Enttäuschung erspart

Heute habe ich die ersten 6 Zählstriche auf unserem Küchennotizbrett gemacht. 5 reife Feigen konnten geerntet werden, die sechste ist von vor ca. 2 Monaten – die einzige Vorfeige, die kurioserweise reif wurde. So ist uns wenigstens die Enttäuschung erspart geblieben, keine einzige Frucht in diesem Jahr ernten zu können. Gespannt bin ich, ob sie auch schmecken. Als letzte sonstige Obst-Aktion hat V. heute einige Eimer mit dicken Birnenquitten mitgebracht. Ich denke, damit ist die Saison dann endgültig beendet, zudem auch die Äpfel alle schon durch sind. Es ist auch genug jetzt, wo die weiteren Vorbereitungen für den Winter (Gräber, Wasservorratsbehälter, Springbrunnen) noch bevorstehen, und bald darauf auch schon die Adventszeit beginnt. Da warten noch ausreichend Aufgaben auf uns, neben der Broterwerbsarbeit.

Die Folgen des späten Sommers

Der Feigenbaum verliert nun doch seine Blätter. Viele von ihnen liegen schon am Boden, lappig und herbstgelb verfärbt. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis der Baum ganz kahl dasteht, geschmückt dann nur noch mit seinen unreifen Früchten. Ich hoffe, wir können wenigstens die dicksten noch ernten, damit sie im Warmen weiter reifen. Der überwiegende Teil aber muss am Baum verbleiben und im tiefsten Winter dann nach zahlreichen Frostattacken von selber zu Boden fallen. Diese Früchte sind einfach nicht groß genug, um schmackhaftes Fruchtfleisch ausbilden zu können. Aber unfassbar ist es schon. Das letzte Jahr mit der ,,Rekordernte“ von 144 Feigen, und dieses Jahr werden es, wenn wir Glück haben, vielleicht 5. Und das nur, weil der Sommer viel zu spät kam und die Zeit zum ,,Vorreifen“ schlicht nicht vorhanden war. Klar, dass ich mir für 2009 einen frühen Frühling und einen langen Sommer wünsche. Wegen der Früchte, aber auch wegen der Arbeit im Freien, die nur bei viel Licht wirklich wohltuend ist.

Virtuelle Gemeinschaften

Über Zuschriften und Reaktionen von Wunschbaum-Besuchern freue ich mich sehr. Es sind meist Menschen mit einem besonderen Zugang und Interesse an den Bäumen oder an Naturprozessen schlechthin. Auch wenn es meist nur punktuelle Berührungspunkte sind, zeigt es doch, dass es zumindest in Nischen möglich ist, über den von Alltagssorgen meist finanzieller Art geprägten Rahmen hinaus die Gedanken auf Wesentliches auszurichten und sich darüber auszutauschen. Das schafft dann virtuelle Gemeinschaften von Gleichgesinnten, die für mich nicht weniger Wert besitzen als Freundschaften, die auf häufigen konkreten Begegnungen beruhen. Auch die punktuellen Interaktionen im WWW können sich mit besonderem Wert aufladen, wenn sie sich im richtigen thematischen Umfeld entwickeln.

Bäume überwintern

Ich weiß nicht so recht, was ich mit den drei kleinen Gleditschienbäumchen anstellen soll, die ich diesen Sommer erfolgreich aus den gesammelten Samenkernen großgezogen habe. Die gerade mal strohhalmdicken Stämmchen würden den Winter mit Sicherheit nicht überleben. So müssen sie in jedem Fall unter Dach. Nur wohin? V. meinte in den Keller, aber bei dem Gedanken erschrecke ich geradezu, bringe ich doch Bäume immer mit dem Licht in Verbindung. Das werde ich also nicht übers Herz bringen. Vermutlich werde ich sie den Kakteen zugesellen, die die Wintermonate auf den Fensterbank in verschiedenen nicht geheizten Zimmern verbringen. So haben sie auch in der blattlosen Zeit Licht und können im Frühjahr rechtzeitig ihren neuen Zyklus starten.

