Zum Ende der Manufakturarbeit am Gartenarbeitsplatz

Den Tag habe ich bewusst vollständig mit der aktuellen kunsthandwerklichen Arbeit ausgefüllt. Denn es scheint der letzte gewesen zu sein, den man noch zum Altweibersommer rechnen konnte. Gegen Abend zog schon der erste Regen ein, aber bis dahin war es ein angenehmes Arbeiten bei viel Licht und angenehmer spätsommerlicher Temperatur. In der Atmosphäre sich im Garten aufhalten zu können, ist einfach schön und gehört für uns schon zur Jahreszeit typischerweise dazu. Nun geht es gegen Ende September und kann durchaus sein, dass die ersten Arbeitssitzungen im Oktober schon wieder im Kelleratelier stattfinden müssen. Vielleicht ist es Anfang der Woche bei den zwei ausstehenden Nachmittagen des aktuellen Projekts noch am Sommerarbeitsplatz möglich, aber das wird voraussichtlich die letzte Gelegenheit dazu in diesem Jahr sein.

Veränderliche Interessenschwerpunkte

Nun wird es doch wieder ein Holzarbeitswochenende. Zuletzt hatte ich mit einer Verschiebung der Arbeit auf kommende Woche gerechnet, aber eine kurzfristige Mitteilung hat es schon heute nahegelegt, mit dem ersten Arbeitsschritt zu beginnen. Denn vier Armbänder sind schon recht zeitaufwändig, so sind die weiteren Phasen besser aufteilbar, auch weil der Samstag mehr Zeit lässt und ich kontinuierlicher dran bleiben kann. So freue ich mich auf mehrere Lebensbaum-Armbänder und eine Wunschbaum-Kombination, die den diesjährigen Schwerpunkt auf den Anfragen gemäß keltischem Baumkalender bestärkt. Jedes Jahr hat seine veränderlichen Interessenschwerpunkte, erfreulich ist aber vor allem, dass die morbide Krisenstimmung des Vorjahres einer allerdings noch immer sehr vorsichtigen Zuversicht gewichen ist, die wieder mehr Aufmerksamkeit auf Symbolisches möglich macht.

Erfahrungen rund ums Feigenbaumholz

Das kleine Brettchen aus Feigenbaumholz ist heute eingetroffen. Es war eine der seltenen Gelegenheiten, überhaupt im Handel auf diese Art zu stoßen, deshalb habe ich die Gelegenheit genutzt. Aber es ist eben sehr klein, eigentlich auch zu kurz für meine Zwecke, so dass ich es stückeln muss. Dennoch wird es vielleicht für etwa vier Armbänder ausreichen. Der Preis ist dafür eigentlich zu hoch, trotzdem bin ich froh, einen kleinen Vorrat mehr zu haben, für den Fall, dass das rare Material knapp wird. Eine Bestätigung ist mir, dass auch dieses Stück aus dem Handel am Rand die typischen Zersetzungsspuren des Feigenbaumholzes aufweist, die ich aus eigener Erfahrung so gut kenne. Es ist eben extrem empfindlich und lässt es auf keinen Fall zu, es auch nur einige Tage draußen rumliegen zu lassen. Eigentlich muss es direkt nach dem Fällen des Baums ausgesägt und getrocknet werden. Sonst haben sich im Nullkommanichts Pilzsporen reingesetzt und erste Verfärbungen bewirkt.

Gleichgewicht und interdisziplinäre Denkart

So viel technische Herausforderung hätte ich für diesen Spätsommer nicht erwartet. Dieses Thema zieht sich für mich schon durch das ganze Jahr und scheint kein Ende zu nehmen. Aber wie so oft ist das ein Vorzeichen für kommenden Ausgleich. Sicher wird die Arbeit an Inhalten und im Umfeld von Bedeutungen und Symbolen künftig wieder dominanter werden. So lange, bis die Technik erneut ihre Anforderungen geltend macht. Eine gute Mischung, die nur manchmal zu sehr in die eine oder andere Richtung sich verlagert. Insgesamt ist mir der Wechsel und das relativ gleichgewichtige Nebeneinander beider Welten aber sehr sympathisch, fügt sich am besten in meine interdisziplinäre Denkart ein. Und selbst wenn das Formale und Technische tatsächlich einmal den Tag beherrscht, habe ich doch meist, in Gestalt der Baumtagebuchs sogar täglich, auch den Bezug zum Symbolischen, dessen ich nie überdrüssig werde und in dem ich mich immer wieder üben und kreativ betätigen kann.

