Arbeit und Freizeit

Immer wieder dieses Zeitproblem, das in einem der heutigen Gespräche mit den Kollegen wieder Gegenstand war. Seit Beginn dieser Fortbildung hat niemand mehr die nötige Zeit, um die Dinge des Alltags vernünftig zu regeln. Da ist es kein Wunder, dass meine kreative Arbeit zurzeit völlig flach fällt und es auch kaum möglich ist, die Fotoausrüstung mitzuführen, um unterwegs interessante Motive festzuhalten. Das empfinde ich wirklich als Verlust, denn keines der so verpassten Dokumente lässt sich später rekonstruieren, es bleibt einfach fehlend. So wünsche ich mir die Zeit zurück, die bei geregeltem und einigermaßen routiniert ablaufendem Arbeitsalltag übrig bleibt für Aktivitäten, die nicht dem Broterwerb dienen, sondern einfach nur Sinn machen. Freilich ein subjektiver Sinn, der aber gerade wegen dieser Subjektivität enorme Bedeutung für die Entwicklung der Persönlichkeit hat, so wie für mich die Beschäftigung mit den Bäumen und ihrer Symbolik. Beides gehört meiner Erfahrung nach zusammen: Die geregelte, gesellschaftlich auf einer breiten Akzeptanz und deutlichen Nachfrage basierende Arbeit, und eben das, was wir Freizeit nennen könnten, was für mich aber ebenso ein aktives, sinnvolles und vor allem kreatives Tun bedeutet, das in seiner Wertigkeit der Erwerbsarbeit in Nichts nachsteht. Beides gleichermaßen zu ermöglichen und die richtige Balance zwischen beidem zu finden, ist die große Kunst. Gegenwärtig geht es bei mir vor allem um das Ermöglichen, das ich mir für die nähere Zukunft flüssiger und ermutigender wünsche.

Die Welt des Ästhetischen

Es freut mich, dass meine Baum-Fotografien auf fotolia immer noch interessieren. Das Haselblatt habe ich nun schon zum sechsten Mal verkauft, und der Querschnitt einer Kiefer mit den Jahresringen und den Astansätzen auch schon zum dritten Mal. Das zeigt mir, dass es sich bei dieser Auswahl um zeitlose Motive handelt, die in allen möglichen Kontexten Verwendung finden können. Nun freue ich mich auf den Frühling mit hoffentlich neuen Eindrücken, gutem Licht und der nötigen Zeit, Spaziergänge zu unternehmen, um Neues und Unverhofftes zu finden. Denn das ist es, was das Auge anregt und die Herzen bewegt: die echten Schnappschüsse, gerade das, was sich nicht planen lässt, was der Gunst des Augenblicks zu verdanken ist. Das habe ich schon bei den Weihnachtsmotiven festgestellt, gerade das Foto von Js Adventskranz, welches ich am Nachmittag des Heiligen Abends aufgenommen habe, unter dem Eindruck der speziellen Atmosphäre und Stimmung dieses Tages, ist mein bisher erfolgreichstes. Viele vermochten wohl anhand des Fotos ihre eigene Idealvorstellung von Advents- und Weihnachtszeit zu aktualisieren. Für mich ist das eine Bestätigung, die mich vermuten lässt, einer nicht näher bezeichneten Gruppe anzugehören. Einer Gruppe von Menschen, die sich in der Welt des Ästhetischen wohl fühlen, könnte ich es abstrakt aber treffend in Worte fassen. Eigentlich ist dies das einzige, was ich als wirklichen roten Faden in meinem Leben, mindestens seit meiner Klavier spielenden Jugendzeit, ausmachen kann, und das bleibende Gültigkeit und Wichtigkeit besitzt. Ohne diese Welt und den zugehörigen Sinn wäre das Leben nur halb so wertvoll.