Gerade richten

Der Orthopäde, bei dem ich heute einen Termin vereinbart habe, zeigt auf seiner Visitenkarte einen kleinen Baum, der in der Mitte seines Stamms krumm gewachsen ist, Eine Stütze, über die er mit Seilen verbunden ist, gibt ihm Halt, so dass sein Wachstum oberhalb der Verkrümmung in eine Gerade übergeht. Ein recht schönes und anschauliches Bild aus der Kultur-Natur, der aber auch beschönigend scheint. So als wäre es immer mit einfachen Mitteln möglich, die Dinge gerade zu biegen. Gegenwärtig bin ich da sowohl in körperlichen Dingen als auch im Kommunikativen eher skeptisch. Manches lässt sich mit allen Mitteln nicht richten. Und dann kommt es nur darauf an, den richtigen Zeitpunkt zu erkennen, um es loszulassen, um sich anderen Dingen zuzuwenden und die Erkenntnis in den allgemeinen Erfahrungsschatz einfließen zu lassen. Dennoch hat die Wahl dieses Bildzeichens mich vorab schon mit dem Arzt versöhnt und hoffe auf eine vernünftige Hilfestellung auch in meiner persönlichen Angelegenheit.

Licht und Herbstlaub

Anstrengender als ich dachte war dieser Sonntag. Immerhin bin ich dazu gekommen, einige schöne Herbstgedichte zu lesen. Das hat mich dann zusammen mit einem kurzen Spaziergang am Nachmittag doch noch an die Jahreszeit etwas näher herangeführt, auch wenn sie sich derzeit noch rar macht. Ich rechne aber fest mit den kommenden Tagen. Sonne brauche ich jetzt schon aus physiologischen Gründen. Und vielleicht fallen bei besserem Licht ja auch noch ein paar gute Herbstlaub-Bilder ab. Die kontrastreichen Farbkombinationen müssten sich mit dem Apparat eigentlich gut einfangen lassen. Es kann nur noch besser werden.

Mich selber überraschen

Im zeitlichen Abstand können die eigenen Texte eine neue Note erhalten. Meine beiden Texte über die Symbolik des Lebensbaums, die demnächst in dem erwähnten Band erscheinen werden, finde ich nach wie vor sehr anregend. So dass ich Lust habe, den Faden weiter zu spinnen. Andererseits ist seit ihrer Entstehung viel passiert. Wahrscheinlich würde beim gleichen Inhalt die Sprache anders ausfallen. Und mit der anderen Sprache würden sich gleichzeitig die Inhalte selber verschieben. Vermutlich könnte aus dieser Verschiebung dann tatsächlich etwas Neues, noch Gehaltvolleres entstehen. Das heißt nicht, dass es kommunikativ anschlussfähiger wäre. Seltsamerweise habe ich die Tendenz, gerade die eigenen Texte für besonders gelungen zu halten, die wahrscheinlich die meisten der potenziellen Rezipienten eher langweilig einstufen würden. Aber ich glaube, dieses Schreiben über die Symbolik ist ohnehin etwas, das ich zur Selbstvergewisserung betreibe. Es ist nicht primär kommunikativ, kann aber durchaus, in den richtigen Kontexten, kommunikative Wirkungen nach sich ziehen. Ich lasse mich in diesem Punkt gerne selber überraschen.

Der Herbst macht die Bäume sichtbar

M. meinte heute noch, die Blätter würden sich gar nicht verfärben in diesem ungewöhnlichen Herbst. Sie hatte Unrecht. Beim nachmittäglichen Spaziergang ist es mir nämlich entgegen gekommen – dieses typische Leuchten der braunen und gelben Blattfarbstoffe, die mit dem Schwinden des Chlorophylls plötzlich sichtbar werden, obwohl sie doch schon immer da waren. Und auch bei unserem Feigenbaum konnte ich heute erstmals erkennen, dass sie ihre satte Spannkraft verloren haben und gerade anfangen, sich in Richtung Gelb zu kippen. Am deutlichsten und schönsten ist es aber bei den Ahornen, vor allem dem Spitzahorn in seinen verschiedenen Varianten. Denn bei dieser Art leuchten die Blätter gleichzeitig in verschiedenen Gelb-Rot-Braun-Tönen. Sowohl an ein und demselben Baum, als auch an benachbarten Individuen folgen sie einem geheimen, unterschiedlich verteilten Rhythmus, durch den kurz vor dem endgültigen Abfallen der Baum noch einmal eine eindrückliche Form seiner Schönheit offenbart. So als ob er sich selber und seine Betrachter dafür entschädigen wollte, dass er bald für Monate nur noch sein nacktes Gerüst zur Schau stellen wird. Seltsam, obwohl im Herbst doch der Abschied thematisiert ist, scheinen viele Menschen die Bäume erst in der Herbstzeit wirklich ,,zu sehen“. Vielleicht weil die Veränderung so deutlich ist, deutlicher als im Frühjahr, wenn sich das Grün in zarten Tönen Raum schafft und das Licht eher absorbiert als es wie im Herbst an den Betrachter zurückzuwerfen.

