Zeitverlust und Beobachtungschancen

Den Entzug von Freizeit stelle ich mir als eine der schlimmsten in der zivilisierten und friedlichen Arbeitswelt möglichen Strafen vor. Was nützt mir ein etwas höheres Einkommen, wenn sein Erwerb mit ellenlangen Fahrten zur Arbeitsstätte und damit verbundenem Verlust von freier Zeit und Energie verbunden ist. Das Einkommensplus kann in dem Moment nur noch kompensierend wirken, nicht aber wirklich zufrieden stellend. Insofern finde ich es nach wie vor die idealste Lösung, wenn man sich in der Nähe des Wohnorts betätigen kann. Ich hoffe jedenfalls sehr, dass mir das erneut gelingen wird, die abendlichen Spaziergänge, die handwerkliche Arbeit während der wärmeren Monate und die Zeit für familiäre Kommunikation möchte ich nicht missen. Ohne diese Zeit wäre auch dieses Baumtagebuch kaum vorstellbar, denn ohne freie Ressourcen an Beobachtungs- und Erfahrungszeit kommen die Bäume zu kurz. Und sie haben zweifellos verdient, dass man sich ihnen zuwendet, sie ernst nimmt, als eigenständige, höchst individuelle und unglaublich souveräne Lebewesen, die eine gewinnbringende Lebensgemeinschaft mit uns einzugehen jederzeit in der Lage sind.

Nivellierung

Die Landschaft zeigt sich derzeit in einem trostlosen Zustand. Beim abendlichen Spaziergang an der Saar waren die kahlen Silberweidensträucher am Flussrand, welche eine leichte Neigung zur Flussmitte hin zeigen, mit Treibholz und sonstigem Schwemmgut zugesetzt, was dem ganzen ein sehr unordentliches Bild verleiht. Ähnlich sieht es aus, wenn nach einer längeren Schneephase selbiger abtaut und platt gedrückte, schlammige Wiesen, pfützendurchsetzte Sandwege und nass-schmutzige Straßen hinterlässt, nur dass in diesem Winter noch kein wirklicher Schnee in unserer Region gesichtet wurde. Einen so eigenartigen Winter habe ich eigentlich noch nie erlebt, der es in keiner Weise vermag, jahreszeitliche Empfindungen irgendeiner Art zu evozieren. Man ist einfach nur sprachlos, weiß nicht, was man davon halten soll und befürchtet eine schleichende, aber zunehmende Nivellierung der jahreszeitlichen Differenzen im Allgemeinen. Das verweist auf nichts anderes als ein langsames Verschwinden der Jahreszeiten und damit der Spannung, welche ich gerade für unsere Breiten immer als so charakteristisch und kreativitätsfördernd angesehen habe. Wir werden lernen müssen, mit der Annäherung an subtropisches Klima umzugehen, und vor allem unsere Traditionen und jahreszeitlichen Rituale nichtsdestotrotz zu erinnern.

Bonsai und das ungute Gefühl

Ich weiß nicht so recht, was ich von der Bonsai-Technik halten soll. Einerseits finde ich dieses Vermögen, einen sonst hoch wachsenden Baum in einer Art Minitaturausgabe zu züchten, außerordentlich eindrucksvoll. Andererseits erscheint mir die Manipulation dabei sehr unnatürlich und irgendwie wie eine Vergewaltigung. Diese Gedanken kamen mir heute Nachmittag, als ich einen Fernsehbeitrag über einen Bonsaiverein sah, welcher sich auf der Grünen Woche in Berlin präsentiert hat. Die Menschen, welche sich diesem Hobby verschrieben haben, gehen offensichtlich mit großer Begeisterung zur Sache und tauschen unaufhörlich Fachkenntnisse aus. Worauf richtet sich dann die Aufmerksamkeit: Auf die Technik des Züchtens und Pflegens oder auf den Inhalt, der transportiert wird, auf die symbolischen Implikationen, die sich mit jedem Baum verbinden? Ich kann die Frage nicht beantworten, und werde sie vermutlich nie beantworten können, denn Vereine sind nicht so ganz mein Ding. Falls das Hobby einen Zugang zur inhaltlichen Seite eröffnen sollte, so erschiene mir das als Pluspunkt, der das eher ungute Gefühl, welches ich mit diesem Thema verbinde, möglicherweise auszugleichen vermag. Sollte aber die technische Seite im Vordergrund stehen, so würden meine Zweifel vorherrschen. Vielleicht treffe ich irgendwann mal einen Bonsai-Liebhaber, der mir seine Motive und Einstellungen näher erläutern kann.