Baumobst keltern

Die Einundzwanzigsten hatten in jüngster Zeit nicht mehr die Erlebnisqualität wie früher. Schwer zu sagen, woran das liegt. Vielleicht an dem verbreiteten Trübsinn, der selbst das Verschwinden der Zahlensymbolik aus dem Bereich der Aufmerksamkeit zur Folge hat. V. lässt sich von mangelnder Symbolik nicht beeinflussen, sofern es um traditionelle Baumobstverarbeitung geht. So stand heute nach der Lese bzw. Ernte in den letzten Wochen und dem Einmaischen am Wochenende das Keltern auf dem Programm: Viezäpfel und Birnen zum einen, die wenigen Weintrauben auf der anderen Seite. Eigentlich gut, dass es nicht mehr so viel ist. So bleibt der Aufwand überschaubar und die Aktion konnte auch heute weitgehend abgeschlossen werden, inklusive der Kompostierung des Balgs, der vom Keltern übrigbleibt. Den in die Biotonne zu stecken, zieht über Wochen nur Unmengen an Mücken an. So ist es ganz gut, wenn das Material anderswo seiner natürlichen Zersetzung entgegengehen kann.

Späte Baumobstfreuden

Viel Regen, der uns das Gießen heute erspart, und eine ziemliche Abkühlung hat uns der Wochenanfang beschert. Aber am Nachmittag war dann doch wieder die tief stehende wärmende Sonne zu spüren, die für diese Jahreszeit typisch ist. Unser Pfirsichbaum trägt noch wenige nicht ganz reife Früchte, die lassen wir noch einige Tage hängen. Dann ist die gemessen an der Jugend des Baums überaus reiche Pfirsichernte auch abgeschlossen. Der größere unserer beiden Feigenbäume dagegen hat seinen Reifhöhepunkt noch nicht erreicht. Es gibt noch einige vielversprechende Feigenfrüchte, die in den nächsten zwei Wochen noch die richtige Größe und einen genießbaren Reifegrad erreichen könnten. Und beiden Chilis bin ich noch zuversichtlich, denn es sind jetzt an allen Pflanzen weiße Blüten zu erkennen. So könnte die Zeit bis Anfang November für das Wachsen der Schoten gerade noch ausreichen.

Spärliche Farbenspiele der Baumlandschaft

Die Landschaftsstimmung ist zwar schon herbstlich, aber das vermittelt sich noch nicht über die optischen Eindrücke. Denn Herbstlaub ist erst sporadisch zu sehen, vornehmlich bei den Hartriegelsträucher, der Blätter zwischen Bräunlich und Dunkelviolett changieren. Sonst ist alles noch in ein sattes Dunkelgrün getaucht. Wenige Akzente sind auch bei den Baumfrüchten zu sehen. Die Pfaffenhütchen strahlen ihr Rosa der Fruchtkapseln ab, aber sehr dominant ist dieser Eindruck in diesem Jahr nicht. Spannend wird’s bei den Pfaffenhütchen ohnehin erst in einigen Wochen, wenn die Hütchen aufbrechen und unter dem Rosa die knallorangenen Samen zum Vorschein kommen. Das gehört für mich zu den farbstärksten Kontrasteindrücken, die man in unserer hiesigen Baumlandschaft überhaupt finden kann. Die Hagebutten leuchten natürlich auch schon schön, und werden es noch lange tun, u. U. bis ins neue Jahr hinein, bis sie dann allmählich braun bis schwarz werden und irgendwann im späten Winter ganz abfallen. Der Hartriegel ist voll mit seinen schwarzen Fruchtständen, die sich schön zu dem herbstlich verfärbten Laub ergänzen. Auf die richtig eindrucksvollen Blattfarben müssen wir noch warten.

