Die Form der Blätter

Tulpenbaum-Blatt

Jetzt bewegt sich sehr viel in der Natur. Vielleicht auch wegen des durchwachsenen, immer wieder sonnigen, aber auch feuchten und zwischendurch bedeckten Wetters halten sich die Baumblüten länger als sonst. Besonders die Kirschblüten. Mit am typischsten für den Frühling finde ich aber das Sich-Entfalten der zarten Blattknospen. Es wirkt wie ein kleines Wunder auf mich, zu sehen, wie aus vor wenigen Wochen noch winzigen, kompakten, wie kleine Schwellungen der Zweigenden wirkenden Knospen sich diese vergleichsweise komplizierten Blattkonstrukte entwickeln, sich langsam auffalten und in schon wenigen Wochen dem Baum ein vollkommen anderes Aussehen verleihen werden. Heute konnte ich das an der Roteiche und sehr schön auch an den Tulpenbäumen beobachten. Die Blattform der Tulpenbäume fasziniert mich immer wieder von neuem, so unwahrscheinlich wirkt sie – wie mit der Schere ausgeschnitten. Besonders lustig hierbei: die ganz kleinen Blätter wachsen auf einer Seite schneller als auf der gegenüberliegenden und bilden zunächst eine ganz schiefe Form, die sich beim weiteren Wachsen aber dann korrigiert und in diese ungewöhnliche Symmetrie übergeht. Das ist vielleicht noch so ein Thema für dieses Jahr: Eine Serie von Fotografien über besonders beeindruckende Blatt-Formen.

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Merkwürdiger Efeu

Der Efeu gehört wirklich zu den merkwürdigsten Bäumen. Soweit man von Bäumen reden kann. Er wirkt auf mich immer wie etwas Eigenständiges, wohl weil er sich kletternd an einen Wirt anhängt und diesem dadurch ein verändertes Aussehen gibt, umgekehrt aber erst durch diese Stütze sichtbar wird. Um diese Jahreszeit sieht man an manchen Gewächsen immer noch die Früchte in ganz unterschiedlichen Reifegraden: Manche schon ganz prall und tiefschwarz-violett, andere voll ausgebildet, aber noch grünlich, wieder andere erst in dem Zustand, wie er sich zeigt, wenn die Blüte gerade dabei ist, sich in eine Frucht umzuwandeln. Alles gleichzeitig, so wie im Spätherbst die Blüten sich gleichzeitig mit ersten Früchten zeigen. Klare Zuordnungen lassen sich beim Efeu also auch im Wachstumszyklus nicht erkennen, er entzieht sich dem normalen Ablauf. Und gehört gerade deshalb zu meinen Lieblingen.

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Die letzte Ruhestätte

Heute Nachmittag ist es mir doch noch eingefallen, wenn auch das Licht nicht das beste war: Der Kirschbaum in D.

Kirschbaum-Blüte

Kirschbaum-Blüte

So übervoll mit Blüten habe ich ihn selten gesehen. Wenn das mal kein üppiges Kirschenjahr wird! Ein Gespräch am Nachmittag unter Kollegen drehte sich um verschiedene Formen von Bestattung. Ich habe von der Möglichkeit erzählt, dass man sich auch in vielen deutschen Städten bereits einen Friedwald-Baum aussuchen kann, an dessen Wurzelsystem die Asche des Verstorbenen eingebracht wird. Auch Frau M. fand es wichtig, dass man einen Ort der Trauer hat, der ein Aufsuchen oder Besuchen des Verstorbenen möglich macht. Der Friedwald ist lediglich eine Variante, die die konkrete Ruhestätte, den Lebensbaum des Verstorbenen, lediglich den Angehörigen bekannt macht. Anders als das klassische Friedhofsgrab lädt er die letzte Ruhestätte aber mit einer starken Lebenssymbolik auf, die sich in einem weiter wachsenden Lebewesen zum Ausdruck bringt und gedanklich mit dem Verstorbenen in Verbindung gebracht wird.

