Ruhiger Herbsttag

Wie gestern schon kam am späten Nachmittag die Sonne doch noch hervor. Wir hielten uns zu dieser Zeit bei J. in der Klinik auf und als der blaue Himmel sich zu stabilisieren schien, habe ich die Gelegenheit genutzt, um den ,,Park der Andersdenkenden” einmal wieder zu besuchen. Der Spaziergang ging aber noch weiter nach oben, entlang der sich den Hügel hochschraubenden Straße, die in einen gepflasterten Weg und schließlich in einen Waldweg überging. Erstaunlicherweise haben mehrere Spaziergänger sich dort aufgehalten, was mich sehr überrascht hat. Aber dieser Ort hat auch etwas ganz Besonderes, sehr Intimes. Ein Ort, an dem man sehr gut zur Ruhe kommen kann. Zwei Aufnahmen sind dabei entstanden. Infiziert von meinem aktuellen Thema ,,Holzstrukturen” eine Makroaufnahme eines schon in Zersetzung befindlichen und irgendwann zuvor mit der Kettensäge halbseits in Segmente geteilten Baumstamms. Und am selben Stamm einer dieser tellerminenartigen Baum-Pilze:

Holzstruktur

Baumpilz

Es war ein ruhiger Tag, geprägt von einer frühherbstlichen Atmosphäre, der sich in der sichtbaren Zurückgezogenheit der Menschen ausdrückte. Ich mag solche Tage, sie machen den Kopf frei für Grundsätzliches.

Früchte ernten

Einen sehr schönen Mehlbeerbaum habe ich heute im Innenhof des Krankenhauses gesehen. Bisher kannte ich nur den noch sehr jungen bei uns im Dorf, dieser aber trug jede Menge Früchte, was den Wunsch in mir aufkommen ließ, vielleicht auch einen solchen im Herbst zu erwerben und oben beim Bienenhaus einzupflanzen. Damit wäre die Wunschliste um einen weiteren Kandidaten erweitert. Mal sehen, was letztlich wirklich daraus wird. Überhaupt ist es die Zeit der roten Baumfrüchte. V. hat endlich seine Portion reifer Weißdornfrüchte gesammelt, von den Blättern befreit und will sie jetzt mit Schnaps ansetzen. Soll ja angeblich gut fürs Herz sein. Und wenn nicht, ist jedenfalls die Zubereitung selbst schon eine spannende Angelegenheit. Ansonsten: Schwedische Mehlbeeren, Hagebutten in allen möglichen Varianten, und die Stechpalmenfrüchte lassen auch nicht mehr lange auf sich warten. Eine weitere Frage stellt sich für die wieder zahlreichen Mispeln. Was diesmal damit anfangen? Die Aktion mit dem Mispelkompott und den Blätterteigtaschen war mir dann doch entschieden zu anstrengend. So bleibt wohl nur die Möglichkeit, sie einzumaischen und irgendwann in hochprozentige Form zu bringen.

Holz-Strukturen

Die Strukturen des Holzes sind ein interessantes Thema, da wir Bäume in vielen Situationen des Alltags durch die Brille ihres Baustoffs wahrnehmen. Ich möchte deshalb die Wunschbaum-Fotogalerie um diese Dimension erweitern und habe schon mal die zugehörigen Seiten angelegt. Nur mit der Auswahl der Fotografien bin ich noch nicht ganz so weit. Vor allem bin ich nach eingehender Beschäftigung zu dem Schluss gekommen, dass noch verschiedene Motive fehlen. Motive, die ich bei besserem Licht ganz gut zu Hause aufnehmen kann und die das ziemlich weite Spektrum dieses Motivfeldes komplettieren können. Kürzlich erst habe ich eine Anfrage erhalten, die neben einem Wurzelstock-Bild sich auf eine Baumscheibe mit sichtbaren Jahresringen bezog. Tatsächlich ist mir dieses schon öfter auf Postkarten oder als Illustration auf Websites oder Büchern begegnet, denn kaum etwas kann den abstrakten Begriff des stetigen Wachstums, des Alterns und des Geschichtlichen so plastisch versinnbildlichen. In der Baumscheibe spiegelt der Betrachter sein eigenes Lebensalter, setzt seine begrenzte Biografie in Beziehung zur Zahl und wechselhaften Ausprägung der Jahresringe und erkennt sich selber in einem erweiterten ökologischen Zusammenhang. Die Galerie der Holz-Strukturen wird einen weiteren Beitrag zur Darstellung der Bedeutung leisten, die Bäume für das Leben nahezu aller Menschen spielen.

