Thematische Stärken

Beim alten Friedhof haben sie in den letzten Tagen die Hainbuchen geschnitten. Ein seltsamer Schnitt, auf gleiche Höhe, aber seitlich nach oben verjüngt. Keine Ahnung, welchen Sinn das macht. Ziemlich brutal ist man dabei vorgegangen, alles streng in die Geometrie gezwungen, was angesichts der gegenwärtigen Blattlosigkeit, die Schnittflächen wie Wunden erkennbar werden lässt. Aber die neuen Triebe der Hainbuchen kommen früh. So wird die Hecke wohl schon in 1-2 Monaten nicht mehr wieder zu erkennen sein. Das ist überhaupt eines der größten Wunder, die mir in jedem Frühjahr wieder neu begegnen. Wie schnell sich Wachstumsprozesse entwickeln können. Dass innerhalb weniger Tage aus einem winterkahlen Gerüst ein sattgrün belaubter Strauch werden kann. Unglaublich, welche Kräfte in den natürlichen Prozessen wirksam werden. Bei den recht ermüdenden Versuchen mit dem Ablichten technischer Objekte ist mir heute eines klar geworden: Es macht Sinn, sich auf die thematischen Stärken zu konzentrieren. Baum, Symbol, Festtage. Das sind meine favorisierten Themen, in denen ich zu wirklich überzeugenden Ergebnissen kommen kann. Anderes funktioniert derzeit noch nicht so richtig. Es ist wie beim Texten. Ein echter Bezug, eine Begeisterung für den Gegenstand muss einfach da sein. Anders kann es im besten Fall technisch perfekt, emotional aber nicht überzeugend werden.

Wäre nicht schlecht

Ich freue mich so, dass die Experimente zu einem guten Ergebnis geführt haben. Nun kommt es darauf an, dass es stabil bleibt. Was für ein Glück. Da spielt auch der verlängerte Winter keine so große Rolle mehr. Den wir dank unseres Holzofens in wohliger Wärme verbringen. V. hat schon wieder Nachschub für den Brennholzvorrat besorgt. Ich schätze, am Wochenende ist Sägen angesagt. Wenn nicht die Reserven schon vorher ausgehen. Dass die Kälte diesmal so lange andauert, macht mir Mut, auf einen frühen Frühling zu hoffen. So ist es doch oft, dass die Extreme sich abwechseln. Aber der Frühling ist an sich schon nicht extrem in der Temperatur, er kann nur früher oder später kommen, länger oder kürzer andauern. Also, das wäre mein Favorit: Ein früher Frühling ab März, der dann bis Mitte Mai andauert, dann der Frühsommer, der ab Juli in einen lang gezogenen und bis September reichenden Hochsommer übergeht. Wäre nicht schlecht.

Verschlafen und verschneit

Meine fotografischen Versuche zum Thema ,,Energie” habe ich heute fortgesetzt. Die Steckerleiste war das neue Motiv. Allerdings sind die Ergebnisse eher dürftig. Da muss ich wohl noch den richtigen Zugang finden. Aus dem Spaziergang am Mittag ist leider nichts geworden. Irgendwie habe ich den verpasst, so verschlafen und verschneit war der Tag. Bei solcher Witterung befinde ich mich ohnehin im Ausnahmezustand. So muss ich mich wohl mit dem einen Download zufrieden geben, der ein kleines Highlight markierte. Der kleinen Kiefernscheibe habe ich das zu verdanken. Einmal mehr.

Atmosphärische Vorboten

Zwischendurch ist das Licht ganz hell hinter dem Hochnebel hervorgestrahlt. Das hat mir dann Lust auf den Nachmittagsspaziergang gemacht. Leider kam es später dann aber nicht wieder. So war der Spaziergang eher eine Gelegenheit, einfach die Augen zu entspannen, die von der vielen Bildbearbeitung allzu sehr strapaziert wurden während der letzten Tage. Die Vegetation lässt nahezu keine Reize hervortreten. Selbst die letzten Winterfrüchte der Heckenrosen und des Schneeballstrauchs waren nicht mehr zu sehen. So ist in Punkto Farbe der Winter auf seinem Höhepunkt angekommen. Gleichzeitig spürt man die atmosphärischen Vorboten des Frühlings, die sich zurzeit leider noch nicht durchsetzen können. Ich wünsche ihnen und uns einen schnellen Abschluss der kalten Jahreszeit, die ersten Blattknospen bei Hasel und Birke. Und dass wir uns wieder länger im Freien aufhalten können.