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Blühende Kirschbäume

Die Kirschbäume im inzwischen schon wieder verwilderten Garten in D. stehen zurzeit in voller Blüte. Leider habe ich heute vergessen, ein Foto zu machen. Genauer gesagt ist es der eine von zwei Bäumen, die diagonal in verschiedenen Ecken des Gartens verwurzelt sind und sich in Größe und Alter sehr ähneln. Trotzdem blüht der vordere ca. 2 Wochen früher. Ich habe keine Ahnung, woran das liegt, wo sie doch offensichtlich derselben Art angehören. Aber wie auch immer, es hat den Vorteil, dass man doppelt so viel davon hat: Wenn der eine schon abblüht, fängt der andere erst richtig an.

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Baum-Konstanz

Man sollte es nicht meinen, aber Baufirmen gehen meist besonders sorgfältig mit den Bäumen um, sofern längere Baumaßnahmen in ihrem Umfeld geplant sind. Wie heute sehe ich immer wieder eine Ummantelung der Baumstämme mit Brettern, die außen mit Drahtschlingen oder Bändern zusammengehalten werden. So bekommt der Baum eine zweite künstliche Haut und übersteht die Fahrzeuge und das Baumaterial meist schadlos. Wie geduldig Bäume auch jahrelange Beeinträchtigungen dieser Art erdulden.! Wenn der Schutt beseitigt und die Arbeit abgeschlossen ist, wächst schnell Gras über alles und die Bäume sind es, die dem Ort den Anschein von Konstanz verleihen.

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Libanon-Zeder

Schade, ich hatte darauf gehofft, aber in der tränenträchtigen Schlussszene von ,,Dornenvögel“ sind keine Bäume zu sehen gewesen, sondern Rosenstöcke. Bäume hätten auch gut gepasst, etwa so wie in dem kürzlich gezeigten Wunschbaum-Film. Ein Baumsymbol war in den letzten Wochen aber immer wieder in den Nachrichten zu sehen. Im Zuge der politischen Umwälzungen im Libanon sind jetzt des Öfteren Demonstrationszüge der Bevölkerung zu sehen, die meist die nationale Flagge des Landes mitführen. Die bildet in stilisierter Form eine Libanon-Zeder ab. Dieser schon in der Bibel ständig erwähnte Baum, der so typisch für die Landschaft dort auch heute noch ist, steht also für die Individualität eines ganzen Landes. Und im Zuge der politischen Umzüge steht der Baum natürlich, wie so oft, für Hoffnung, Weiterentwicklung und Wachstum. Möge er seine symbolische Kraft gegenüber allen Beteiligten in best möglicher Form entfalten!

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Kindheits-Bäume

Vielleicht war ich etwas voreilig. Die Kühle ist zwar vorerst geblieben, aber die Sonne ist wieder zurückgekehrt. Der Schwarzdorn steht in voller Blüte, bei manchen Sträuchern sind die Knospen aber noch geschlossen. Mir fiel erstmals auf, dass die Blüten einen eigentümlichen Duft verströmen. Ist das eigentlich eine Bienenweide? Falls ja, wird es uns wenig nützen, da in der Umgebung des Bienenhauses die Schwarzdornhecken wahrscheinlich dünn gesät sind. So wird der erste Honig wohl eine Mischung von Ahorn, Weide und vielleicht Kirsche werden. Gestern abend hat mich das Gespräch mit A. in Saarbrücken an eine frühe Verbindung zu den Bäumen erinnert: Zu Schulzeiten habe ich sehr gerne Bäume gemalt, in der Regel mit Wasserfarben. Während andere die Blätter wild mit dem Borstenpinsel aufgetupft haben, war es für mich selbstverständlich, jedes einzelne Blatt getrennt mit dem Pinsel zu einer geschlossenen Form zu gestalten. Immer schon hatte ich diese Tendenz zu klar abgegrenzten Formen. Das ist später wieder in meinen Holz-Skulpturen aufgetaucht. Diese Reminiszenz an Kindheits-Bäume wird mich mit Sicherheit noch beschäftigen. Sie hat mir wieder gezeigt, wie vielfältig die Verbindungen zu Dingen sind, denen man besondere Aufmerksamkeit schenkt, und wie weit die Wurzeln dieser Verbindungen zurück reichen können, ohne dass das im Alltag bewusst wird.

