Spaziergänge mit Nachwirkung

Während der Woche sind mir die schönen Eindrücke von rot leuchtenden Strauchfrüchten und sattgrünen Wiesen meist vorenthalten. Dem begegne ich oft nur während der ,,Tankphasen” der Wochenendspaziergänge. Während der dreieinhalb Jahr in B. und der sieben Jahre in D. war das anders. Da war der Mittagsspaziergang selbstverständlicher Bestandteil des Arbeitstages. Auch wenn er nur ein halbe Stunde dauerte, er gehörte dazu. Um den Kopf frei zu machen nach ununterbrochener Schreibtischarbeit und anstrengender Kunden- oder Kollegenkommunikation, war das genau die richtige Lösung. Vor allem in D. habe ich später die Zeit gleichzeitig zum Fotografieren der vielen Stadtbäume und ihrer Blätter, Blüten, Früchte und Rinden genutzt. Eine Zeit, in der die besten Aufnahmen überhaupt entstanden sind, denn im innerstädtischen Umfeld mit seinen Parkstreifen und Vorgärten lässt sich Natur, enggeführt am Beispiel der Bäume, am allerbesten studieren und eindrucksvoll festhalten. Wenn es etwas ist, das ich aus dieser Zeit vermisse, dann sind es diese kurzen Spaziergänge auf immer gleichen Wegen, die dennoch auch nach Jahren nie langweilig wurden. Im Gegenteil, die im Wechsel der Jahreszeiten, abhängig von Stimmungen und Witterungen, eine schier unendliche Variationsbreite an Erscheinungen offenbarten. Eine Bereicherung, die nachwirkt, bis auf den heutigen Tag.

Beitrag zu Natur und Mythos

Es ist ein Buch, das unter dem Titel “Diktynna. Jahrbuch für Natur und Mythos” demnächst in der Edition ARNSHAUGK erscheinen wird. Eine der treibenden Kräfte des Projekts hat mich eingeladen, einen Beitrag beizusteuern. Ganz klar ist noch nicht, welcher es sein wird, aber immerhin stehen zwei in engerer Wahl: ,,Lebensbaum und Lebenslauf” sowie ,,Bäume als Spiegel. Über ein Lebenssymbol”. Ich finde, beide passen auf das Thema des Jahrbuchs, letztlich aber wird wohl die konzeptionelle Ausrichtung des Bandes entscheiden, welcher abgedruckt wird. Und vielleicht sind es ja sogar beide. Ich bin sehr gespannt und freue mich darauf, denn das Thema liegt mir sehr am Herzen. Und es in einem erweiterten Themenrahmen zu präsentieren, ist doch eine anregende Sache.

Konkurrenz der Früchte

Bevor der Regen am Abend kam, konnte ich auf einem schwül-warmen Spaziergang erstmals für dieses Jahr die Pfaffenhütchen bewundern. Bisher waren sie grau und unscheinbar, kein Vergleich zu den Vorjahren. Jetzt aber, vermutlich begünstigt durch das feuchte Spätsommerklima, zeigen sie sich mit frischem Laub und neuen Früchten, die zumindest teilweise dieses wunderbare Rosarot offenbaren, das neben der charakteristischen Form ihre unwahrscheinliche Ausstrahlung ausmacht. Sie konkurrieren mit den Hagebutten der zahlreichen Heckenrosensträucher um die Gunst des Betrachters – und gewinnen vermutlich bei denen, die genauer Hinsehen. Das wird ein satter Fruchtherbst, an dem wir hoffentlich noch viel Freude haben werden.

Fruchtzeiten

Meine reichhaltige Sammlung von Hölzern hat heute eine Erweiterung erfahren. Das Holz des Mirabellenbaums gehört sicherlich zu nicht ganz so häufig vorzufindenden. Auch weil die Bäume meist nicht so groß werden und entsprechend schmale Stämme eher normal sind. Dieser war besonders schmal, kein Wunder, der Baum musste sein junges Leben der Gier eines Nagers opfern, der seine Wurzelrinde vollständig abgenagt und ihm somit seinen Lebenssaft entzogen hatte. Auch die Rinde und die äußeren Splintholzlagen waren schon vom Wurm stark befallen, d. h. überlebt hätte er unter keinen Umständen mehr. So ist die Nutzung seines Holzes sicherlich das beste Los, was ihn noch erwarten konnte. Und ich muss sagen, es gefällt mir gut. Natürlich ist es dem Apfelbaum-, Birnbaum-, Kirschbaum und Zwetschgenbaumholz ähnlich, aber die Färbung gibt ihm doch eine individuelle Note, von der ich hoffe, sie wird sich auch im getrockneten Zustand und in Form der kleinen Perlen verarbeitet noch identifizieren lassen. Dann stünde eigentlich einem Themenarmband ,,Fruchtzeiten” nicht mehr entgegen. Das könnte bestehen aus: Apfel, Birne, Zwetschge, Kirsche, Mirabelle, Quitte, Mispel. Die letzten beiden müsste ich vorher allerdings noch besorgen.