Bei spätsommerlicher Holz- und Gartenarbeit

Auch dieser Samstag war wieder so arbeitsintensiv wie die vorherigen. Nachdem der Abschluss meiner aktuellen Holzarbeit doch den größeren Teil des Tages beansprucht hat, ging es an die Gartenarbeit. V. hatte zuvor die recht überschaubaren Weintrauben gelesen. Das war wohl die geringste Ausbeute bisher überhaupt, aber für V. ist es auch gut so, da der gewohnte Umfang ohnehin heute zu viel wäre. Nur der Rotwein wird bei so wenig Trauben natürlich nur sehr geringfügig zur Verfügung stehen. Nach dieser Lese und dem Rückschnitt habe ich das ganze Laub zusammengetragen und verstaut, das Springbrunnenbecken gesäubert, das über den Sommer ganz verschlammt war und die letzte große Sonnenblume abgeschnitten, die mit dem größten Blütenkopf, von dem ich die nächstjährigen Samen entnehmen will. Dann hatten wir noch viel mit den noch verbliebenen Physalis zu tun, die jetzt fast alle abgeschnitten oder ganz herausgezogen sind. Noch unklar ist, was wir mit den getrockneten Lampions später anstellen werden. Vielleicht komme ich ja noch dazu, einen Kranz zu binden.

Zwischen Spätsommer und Frühherbst

Ein moderat warmer Frühherbsttag war das Richtige für den Start ins Wochenende. Und die Mischung von Projektarbeit am Vormittag und dem kunsthandwerklichen Arbeiten am Nachmittag war mir heute sehr angenehm, zumal ich damit eine gute Chance habe, den neuen Auftrag am Wochenende abzuschließen. So wünsche ich mir für Samstag genug Wärme, um draußen arbeiten zu können und dass wir diese letzten Ausläufer des Spätsommers im Garten genießen können. Mit dem Gartenbäumen, den Stauden und Blumen. Und mit allem, was wir an vegetabiler Dekoration daraus ableiten können.

Vorzeichen des Herbstes

Die Ansätze des Altweibersommers waren einige Male zu erkennen, aber zurzeit macht das wieder Pause, mit ziemlich nasser und kühler Witterung. Auch die Sonne hat sicher weitgehend verabschiedet. Interessanterweise sind das gute Bedingungen für manche Pflanzen. Zum Beispiel haben die Chilis jetzt zum ersten Mal ihre kleinen weißen Blütenköpfe geöffnet, ausgerechnet bei nass-kaltem Wetter, wo ich immer dachte, sie bräuchten trockene Hitze für ihr Wohlergehen. So kann man sich täuschen. Jedenfalls habe ich noch Hoffnung, dass etwas aus den Chilischoten, die hoffentlich noch wachsen, werden könnte. Die Bäume dagegen haben ihren jahreszeitlichen Höhepunkt bereits überschritten und verlieren immer mehr Blätter. Beim Weinlaub geht das schon länger und setzt sich kontinuierlich fort, so dass wir ständig kehren müssen. Und andere Arten verhalten sich da mehr punktuell. Am einen Tag sind die Blätter noch zu sehen, am nächsten sind sie schon um den Wurzelbereich verteilt. So erwarte ich es bei den Gleditschien und auch bei den Feigenbäumchen. Der Walnussbaum hat schon früher mit dem Abwerfen begonnen. Die Vorzeichen des Herbstes sind jetzt nicht mehr übersehbar.

Ein paradox-lebendiger Ausdruck des Vergehens

Die Lethargie, die sich unter den Menschen breit gemacht hat, scheint sich in diesen Frühherbsttagen zu verfestigen. So als ob man auf irgendetwas wartet, dessen Eintreten die Motivation wieder ankurbeln sollte. Schwer zu sagen, was dieses Ereignis oder diese Entwicklung sein sollte. Selten jedenfalls habe ich so wenig Zuversicht wahrgenommen, so wenig Vertrauen in die je eigenen Fähigkeiten, Dinge voranzubringen, aus aktuellen Eindrücken auszubrechen mit Anknüpfung an das, was man als aufbauend in der Vergangenheit kennengelernt hat. Ich kann mir in dieser Situation eine Belebung aus den Eindrücken des Blätterherbstes wünschen, wenn das Farbenspiel der Baumblätter etwas Lebendiges im Inneren anstößt, gerade weil es einen paradoxen, aber vertrauten Ausdruck des Vergehens darstellt.