Von der Form zum Inhalt

Nicht selten komme ich auf Umwegen zu einem Thema. So war es auch bei den Bäumen, die ich während meiner Kindheit und Jugend zwar wahrgenommen, aber nicht sehr intensiv beobachtet oder symbolisch gewürdigt habe. Das kam erst durch die Beschäftigung mit dem Holz als bildhauerischem Material. Ich wollte einfach etwas Plastisches schaffen, Abbildungen in einem Anleitungsbuch für Holzschnitzer waren der Auslöser. Das Erstlingswerk, gemacht aus einem Stück Brennholz, hatte zwar nur entfernte Ähnlichkeit mit der Vorlage, faszinierte mich aber derart, dass in kurzer Folge gleich eine ganze Latte von Folgearbeiten entstanden. Das war der Beginn einer sehr intensiven Beschäftigung mit dem Holz als Material und den Möglichkeiten seiner Bearbeitung und Formung für bildhauerische Zwecke. Und über diese Bildhauerei bin ich auf das Thema ,,Baum” gekommen. Irgendwann waren mir die Holzskulpturen nicht mehr genug, die Oberflächenwirkung und ,,schöne Form” nicht mehr ausreichend. Bäume und Wälder wurden die Vorbilder der künstlerischen Konzepte und aus den Holzskulpturen wurden Baum-Skulpturen. Die Differenz deutlich zu machen, war mir wichtig, und so habe ich diese in verschiedenen Texten versucht zu formulieren. Vielleicht war es diese eingehende Arbeit am Thema, die mir den Weg zu den Bäumen geebnet hat. Von nun an begegneten sie mir als Mit-Lebewesen, deren Ausstrahlung, selbstverständlicher Präsenz, innerer Stärke und übermenschlicher Weisheit ich mich nicht mehr entziehen konnte. Dieser Zusammenhang, mein Weg zu den Bäumen, die mir heute wie enge Vertraute und ständige Lebensbegleiter erscheinen, ist mir heute wieder zu Bewusstsein gekommen, als ich mit V. ein Landmaschinengeschäft besucht und wir eine motorisierte Heckenschere gekauft hatten. Auch wenn die technische Seite der Holzbearbeitung mich nicht mehr ganz so fasziniert wie noch vor Jahren, sehe ich gerade darin die Wurzeln meines Lieblingsthemas: Vom Formalen zum Inhaltlichen. Und wenn ich das verinnerliche, was Eckart Tolle in seinem Buch ,,Eine neue Erde” in den Mittelpunkt stellt, die Entwicklung weg von der Form zum formlosen Ursprungszustand unseres Wesens, dann weiß ich, dass die Bäume mir diesen Weg aufgezeigt haben. Und dass sie mir täglich helfen ihn weiter zu gehen.

Reife-Grade

Überraschend sonnig fiel der Nachmittag aus. Was einmal wieder beweist, wie wenig man sich auf die Wettervorhersagen verlassen kann. Natürlich freut mich das, denn Licht ermöglicht gute Fotografien, und der Herbst bietet jede Menge Motive. Darunter sind welche, die mir zwar schon vorliegen, aber gerade die Baumfrüchte erwischt man nicht immer im fortgeschrittenen Reifegrad. So ist mir heute endlich einmal eine Hainbuche begegnet, die sich schon verfärbende Fruchtstände zeigte, gewöhnlich erscheinen sie bis zuletzt grün und wirken gar nicht wie Früchte:

Hainbuchenfrucht

Ähnlich war es beim Berg-Ahorn, jetzt treten die Propeller so richtig hervor, da sie sich bräunlich verfärben:

Bergahornfrucht

Und der Japanische Schnurbaum hat von dem vielen Regen der letzten Tage profitiert. So können sich die Früchte endlich entfalten, die dem Baum seinen Namen geben. Die andere Bezeichnung ,,Bohnenbaum” ist beim Anblick dieser länglichen Früchte leicht nachvollziehbar:

Schnurbaumfrucht

Solche Tage können nach meinem Geschmack regelmäßig kommen. Ein langer goldener Herbst wäre mir lieber als ein endloser Winter, wie wir ihn zuletzt ertragen mussten.