Die Nachfolgerin des Wacholder

Die kleine Zypresse hat den früheren Wacholder im Sandsteintrog vor dem Haus gut ersetzt. Obwohl es mir immer noch sehr leid tut, dass er sich nach einigen guten Jahren zuletzt nicht mehr wohl gefühlt hat und schließlich eingegangen ist. Als ,,Wachhalter” hätte er doch wirklich einen Stammplatz dort direkt am Haus verdient gehabt, aber das sollte wohl nicht sein. Die Zypresse ist irgendwie harmloser, hat für mich nicht diese starke symbolische Ausstrahlung. Und dennoch, sie steht wie verschiedene andere immergrüne Bäume für Hoffnung, Auferstehung, Erneuerung, mit oder auch ohne die Assoziation Tod. Wenn sie mit dem Tod in Verbindung gebracht wird, wie im Umfeld von Friedhöfen, dann doch immer im positiven, transzendierenden Sinne. Deshalb bin ich insgesamt mit ihrer Nachfolgerrolle zufrieden und hoffe, dass sie sich sehr lange dort hält.

Bäume und andere Herausforderungen

Heute habe ich einen netten Brief erhalten, in dem mich ein Schriftsteller aus München einlädt, mich an einem demnächst erscheinenden Jahrbuch zum Thema ,,Natur und Mythos” zu beteiligen. Anlass waren wohl meine Texte unter wunschbaum.de, insbesondere die über die Feiertagsbäume, die sein Interesse auf sich gezogen haben. So etwas finde ich doch sehr interessant. Deshalb will ich auch überlegen, ob ich etwas beitragen kann, jedenfalls wenn die Zeit es zulässt. Ansonsten habe ich einige erfreuliche ,,Auflösungen” nerviger Probleme erlebt, was erheblich zu meiner Beruhigung beigetragen hat. So gerate ich auch in diesen Dingen zunehmend in sichereres Fahrwasser. Darauf aufbauend dann Spezialprobleme anzugehen, ist immer spannend. Aber die Grundlagen zu erarbeiten bleibt eine große Herausforderung. Noch einige solcher Aufgaben, und nahezu nichts kann mich mehr schrecken.

Aktivismus ist nicht mein Ding

Eine Tierschutzorganisation wollte mich heute in der Fußgängerzone als neues Mitglied gewinnen, das sich engagiert gegen Tierquälerei und für neue Gesetze einsetzt, die Quälerei an Tieren unter deutlich höhere Strafe stellt. Ich habe mir das Anliegen angehört, kann es auch unterstützen. Dennoch bin ich nicht der geeignete Kandidat hierfür. J. wäre da sicherlich die bessere Adresse. Ich denke, dass ich mir andere Felder gesucht habe und in Zukunft sicherlich noch suchen werde, die von nicht weniger Engagement zeugen, mir aber eher entsprechen, z. B. im Bereich des Klimaschutzes oder ähnlichem. Ich denke auch, dass meine Arbeit an der Symbolik der Bäume hierzu einen indirekten Beitrag leistet, im Sinne einer allgemeinen Bewusstseinsförderung. Das Aktivistische dagegen ist nicht so mein Ding, da können sich andere besser einbringen.

Feigensommer

Die Feigen wollen einfach nicht reif werden. Das ist schon seltsam, jetzt Ende August. Dabei sind die Temperaturen doch ganz passabel. Es scheint so, als ob sie bei dem selben Reifegrad und derselben Größe verharren, schon seit Wochen. Ich wünsche M., dass sie in diesem Sommer noch etwas von ihren Lebensbaum-Früchten haben wird. Und nicht erst im Herbst, wenn kein Mensch mehr an Südfrüchte denkt. Dann werden sie ohnehin schon bald abfallen, bevor sie richtig ausgereift sind. Also, jetzt muss ein kräftiges Dauerhoch her, und der Obstsommer ist gerettet.

Weihnachtsgehölze?

Das Weihnachts-Armband würde ich doch noch gerne realisieren. Zu weiteren Themenarmbändern werde ich aber wohl in diesem Jahr nicht mehr kommen. Was würde dazugehören? Es ist nicht so ganz einfach. Einerseits fallen mir viele Pflanzen ein, die traditionell mit Weihnacht und Advent in Verbindung gebracht werden. Andererseits sind das nicht alles Bäume. Also, was unbedingt dazugehört: Tanne, Fichte, Stechpalme. Außerdem möglich: Zypresse, Kiefer, Eibe, Lärche. Na das sind ja schon 7, würde ganz gut passen, so könnte ich eine Reihe von 3 X 7 unterschiedlichen Perlen zusammenstellen, was sicherlich sehr dekorativ wirken wird.

