Die ersten Blätter eines Baumwinzlings

Sie braucht ziemlich lange, ins Leben zu finden. Aber heute habe ich erstmals erste winzige Fiederblättchen am Spross der kleinen Gleditschie gesehen. Das ist der Beweis, dass es sich tatsächlich um eine solche handelt. Nun bin ich gespannt, ob sie weiter wächst und das warme Klima verträgt. Normalerweise würde man das als förderlich ansehen. Aber bei einem Baum-Baby wie diesem bin ich mir nicht sicher. Der Ginkgo genießt das gegenwärtige Klima sehr, was man am üppigen Wachstum seiner Blätter erkennt. Das Problem: Er schießt sehr stark in die Höhe, zeigt aber kaum Breitenwachstum im Bereich des Stammes. Das macht ihn zunehmend instabil. Ich habe deshalb V. gebeten, eine Stange mitzubringen. Ich denke, am Wochenende werden wir die einschlagen und ihm damit für die nächste Zeit eine Stütze geben. Mindestens so lange, bis er im Stamm kräftiger geworden ist und man bei stürmischen Böen keinen Bruch mehr befürchten muss.

Lerntage

Keine Begegnungen mit und in der Landschaft an diesem merkwürdigen Frühsommertag. Stattdessen sehr beanspruchende Studien in CMS-Technik, die mir sicherlich neue Felder eröffnen wird. Zurzeit greifen wieder diese Schwingungen, die weiträumig gleichzeitig aufzutreten scheinen und die Menschen in eine gleichartige, in diesem Fall lethargische Stimmung versetzt. An solchen Tagen, aus denen manchmal Wochen werden, ist es fast unmöglich jemanden zu erreichen. Geschweige denn, ihn zu etwas animieren oder motivieren. Insofern ist Lernen dann genau die richtige Art der Beschäftigung. Das Gelernte kann dann in später wieder intensiverer Kommunikation eingesetzt werden und das Spektrum erweitern.

Immer wieder

Ganz schön müde heute: Sommereinbruch, Lernfortschritte mit Hürden, mindestens zwei Spaziergänge am Morgen und späten Nachmittag. Und immer wieder Menschen, die nicht wissen, was sie wollen. Vielleicht komme ich ja noch dahinter. Ja, und eine Klingel gibt’s im sogenannten ,,Neuen Haus” nun auch – nach 30 Jahren erstmals. Wenn das nicht ereignisreich war. Aber wenn sonst gar nichts passiert, die kurzen Streifzüge durch die Landschaft sind in jedem Fall eine Freude. Und immer wieder Anlass für endlose Reflexionen und Beobachtungen rund um die Bäume, das Wachstum, die Veränderungen der Vegetation im Jahreslauf.

Pflanzen am Wegesrand

Die Vegetation macht zu dieser Jahreszeit große Freude. Blüten, Blätter, Früchte mischen sich und zeichnen ein Bild üppigen Wachstums:

Die Pfaffenhütchen befinden sich im Übergang von der Blüte zur Frucht. Die winzigen Früchte sind noch grün, zeigen aber schon die perfekte Form der reifen Frucht.

Junge Pfaffenhütchen

Die verschiedenfarbigen Heckenrosen blühen alle gleichzeitig und bilden zurzeit die markantesten Farbtupfer der Landschaft:

Rosa Heckenrose

Weiße Heckenrose

Die roten Heckenkirschen üben schon mal. Die noch kleinen Früchte sind aber noch zur Hälfte grün:

Junge Heckenkirschen

Dieses Jahr sind wieder üppige Weißdornhecken mit einem Meer rotglänzender Früchte zu erwarten. Der frühe Zustand zeigt schon, wie dicht sie stehen.

Junge Weißdornfrüchte

Ungefähr gleichauf sind die Ebereschen:

Junge Ebereschefrüchte

Der wollige Schneeball trägt noch die Reste der wie verkohlt wirkenden Früchte des Vorjahres. Gleichzeitig sind schon die neuen zu sehen, die sich in den nächsten Monaten kontinuierlich dunkler färben werden.