Wunschbaum-Shop in Englisch

Die Inhalte des Wunschbaum-Shops ins Englische zu übersetzen, um die Armbänder auch in englischsprachigen Ländern anbieten zu können, war schon seit Jahren mein Wunsch. Allerdings konnte ich mich einfach nicht dazu aufraffen. Die jetzige Englisch-Lern-Phase hat mir nun den Anstoß gegeben, und so habe ich damit begonnen, die einzelnen Texte zu übertragen. Ohne Zuhilfenahme eines Dictionary ist das freilich nicht möglich, zu viele Wörter sind mir nicht bekannt, oder ich finde nicht die genau treffende Bezeichnung. Dabei habe ich einmal wieder erkannt, wie selbstverständlich man sich doch in der Muttersprache ausdrückt. Wie elaboriert das ist, erkennt man erst bei dem Versuch, dieselben Inhalte in einer fremden Sprache zu fassen, was ganz tiefe Blicke auf die sprachlich vermittelten Unterschiede auch im Denken zulässt. Der Shop bietet sich als Übungsfeld eigentlich an, da sich die Menge des Textes darin in Grenzen hält. So denke ich auch den Rest noch ganz vernünftig schaffen zu können, zumal mir jetzt die Bezeichnungen der einzelnen Lebensbaum-Arten bekannt sind: apple tree (Apfelbaum), fir (Tanne), elm tree (Ulme), cypress (Zypresse), poplar (Pappel), hackberry (Zürgelbaum), pine (Kiefer), willow (Weide), lime tree (Linde), oak (Eiche), beech (Buche), hazel (Haselstrauch), mountain ash (Eberesche), maple (Ahorn), walnut (Walnussbaum), chestnut (Esskastanie), ash (Esche), hornbeam (Hainbuche), fig tree (Feigenbaum), birch (Birke), olive tree (Olivenbaum) und yew (Eibe). Interessant, einige davon kannte ich vom gelegentlichen Blättern in einem aus dem amerikanischen übersetzten Band über Hölzer. Andere wiederum waren mir ganz neu. So freue ich mich auf die Überraschungen, die sich im Zuge dieses Übersetzungsprojekts noch so einstellen werden.

Möglichst viel speichern

Es ist schade, dass ich zurzeit einfach nicht dazu komme, meine inhaltliche Arbeit an den Baumthemen weiter zu führen. Dabei ist es gerade diese Arbeit, die den Kern meines Interesses ausmacht. Das Fotografieren, Tagebuchschreiben, Kunsthandwerken und Webdesignen lässt sich noch ganz gut dosieren und auf verhältnismäßig knappe Zeitressourcen abstimmen. Die Recherche für und das Verfassen inhaltlich anspruchsvoller Texte dagegen erfordert einen größeren Freiraum und ein ,,Dranbleiben”, ähnlich wie bei der Bildhauerei. Dieser Freiraum fehlt mir derzeit, und deshalb liegen diese beiden wichtigen Felder auch brach. Ich versuche diese Lücke ein Stück weit zu kompensieren, indem ich möglichst viele praktische Erfahrungen und Beobachtungen sammle und speichere, die dann später in die künstlerischen und textbezogenen Projekte einfließen mögen. Ich denke, diese könnten dadurch an Qualität gewinnen oder zumindest auf zeitgemäßes Niveau angepasst werden.