Thema Energiesparen

Die Fotografie beschäftigt mich zurzeit sehr intensiv. Angesichts der Jahreszeit hat sich meine Aktivität aber derzeit in Richtung von Nicht-Baum-Themen verschoben. Heute war das Energiesparthema im Zentrum. Und, man glaubt es kaum, ich habe Waschmaschinen, Kühlschränke und Elektroherde fotografiert. Natürlich nicht die Geräte als ganze, sondern lediglich Makros, die eine Ahnung des jeweiligen Geräts vermitteln. In deren Zentrum das EU-Energiesparlabel sowie Herstellerlabel, die eben dieses adaptieren, um besonders energieeffiziente und sparsame Geräte damit zu kennzeichnen. Der große Elektromarkt im Ort hatte mir zuvor die Erlaubnis erteilt, meine Motive bei den zahlreichen ausgestellten Geräten zu suchen. Das war nicht schwer, da die Auswahl außerordentlich ist. Schwieriger schon, das richtige Licht zu finden, den richtigen Ausschnitt, und natürlich nicht zu verwackeln. Da hätte ein Stativ gut getan, aber das schien mir dann doch etwas zu dick aufgetragen, und auch zu aufdringlich angesichts der besonderen Aufnahmesituation. Nun, ich denke, einige der Fotos sind gut verwendbar, so dass ich mit der Aktion zufrieden sein kann. Sicherlich wird das noch eine Reihe weiterer Sessions zum Thema „Energiesparen“ nach sich ziehen. Ich bin gespannt, was ich noch alles entdecke.

Baum-Literatur-Liste

Das Buch mit verschiedenen Baumportraits ,,Rotbuche und Steineiche. Laubbäume in alten Bildern und Geschichten” von Kriemhild Finken ist ganz kurzweilig. Zurzeit lese ich täglich einige Minuten darin. Heute waren Edelkastanie, Platane und Rosskastanie dran. Als letzter Baum in der Reihe fehlt jetzt nur noch der Ginkgo. Viel wirklich Neues kann ich zwar aus diesem Band nicht entnehmen, aber die Illustration mit alten Drucken aus Kräuterbüchern des 16. Jahrhunderts oder später, vor allem von Leonhart Fuchs (1543), Adam Lonitzer (1560), Johann Wilhelm Weinmann (1735) und Friedrich August Ludwig von Burgsdorf (1790) hat etwas Charmantes. Und schließlich sind doch einige interessante Zitate oder Details zu den einzelnen Arten enthalten, die mein Bild des jeweiligen Baumes erweitern. So steht wohl demnächst eine neue Rezension bei amazon an, und meine Baum-Literatur-Liste ist wieder um ein Werk gewachsen.

Tagebuchlücke

Wie konnte das passieren. Diesen Tag habe tatsächlich vergessen, was mir erst am 06.02. aufgefallen ist. Ein Lücke im Baumtagebuch. Und merkwürdig, ich kann mich tatsächlich auch nicht an baumrelevante Ereignisse oder Überlegungen erinnern. Das sind schon eigenartig turbulente Tage, aber auch solche mit viel Hoffnung und massenweise Gedanken, die alle Bereiche des Lebens und seine Entwicklung betreffen. Insofern kann ich mir dieses seltene Versäumnis verzeihen. Das Baumthema hat darunter jedenfalls nicht gelitten.

Produktive Zeit

Unglaublich, ganze 7 Downloads bei fotolia an diesem Tag, und 21 neue Credits dazu. So erfolgreich war ich an einem Tag noch nie. Kurios, sogar der Weihnachtsengel war dabei, gleich zwei Mal. Und besonders erfreulich, einmal nicht das Baumscheibenbild, sondern meine älteren Blätterbilder (Linde, Hasel) und zudem erstmals zwei Vektoren, nämlich das Ginkgoblatt (zwei Mal) und der Ölbaum. Letzteres freut mich am meisten, denn darauf habe ich die ganze Zeit gewartet, weil ich wissen wollte, ob es überhaupt einen Markt für diese Formate gibt. Sieht also danach aus. Auch sonst bin ich an diesem draußen so unwirtlichen Tag gut vorangekommen, eine produktive Zeit, für die ich sehr dankbar bin.