Zurück ziehen

Die Apfelernte ist dieses Jahr ganz an mir vorbei gegangen. Das hat V. alles alleine erledigt. War aber auch nicht viel, einige Säcke Viez-Äpfel und wenige zum Essen. Immerhin, denn vor einigen Wochen hieß es, es gebe gar keine Äpfel, ganz so war es dann doch nicht. Eingemaischt und gekeltert sind sie auch schon. Wahrscheinlich wird der Viez später zu Alkoholischem weiter verarbeitet. Mit der letzten Aktion der diesjährigen Erntesaison scheint der Herbst nun endgültig auch entschlossen sich zu entfalten. Ein richtiger Temperatursturz, der auch durch die zwischendurch intensiv scheinende Sonne nicht ausgeglichen werden kann. Für mich bedeutet das, mich stärker zurückzuziehen. Mehr lesen, mehr denken, die Dinge zur Transformation vorbereiten, die dann im November hoffentlich ihren Höhepunkt erreicht haben wird. Vorher wünsche ich mir allerdings noch einen Goldenen Herbst. Damit das Klischee sich auch in den Augen wieder findet und das zu generieren hilft, was wir jahreszeitliche Stimmung nennen.

So schön

Die Pfaffenhütchen sind so genial! Bei sonnigen Phasen, wie wir sie heute wieder hatten, kann ich mich an diesen wunderbaren Früchten satt sehen. Die Farben, die Form, die Gesamterscheinung – ein kleines Naturwunder, das einem ganz unwahrscheinlich vorkommt. Und dennoch stehen sie einfach so am Wegesrand, in Gesellschaft von Hartriegel, Heckenrosen, Schneeball, Haselstrauch und Liguster:

Pfaffenhütchen

Pfaffenhütchen

Am tollsten finde ich es, wenn die Hüllen aufbrechen und diese organgefarbenen Kerne zum Vorschein kommen. Auf der zweiten Aufnahme kann man sehen, dass manchmal auch die Kerne aufplatzen, und scheint es fast, als ob darunter wiederum Rosa erscheint – Kurios!
Den Purgier-Kreuzdorn, mein Eintrag von gestern, habe ich nun auch im Kasten. War nicht ganz einfach, da dunkle Früchte schlechte Kontraste bilden, aber es ging dann doch:

Purgierkreuzdornfrucht

Purgier-Kreuzdorn

Wenn mich vor einigen Wochen jemand gefragt hätte, was ein Purgier-Kreuzdorn sei, hätte ich ihm die Antwort geschuldet. Natürlich hätte ich auf einen Strauch getippt, aber im Alltagsgebrauch ist mir diese Art und die Bezeichnung noch nicht vorgekommen. Bei dem Spaziergang vor einigen Tagen mit V. ist uns der Strauch unbekannter Weise aufgefallen, inmitten von rotem Hartriegel und Heckenrosen. Und wir rätselten beide. Mein Baumbestimmungsbuch hat dann die Gewissheit gebracht, man konnte es vor allem an den Früchten und den Blättern erkennen. V. hat, als ich ihm davon erzählte, bestritten, dass der Strauch Dornen getragen habe, er wisse das genau. Ich habe das, da ich selber nicht so sicher war, dann heute einmal überprüft. Und tatsächlich, auf den ersten Blick sind sie nicht zu erkennen. Bei genauerer Betrachtung aber zeigen sich doch Dornenansätze, teilweise mit stumpfen Enden und vereinzelt auch lange spitze Dornen, die bei dieser Art nicht so dominant zu sein scheinen wie etwa beim Schlehdorn oder beim Weißdorn. Der Versuch, sie zu fotografieren, ist leider fehlgeschlagen. Nicht wie so häufig wegen des Lichts oder der Perspektive, sondern weil das Akku meines Apparats sich entladen hatte und das Gerät erst gar nicht ansprang. Hoffentlich bringen die nächsten Tage noch einige sonnige Abschnitte, damit ich es nachholen kann!