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Intermezzo

Die schönste Zeit des Frühlings, wenn nämlich die Bäume nach und nach ihr Grün erhalten und sich die ersten dekorativen Blüten bei Kirschbaum und Magnolie zeigen, droht von einem winterlichen Intermezzo wieder getrübt zu werden. Dabei hatte ich mich gerade auf die Milde eingestellt. Diesen unangenehmen Wechsel sehe ich im eigenen Körper gespiegelt, der zurzeit und leider schon seit vielen Wochen nicht so will, wie ich mir das vorstelle. Ich wünsche mir, dass ich nicht noch einmal eine dieser unkorrigierbaren und sich selbst nicht mehr korrigierenden Lebenserfahrungen machen muss. Vor allem aber, dass ich das Problem besser eingrenzen und verstehen kann.

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Déjà vus

Ab und zu holt mich die Vergangenheit ein. Dabei tauchen Denkmuster und Reaktionsautomatismen auf, die ich schon glaubte, hinter mir gelassen zu haben. Dann frage ich mich, wie weit es her ist mit dem Dazulernen. Déjà vu-Erlebnisse, glaube ich, nennt man das. Die berühren mich immer unangenehm, weil ich nicht sehr viel übrig habe für Vergangenes, kein sehr ausgeprägtes Geschichtsbewusstsein, auch was mein eigenes Leben angeht. Trotzdem geschieht natürlich nichts zufällig und hat alles eine Bedeutung, so auch das Ereignis oder die Begegnung, welche einen an unangenehm Vergangenes erinnert, bevorzugt dann, wenn das Unangenehme im äußeren Leben wieder aufgetaucht ist. Bleibt die Hoffnung, dass der Umgang mit der Situation bei der Wiederholung souveräner ausfällt und sich insofern eine Art Fortschritt einstellt. Warum diese Sätze in einem Baum-Tagebuch auftauchen: Dies gehört zu den Dingen, mit denen Bäume mit Sicherheit keine Probleme haben.

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Architektur-Bäume

Wenn ich wie heute in der Tiefgarage in M. parke, habe ich meistens unangenehme Dinge zu erledigen. Die Tiefgarage an sich ist schon unangenehm, wegen ihrer extrem eng gebauten Fahrbahnen und der tückischen Säulen, die es jedes Mal notwendig machen, zusätzlich zurückzusetzen, um gerade einparken zu können. Wenn ich dann dort angekommen bin, glücklicherweise sehr nahe dem Stadtzentrum, ergreife ich fluchtartig das Weite. Aber wenn ich zurückkehre, werde ich belohnt: In dem Streifen Erde, der die Mitte des zweistöckigen offenen Gebäudes markiert, wurzeln mehrere Bäume, von denen man nur noch den Stamm sieht, die Krone ist längst über das obere Parkdeck hinaus gewachsen. Finde ich irgendwie schön, und ich frage mich, wie das wohl angelegt wurde. Waren die Bäume beim Pflanzen schon so hoch, dass sie die Höhe des unteren Decks überragten, oder hat sich der Baum erst seinen Weg durch die Lücke in Richtung des Lichts gesucht. Die Idee finde ich jedenfalls toll, wie auch andere architektonische Versuche, Bäume in und auf Gebäuden zu integrieren und somit an unverhofften Orten wachsen zu lassen. Das wirkt sehr belebend.