Weiter spinnen

Sehr ruhig scheint es zurzeit. Nur M. kann sich vor lauter Andrang nicht mehr retten. Seltsam manchmal, wie sich die Dinge entwickeln. Manche meinen beobachten zu können, dass die Menschen angesichts des ständigen Redens von der Krise sich auf Grundlegendes konzentrieren und z. B. besonders viel Geld für Lebensmittel ausgeben. Frei nach dem Motto: Wenn wir sonst schon nichts zu erwarten haben, dann lassen wir es uns wenigstens körperlich gut gehen. Andere investieren in die Gesundheit, was wohl immer stärker auch im Bewusstsein der Menschen an vorderer Stelle steht. Und wieder andere sind einfach nur irritiert, nicht wissend, in welche Richtung sich Gesellschaft, Politik und Wirtschaft überhaupt bewegen und welche Schlüsse sie aus ihren verwirrenden Beobachtungen ziehen sollen. Kann ich nachvollziehen, denn mir geht’s nicht viel anders. Da ist es gut, Themen zu haben, die zeitlos sind und die man zu Gegenständen der Kommunikation machen kann. Auch wenn die Resonanzen sehr unterschiedlich ausfallen. Die Bäume sind eines dieser Themen, die auch in verwirrenden Zeiten für mich aktuell sind. Die mich beschäftigen, zu kreativen Projekten anregen, die mich nachdenklich machen, die mir den Spiegel vorhalten, die mich auf Einfaches und Wesentliches zurückführen können. Dieses Interesse möge so schnell nicht vergehen, gerade weil es so unendlich viele Anknüpfungspunkte bietet, von denen aus sich das Netz immer weiter spinnen lässt.

Lohnende Fahrt

Das war ein ziemlich bewegter Tag mit viel Fahrerei. Erst die Fahrt nach E. gestern Nachmittag. Dann hat I. mich freundlicherweise früh morgens nach K. gefahren, und wenige Stunden später wieder zurück mit dem Zug bis D., wo I. mich wieder abgeholt hat. Am Nachmittag dann die Rückfahrt im eigenen Auto. Immerhin, wieder einer der seltenen Besuche bei A. und I. und ein bisschen Auffrischen von Erinnerungen und Gemeinsamkeiten, die auf Studienzeiten zurückgehen. Vor allem aber eine zweite Meinung zu meinem aktuellen Dauerproblem, für die sich die Fahrt sicherlich gelohnt hat. Wirklich einfacher wird das Ganze zwar nicht, aber ich habe jetzt mehr Anhaltspunkte, um zu einem vernünftigen Vorgehen zu finden. Eines der beeindruckendsten Bilder des Tages waren die Böschungen am Rande der Ruhrgebietsautobahnen, auf denen zu dieser Jahreszeit offenbar der große Kahlschlag durchgeführt wird. Zahllose vollständig gefällte Bäume waren dort parallel nebeneinander gelegt worden. Offenbar mit System, um sie später zur Weiterverarbeitung oder Verwertung einfacher aufladen und abtransportieren zu können. Wieder eines dieser Beispiele, wie Natur gerade im künstlichsten Kontext besonders sichtbar wird.

Wunschbaum im Buch

Es hat mich gefreut, dass A. mich mit dem Wunschbaumprojekt in Verbindung gebracht hat. Das gehört zu den Hervorbringungen, die einige meiner Freunde und Bekannten nachhaltig beeindruckt haben und offenbar längerfristig in Erinnerung bleiben. Das Buch hatte ich zwar schon, aber eben nicht ohne Grund. Weil mir nämlich die Verfilmung damals so gut gefallen hat. Eine schöne Familiensaga, die große Bögen spannt und in der der Baum am elterlichen Wohnsitz den starken symbolischen Bezugs- und Rückzugspunkt bildet, der vor allem zu Beginn und am Ende der Geschichte eine Rolle spielt und gewissermaßen einen Kreis wieder schließt. Jetzt habe ich einen Grund mehr, es auch endlich mal zu lesen.