Jahreszeit und kreatives Arbeiten

Nachdem das ganze Jahr über kaum jemand sich dafür interessiert hat, habe ich jetzt innerhalb weniger Tage gleich 2 Anfragen zu den Baumkreis-Armbändern erhalten. Das Thema ist nach wie vor aktuell, vor allem in Österreich und der Schweiz. In Deutschland scheint man sich zunehmend eher für die Wunschbaum-Armbänder mit anderen inhaltlichen Bezügen oder interessanten Oberflächen zu interessieren. Aber die Entwicklungen sind in diesem Bereich unvorhersehbar, und so kann es durchaus sein, dass sich die Trends wieder umkehren oder ganz neue Richtungen nehmen. Ganz besonders habe ich mich heute über etwas anderes gefreut. Erstmals hat ein Grafik-Atelier eines meiner fotolia-Bilder mit erweiterter Lizenz erworben. Das ergibt 20 credits, von denen mir immerhin noch 10 übrig bleiben. Finde ich ganz toll und zeigt mir einmal wieder, dass mein Blick auf die Dinge für Designer und Grafiker offenbar gestalterisch verwertbar ist. Es handelte sich übrigens passend zur beginnenden Jahreszeit um eine Aufnahme mit zwei herbstlich verfärbten Buchenblättern in sehr warmen Braun-Rot-Tönen. Wir sind uns gar nicht immer bewusst, wie sehr die Jahreszeiten unsere Stimmungen und auch das kreative Arbeiten beeinflussen und anstoßen. Selber einen Beitrag zu diesem Zusammenhang leisten zu können, erfüllt mich mit Freude.

Ablösungsprozesse

Ablösungsprozesse können lange andauern. Glücklicherweise habe ich schon einige Lebenserfahrung, die mir hilft, diese Prozesse schneller und nachhaltiger zu verarbeiten. Und so merke ich, dass das Skorpionhafte in mir gerade in Krisensituationen hervorkommt und mich unterstützt. Ich würde sagen, es ist gerade in solchen Situationen in Hochform. Die Dinge hinter sich lassen, einen Schlussstrich ziehen, einen glatten Schnitt machen, das sind solche Ausdrücke, die die bewusste Ablösung beschreiben. Mir sind solche Ausdrücke sehr sympathisch. Vielleicht weil es mir leichter fällt als anderen. Vielleicht weil ich den inneren Drang zur Umwälzung, zur Transformation, zur Neugeburt aus mir selber habe, und weil mich dies nicht schreckt, sondern besonders herausfordert. Manchmal wünsche ich anderen mehr von dieser Eigenschaft, schon der flüssigeren Kommunikation wegen. Aber gleichartig gepolte sind mir bisher ganz selten und nur in relativ harmlosen Situationen begegnet. Ich habe es schon öfters in ähnlichen Zusammenhängen gesagt: Die Bäume helfen mir gerade in solchen Zeiten sehr, denn sie repräsentieren und vermitteln mir immer wieder sehr eindrücklich das Zeitlose, das von der konkreten Situation Abstrahierende. Sie besitzen jene Weisheit, die Menschen nur nach gewaltigen Feuerproben und oft erst im fortgeschrittenen Alter erreichen, wenn überhaupt. Insofern kann ich von den Bäumen auf eine abstrakte Art sehr viel lernen, so wie in der Vergangenheit einige mir näher stehende Menschen von mir dieses Abstrahieren lernen konnten.

Wein-Lese

Nicht ganz so spektakulär verlief heute die diesjährige Weinlese, am frühen Nachmittag war sie schon beendet. Wir pflegen zwar keinen Weinberg, aber die französische Rebe, die von verschiedenen Punkten aus den ganzen Garten überdacht, versprüht auch ohne dies eine Art Weinberg-Flair, vor allem in der wärmeren Zeit des Jahres. Die vorderen kräftigen Rebstöcke waren schon im Sommer als abgestorben erkennbar, deshalb haben wir sie entfernt. Und das hat die Fruchtmenge erheblich kleiner gehalten. Gut so, denn die ansonsten über 400 Liter Wein waren von V. allein ohnehin nicht konsumierbar. So hält es sich wenigstens in Grenzen, wird allerdings auch wieder durch die immer dichter wachsenden Stöcke am Bienenhaus aufgefüllt. Wie immer haben wir die Stöcke gleichzeitig auch beschnitten. Auch wenn das nicht professionell ist – normalerweise sollen die Säfte sich bis zum Winter in die Wurzelstöcke zurückgezogen haben- handhaben wir das wegen des geringeren Aufwandes immer so. Damit ist das Projekt weitgehend abgeschlossen, eingemaischt sind sie auch schon. Bleibt nur noch das Keltern, und das Lagern im Keller, weswegen wir wohl wieder eine kleine Schlauch-Pipeline werden legen müssen. Aber das erst in den nächsten Tagen.