Den Textfaden wieder aufnehmen

Ich freue mich, dass meine vor Wochen eingereichten Texte zum Lebensbaumbegriff beide von den Herausgebern des ,,Diktynna. Jahrbuch für Natur und Mystik“ angenommen wurden. Jetzt bin ich sehr gespannt, wie der Band insgesamt ausfällt, und natürlich darauf, die Texte der anderen Autoren eingehender zu sichten. Ich glaube, das wird eine ziemlich bunte, aber interessante Mischung sein. Sogleich denke ich daran, dass ich mir in dieser Hinsicht schon so häufig viel vorgenommen, aber nicht viel realisiert habe. Die technischen Herausforderungen standen in den letzten beiden Jahren immer im Vordergrund. Und diese Serie scheint kein Ende zu nehmen. Aber mit solcher Schwerpunktlegung wächst durchaus auch der Gefallen daran. Jedenfalls, bis es irgendwann wirklich ,,umkippt“. Und das wird dann die Zeit sein, den Faden der Baumtexte wieder ernsthaft aufzugreifen.

Jenseits von Alltagszwängen

Die feuchte Kälte kriecht mir in sämtliche Knochen. Obwohl ich hier im Warmen sitze und ganz gut abgelenkt bin, scheint sich ein körperliches Tief anzukündigen. Irgendwie merkt man das, dass etwas nicht stimmt. Ich hoffe nur, es hält sich in Grenzen und wächst sich nicht zu einem dauerhaften Problem aus. Unterdessen komme ich mit meinem aktuellen Projekt gut voran, so dass Land durchaus schon in Sicht ist. Und anderes kündigt sich an, nur der Umfang und was konkret als nächstes kommt, scheint zurzeit noch völlig unklar. Unklar wie so vieles in diesen Zeiten: die Zukunft des Finanzsystems, die Entwicklung des Parteiensystems und der Regierungen, die Balance zwischen staatlicher Förderung und dem Anzapfen des Bürgers. Von moralischen und spirituellen Fragen ganz abzusehen, aber die scheinen derzeit eher in die Ecke des Privaten geschoben zu sein, höchstens noch im Zusammenhang von Großveranstaltungen wie den Kirchentagen überhaupt als medialer Gegenstand aufbereitet. In solchem Klima sind Themen, wie sie dieses Baumtagebuch anspricht, wahrscheinlich am äußersten Rand der Aufmerksamkeit platziert. Aber ich schreibe und gestalte auch vor allem für die, die nicht völlig den Zwängen des Alltags verfallen sind. Dabei bin ich vorsichtig – nicht selten sehe ich mich selber in Gefahr, mich zu stark zu fokussieren. Für die Rollenspiele der Geschäftswelt ist das vorteilhaft. Aber die Seele droht darüber zu verdursten, versucht man nicht, einen Ausglich zu schaffen.

Feigenhoffnung

Der September geht zu Ende, und das Wetter ist novemberlich. So etwas steigt mir in sämtliche Gliedmaßen und verursacht mir Kopfschmerzen. Ich glaube, die Bäume ziehen sich jetzt auch schon zurück, trunken von allzu heftigen Wetterkapriolen. Und die letzte Hoffnung bezüglich des Feigenbaums schwindet dahin. M. und ich haben beschlossen, dass wir die dicksten Feigen ernten und in ihrem jetzt noch grünen Zustand in der warmen Stube lagern. Könnte sein, dass sie nachreifen. Zumindest bei den bereits reifen hat das im vergangenen Jahr ganz gut funktioniert. Ansonsten müsste es nämlich bei der einen und einzigen Vorfeige bleiben, die interessanterweise bis zur vollen Reife herangewachsen war.