Der nötige Abstand

Allmählich stauen sich bestimmte Aufgaben, die gleichzeitig zu erledigen mir gegenwärtig nicht gelingen will. Immerhin hoffe ich heute die beiden Armbänder noch einfädeln zu können. Anderes, wie die Aktualisierung meiner privaten Profilseite in Sachen Tagebuch, muss einfach noch warten. Und da wären ja auch noch Unmengen an neuen Baum- und Feiertags-Fotografien, die ich eigentlich alle noch einmal sichten, neu sortieren und für das Veröffentlichen aufbereiten müsste, einige davon könnte ich mir auch für fotolia vorstellen. Nun ja, alles hat seine Zeit, und sich zu überschlagen macht eben keinen Sinn, schon gar nicht, wenn es um themenzentrierte Bereiche geht. Für die muss man einfach die gewisse Ruhe und ein gutes Stück Abstand mitbringen, wenn sie Sinn machen und mitteilbar sein sollen. Diese Zeit wird wieder kommen, da bin ich sicher, und bis dahin versuche ich, wie gestern schon festgestellt, neue Eindrücke zu sammeln, mein Spektrum um weitere Facetten zu erweitern.

Neues Lernen

Obwohl das Luxemburgische als Fremdsprache wirklich gewöhnungsbedürftig ist und nicht nur mir die Lehrveranstaltung ziemlich unwahrscheinlich vorkommt, ist es mir während der Mittagspause dennoch gelungen, die spärlichen optischen Eindrücke der Baumlandschaft zu genießen. Wieder ist mir diese weiße Blüte mit den gelben Staubblättern ins Auge gefallen. Diesmal war ich mir aber gar nicht so sicher, ob es sich um einen Birnbaum handelt oder doch um eine andere Art. Schade, dass diese Pause einfach zu kurz ist, um noch mit dem Fotoapparat loszuziehen. So gehen mir derzeit, und noch bis mindestens Ende Mai, während der Woche eine Menge Bilder verloren, die sich zwar dem Gedächtnis einprägen, mangels der Aufnahme aber nicht mitteilbar sind. So lange versuche ich auf der inhaltlichen und kommunikativen Ebene Neues zu lernen, in der großen Hoffnung, dass dieses Neue in meine künftige Arbeit und meine Einstellungen und Motivationen in positiver und kreativitätsfördernder Weise einfließen wird.

Frühblüher

Der sonnige Nachmittag hat jede Menge Menschen nach draußen gelockt, zu Spaziergängen, zum Joggen und zu Ausflügen eingeladen. Ich habe den Weg der Saar entlang gewählt, in der Hoffnung an der Schleife übersetzen zu können, aber die Fähre war leider noch nicht in Betrieb. Leider zeichnet die Vegetation derzeit noch ein recht trostloses Bild. Daran erkannt man, dass der Winter sich noch nicht wirklich verabschiedet hat. Besonders tapfere Bäume aber trotzen dem und bilden jetzt schon Blüten aus. Beim Weißdorn sind die Knospen schon zu sehen, wenn jetzt die Sonne regelmäßig kommt, werden die Blüten sich bald entfalten:

Weissdornknospen

Dieser direkt am Fluss stehende wilde Birnbaum hat die seinen schon geöffnet:

Birnbaum-Blüte

Die Weidenkätzchen sind ohnehin immer unter den ersten, sie haben mich insofern nicht wirklich überrascht:

Weidenkätzchen

Diese hier sind keine Blüten, sondern die haarigen und silbrig im Licht schimmernden Fruchtstände der Gemeinen Waldrebe, die mich in allen ihren Erscheinungsform zu allen Jahreszeiten begeistert:

Frucht der Gemeinen Waldrebe

Schnittkünste

Nun habe ich es doch erledigt, bevor die immer höheren Temperaturen die Bäume endgültig dazu bewegen, neue Triebe auszubilden. Beim Feigenbaum, der ohnehin sehr wuchsfreudig ist, konnte man die ersten schon sehen. Diesen habe ich dann auch am stärksten geschnitten, vor allem die aus dem Wurzelstock kommenden langen Ausläufer, die dabei waren, den Baum in einen dichten Busch mit vielen kleinen Stämmchen zu verwandeln. Auch die hohen Äste habe ich stark ausgedünnt, die bestehenden aber noch nicht in der Länge gekürzt. V. meint, dass könne man durchaus auch tun, die neuen Triebe würden sich trotzdem seitlich ausbilden. Ich bin mir da nicht so ganz sicher. Der kleine Ginkgo, welcher bisher im Schatten des Feigenbaums und des noch mächtigeren Nashibaums steht, ist nun zwar noch magerer, ich gehe aber davon aus, dass das Entfernen der in der Mitte des Stamms austretenden Seitenäste nun mehr Wachstumskraft in die Krone wird fließen lassen, den Stamm kräftiger machen wird und vor allem dem Mitteltrieb einen kräftigen Höhenschub verleiht. Damit er allmählich dem typischen Erscheinungsbild der großen schlanken Ginkgos näher kommt. Besonders viel war beim Maulbeerbaum zu tun, dessen Spitze nur mit einer Leiter zu erreichen war. Den Mitteltrieb habe ich nur um etwa 1/3 gekürzt, alle umliegenden sehr steil gewachsenen Äste aber deutlich gekappt, und alle kleineren seitlich auslaufenden Zweige entfernt. Jetzt bin ich gespannt, wie er sich im Laufe des Jahres entwickeln wird, und vor allem natürlich, ob im Sommer schon erste weiße Maulbeeren zu erwarten sind. Mit den Armbändern bin ich schon ziemlich fortgeschritten, nur der letzte handwerkliche Arbeitsgang fehlt noch, der allerdings immer wieder am nervenaufreibendsten ist und ziemlich viel Zeit erfordert, ich habe ihn deshalb auf die kommenden Tage verlagert. Bei der Gelegenheit, weil die Maschine schon einmal eingerichtet war, habe ich noch einen weiteren Stab aus Eberesche gedrechselt, aus dem am kommenden Wochenende ein Armband für C. entstehen wird, die Anfang April Geburtstag hat, zu dem ihr M. das Armband als Geschenk in die USA schicken will.

Ein Hauch von Luxus

Es trifft sich ganz gut, so zum Wochenende hin, dass jetzt eine Bestellung eingegangen ist, die die diesjährige Frühjahrs-Saison einleiten wird. Zwei Armbänder aus dem Holz des Walnussbaums, die ich gerne herstelle, da dieses heimische Holz sehr gut zu verarbeiten ist und zudem ein stabiles Ergebnis bringt. Der Oberflächenglanz der polierten Perlen ist seidig schimmernd und verleiht dem Holz einen Hauch von Luxus, wenn ich das so sagen kann. In jedem Fall wirkt es sehr edel, selbst in dieser winzigen trommelförmigen Dimension, die natürlich die bei flach polierten Elementen sehr deutlich hervortretenden Maserungen nicht in derselben Form erkennen lässt. Stattdessen tritt die Feinstruktur schön hervor und ergibt, insbesondere nach dem Ölbad, einen dezenten Kontrast zwischen Hell- und Dunkelbraun. Nun also gleich zwei Armbänder derselben Art, für eine Frau und einen Mann. Es würde mich schon interessieren, wie diese Gleichsinnigkeit zu erklären ist, durch einen Geburtstag in derselben Dekade oder doch eher symbolisch motiviert. Na ja, es steht mir nicht zu, genauer nachzufragen. Wichtig ist letztendlich, dass die Armbänder ihre verbindende Wirkung entfalten. Ich hoffe, dies wird auch in diesem Fall gelingen.

Geduld

Wahrlich, meine Geduld wird derzeit wirklich auf die Probe gestellt. Da kommt das Songüls Gedicht ,,Der Geduldsbaum” gerade zum richtigen Zeitpunkt. Ich möchte es an dieser Stelle wiedergeben, denn ich denke, es könnte dem einen oder anderen ebenso ansprechen:

Der Geduldsbaum

Schon wieder denkst Du über Dein Leben nach,
heute vergeht der Tag eintönig, was jedoch kommt danach?
Damit Du Deine so wunderbare Kraft nicht verlierst,
durch baldige Veränderungen Dein Leben besser organisierst,
werden wir jetzt ein kleines Ritual durchführen,
noch vor Beginn der Veränderung wirst Du Deinen Neubeginn schon spüren:

Nimm meine Hand und begleite mich ein Stück,
es ist der Weg – der Weg zu Deinem persönlichen Glück!
Bleib jetzt stehen und atme tief ein,
die Luft wird Dich von Deinem alten Stress befrei’n.

Riechst Du diese unbeschreiblich herrliche Luft?
Er kommt von diesem Baum, ein wirklich zauberhafter Duft!
Der Baum, vor dem wir stehen, ist der Geduldsbaum,
ab jetzt befinden sich Deine Sorgen außerhalb Zeit und Raum!