Herbstanfang

Gestern haben wir es bei der abendlichen Rückfahrt aus G. schon gemerkt: Der Herbst ist da. Mit der herbstlichen Tag- und Nachtgleiche beginnt die Dämmerung schon recht früh, und niemand denkt mehr wirklich an den Sommer, der sich auch aus Sicht der Wettervorhersage nun wohl endgültig verabschiedet hat. Bei dem Spaziergang heute Abend mit V. hat sich unsere Herbststimmung sogleich darin geäußert, dass wir für M. eine bunte Mischung aus mit Frucht behangenen Baum-Zweigen mitgebracht haben, die sie zu einem Strauß zusammen stellen wird: wieder einmal die Heckenrosen, das Pfaffenhütchen, dessen Früchte in diesen Tagen aufbrechen, eine weitere uns nicht bekannte strauchartige Art mit kleinen roten Fruchtbeeren, und beinahe hätte ich auch noch einen Zweig der schwedischen Mehlbeere mitgenommen, aber er war leider nicht erreichbar. Gerade diese Art finde ich auch wegen der parallel einsetzenden Herbstfärbung der Blätter sehr symptomatisch für die Jahreszeit. Ich bin mal gespannt, ob wir in diesen Herbstmonaten diesen Wechsel von kühlen Nächten und relativ milden und sonnigen Tagen haben werden. Dann nämlich wäre ein ,,Goldener Herbst” garantiert. 2005 konnte man diesen kaum wahrnehmen. Damals ging der lange Sommer relativ nahtlos in eine undefinierbare Winterperiode über, die im neuen Jahr kein Ende zu nehmen schien. Mein Wunsch: Diesmal hätte ich gerne wieder richtige Jahreszeiten!

Rätselhaft-spannende Baumbeobachtung

Eine stolze Bilanz: ca. 2,5 Festmeter Brennholz ausgeladen und aufgestapelt, die weißen Weintrauben gelesen, den Eingangstor-Pfosten stabilisiert, einen Kirschbaum im Garten neu eingepflanzt und den Zierapfel beschnitten, einen Spaziergang mit Hund unternommen und dabei einiges Interessantes entdeckt. Zum Beispiel die Früchte des Fliederstrauchs, die ich erstmals fotografisch festhalten konnte:

Fliederfrucht

Oder diese Blüten des mir und W. noch unbekannten und nichtsdestoweniger sehr schönen Strauchs am Rande der Weinfelder:

Unbekannte Blüte

Auch die Walnüsse waren mir heute näher als jemals zuvor. Lange schon bin ich auf der Lauer nach dem richtigen Zeitpunkt, wenn nämlich die grünen Hüllen nach dem Rissigwerden aufplatzen und die braune Nuss im Inneren offen legen. Dank Ws hinweis und Zsaboos Kooperationsbereitschaft konnte ich das Motiv festhalten:

Walnuss im Mantel

Mit am spannendsten an diesem Baum-Tag fand ich aber die skurrilen Muster auf den vom Wurmfraß geprägten Oberflächen einiger Fichtenabschnitte, die mir beim Abladen des Brennholzes ins Auge fielen. Ich konnte nicht umhin, sie zur Seite zu legen und später abzulichten. An Hieroglyphen lassen mich diese Muster denken, wie von Menschen mit hintergründigen Absichten gemacht, wie mit geheimen und von Lebenden nicht mehr entzifferbaren Botschaften ausgestattet, teilweise auch an Höhlenmalerei erinnernd:

Wurmfraß

Wurmfraß

Wurmfraß

Galerie der Raritäten

Es ist ein schwerer Anhänger voll mit Brennholz geworden. Reste unserer vor Jahren gefällten Apfelbäume, einige Fichtenabschnitte, wenige Stücke Eschenholz und auch von dem frischen Buchenholz, das V. vor ca. zwei Monaten erst gespalten hat. Diese Ladung wird die Fahrt um mindestens eine halbe Stunde verlängern. Aber für J. und W. wird es schätzungsweise 2 Jahre lang das Kaminfeuer nähren. Ein Bonbon hat es beim Sägen auch wieder gegeben: Ein kurzer Abschnitt eines noch sehr jungen Weißdornstämmchens ist mir in die Hände geraten, ich konnte es mittels der noch anhängenden Blätter identifizieren. Beim Zählen der Jahresringe bin ich auf 6-7 gekommen. Und V. hat erzählt, er habe es ausreißen müssen, wohl weil es verdorrt war. Immerhin, wenn ich es geschickt anstelle, könnten nach dem Trocknen 2 Armbänder, vielleicht auch nur eines daraus werden. Und wenn es nur für mich selber ist. Der Weißdorn fasziniert mich schon lange, und ein Armband aus seinem Holz reizt mich sehr. Damit wäre die Galerie der Raritäten um ein weiteres Stück gewachsen.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.