Stressabbau und olfaktorische Baumerlebnisse

Im Kurs heute ging’s unter anderem um den Umgang mit Stress, die verschiedenen Möglichkeiten, wie wir Stresssituationen im Berufsalltag und im privaten Leben begegnen können. Da eine Kollegin davon sprach, dass sie die Wahrnehmung von Düften in der Natur oftmals als stressabbauend empfindet, ist mir das Beispiel der Baumblüten des Frühlings und Sommers eingefallen, welche ich ebenso einordnen würde. Ich denke an die Blüten der Linden, des Apfelbaums, des Weißdorns, der Ebereschen und des Flieders, die mir dabei spontan in den Sinn kommen. Jede trägt ihre ganz eigentümliche Duftnote, die in Worte zu kleiden schwer fällt. Wenn man ihn aber zufällig oder bewusst aufnimmt, dann weiß man ihn ganz genau zuzuordnen, denn er ist einzigartig, so wie der Staub verschiedener Hölzer, wenn er etwa beim Schleifen in feine Partikel aufgelöst wird, einen ganz typischen Geruch trägt. Gerade die blütenintensiven Jahreszeiten nutze ich gerne, um diese olfaktorischen Erlebnisse zu pflegen, die mich an die Wurzeln der sinnlichen Wahrnehmungen zurückführen, die bestimmte Zentren des Zentralnervensystems stimulieren, welche, wenn ich es recht erinnere, zu den evolutionär gesehen ursprünglichsten überhaupt gehören. Die damit vermittelte Unmittelbarkeit ist für mich eine der größten Gewinne, welche ich aus meinen Streifzügen durch die Natur ziehe. Und dieser Gewinn umfasst weit mehr, als nur den in anderen Lebensfeldern aufgebauten Stress wieder abzubauen.

Baumpatenschaften

Man hat mich gebeten, auf dieses Aufforstungs- und Patenschaftsprojekt hinzuweisen. Ich entspreche gerne diesem Wunsch, da ich solche Initiativen sehr mutig und selbstlos finde und der Ansicht bin, dass sie zur Bewusstmachung der enormen Bedeutung nachhaltigen Denkens für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft beiträgt:

Baumpatenschaften jetzt auch bundesweit!

Durch das Projekt http://www.baldwald.de ist es möglich, Baumpatenschaften für einem ganz neue Wald einzugehen und die Anpflanzung in den ersten, entscheidenden Jahren zu unterstützen. Die guten und vielfältigen Erfahrungen im Pilotprojekt in Niedersachsen haben jetzt zu einer bundesweiten Ausdehnung des Projektgedankens geführt.

Ab sofort ist es bundesweit möglich für anvisierte Aufforstungsflächen Baumpatenschaften zu vermitteln. Unter www.baldwald.de können sowohl Gesuche nach Baumpatenschaften in der Wohnortnähe als auch Angebote für Baumpatenschaften von Waldgründern abgegeben werden. Das Projekt baldwald – vom Informationsdienst trendbote betreut – bietet neben der Vermittlung auch die Bewerbung, Information und Betreuung der Baumpatenschaften an.

Ziel der Aktion ist es die bundesweit verstreuten Nachfragen nach Baumpatenschaften regional umzusetzen und aufforstungsaktiven Land- und Forstwirten Unterstützung anzubieten. Gefragt sind insbesondere Aufforstungen von neuen Laubwäldern, aber auch andere Pflanzungen (Misch- und Nadelwälder, Unterpflanzungen, Hecken, Alleen, Obstwiesen,..) können mit Patenschaften begleitet werden.

Voraussetzung auf Seiten der Waldgründer ist ein Interesse an den neuen Baumpaten, häufig naturunerfahrene Kinder aus den umliegenden Städten, die eine Baumpatenschaft als Geschenk erhalten haben. So entstehen nicht nur neue Wälder sondern auch neue Bündnisse für eine waldreichere Landschaft und damit ein besseres Klima auf dieser Welt.”