Alte und neue Früchte des wolligen Schneeballs

Besonders schön finde ich die Gräser der Wegeränder:

Wiesengräser

Wiesengräser

Wiesengräser

Der Wunschbaum wächst

Jemandem hat sich interessiert an dem Verfahren gezeigt, mit dem ich die eingehenden Text-Wunschzettel des virtuellen Wunschbaums illustriere. Ich denke, diese Individualität der Illustration ist einer der Gründe für die außerordentliche Beliebtheit dieses virtuellen Angebotes. Tatsächlich gebe ich mir schon seit Jahren sehr viel Mühe, zu jedem Wunsch eine passende Grafik zu erstellen. Aus eigenen Fotografien, lizenzfreiem Material oder solchem, für das ich bei fotolia selber Nutzungsrechte erworben habe. Gelegentlich häufen sich die Einsendungen, in anderen Phasen kommen kaum Wünsche an. Das ist sehr stark von globalen Stimmungsschwankungen abhängig. Insgesamt aber wächst der Baum kontinuierlich und dürfte schon über 600 Wünsche versammelt haben. Die Tausend sind also nicht mehr weit. Mein Elan, diese Initiative zu begleiten und anschaulich zu machen, ist jedenfalls noch nicht geschwunden.

Nur einer war erfolgreich

V. vermutet, bis auf den einen, der einen Spross ausgebildet hat, seien alle anderen Gleditschiensamen in der Pflanzerde verfault. Kann schon sein, aber warum war dann dieser eine dennoch erfolgreich? Ich weiß nicht, vielleicht liegt es ja auch an den Samen selber, unter denen möglicherweise auch nicht keimfähige sind. Aus welchen Gründen auch immer. Vielleicht liegt es aber auch an der Art des Ansetzens, am zuviel oder zuwenig an Feuchtigkeit, an der Temperatur, an … Ich bin eben kein Pflanzexperte, erst gar nicht für Gleditschien. Dennoch will ich weiter experimentieren und hoffe irgendwann hinter das Geheimnis zu kommen. Schön wäre es natürlich, wenn dieser eine durchkäme und es tatsächlich gelänge, daraus einen Baum zu ziehen. Dann haben wir allerdings das Problem, das kein Quadratmeter mehr frei ist, ihn in späteren Jahren tatsächlich im Garten einzusetzen. Na ja, auch das Experiment allein hat schon seinen Reiz.

Heilsames

Es ist wirklich schade, dass ich auf meinen Spaziergängen durchs Dorf zurzeit nur noch wenige Blüten vorfinde. Das ging so rasant schnell, überall sind schon die kleinen noch winzigen Früchte an den Bäumen zu sehen: beim Weißdorn, der Felsenbirne, dem Schneeball, der Traubenkirsche. Es scheint, die Natur nimmt noch einmal tief Luft, um sich mit Schwung in das Wachstum der warmen Jahreszeit zu stürzen. Dann hat der zeitweilige Aufenthalt inmitten der Landschaft etwas Heilsames. Und das entschädigt für so manche einseitige Belastung in der übrigen Zeit.

Hinterhausoase

Nun ist doch der erste Spross durch den Boden des kleinen Blumentopfes gestoßen. Ich hatte schon gar nicht mehr daran geglaubt. Aber zumindest ein Samenkern der Gleditschie hat es bis ans Licht geschafft. Ich hoffe, weitere werden folgen. Vor allem hoffe ich, dass sie sich zu kleinen Bäumchen entwickeln. Wie wir die dann über den Winter kriegen, weiß ich noch nicht. Vermutlich müssen wir einen sonnigen Platz im Haus ausfindig machen, damit sie nicht erfrieren. Auch die übrigen Bäume des Gartens machen mir Freude. Die leichte Abkühlung der letzten Tage und der zeitweilige Regen haben ihnen gut getan und ihr Blattwachstum gefördert. So werden Ginkgo und Feigenbaum sehr bald viel Sonnenenergie einfangen und stärker werden. Und wir werden uns, wann immer es möglich ist, in der schattigen Hinterhausoase erholen.

Frischer Efeu

Efeu hat viele erstaunliche Eigenschaften. Eine davon ist seine ausgeprägte Regenerationsfähigkeit. Die Bewachsung unserer Grundstücksmauer, die ich vor wenigen Wochen stark zurückgeschnitten hatte, ist nun in kurzer Zeit wieder zugewachsen. Überall wurden die Lücken durch frische Triebe geschlossen. Und so wird bald ein zweiter Schnitt notwendig sein. Zu dieser Jahreszeit, das weiß ich von den Vorjahren, ist das normal. Später dann verlangsamt sich diese Wachstumskraft deutlich und die vorher noch zarten und hellgrünen Blätter wandeln sich zu Dunkelgrün und bilden eine wie gegerbt wirkende ledrige Oberfläche aus. Diese alten Efeublätter gefallen mir am besten. Die strahlen genau das aus, was die Pflanze als ganze ausmacht, während das üppig und schnell sprießende Grün die Würde und Weisheit der Art noch nicht zu erkennen gibt.

