerpunkte von Zeit zu Zeit verlagern. Das ältere geht dadurch nicht verloren, tritt aber dann meist in den Hintergrund, um irgendwann später einmal wieder stärker hervorzukommen. Dann wahrscheinlich verwandelt, bereichert durch alles, was zwischenzeitlich war, immer aber dem dann aktuellen Lebensalter und dem Erfahrungsstand angemessen. Das Baumtagebuch, das ich eigentlich auch in dieses Set von Kreativarbeiten einreihen kann, ist ebenfalls noch recht jung, aber es wird morgen seinen 2. Geburtstag feiern. Das sind dann 730 Einträge, denn keinen einzigen Tag habe ich seitdem ausgelassen, die zusammen genommen vermutlich schon ein ganzes Buch füllen würden. Dennoch habe ich nicht den Hang zur Rückschau, vielmehr bin ich gespannt, wie sich das Tagebuch weiterentwickeln wird. Ich sage, wie es sich weiterentwickeln wird, nicht wie ich es weiterentwickele, denn es ist ein sehr spontanes Medium, bei dessen Realisierung ich versuche, allzu viel Rationalität außen vor zu lassen, um ,,aus dem Bauch heraus” zu einer wirklichen Momentaufnahme zu kommen. Mein großer Wunsch ist, dass der eine oder andere Leser gelegentlich einen Gewinn hieraus ziehen kann. Gewisse Anhaltspunkte dieser Wirkung habe ich bereits erfahren können.

Weihnachtliches Verpacken

Das war schon eine ungewöhnliche Belastung in den letzten fünf Wochen, die täglichen Besuche in der Klinik, die jetzt erst einmal beendet sind. Vielleicht deshalb, weil eine gewisse Anspannung von uns abgefallen ist, waren wir heute alle ziemlich erschöpft und die Aktivität hielt sich sehr in Grenzen. Einige Besorgungen im benachbarten M., im Zuge derer ich mein diesjähriges Weihnachtsbaum-Miniatur-Geschenk noch einmal bewundern konnte, einige kleine Geschenke schon für Weihnachten und wenige kurze Kommunikationen. Da hat es mich schon verwundert, dass am Abend der Wunsch aufkam, doch schon mit dem Verpacken einiger Weihnachtsgeschenke zu beginnen. Eine Reihe von niedlichen Kleinigkeiten, mit deren Verpackung ich mir ungeachtet ihres materiellen Wertes immer sehr viel Mühe gebe. Ich glaube, das trägt wesentlich zum eigentlichen Stellenwert eines Geschenks bei, deshalb möchte ich darauf auf keinen Fall verzichten. Aber auch dafür sollte man nicht zu müde sein, deshalb haben wir die Fortsetzung lieber auf morgen Vormittag verschoben. Einige schöne Päckchen sind aber auch schon heute Abend zusammen gekommen. Immerhin Geschenkpapier müssen wir dieses Jahr keins mehr besorgen, damit hatte ich uns vorjährig ausreichend eingedeckt.

Letzte Ernte

Einen kurzen Moment lang war ich versucht auszusteigen, um auch noch die Fruchtschoten des zweiten Lederhülsenbaums abzuernten, aber dann war ich doch froh, diese Klinik mit V. zusammen endlich hinter mir lassen zu können. Ich hatte ohnehin keinen Stock dabei, ohne den ich die Früchte nicht hätte erreichen können. Ohnehin wäre zu erwarten gewesen, dass die Samenkerne, aus den fleischigen Hüllen befreit, während des Trocknens wieder feine Oberflächenrisse ausbilden und dann für die kunsthandwerkliche Verarbeitung nicht zu gebrauchen sein würden. So bleiben mir aus meiner ersten Begegnung mit diesem ungewöhnlichen Baum einige tadellose Samenkerne ,,zur Erinnerung” und eine ganze Schale von weniger schönen Exemplaren, die ich in Töpfe pflanzen will, um daraus kleine Bäumchen zu ziehen. Vielleicht gelingt es ja. Das Abernten der reifen Mispel-Früchte wird wohl die letzte landwirtschaftliche Tat dieses Jahres sein. V. hat es schon angekündigt, aber angesichts der Umstände werde ich es wohl realisieren müssen. Mal sehen, am besten an einem milden Tag mit ein paar wärmenden Sonnenstrahlen. Und dann einmaischen und später zu Schnaps brennen lassen. Das wird dann der berühmte Hondsärsch, über dessen Qualitäten sich so vortrefflich streiten lässt.

Raritäten-Bäume

Seltenheiten sind es, und Raritäten habe ich sie genannt. Die fünf neuen Wunschbaum-Armbänder aus wirklich ausgefallenen Hölzern habe ich heute in den Wunschbaumshop integrieren können. Die Raritäten-Wunschbaum-Armbänder haben teilweise abenteuerliche Hintergründe, in allen Fällen aber ist die Bearbeitung ziemlich schwierig. Gerade so als ob die Seltenheit mit einer strukturellen Eigenheit zwingend verbunden wäre. Mein heimlicher Favorit ist das Efeu-Band, gefolgt vom Maulbeerbaumband. Beide Hölzer habe ich aus ziemlich unwahrscheinlichen Situationen heraus gewonnen, das eine während eines Spaziergangs in einem verwunschenen Efeu-Zauber-Wald, das andere anlässlich einer Synchronizität, die mich im richtigen Augenblick während einer Mittagspause zu diesem wunderbaren alten weißen Maulbeerbaum geführt hat. Das Holz der Weinrebe dagegen ist mir seit meiner Kindheit vertraut, niemals wäre ich aber auf die Idee gekommen, etwas daraus herzustellen. Zwischenzeitlich dachte ich, es sei viel zu porös, um überhaupt bearbeitet zu werden. Jetzt ist mir bekannt, dass es doch möglich ist, wenn auch mit enormem technischen Aufwand. Eigentümlich und absolut einmalig in Struktur, Färbung und Oberflächenqualität sind sie aber alle drei. Die beiden weiteren Muster-Bänder stammen von Bäumen, die eine besonders dekorative Zeichnung zeigen: das schokoladenbraun-schwarz marmorierte Holz des Kaukasischen Nussbaums und die leicht schillernden augenförmigen Einschlüsse des Vogelaugenahorn, der eigentlich ein Berg-Ahorn ist. Nun bin ich gespannt, ob andere meine Faszination für diese Raritäten-Hölzer und -Bäume teilen.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.