Zwischen Weinlese und Mirabellenkuchen

V. hat den größten Teil der Trauben bereits gelesen und das dieses Jahr ziemlich spärliche Laub gleich mitgeschnitten. Wie zu erwarten war, sind ihm und in Folge auch uns anderen die Wespen wie wild hinterher geflogen. Je weniger Trauben da sind, umso aggressiver werden sie, wohl wissend, dass die paradiesischen Nahrungsquellen der letzten Wochen endlich sind. Ich habe unterdessen meine beiden Armbänder fertiggestellt und danach, am späten Nachmittag, zusammen mit M. das Laub zusammengetragen und gekehrt. Damit es wieder einigermaßen sauber aussieht. Aber am Montag geht’s wieder weiter, mit dem verbliebenen Rest. Die Weinausbeute wird wohl diesmal recht mager sein. Und dann auch noch diese schlechte Qualität! Bei manchen Fruchtsorten soll es wohl diesmal nicht sein. Genossen habe ich aber den wunderbaren Mirabellen- und Zwetschgenkuchen, den ich am Nachmittag belegt hatte. M. hatte zuvor wunderbaren Hefeteig vorbereitet, und V. hatte bereits gestern die letzten, schon überreifen Mirabellen unter dem verwilderten Baum am Altenberg aufgesammelt. Die sind so süß, dass man gar nicht zuckern muss. Und dann diese leckere Aroma! Allein damit war der Tag gerettet.

Kreative Freiphasen

Die Arbeit am Holz ist doch im Laufe der Jahre zu einer angenehmen Routine geworden. Einmal begonnen laufen die einzelnen Arbeitsschritte wie von selber ab. Immer in einer Mischung aus konzentrierter Aufmerksamkeit auf den Gegenstand und gedanklichem Ausschweifen, weg vom üblichen Alltag. Das ist, obwohl in Teilen wirklich nervig, doch eine Art Erholung, schon allein, weil es sich vom sonst für mich Üblichen abhebt. Eine Art Freiraum, den mir keiner nehmen kann. Vielleicht hat diese Arbeit auch deswegen eine so große Bedeutung für mich. Ein wirklich einmaliges Produkt, das von ganz unterschiedlichen Menschen später genutzt wird, und das quasi in meinen kreativen Freiphasen entsteht. Diese Konstellation gefällt mir außerordentlich.

Die Feigen wollen nicht mehr

Der Feigenbaum ist dieses Jahr ein Phänomen. Tatsächlich bewegt sich die Fruchtreife schon seit über 3 Wochen nicht mehr von der Stelle. Als ob der Baum quasi angehalten worden wäre. Die Feigen sind noch genauso grün und fest wie vorher. Und keinerlei Anzeichen für eine Änderung. So werden die unreifen Feigen wohl bei den ersten Frösten einfach abfallen und verfaulen. Ein Jammer, denn der Baum hängt übervoll. Nur die Feigen wollen anscheinend nicht mehr. Als ob der Sommer ihnen in irgendeiner Form zugesetzt hätte. Es gibt eben auch im Bereich natürlicher Prozesse immer wieder Überraschungen.

Vorzeitige Weinlese

V. hat doch tatsächlich vor, am Wochenende bereits seine Weintrauben zu lesen. Das ist dann wohl der früheste jemals realisierte Termin. Grund: Die Wespen würden sie ansonsten vollständig auffressen. Mal wieder übertrieben, wie so häufig bei V.. Natürlich sind die Wespen in diesem Jahr ein Problem, aber dafür die Qualität des Weins so zu beeinträchtigen? Das scheint mir doch unverhältnismäßig. Dann doch lieber etwas weniger, und auf der anderen Seite bessere Qualität. So handhaben es jedenfalls, wie ich am Abend aus einem Fernsehbericht erfuhr, die Profiwinzer. Aber wie ich V. kenne, wird die Panik letztlich wieder Oberhand behalten und das Vorhaben ist so gut wie unumstößlich. Für mich kommt am Wochenende wieder Handwerkszeit. Zwei Armbänder aus Weidenbaum und Hasel, bei voraussichtlich weniger schweißtreibenden Temperaturen.