Entspanne Dich für einen Moment,
rede Dir ein, dass kein einziges Problem Dich mehr kennt.
Wünsch Dir etwas und versprich Dir, dem Zeit zu geben,
sei versichert, dass dieser sich erfüllt und genieß geduldig Dein Leben.

von Songül

Licht und Dunkel

Die Kurskollegin hielt sich am Vormittag die Hände vors Gesicht, weil sie von der Sonne geblendet wurde. So ist es zurzeit, dass Regenstürme sich mit lichten Phasen abwechseln. Eigentlich mag ich das, deshalb würde ich auch niemals die Hände vors Gesicht führen, im Gegenteil genieße ich das Gegenlicht, mag ich die Wärme, die es erzeugt, und diese meist nur kurz anhaltende Helligkeit, die urplötzlich alles auflöst und das körperliche Sein zu transzendieren scheint. Auch die Beobachtung von Bäumen, die Wahrnehmung derselben bei Spaziergängen und Wanderungen, lebt wesentlich vom Licht, weswegen ich auch selten einen solchen Gang unternehme, wenn der Himmel vollständig bedeckt ist. Unter der Bedingung kann der Gang nicht erholsam und die Beobachtung nicht gewinnbringend und tiefgehend sein. Ich glaube es liegt daran, dass die Bäume ihr Sein und Wachsen wesentlich dem Licht zu verdanken haben und in ihrer Biomasse ebenso wie in ihrer Ästhetik das Lichte repräsentieren, unabhängig von sonstigen möglicherweise gegenläufigen Implikationen bestimmter Arten. Und vielleicht gilt ja in meinem Fall tatsächlich ,,nomen est omen”, und mein Lieblingsthema ist eine Art Lebensprogramm, das ich in Form meines Nachnamens ständig mit mir trage, eng geführt am Beispiel der Bäume. Na ja, auch unabhängig von diesem speziellen Themengebiet glaube ich eine besondere Verbindung zur Differenz Licht/Dunkel oder Leben/Tod zu haben, die in verschiedensten Lebensbereichen und kommunikativen Kontexten bereits zum Vorschein gekommen ist.

Mensch-Umwelt-Einheit

Seltsam, jedes Jahr ist da anders. Wenn in einem die Menschen trotz strengen Winters bereits sehr früh auf die Idee kommen, sich ein Armband zu bestellen, dauert es im nächsten möglicherweise bis zum Frühjahr, so wie in diesem Jahr. Damit ist meine Theorie, dass die Lust am Thema ,,Bäume und Holz” in einem direkten Verhältnis zur Lichtintensität und damit auch zur Außentemperatur steht, widerlegt. Andererseits hat dies nicht viel zu bedeuten, denn es kann durchaus sein, dass sich gegen Mitte des Jahres die Anfragen häufen. Von der Theorie mit den schwankenden globalen Schwingungen, die ich schon vor längerem aus meiner Erfahrung abgeleitet habe, ist da schon mehr zu halten. Tatsächlich kann ich immer wieder beobachten, dass sich die Grundstimmung der Menschen, quer durch die Altersgruppen, Nationalitäten und regionalen Zuordnungen, häufig ähnelt, es so etwas wie eine kollektive Stimmung gibt, ähnlich dem ,,kollektiven Gedächtnis”. Und sicher werden sich die vergangenen Stimmungen, wenn sie denn wirklich abgelöst werden, dann auch dem kollektiven Gedächtnis einprägen und es erweitern. Und wenn ich mich frage, wie es möglich sein kann, dass große Gruppen ganz unterschiedlicher Menschen auf eine Linie eingestimmt sind, dann fallen mir eigentlich nur die für uns alle natürlichen Lebensbedingungen ein. Deshalb glaube ich schon, dass klimatische Veränderungen, die wiederum Folgewirkungen im ökologischen Gesamtsystem zeigen, sich auf die Denk- und Empfindungsart der Menschen auswirken. Und auf Grund dessen ist es auch möglich, durch Kommunikationsangebote wie diese Themenseite etwas stärker bewusst zu machen, was ohne hin vorhanden ist: Die Herkunft aller Menschen aus einer einzigen Quelle, und gleichermaßen gestaltete Abhängigkeit aller von wenigen wirklich prägenden Faktoren unserer natürlichen Umwelt, deren Teil wir selber sind.