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Das Natur-Modell

Habe heute etwas von einem wissenschaftlichen Simulationsmodell gelesen, mit Hilfe dessen man die ökologische Entwicklung eines Waldgebiets prognostizieren kann. Man hat darin die Erfahrungen der Forstleute miteinbezogen, weil man gemerkt hat, dass eine ,,Urwaldsimulation“ den tatsächlichen Verhältnissen eines bewirtschafteten Waldes nicht gerecht wird. In diesem Zusammenhang sind mir zwei Dinge eingefallen: Die vielerorts zu beobachtenden Versuche, ,,Urwälder“ wachsen zu lassen, sprich bisher bewirtschaftete Gebiete ganz sich selber zu überlassen. Und zum anderen unser Verhältnis zum Wald, wenn wir ihn zum Beispiel beim Spazierengehen nutzen. Tatsächlich wissen wir gar nicht, wie ursprünglicher Wald aussieht, weil es den so gut wie nicht mehr gibt. Alles ist schon von vorneherein kultiviert, Kultur-Landschaft und Wirtschaft-Wald. Und so ist es auch zu erklären, dass viele Urlauber etwa den Bostalsee, einen absolut künstlich angelegten großen Stausee im Saarland, als wunderbare Naturlandschaft schätzen, was er zweifelsfrei überhaupt nicht ist. Es scheint so zu sein, dass wir so eine Art Modell im Kopf haben, eine künstliche Vorstellung von Natur, die irgendwann zu unserem Bild von Natur geworden ist. Was dann noch auffällt, ist die Differenz zur städtischen Extrem-Gestaltung, nicht aber die nicht mehr wahrnehmbare Differenz zu dem, was Wald und Bäume einmal für unsere Vorfahren, z. B. zur Zeit der Kelten, bedeutet haben. Und so ertappe ich mich selber manchmal bei Gedankengängen, die von denen dieser Vorfahren, wie wir sie wiederum nur in Form literarischer und anderer textlicher Rekonstruktionen kennen, doch sehr stark unterscheiden müssen. Aus diesen ineinander verschachtelten Vorstellungen und einer gewissen Künstlichkeit im Umgang mit Natur, die wir letztlich immer als etwas uns gegenüber Stehendes wahrnehmen, werden wir uns wohl nie ganz befreien können.

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Neue Blüten

Einige meiner Baumblüten-Fotografien des letzten Jahres sind nicht ganz so gut gelungen, wie ich mir das wünsche. Ich hoffe, in diesem Jahr einige neue Aufnahmen machen zu können, so wie am Wochenende vom Schlehdorn, den ich lichter und näher ins Bild setzen konnte. Weitere Verbesserungskandidaten sind der Bergahorn, die Schwedische Mehlbeere, die Esskastanie, die Hängebirke, die Esche und die Rotbuche. Und dann gibt es noch eine Reihe weiterer, die ich bisher noch gar nicht einfangen konnte: die Blüte der Stechpalme z. B., und die verschiedener Nadelbäume. Wenn das Frühlingslicht so gut bleibt, wie es die letzten Tage versprechen, könnte das Vorhaben gelingen.

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Der unverstellte Blick

Mit dem unverstellten Beobachten ist das so eine Sache. Ich stelle immer wieder fest, dass ein Vorhaben, z. B. Blüten oder Blätter zu fotografieren, automatisch den Blick einschränkt, aber gleichzeitig auch intensiviert. Nur wenn ich mir vornehme, in diesem Jahr z. B. Wurzelstücke zu fotografieren, werde ich zu einem vernünftigen Ergebnis kommen. Und plötzlich sind die anderen Themen nicht mehr so interessant. Das meine ich: Der Versuch, einem Interessenfeld mehr Kontur zu geben, Transparenz zu schaffen, ist einer bestimmten, wissenschaftlicher Denkart verwandten Einstellung verpflichtet. Im selben Moment, wie man dieses Ziel erreicht, fällt anderes, vielleicht ebenso wichtiges, den aufgesetzten Scheuklappen zum Opfer. Manchmal ist deshalb das Gehen in der Natur ,,ohne Absicht“ ein großer Gewinnn. Die dabei gewonnenen Eindrücke machen den Kopf ein Stück freier.