Das richtige Gleichgewicht finden

Die neue Technik macht mir einiges an Kopfzerbrechen. Gott sei Dank gibt es auch die schönen Tage, an denen ich zwischendurch einen Spaziergang und dabei den Kopf frei machen kann. Das ist dann sehr erholsam und verhindert, dass ich mich zu sehr mit formalen Dingen beschäftige. Obwohl die Rationalität weitgehend dabei ausgeschaltet ist, lädt die Begegnung mit den Bäumen und der Landschaft besonders dazu ein, stärker inhaltlich zu denken. Den Horizont weiter zu fassen, sich von den eng definierten Grenzen der Alltagsaufgaben frei zu machen. Für mich ist das lebenswichtig. Ich bin auch davon überzeugt, dass es für die Qualität der Arbeit in der übrigen Zeit förderlich ist. Übermäßige Einseitigkeit wirkt als Kreativitätskiller und macht krank. Das richtige Gleichgewicht zu halten ist mir besonders wichtig.

Land der tausend Bäume

Ein ziemlich verschlafener Tag, dessen Trägheit aber ein Gutes an sich hatte. Ich konnte an meiner aktuellen Lektüre, dem ,,Land der tausend Bäume” von Amanda Hampson dran bleiben. Ein Roman, der mir auch deshalb gut gefällt, weil die Bäume, in dem Fall ein tausend Olivenbäume umfassender Hain in Australien, den emotionalen Background einer tragischen Familiengeschichte bildet. Diese Platzierung und das bewusste Einsetzen von Bäumen in literarischen und filmischen Umgebungen sind für mich die augenscheinlichsten zeitgenössischen Beispiele für die immer noch aktuelle, weil zeitlose emotionale Kraft der Bäume als archetypische Lebenssymbole. Vielleicht werde ich in den nächsten Tagen eine Rezension für Wunschbaum hierzu schreiben. Für die amazon-Rezensionen wird die aber weniger taugen, weil ich mich ja gerne auf den Baumaspekt konzentriere und der natürlich für die meisten Leser nicht im Mittelpunkt stehen wird, auch wenn er dramaturgisch gesehen zentral ist.

Schnelle Blüte – frühes Fruchten

Die leichte Abkühlung und der zeitweilige Regen haben den Pflanzen gut getan. Vor allem die Bäume haben in den letzten Tagen einen richtigen Wachstumsschub getan. Ich meine die Blatttriebe, weniger das Längenwachstum. Von gestern auf heute z. B. hat unser junger schmaler Ginkgo mehrere Seitenäste ausgebildet. Das ist gut so, weil so mehr Blätter zusammen kommen und der Baum auch für sein Breitenwachstum und die Stabilität seines Stamms neue Nährstoffe und Energie gewinnen kann. Und auch beim Feigenbaum tut sich einiges. Die Blattbüschel an den Zweigenden falten sich jetzt schneller auf, und die wenigen Vorfeigen sind stark angewachsen. Ich hoffe sehr, dass nach dem kräftigen Schnitt des letzten Winters die Ausbildung von Querästen einsetzt und wir auch 2008 wieder eine gute Feigenernte im Spätsommer haben werden. Was mich beim Spaziergang am Saardamm heute verwundert hat: Bei vielen Sträuchern setzt schon die Fruchtbildung ein. Seltsam, wo ich doch recht häufig dort vorbeigehe und bei denselben kaum das Blühen beobachtet habe. Ich vermute, diese schnelle Entwicklung hängt mit dem ungewöhnlich sommerlichen Klima der letzten beiden Wochen zusammen, das für Mai eigentlich zu warm war. Das hat viele Pflanzen veranlasst, in Sachen Blühen die Versäumnisse des langen Winters sozusagen aufzuholen und sich ganz schnell in Richtung Fruchten zu bewegen. Aus Sicht der Vegetation wahrscheinlich eine sinnvolle Abfolge, für mich aber eher betrüblich. So sind mir nämlich ganz viele Frühlingsblütenmotive entgangen. So schnell, wie es dieses Jahr vorbei war, konnte ich die Blüten des Weißdorns, des wolligen Schneeballs, der Heckenkirschen, der Traubenkirschen und vorher schon des Schwarzdorns gar nicht festhalten. Und gerade zu diesen ,,Klassikern” fehlen mir noch hoch auflösende Makros aus der neuen Digitalkamera.