Synchronizität und Schnappschüsse

Diesmal war es eine spanische Firma, die eines meiner Frühlingsbilder über fotolia erworben hat. Erfreulicherweise eine erweiterte Lizenz, was mir immerhin 10 credits einbringt und mein Erfolgskonto entsprechend auffüllt. Natürlich ist das alles nur zum Spaß, deshalb ist für mich am spannendsten zu sehen, welche Firmen aus welchen Ländern und Branchen sich für die Bilder interessieren. Es zeigt mir immerhin, dass mein eigenes ästhetisches Empfinden durchaus mit der Denkart von Werbe- und Kreativagenturen bzw. PR- und Marketingabteilungen von Unternehmen kompatibel ist, was mich indirekt irgendwie darin bestätigt dazu zu gehören. Tatsächlich sind es vor allem die Schnappschüsse, die im richtigen Augenblick erwischten Eindrücke, die mit am eindrucksvollsten wirken und dann auch angefordert werden. Geplante Aufnahmen können dagegen niemals dieselbe Selbstverständlichkeit transportieren und wirken eher statisch. Dieses Frühlingsfoto mit der Makroaufnahme eines blühenden Zierkirschenstrauchs stammt von einem meiner mittäglichen Streifzüge durch D., die mich regelmäßig an diesem Parkstreifen vorbeigeführt haben. Die gleiche lichte Transparenz, welche die rosafarbenen Blüten geradezu zum Leuchten bringt, habe ich später nie mehr an dieser Stelle beobachtet. Das war insofern eine wirkliche Synchronizität, wie ich sie in wechselnden Zusammenhängen schon häufig bei der Beschäftigung mit den Bäumen meiner Lebenswelt erfahren durfte.

Zwischen Pracht und Vereinfachung

Das kleine Kartenspiel mit den Baummotiven und die Lesezeichen mit Abbildungen vegetabiler Formen gehören zu den Mitbringseln aus der nachmittäglichen Museumstour. Auf das vorangehende Erlebnis sind sie freilich nicht bezogen, denn das bestand im Besuch der Ausstellung ,,Macht und Pracht” im Weltkulturerbe Völklinger Hütte, die glücklicherweise verlängert wurde, sonst hätte ich sie nämlich verpasst. Kaum vorstellbar, wie aufwändig, kostbar, filigran, exotisch und kunstfertig Kunst-, Repräsentations-, Alltags- und Gebrauchsgegenstände des 19. Jahrhunderts gefertigt sein konnten, vorausgesetzt sie wurden von den Mächtigen in Auftrag gegeben und von Meisterwerkstätten realisiert. Vor allem kaum vorstellbar, dass heutzutage jemals wieder ein solches Niveau kunsthandwerklicher Perfektion erreicht werden könnte. Auf der Rückfahrt haben wir spekuliert, woran es wohl liegen könnte, dass heute niemand mehr auf die Idee käme, einen Tisch dekorierende Objekte zu schaffen, die in Silber gedrückt, getrieben, ziseliert, teilvergoldet, emailliert, mit Edelsteinen besetzt, mit eingelassenen Elfenbein-Schnitzereien und Elementen aus geschnittenem Bergkristall verziert und mit ungewöhnlichen Naturmaterialien wie Büffelhörnern kombiniert sind. Unwahrscheinlicher Fleiß und ein kaum noch nachvollziehbares handwerkliches Können müssen dahinter gesteckt haben, aber eben auch der unbedingte Wunsch, etwas Einmaliges, Neues, Anregendes zu schaffen. Und dies in einer Zeit, in der eine Weltausstellung wirklich noch ein Ort zum Auffinden bisher nicht Gesehenen gewesen ist. Im Zeitalter der Globalisierung, der elektronischen Vernetzung und der medialen Verbreitung von Geschehnissen selbst aus den entlegensten Winkeln der Erde, können solche Bedürfnisse einfach nicht mehr aufkommen. Der Prunk und die Pracht dieser Zeit, die uns in Form solcher Objekte heute Gott sei Dank noch zugänglich ist, ist nicht wiederholbar, weil wir heute gerade das Gegenteil wollen: die Dinge vereinfachen, die ungeheuer kompliziert gewordene Welt wieder auf verstehbare Konstanten, Denkmuster und Vorstellungen reduzieren, um erneut und unter aktuellen Bedingungen verstehen zu können, wohin wir gehen und welche Rolle wir im Weltgeschehen dabei sind zu spielen. Der Rückblick in vergangene Zeiten kann helfen, genau diese Frage ins Bewusstsein zu holen. Deshalb bin ich sehr dankbar für Ausstellungen dieser Art und den Machern, die sehr viel Energie und Kreativität in deren Realisierung einbringen.