Zwischen Sommer- und Herbstfeeling

Was sind das nur für Wetterkapriolen in diesem Jahr. Heute war es richtig schwül, ein Attribut, das V. gerne für jede Art warmen Wetters verwendet, auch wenn es nicht so feucht-warm ausfällt. Der Sommer scheint dann schon wie verflogen. Dabei soll er gegen Wochenende wiederkehren. Wenn die neue Jahreszeit auch mehr Engagement und Mut in der Wirtschaft aufkeimen lässt, freue ich mich doppelt auf sie. Aber auch ohne das ist der Herbst einfach eine schöne Zeit. Wie immer sind es die Bäume, an deren Veränderung wir ihn erkennen und im Verlauf präsent halten. Das wäre dann nach Jahren auch wieder Anlass für eine Serie ausdrucksstarker Herbstblätter-Fotografien. Den ich erkenne, dass diese Naturmakros immer noch zu den bei fotolia am schnellsten akzeptierten gehören. Dennoch bin ich froh, mein Spektrum ausgeweitet und auch die Haushaltsutensilien und die Erneuerbaren Energien als Motivfelder entdeckt zu haben.

Die Feigen wollen nicht reifen

Die Tagua-Nüsse liegen immer noch in halb fertigen Zustand hier. Immerhin hatte ich vorletztes Wochenende bereits die Intarsien abgeschliffen und sie in eine Rohform gebracht. Der Feinschliff steht aber immer noch aus. Ich hoffe, es werden noch einige warme Wochenenden, vielleicht im Indian Summer, während derer ich das erledigen kann. Enttäuschend in diesem Jahr ist das Wachstum des Feigenbaums. In den letzten 3 Wochen hätte er jede Menge Zeit gehabt, seine Früchte ausreifen zu lassen. Stattdessen stagnieren sie einfach, unbegreiflich, wo das Klima doch ideal ist. Tatsächlich haben sich die dicksten seit Wochen nicht mehr verändert. Und doch hängen die Zweige voll davon, überwiegend halb ausgewachsen und noch völlig grün und hart. Merkwürdig, welche Kapriolen die Natur so spielt. Uns ist damit ein lieb gewonnenes Ritual des spätsommerlichen Erntens vorenthalten.

Der Herbst scheint durch

Meine Wette vom Vormittag habe ich eindeutig gewonnen. Ich hatte gegenüber M. und V. auf den bisherigen Solarstromrekord mit 53 kW getippt. Und genauso viel ist es dann auch bis zum Abend geworden. Es herrschten ideale Bedingungen, mit nicht zu heißen Temperaturen um die 28 °C, mit einem durchgängigen leichten Wind und fast wolkenlosem Himmel. Besser kann es kaum noch kommen. Und jetzt weiß ich auch, welche Leistung maximal bei optimalen Bedingungen pro Stunde zu erwarten ist. Das ist recht ordentlich, weicht aber doch stark von dem als Nennleistung unter genormten Bedingungen angegebenen Wert ab. Letztlich aber kommt es ohnehin auf den jährlichen Durchschnitt an. Wie das im Herbst und Winter wird, werde ich sehen. Und wie ausgedehnt die jeweiligen Jahreszeiten sein werden, das kann niemand voraus sehen. Der spätnachmittägliche Spaziergang war von einer spätsommerlichen, angenehmen Atmosphäre geprägt, die den Herbst bereits durchscheinen ließ. Am deutlichsten wird dies beim Anblick der reifen Früchte von Bäumen und Sträuchern und dem von der Dauerhitze schon welken Laub. Mal sehen, ob dieses Klima morgen eine Fortführung findet.