Rückzugsbereiche

Es ist seltsam. In manchen Phasen konzentriert sich die handwerkliche Arbeit, in anderen ist in diesem Bereich fast gar nichts zu tun, und die Herausforderungen auf dem Feld der Gestaltung, Programmierung oder des Textens stehen im Mittelpunkt. Schön ist, dass all diese doch so unterschiedlichen Schwerpunkte für mich in einem engen Verhältnis zueinander stehen, verschiedene Formen kommunikativer Arbeit darstellen. Wenn die Abwechslung nicht im Rahmen des Tagesverlaufs möglich ist, und das ist in der Tat kaum realisierbar, da ich mich sonst zu sehr verzetteln würde, dann bringt der Wechsel von Projektphasen die gewünschte Breite. Das ist gut, denn es entspricht meinem Hang zum Interdisziplinären und der Vorliebe für projektbezogenes Arbeit, das einen Verlauf mit vielen Teilphasen und einem Ziel kennt. Nach dem Erreichen des Ziels wartet dann idealerweise die neue Herausforderung, vielleicht mit ganz anderem Anspruch und mit anderen Erwartungen. Aber es gibt auch den Rückzugspunkt, die universale Basis, vor deren Hintergrund Vielfalt und Breite möglich werden. Das ist für mich der engere Kreis der Familie, das sind die Alltagskommunikationen auch über die Familie hinausgehend, und das sind die Bäume und ihre Symbolik. Diese ,,Festpunkte“ sind wichtig, denn auf diese kann ich mich zurückziehen, um das ,,große Ganze“ nicht ganz aus dem Blick zu verlieren, was bei Spezialisierung schnell geschehen ist. Mögen mir diese Rückzugsbereiche und die Energie sie wahrzunehmen und weiterzuentwickeln, auch die Neugier am Beobachten, möglichst lange erhalten bleiben.

Vollreif

Das Licht des Nachmittags war unglaublich. So konnten eigentlich nur die beiden Attraktionen dieser Jahreszeit auf dem Fotoprogramm stehen: Die Pfaffenhütchen und die Hagebutten. Beide faszinieren mich wirklich, und das über Monate hinweg. Ihre Entwicklung offenbart immer wieder neue Facetten und Eindrücke. Die Pfaffenhütchen haben erstmals ihre orangefarbenen Samenkerne freigegeben. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Die Hagebutten dagegen gehen ihrer Vollreife entgegen und geben den inzwischen fast kahlen Sträuchern ein fast surreales Aussehen.

Reife Pfaffenhütchen

Reife Pfaffenhütchen

Reife Pfaffenhütchen

Reife Pfaffenhütchen

Reife Pfaffenhütchen

Reife Hagebutten

Reife Hagebutten

Reife Hagebutten

Vor der fünften Jahreszeit

Die Hausarbeit und später die Arbeit im Garten und an den Blumen vor dem Haus war heute ein guter Ausgleich für die intensive und recht einseitige Bildschirmarbeit, die praktisch die ganze Woche eingenommen hat. M. und ich haben zusammen die Blumen entfernt, soweit sie verblüht waren und nicht mehrjährig sind, und Herbstblüher an ihre Stelle gesetzt. Andere, wie die Wandelröschen, die Mittagsblume und die Fuchsien zeigen immer noch sehr schöne Blüten und sollen deshalb noch länger bleiben. Auch die Sträucher haben etwas zurück geschnitten, soweit sie übers Jahr allzu sehr aus der Form gewachsen waren. Das jedes Mal eine den ganzen Nachmittag ausfüllende Arbeit, das Kehren der herabgefallenen und vertrockneten Weinlaubblätter als letzte Aktion des Tages inklusive. Auch V. war sehr aktiv und hat weitere 110 Liter Apfelsaft gekeltert, den er nun zu Viez verarbeiten will. Damit ist die Erntesaison für dieses Jahr wohl so gut wie abgeschlossen. Ganz gut so, denn eigentlich ist jetzt schon alles auf Winter und das winterfest Machen eingestellt. Und auch das wird uns noch länger beschäftigen, bis Mitte November dann die fünfte Jahreszeit mit der Vorbereitung des Weihnachtsfestes einsetzt.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.