Langzeitprojekte und Bestätigung

So arbeitsintensive Tage wie dieser haben auch etwas Bestätigendes. Auch wenn es überwiegend kommunikationsbezogene Projektarbeit war, hatte es auch kreative Elemente und systematische Herausforderungen, die sich in dem Fall auf hohem Niveau abspielten, weil es u. a. darum geht, eine sehr lange entwickelte Aufgabe auf die Zielgerade zu führen. Da bewegt man sich sozusagen auf absolutem Expertenniveau und kommt auch mal in rascher Folge zu zufriedenstellenden Lösungen. Wenn zwischendurch dann doch auch wieder Anfragen bezüglich meiner Manufakturarbeit und mit Bezug zur Baumsymbolik eintreffen, ist mir das eine schöne Bestätigung auch dieses Langzeitprojekts und eine beruhigende Aussicht auf ausgleichende handwerkliche Arbeit spätestens am Wochenende.

Bäume, Nachhaltigkeit und Wissenschaft

Heute habe ich mich auch in der aktuellen Projektarbeit dem Nachhaltigkeitsthema gewidmet. Sonst kommen die Bäume, die Landschaft und die natürlichen Grundlagen für mich ja meist in symbolischer Form zum Vorschein und werden von mir auf dieser Ebene bearbeitet und kreativ umgeformt. Aber die Nachhaltigkeit und zeitgenössische Grundidee für zukunftsfähige Einstellungen und Handlungen ist eben auch längst bei den Produkten, in dem Fall den Medien für junge Leute angekommen. Es so konkret zu behandeln und Möglichkeiten zu finden, die nach dem Nachhaltigkeitsprinzip entwickelten Medien der angesprochenen Zielgruppe schmackhaft zu machen, ist eine anregende Herausforderung, der ich mich seit vielen Jahren widme. Gerade wegen des Langzeitcharakters dieser Arbeit ist es wichtig, den Umsetzungen immer wieder eine aktuelle Wendung, einen immer neuen Akzent zu geben, die aktuell diskutierte Teilthemen und Themenfacetten in den Blick nehmen. Vielleicht ist dies einer der wenigen Bereiche, in denen wissenschaftlich fundiertes Denken noch so verwertbar ist, dass es auch kommunikative Anschlussfähigkeit und Wirkung erwarten lässt.

Kunst, Wissenschaft und Religion als ursprüngliche Einheit

Gerade die Vortragsmitschriften, aber auch die veröffentlichten Schriften Rudolf Steiners aus seinen späten Jahren wirken auf mich besonders beeindruckend. Es merkt schon deutlich, dass sich eine enorme geisteswissenschaftliche Erfahrung und Durchdringung bei komplexen Themen erhellend auswirkt, weil vieles über Jahrzehnte Entwickelte darin einen Höhepunkt der Auflösung und Plausibilität erreicht. Obwohl es so dicht formuliert ist, wie diese Vorträge über Kunst bzw. die ursprüngliche und wieder zu erreichende Einheit von Wissenschaft, Kunst und Religion, scheint doch große Klarheit daraus hervor, so dass man sich gut vorstellen kann, die Gründungsmitglieder der anthroposophischen Gesellschaft in Norwegen, gegenüber denen er 1923 dieses Vorträge hielt, konnte schon etwas Wesentliches mitnehmen. Diese teils an bestimmten Kunstformen enggeführten und recht plastisch erläuterten Gedanken schöpfen aus der ganzen geisteswissenschaftlichen Erfahrung und Hellsicht und können uns wegen ihrer Zeitlosigkeit genauso noch heute wertvolle Orientierung in unserem Verständnis der Rolle von Kunst in der Gesellschaft liefern. Damit wird mir auch mein eigenes geradezu symbiotisches Verhältnis meiner wissenschaftlichen Erkenntnisinteressen mit der immer vorhandenen und auch praktizierten künstlerischen Aktivität verständlich. Denn es geht darin um dasselbe, was Rudolf Steiner eigentlich als eine Rückkehr mit Umwegen zu einer ursprünglichen Durchdringung dieser Bereiche ausführt. Dieses Gefühl des Ungenügens bei einer alleinigen Konzentration auf wissenschaftliches Denken, wird aus dieser Perspektive sehr klar begründet und für mich verstehbar. Und weitergedacht wird auch meine spezielle Aufmerksamkeit auf die künstlerische Arbeit mit Baumsymbolen in einen weiten und anregenden Denkkontext gestellt, der mich noch lange beschäftigen wird.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.