Weissdorn im Spätsommer

Schneeball im Spätsommer

Hartriegel im Spätsommer

Schlehdorn im Spätsommer

Zeitweiliges Paradies

Der Tag lud zum Ausruhen ein. Ungewöhnlich für einen Samstag. Aber ich hatte noch dieses Treffen vor mir. Und gleichzeitig war ich froh, dass die etwas niedrigeren Temperaturen mir halfen, den Schreck der Vortage etwas hinter mir zu lassen. So viel dann auch unser geplanter Ausflug nach T. aus, der sicherlich auch schön gewesen wäre. Jetzt wird er eben an einem der folgenden Wochenenden nachgeholt. Wie in den letzten Wochen spielte sich unser Leben vor unter der transparente Überdachung hinterm Haus ab, wo es um diese Jahreszeit wunderschön idyllisch ist. Mit dem tief hängenden Laub und der fast reifen Trauben der verzweigten Weinreben. Mit dem Blick auf die Blumen und Bäume unseres kleinen Gartens. Wenn die lästigen Wespen nicht wären, stünde dem zeitweiligen Paradies nichts mehr im Wege.

Mediterranes Ambiente

Der gar nicht so kleine Gummibaum, den Pastor M. uns letzten Sonntag mitgebracht hat, verleiht unserem Hinterhaus-Gartenareal noch ein bisschen mehr von einem ohnehin dieses Jahr stark ausgeprägten mediterranen Ambiente. Wir haben ihn eben gerade mit einem der Bambusstäbe gestützt, die wir gestern im Baumarkt besorgt hatten und ihn in einen größeren Topf mit mehr Erde gesetzt. Dort müsste er sich bei diesen Temperaturen eigentlich recht wohl fühlen. Und wenn es herbstlich wird und Frostgefahr besteht, muss er ohnehin ins Haus. Ist ja eigentlich auch eine Zimmerpflanze. Die Abkühlung heute und vor allem der Regen, der bis in den frühen Nachmittag reichte, hat den Pflanzen und uns selber gut getan. Das war dringend nötig, sonst wäre das Klima wirklich unerträglich geworden. Wenn ich aber jetzt, um 18 Uhr abends durchs Fenster blicke, kündigt sich die nächste Hitzewelle schon wieder an. Hoffentlich keine Wiederholung des Vortages. Damit wir etwas mehr vom Samstag haben.

Horrorhitze

Im Gegensatz zu gestern kein Bilderbuch, sondern eher Horror. Der wohl heißeste Tag des Jahres, von dessen schwüler Hitzelast niemand verschont blieb. Wie ein Bauarbeiter an der Burg in N. am Vormittag sagte: ,,Bei so einem Wetter sollte man gar nicht arbeiten.“ Just diesen Tag also hatten wir uns ausgesucht für den Besuch in G., der eher einer Notwendigkeit als der reinen Freude geschuldet war. Denn ich musste den dortigen Computerhändler aufsuchen, um ein Teil überprüfen und austauschen zu lassen. Immerhin das hat geklappt. Anders als sonst hatte ich auf Grund meiner Sch.probleme diesmal gar kein Auge für Js und Ws Garten und die Bäume dort. Es ging eher darum, die Dinge nur irgendwie hinter sich zu bringen. Jetzt hoffe ich, der Zustand bessert sich und dauert nicht, wie so häufig zuvor, wieder wochenlang an. Das kann ich überhaupt nicht gebrauchen.

Ein Tag wie aus dem Bilderbuch

Ein wirklicher Bilderbuch-Sommertag. Wie ich M. schilderte, fühlte ich mich an unsere schon dreißig Jahre zurückliegenden Urlaube an der Nordsee erinnert. Das war vergleichbar, wenn auch mit der unvergleichlichen Meeresbrise gewürzt, die uns hier allerdings fehlt. Aber auch dieser strahlend blaue Himmel, diese konstante Wärme, diese zeitlose, irgendwie stillstehende Atmosphäre. Als ob man sich in einer Parallelwelt bewegte. Das konnte ich am Nachmittag auch in der Stadt, in den Hintergärten und auf den Balkonen der am Bach liegenden Wohnhäuser beobachten. Die Pflanzen haben natürlich in diesen Tagen wirklich zu leiden. So viele Gießkannen sind notwendig, um den Flüssigkeitshunger des auslandenden Wandelröschenstrauchs zu stillen. Und den Blumen geht’s auch nicht anders. Gott sei dank ist unsere Regenwassertonne immer noch gut gefüllt. Wahrscheinlich, weil es zwischendurch auch lange Regentage gab in diesem Sommer. Morgen wird’s dann wohl noch eine Spur heftiger, für unsere Fahrt nach G.. Aber vielleicht werden wir ja dann endlich unseren Sonnerekord brechen. Heute wird es wohl nicht ganz reichen. Die Hitze hat die ansonsten idealen Bedingungen etwas abgedämpft. Denn zu große Hitze schränkt die Leistungsfähigkeit der Zellen doch eher ein. Dann kann die Energie nicht optimal umgesetzt werden. Aber wenn ich das seltsame Verhalten des Feigenbaums betrachte, der trotz mediterraner Temperaturen während der rechten Wachstumsphase einfach seine Früchte nicht reifen lassen will, dann könnte man von einem noch länger dauernden Sommer rechnen. Wäre doch schön, wenn der September diesmal keinen Indian Summer, sondern einen echten verlängerte Spätsommer brächte.