Wir brauchen noch Licht

Ein verschlafener Tag, an dem bei mir keine rechte Stimmung aufkommen wollte. Die Klimakapriolen, häufig unzufriedenstellende Kommunikationen, vieles das ich nicht verstehe waren wohl für diesen Zustand verantwortlich. Ich setze darauf, dass Mitte kommender Woche der Sommer zurückkommt, denn ich brauche jetzt das Licht, auch die Wärme, ebenso wie die Bäume dies ganz gut vertragen könnten, bevor der Herbst ihre Lebensgeister schrittweise herunterschraubt. Nein, das ging einfach jetzt zu schnell, wir brauchen einfach mehrere Wochen ,,Indian Summer”, nur so kann das Jahr einen einigermaßen runden Verlauf erhalten. Einmal ganz davon abgesehen, dass das Arbeiten im Freien, und die Aufenthalte in der Natur mit dem Licht an Intensität und Erlebnisqualität gewinnen.

Kreative Bereicherung

Der Samstag scheint sich zum Handwerkstag für mich zu etablieren. Heute ein beinahe exaktes Double des letzten Samstags. Um neun Uhr begonnen, eine Stunde Mittagspause, und dann wieder bis halb acht durch. Intensiv, aber vor allem erfolgreich, denn das aktuelle Projekt ist damit wieder abgeschlossen. Zwei Baumkreis-Armbänder diesmal, in dieser Kombination eine eher seltene Erfahrung. Was ich merke: Die Routine bringt schon eine gewisse Beschleunigung mit sich. Nicht wesentlich, aber doch messbar. So kann ich wohl sagen, dass die Qualität der Arbeiten in den letzten 7 Jahren sicherlich kontinuierlich besser geworden ist, ebenso meine Pingeligkeit, und dass dennoch die Armbänder jetzt ca. ½ Stunde schneller fertig gestellt sind. Dabei geht es mir allerdings weniger um die Geschwindigkeit als um die Flüssigkeit des Arbeitsablaufs, die Intensität der kreativen Arbeit, die immer auch im Kunsthandwerk steckt. Und natürlich spielt die Vereinbarkeit mit meinen übrigen Aktivitäten und Verpflichtungen eine Rolle. Kurzum, diese Arbeit ist mir zu einem liebgewordenen und vertrauten Bestandteil meines Alltags geworden, eine wirkliche Bereicherung.

Mehr Licht wäre gut

Oh wie regnerisch! Das wird morgen dann weniger angenehm, wenn es darum geht, den ganzen Tag draußen zu arbeiten. Es ist zwar unter Dach, aber ohne Licht ist es schwer, die Spannung zu behalten, und das ist notwendig bei dieser Arbeit, die Genauigkeit und viel Geduld erfordert. So hoffe ich auf eine Besserung, zumindest was die Helligkeit betrifft. Holzschleifmittel sind heute eingetroffen, damit kann also nichts mehr schief gehen. Und die fehlenden Stäbe aus Pappel und Eibe habe ich heute Abend vorsorglich schon erstellt. Damit kann es morgen früh gleich losgehen. Immerhin ein ganz guter Ausgleich für die viele Arbeit am Bildschirm.

Durchstarten

Wieder ein 21. Und passend dazu ein ganz guter Tag. Zumindest konnte ich einige Unklarheiten ins Reine bringen, neue Erkenntnisse gewinnen, einige informelle Gespräche führen, und mich ansonsten an dem recht angenehmen Licht dieses Spätsommertages erfreuen. In nächster Zeit wünsche ich mir allerdings mehr Resonanz auf meine Offerten. Dieses Nicht-Reagieren geht mir wirklich auf die Nerven. Zumal meist überhaupt kein Grund zu erkennen ist. Es ist eigentlich die richtige Zeit zum Durchstarten. Alle technischen und interaktiven Voraussetzungen sind gelegt. Jetzt müssen sich die Gelegenheiten stärker als bisher einstellen. Morgen geht’s wieder an die Holzarbeit, mit der der Samstag wie in der Vorwoche vollständig ausgefüllt sein wird. Diesmal sind es Baumkreis-Armbänder, auf die zwei interessierte Träger warten.

Herbstzeichen

Nachdem ich am Vormittag wieder eines meiner Problemchen gelöst hatte, war ich nach Mittag mit M. unterwegs. Ein Ausflug nach S., wo wir schon länger nicht mehr waren. Ganz angenehm, auch wenn wir nur wenige Stationen hatten und später der Regen begonnen hat. Auf dem Weg dorthin mussten wir leider feststellen: An manchen Bäumen, vor allem den Rosskastanien, ist der Herbst schon erkennbar. Das Laub färbt sich schon teilweise ins Bräunliche. Und auch die ganze Atmosphäre deutet in diese Richtung. Ich hoffe, diese Phase hält nicht lange an und der ,,Indian Summer” überrascht uns mit mindestens 3 Wochen Wärme, Licht und jeder Menge reifer Feigenfrüchte.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.