Abenteuer und Wagnisse

Manchmal lese ich monatelang nichts von ihr, und dann kommt doch wieder eines dieser eindringlichen Baumgedichte von Songül. Ich weiß nicht genau, wie viele verschiedene Aspekte der Baumsymbolik sie während der letzten 2 Jahre nun schon aufgegriffen hat, ca. 20 dürften es sein. Aber ich bin immer wieder überrascht, welche Facetten sie dem Lebensbaumbegriff mit Bezug zu ihrem eigenen Leben und Erleben verleihen kann. Heute ist es also der Baum der Veränderungen und des Neuanfangs. In meiner Entgegnung habe ich darauf hingewiesen, dass es genau das ist, was mich persönlich an dem Thema ,,Baumsymbolik” so fasziniert. Die Beschäftigung mit den Bäumen vermag in uns die Fähigkeit zu verstärken, zum Wesentlichen der Dinge zurück zu finden, und mit diesem zum Kern unserer Persönlichkeit und unseres selbst gesteckten Auftrags. Zum Wesentlichen zurück finden heißt, von einer Basis aus auch einmal neu anzufangen, andere vielleicht zuvor nicht geahnte Möglichkeiten auszuprobieren, nicht selten dabei Abenteuer und Wagnisse einzugehen, deren Folgen im Augenblick der Entscheidung nicht gänzlich absehbar sind. So hängen Veränderung und Neuanfang oft eng zusammen und bilden den Schlüssel für eine kreative Persönlichkeitsentwicklung. Genau diese Chance birgt der Lebensbaum-Begriff, sich als Mensch in den Bäumen zu spiegeln und auf diesem Umweg mehr über sich selbst zu erfahren.

Zwischen Technik und Inhalt

Leider konnte ich in meiner Nähe bisher noch niemanden auftreiben, der sich mit dynamischem Webdesign auskennt und mir Hilfestellung geben könnte beim Aufbau der Navigationselemente meines Baumtagebuchs. Nach intensiver Nachforschung in Sachen php, MySQL und Ajax ist es mir nämlich nicht gelungen, soweit durchzusteigen, dass ich das Projekt selbständig durchführen könnte. Verwunderlich ist das wohl nicht, wenn ich, wie kürzlich geschehen, Stellenanzeigen lese, in denen explizit Fachleute mit Kenntnissen in genau diesen Technologien gesucht werden. Es durch Selbststudium zu durchblicken, ist da wohl etwas zuviel verlangt. Solange dies aber nicht gelöst ist, werde ich lediglich an den Inhalten weiter arbeiten können. Neben den täglichen Einträgen ist da noch vieles zum Themenfeld ,,Bäume und Zeit” zu sagen, vor allem in Form neuer Texte, die erst noch zu schreiben sind. Aber auch zu meiner persönlichen Beziehung zu den Bäumen habe ich noch einiges zu ergänzen. Später will ich auch die grafische Gestalt der Seite weiter verfeinern und einzelne Inhalte mit Fotografien und eigenen Grafiken stärker illustrieren. So hoffe ich, einen ganz bestimmten Aspekt der Baumsymbolik näher beleuchten und für interessierte Besucher der Seite attraktiv machen zu können.

Baum-Accessoires

Der Vormittag lud einfach zu einem Spaziergang ein, wegen des offenen Himmels und des angenehmen Lichts, das so selten war in den vergangenen Wochen. Ich habe, wie so häufig an Sonntagvormittagen, meinen Lieblingsweg gewählt und zur Übung meine schwere Kamera-Reportertasche mitgenommen. Damit ich nicht ganz aus der Übung komme mit dem Fotografieren. Die Ruhe während des Gangs hat mir sehr gut getan, auch die durchgehende Freundlichkeit der mir entgegenkommenden Spaziergänger und Läufer, die mich ausnahmslos gegrüßt haben, was ich bisher noch nicht häufig erlebt habe. Ich denke, die Menschen haben sich einfach über den schönen Tag gefreut und das hebt automatisch die Stimmung. Auf dem Weg, der auf Grund der Jahreszeiten an Attraktionen nicht reich war, sind mir zwei kuriose Motive vor die Linse gekommen: Accessoires, wenn man so will, die ihrem gewöhnlichen Kontext beraubt sich nun jeweils an einem Baumzweig wiederfanden. Das eine konnte ich als textilummantelten Haargummi identifizieren, der zusammen mit einem Haar seiner offensichtlich schwarzhaarigen Trägerin einen dünnen Zweig zierte:

Haargummi-Zweig

Skurril fand ich nicht nur den Haargummi an sich, sondern auch seine neonartige Farbe, die in so wunderbarem Kontrast zur Tristesse der natürlichen Umgebung stand. Was mag die Frau wohl dazu bewogen haben, ihren Haargummi an dieser Stelle der Natur zu überlassen? Einige Schritte weiter fiel mir dann ein Zweig auf, der von einem Klebeband der Marke Eurasol derart ,,gemarktet” war, wie es bei Baumschulen zur Kennzeichnung der jeweiligen Pflanze, dann allerdings mit beschrifteten Papierstreifen, üblich ist. Natürlich handelt es sich hier nicht um einen Baumschulenbaum. Vielmehr muss das Klebeband mit dem High-Tech-Klebstoff von irgendwelchen Arbeitern hier angebracht worden sein. Auch hierüber kann ich nur spekulieren:

Eurasol-Zweig

Voll-Holz-Baum-Tag

Das war wieder einer dieser Voll-Holz-Baum-Tage. V. hatte die Bäume in den vergangenen zwei Wochen schon alle geschnitten und drei oder vier von ihnen ganz gefällt. Es ist recht kurios, dass er jedes Jahr wieder neu starke Äste entfernt, die Bäume immer schlanker und niedriger macht, um sich die Arbeit zu erleichtern, es aber in der Regel nicht fertig bringt, sie ganz zu beseitigen. Es ist dann so, als ob er einem inneren Zwang folgt, den wohl keiner von uns jemals wird nachvollziehen können, der aber zweifellos vorhanden ist. Wie auch immer, heute ging’s, wie jedes Jahr um diese Zeit, darum, die geschnittenen Äst auf zwei verschiedene Haufen zusammen zu tragen und dort dann zu verbrennen. Letzteres hat sich als sehr schwierig herausgestellt, das Feuer wollte einfach nicht in Gang kommen, und deshalb haben wir den zweiten Haufen auch nicht mehr geschafft. Der erste dagegen ist jetzt nur noch ein Häufchen weiß-grauer Asche. Dass ich den Fotoapparat nicht dabei hatte, war kein wirklicher Verlust, der Vorgang des Verbrennens war diesmal so unspektakulär, dass ohnehin keine nennenswerten Aufnahmen dabei hätten entstehen können. Während sich das feinere Astmaterial in diesem Jahr durchaus in Grenzen hielt, ist durch die gefällten Bäume doch jede Menge an Stammabschnitten angefallen. V. hat die Stämme und starken Äste noch mal in kleinere Abschnitte zerteilt, was für das Stapeln günstiger ist. Danach haben wir alles aufgeladen und zum Bienenhaus gefahren, ganze zwei Anhängerladungen kamen zusammen, und das heißt natürlich auch zwei mal fahren. Der Brennholzvorrat dürfte damit auf eine für drei Winter ausreichende Menge angewachsen sein. Recht anstrengend und schwer das Ganze, aber nach einer Woche Vollzeit-Englisch ist mir diese Freiluft-Aktion ganz gut bekommen. Jetzt noch ein längerer Spaziergang am morgigen Sonntag, und das Wochenende ist gerettet.