Über unseren Umgang mit Zeit

Die veränderte Wahrnehmung der Lebenszeit, insbesondere das Verhältnis von Arbeit zu freier Zeit, scheint gegenwärtig ein journalistisch relevantes Thema zu sein. Und damit möglicherweise eines, das die Menschen im Land bewegt. Gleich in zwei Zeitschriften mit konfessionellem Hintergrund habe ich heute Artikel zu dieser Frage gelesen. Einer geht der Frage nach, wie verschiedene europäische Kulturräume mit der Zeit umgehen und stellt fest, dass wieder einmal auch in dieser Frage die Deutschen exportverdächtige Begriffe wie ,,Zeitsouveränität” kreieren, das Zeitphänomen der Zeitlosigkeit und der schwindenden Pausen also offenbar schärfer fassen können als andere, sie gleichzeitig aber mit am deutlichsten unter dem Phänomen leiden. Ein weiterer Artikel zitiert einen Brief des Bernhard von Clairvaux, den dieser an seinen früheren Mitbruder, Papst Eugen III., gerichtet hatte. Darin mahnt er ihn mit Bezug zu bestimmten Bibelworten dazu, sich auch Zeit für sich selber zu lassen, statt sich immer nur in Geschäftigkeit zu ergehen oder sich in übertriebener Attitüde ausschließlich den Nächsten zu widmen, vergessend, dass er selber ein Mensch sei. Diese Empfehlung steckt voller Weisheit, denn die Zeitlosigkeit für sich selber und das eigene Reflektieren bedeutet auch eine Entfernung von Gott. Die Reflexion kann die Tür öffnen für eine Erkenntnis des eigenen Stellenwertes, dem deutliche Grenzen gesetzt sind. Insofern ist die Platzierung eines weiteren Zitats von Rabindranath Tagore zur Illustration dieses Artikels sehr geeignet. Es ist ein Zitat, das den Kern des wunderbaren Kurztextes über die Baumblüte ,,Schweig still mein Herz, die Bäume beten. Ich sprach zum Baum: Erzähl mir von Gott. Und er blühte.” auf das Blühen der Blumen überträgt und darin mindestens genauso eindrücklich zum Ausdruck bringt: ,,Nein, nicht euch ist es bestimmt, die Knospen zu erschließen zu Blüten. Schüttelt die Knospen, schlagt sie! Es geht über eure Macht, sie blühen zu machen. Eure Berührung beschmutzt sie nur. Er, der die Knospen öffnen kann, tut es einfach so: Er schenkt ihnen einen Blick, und der Lebenssaft strömt durch ihre Adern! Auf seinen Hauch hin breitet die Blume ihre Flügel aus und flattert im Wind. Farben brechen heraus wie Sehnsüchte. Der Duft verrät ein süßes Geheimnis. Er, der die Knospen öffnen kann, er tut es so einfach.” Nach solchen Worten mag man gar nichts mehr sagen, so großartig hat der Dichter Wesentliches in Sprache gefasst.

Wann zurückschneiden?

Ich weiß nicht recht, ob V. Recht hat und ich es jetzt schon wagen kann, den Feigenbaum und den empfindlichen neuen Maulbeerbaum zurück zu schneiden. Letzterer ist an einer ziemlich den kühlen Winden ausgesetzten Lage eingepflanzt, so dass ich es nur ungern riskiere. Die Empfehlung der Baumschulenfachfrau war, bis etwa Ende März zu warten, wenn man davon ausgehen kann, dass die letzten Fröste hinter uns liegen. Vs Argumente es jetzt schon zu tun waren 1., dass er selber das immer schon so gehandhabt habe, und 2., dass die Bäume möglicherweise bald schon im Saft stehen und neu treiben. Was soll ich dazu sagen, ich weiß es nicht, aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass das der ganze Winter schon gewesen sein soll. Bei einem solchen fast frühlingshaften Tag wie heute könnte man davon ausgehen, nur der Blick auf den Kalender lässt große Zweifel aufkommen. Ich hoffe einfach den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, das Schneiden selber ist ja auch schnell erledigt. Bis dahin versuche ich die durchaus vorhandenen Reize der winterlichen Landschaft fotografisch und textlich festzuhalten, bis der Frühling wieder ganz anderen Stoff bietet für meine vielfältigen kreativen Projekte.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.