Kleinere und größere Überraschungen

Sonne war angekündigt, trüb war’s tatsächlich den ganzen Tag über. Und eiskalt, inklusive der Aussicht auf Schnee am morgigen Sonntag, was ich gar nicht gebrauchen kann bei der längeren Autofahrt. Bin gespannt, was der Besuch in Köln an Erkenntnissen bringt. Und ob er mir mehr Sicherheit gibt in Bezug auf die anstehenden Entscheidungen. Ich versuche, die Dinge so gelassen wie möglich zu sehen. Und setze meine Arbeit konsequent fort, immer wieder kleinere und größere Überraschungen erlebend. Aber gerade die sind es, an denen ich wachse und die mir Anlass geben zum Hinzulernen, mich weiter entwickeln. Also 2 Tage außer Haus. Den Block habe ich schon eingepackt, damit das Baumtagebuch nicht aussetzen muss. Schwieriger wird’s dann schon, es mit Inhalt zu füllen. Aber es gelingt ja immer wieder aufs Neue. Schon seit über 4 Jahren. Und so habe eigentlich keinen Zweifel, dass es auch diesmal gelingen wird. Vielleicht mit Beobachtungen während der Autofahrt. Ich lasse mich mal wieder überraschen.

Mit tiefem Sinn angefüllt

Ich hoffe auf ein entspanntes Wochenende. Die Sonne gestern und heute hat mir gut getan und mich irgendwie schon an den Frühling erinnert. Und schön, dass ich es geschafft habe, auch heute den Mittagsspaziergang zu machen. Ich glaube, das wird jetzt wieder eine Institution. Wie ich mich auf den Frühling freue! Endlich wieder diese frische Luft, und vor allem das Grünen, vor allem ganz am Anfang, wenn sich die hellgrünen Töne der jungen Baumblätter und der an Broccoli erinnernden Ahornblüten zeigen. Dann ist auch wieder die Zeit, in der das Fotografieren richtig Spaß macht. Ich glaube das lebt zumindest für mich von Farbe. Das Strukturfotografieren ist außerhalb der Objektfotos nicht so meine Sache. Nein, man muss eintauchen können, den Eindruck sofort verinnerlichen können, Tasten der sinnlichen Erinnerung anschlagen. Dann ist das Fotografieren selber und das Ergebnis desselben mit tiefem Sinn angefüllt, der sich leicht vermitteln lässt.

Konsequent sein

Eigentlich hatte ich mir das schon öfters vorgenommen, aber dann doch nicht in die Tat umgesetzt. Der mittägliche Spaziergang von ca. einer halben Stunde gehörte jahrelang zu meinem normalen Arbeitstag. Das hat den Kopf freigemacht, Bewegung verschafft, interessante Beobachtungen von Menschen und Landschaften ermöglicht, und mir ganz nebenbei ein umfangreiches Archiv schöner Fotografien beschert. Denn der Fotoapparat war zumindest in den letzten vier Jahren sehr häufig dabei. Das war rückblickend eine sehr schöne und gute Zeit, die meinem Rhythmus, meinem Bedürfnis nach Abwechslung und Spielraum ziemlich entsprach. Nur die Schlussphase war aus bekannten Gründen weniger erfreulich. Das mittägliche Spazierengehen also war mir heute wieder ein Bedürfnis. Vielleicht war der Gang heute bei strahlendem Sonnenschein, wenn auch noch sehr kühlen spätwinterlichen Temperaturen, ein neuer Anlauf und ich schaffe es, das regelmäßig zu praktizieren. Ich glaube, es wäre zur Unterbrechung und Auflockerung des Arbeitstages gerade bei meinen gegenwärtigen Schwerpunkten genau das Richtige. So geht mir auch der direkte Kontakt mit den so spannenden Veränderungen der Vegetation im Wechsel der Jahreszeiten, die immer wieder überraschenden Rhythmen im Wachsen, Blühen, Blätter tragen und Fruchten der Bäume nicht verloren. Da heißt es wohl konsequent sein, so wie es W. wegen Zsaboo täglich mehrmals ist.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.