Überdurchschnittlich

Der Winter wird in der Form, wie man sich das gewöhnlich vorstellt, wohl dieses Jahr nicht mehr kommen, auch wenn die polare Kaltluft bis Mitte kommender Woche im Anzug ist. Ich stelle mich deshalb auf eine ganze Reihe ziemlich durchwachsener Wochen ein, die von mäßigen Temperaturen, Hochnebel, wenig Sonne und der damit verbundenen Dauerdepression vieler Menschen verbunden sein werden. Damit ist die Chance auch stark reduziert, dass ich in absehbarer Zeit wieder zum Fotografieren kommen könnte. Mein Rang bei fotolia ist schon gefährlich abgesunken, weil ich nun schon Monate lang keine neuen Fotografien mehr hochladen konnte. Erstaunlicherweise kommen, trotz der dort ständig wachsenden Archivzahlen, ab und zu doch noch Interessenten auf die Idee, meine Baum- oder Blattfotos herunter zu laden. Das ist mir eine Bestätigung, dass die Qualität wohl als überdurchschnittlich eingeschätzt wird, denn immerhin müssen sich die Motive gegen eine Konkurrenz von derzeit 2,3 Millionen Fotos durchsetzen. Und wie ich gerade sehe, sind nun auch noch Italien, Portugal und Brasilien als neue Länderdependencen hinzugekommen. Damit ist der weltumspannende Charakter dieses spannenden Projekts wohl endgültig etabliert.

Ungewohnt

Na ja, da können einem die Baum-Themen wirklich ausgehen. Die kurzen Pausen sind kaum lang genug, um etwas Luft zu schnappen und Energie zu tanken. Immerhin nutze ich diese Gelegenheiten, um zu den Grenzen des Dorfs vorzudringen, auf recht bäuerlich anmutenden Feldwegen und kleinen Straßen. Dass mir auf diesem Weg auch Bäume begegnen, kann die Tatsache leider nicht ausgleichen, dass mir gegenwärtig der Kopf nicht danach steht, meine Aufmerksamkeit in intensiver Form auf diese wenigen Eindrücke auszurichten. Das trübe Wetter tut sein Übriges hierzu. So freue ich mich auf das Wochenende, hoffentlich etwas mehr Sonne, und ein wenig Abstand gegenüber der recht ungewohnten Art, den Tag zu verbringen.

Das Ende der Jahreszeiten-Jahre

Jedes Jahr hat seinen ganz eigenen Charakter. Geprägt wird dieser von den unvorhersehbaren Abfolgen klimatischer Verhältnisse, aber auch und vor allem von persönlichen Entwicklungen und Eindrücken. Dies konnte ich in der Vergangenheit immer wieder feststellen: Umweltwahrnehmung und Selbstwahrnehmung hängen ganz eng miteinander zusammen, beeinflussen sich gegenseitig in großem Maße. Es gab Jahre, die ich als Frühlingsjahre bezeichnen würde, weil das Frühjahr der Zeitraum meiner größten Aufmerksamkeit gegenüber der Natur war, etwa weil ich mir vorgenommen hatte, die Blüten der Bäume und Sträucher genau zu beobachten und mein Archiv von Makro-Fotografien derselben sukzessive zu erweitern. Das war sehr spannend, denn dabei gab es natürlich auch immer wieder Neues zu entdecken und Gesehenes zu bestimmen. Am Ende stand dann ein umfangreicheres Bild dessen, was ,,Frühling” bedeutet, ein Bild, das ich in der Folge abrufen konnte. In ähnlicher Form gab es Sommer- und Herbstjahre. Allerdings an ein echtes ,,Winterjahr” kann ich mich eigentlich nur in meiner Kindheit erinnern. Damals waren die ,,Winterjahre” allerdings nicht von der Naturbeobachtung, sondern eher von kindlichen Wintersportaktivitäten, sprich Schlittenfahren, und dem Besuch zugefrorener Seen im Wald geprägt und sind in dieser Form in die Erinnerung eingegangen. Seit 2-3 Jahren nun kann ich diese Jahreszeiten-Jahre nicht mehr wirklich erkennen, möglicherweise weil sich die Jahreszeiten zunehmend einander annähern, der aktuelle Winter z. B. zeitweise frühlingshafte Züge trägt, die Herbste der letzten Jahre häufig zur Hälfte sommerlich ausfielen, und auch der Sommer zumindest in einem Fall als durchwachsener Frühlings-Herbst erfahren werden musste. Die Jahreszeiten und mit ihnen die typischen periodischen Differenzen des Klimas gehen langsam, aber erkennbar verloren. Eine Angleichung, die mir eine Entsprechung auf der ökonomisch-sozialen Ebene unseres Daseins zu haben scheint.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.