Gemischte Spätsommererlebnisse

Fast schon glaubte ich es hinter mir gelassen zu haben. Und dann taucht es doch wieder unverhofft, und irgendwie immer wieder erschreckend auf. Möglicherweise werde ich dieses Problem, das irgendwie mit dem Gleichgewichtssinn zu tun haben muss, nie ganz verstehen, was nicht unbedingt beruhigend ist. So bleibt nur die Möglichkeit, irgendwie damit zu leben. Gut ist, dass ich selbst in solchen Phasen noch ganz gut bei meiner kunsthandwerklichen Arbeit bleiben kann. Das neue Armband aus Kiefer habe ich jedenfalls heute fertig gestellt. Und es ist, wie immer, gut gelungen. Die spätsommerliche Nachmittagssonne habe ich allerdings schon mehr genossen. Zurzeit ist sie mir nicht wirklich förderlich. Unsere Anlage hat ungeachtet dessen sehr gut gearbeitet. Bei nur schwach bewölktem, fast blauem Himmel, hat sie heute ihr bislang zweitbestes Ergebnis gebracht, fast 51 kW.

Neue Holzerfahrungen

Bei der Vorbereitung des neuen Armbandes habe ich wieder einmal festgestellt, wie schwierig es ist, gutes Material für Nadelholzstäbe zu finden. Es muss für diesen sehr kleinen Durchmesser entweder sehr feinjährig sein, oder aber gut verharzt. Nur so sind einigermaßen runde Querschnitte zu erreichen. Bei den Abschnitten, die ich mir schon vor Jahren für diesen Zweck bereitgelegt hatte, war erstere Voraussetzung immerhin erfüllt, und der Stab ist dann auch gelungen. Dennoch muss ich mich bald schon um geeigneten Nachschub kümmern. Bei der Gelegenheit habe ich auch noch die angetrockneten Abschnitte der griechischen Zypresse auf das endgültige Kantelmaß gesägt. Jetzt wird es noch schneller trocknen, und ich kann es endlich auf seine Tauglichkeit testen. Aber es duftet beim Sägen derart intensiv nach den für die Zypressen so typischen ätherischen Ölen, dass ich fast sicher bin. Das wäre für diese Nadelholzart dann die Lösung. Und der Hamburger Händler freut sich über einen kleinen Auftrag. Eine weitere Neuerung werde ich demnächst als Probearmband realisieren können: Mirabelle. Das Holz ist wider Erwarten sehr hart und dicht. Ich bin sehr gespannt, wie es zum einen optisch wirkt, und zum anderen sich von anderen Obsthölzern, wie Apfelbaum, Birnbaum, Zwetschgenbaum oder Kirsche, bezüglich seiner Bearbeitung unterscheidet.

Übergangszeit

Ich denke, der Sommer geht nun in seine Endphase. Das zeigt sich im Außen, der besonderen, sich zwischen Üppigkeit und Übergang bewegenden Anmutung der belebten Natur, insbesondere der Bäume. Aber auch im Verhalten und der Stimmung der Menschen, die spüren, dass die zeitlose Sommerzeit nun zu Ende geht und neue Aufbrüche und neue Initiative wieder von Nöten sind. Das ist gut, denn professionelle Kommunikation ist in Sommerzeiten schwer durchzuhalten, weil sie kaum auf Resonanz stößt. Der Herbst ist zumindest in dieser Hinsicht die viel versprechendere Jahreszeit.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.