Gestaltung macht Naturformen sichtbar

Ich finde es klasse, dass eines meiner jüngsten fotolia-Bilder auf so großes Interesse stößt. Besonders weil es bei der ersten Einreichung abgelehnt wurde. Das hängt eben immer vom jeweiligen Redakteur ab. Ich selber wusste genau, dass diese Art von Motiv, eine sauber geschliffene Baumscheibe, in dem Fall eines Kiefernstamms, also ein Stammquerschnitt mit sehr schön abgegrenzten Jahresringen und ohne jeden Riss, in den Bildarchiven selten ist. Vermutlich weil solche glatten Jahresringprofile normalerweise nicht ,,auftauchen”. Man muss sie in gewisser Weise inszenieren, um die Anmutung des natürlichen möglichst deutlich hervorzukehren. So ist es auch in diesem Fall: Der Blick auf Natürliches, ja die Wahrnehmbarkeit von Natur hängt für uns heute ganz wesentlich an Formen, die künstlich gemacht werden. Eigentlich praktiziere ich mit den handwerklichen Wunschbaum-Projekten genau das: über die formale Gestaltung natürlicher Elemente größere Naturformen, die Bäume eben, sichtbar und reflektierbar zu machen. Schön ist es, wenn das verstanden wird und Wirkungen hat, Reaktionen hervorruft, Anstöße gibt. Bei Privatpersonen erlebe ich das immer wieder, in wechselhaft starker Intensität. Aber bei den noch relativ wenigen Fotos merke ich auch, dass man sich im Feld der Werbung und des Marketing für solche Formen interessiert und offensichtlich danach gezielt sucht, um sie in die eigenen Kampagnen einbauen zu können. Und das wiederum zeigt, man auch auf professioneller Seite auf die symbolische Kraft von Naturformen setzt. Die Bäume gehören da zur ersten Wahl.

Erlebnisse um den Maulbeerbaum

Unser süditalienischer Bekannter hat, wie V. mir heute erzählt hat, verschiedene mediterrane Bäume aus seiner Heimat mitgebracht. Er hatte den Zitronen- und Mandelbaum im Frachtraum des Reisebusses über der Radachse platziert. War wohl nur möglich, weil er den Busfahrer gut kannte. Kein Wunder, er muss ja auch einiges an Platz eingenommen haben. Zu Hause angekommen hat er in seinem Garten einen dort schon seit Jahren heimischen Maulbeerbaum gefällt. Weil er zu starke Wurzeln ausgebildet habe, hieß es. Auf die Idee, mir das Holz zu überlassen, ist seine Frau leider erst gekommen, als der Baum schon in brennholzgerechte Stücke gehackt war. Ist aber auch nicht so schlimm, denn ich habe ja gute Abschnitte qualitativ hochwertigen Maulbeerbaumholzes auf Lager, nachdem ich vor zwei Jahren diese wundersame Begegnung mit den Gemeindegärtnern von D. hatte. Man hatte die beiden alten Maulbeerbäume vor dem Alten Schloss aus Sicherheitsgründen von ihren ausladenden und weit nach unten hängenden Ästen befreit. Und da der Baum alt war, sind ziemlich starke Stücke dabei abgefallen. Merkwürdig und schade zugleich ist aber, dass das Holz in so kleinteiliger Form verarbeitet gar nicht so attraktiv wirkt. Der Baum ist lebend wesentlich beeindruckender. Irgendwie wie aus einer anderen Welt. Deshalb bin ich mir auch nicht so ganz sicher, ob das vor zwei Jahren neu gepflanzte Exemplar auf dem Grundstück unseres Bienenhauses tatsächlich gut platziert ist. Der steht zwar frei, aber an einer sehr kühlen Ecke. Bleibt zu wünschen, dass er sich einlebt und in seinen Jugendjahren die kalten Phasen überlebt.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.