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3. Lebensbaum-Text

Ich bin sehr froh, dass ich heute den dritten Lebensbaum-Text veröffentlichen konnte. Er ist gut gelungen und gibt die Richtung vor, in der ich mich bei diesem Thema bewegen möchte. Da ist noch viel zu lesen und viel zu erfahren, denn der Begriff ist ebenso uferlos und vielgestaltig wie spannend. Die Selbstspiegelung ist ein ganz wichtiger Aspekt und es ist gut, wenn ich ihn mir vor anderen z. B. reliogionsgeschichtlichen oder mythologischen Betrachtungen angesehen habe. Dort wird er nämlich wieder in je spezifischer Form auftauchen. Da kann die abstrakte Vorgabe von Vorteil sein.

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Natürlicher Aufbruch

Wieder drei neue Wünsche! Nun habe ich doch eine Erklärung: Es muss am Frühling liegen, der bringt neben der Müdigkeit, von der ich selber derzeit befallen bin, auch neue Aufbruchstimmung, da fällt das Wünschen leichter. Überhaupt ist der Mensch, wie mir scheint, viel stärker von der Natur, dem Klima und den atmosphärischen Schwankungen abhängig, als man gewöhnlich glaubt. Auch bei Menschen, die nicht so wetterfühlig sind wie ich, merke ich einen gewissen Zusammenhang zwischen Natur-Klima und Alltagsstimmung. Ich wünsche J. und allen anderen, die den Aufschwung dringend brauchen, aus gesundheitlichen oder anderen zwingenden Gründen, dass sich der Aufbruch der umgebenden Natur in ihrer inneren Natur spiegeln und ihre heilenden und harmonisierenden Kräfte entfalten möge.

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Kreativer Wunschbaum

Heute waren gleich zwei Leute in der Stimmung sich etwas zu wünschen, einer sogar vom ,,alten knorrigen Ölbaum“. Ich freue mich, dass auch der interaktive Teil des Wunschbaums phasenweise viele Interessenten findet. Wann diese Phasen auftreten, wird mir aber niemals vorhersehbar sein. Das macht das ganze aber auch spannend und fördert die Flexibilität, denn jeder Wunsch will ja auch illustriert sein. Mehr als 100 Wünsche habe ich schon gesammelt, und ich bin sicher, es werden sehr viele folgen. Denn das Wünschen ist ein zeitloses Bedürfnis. Ich bin froh, ihm eine ganz unaufdringliche und unverbindliche Möglichkeit bieten zu können.

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Baumgleich

„Dem Baume gleich, dem Fürsten des Waldes,
gewiß, ihm gleich ist der Mensch.
Seine Haare ensprechen den Blättern,
der Außenrinde gleicht die Haut.
Es strömt das Blut in seiner Haut
wie unter der Rinde des Baumes der Saft.
Dem Holz vergleichbar ist das Fleisch,
so wie dem Bast die starke Sehne.
Die Knochen sind das Innenholz,
das Mark vergleicht dem Marke sich.“

(aus den Upanishaden, altindische Sammlung philosophischer Text,
etwa 800-600 v. Chr.)

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Blätter und Blüten

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint, der Frühling ist dabei, sich voll zu entfalten. Die Blütenknospen der Magnolienbäume sind schon aufgesprungen und die Blüten stehen kurz davor sich zu öffnen. Früher, wie mir scheint, als im letzten Jahr. Und bei anderen Bäumen, wie dem Weißdorn und den Rosskastanien, zeigen sich die ersten Blätter. Besonders reizvoll finde ich zu beobachten, wie sich die Blätter aus ihrer kompakten Form heraus langsam auffalten, ein ganz wunderbar zartes und frisches Grün, das schon wenige Tage später zu einem Blattfächer sich entwickelt haben kann. In wenigen Wochen wird es Schlag auf Schlag gehen, und man wird kaum noch nachkommen mit beobachten, was nun wieder von neuem Blätter ausbildet oder blüht. Ich wünsche mir, in diesem Frühling und Sommer meine Übersicht heimischer Blüten- und Blattformen vervollständigen zu können.

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Die Facetten des Lebensbaums

Das Wetter zeigt seit den Osterfeiertagen dieses Muster: tagsüber eher bedeckt und kühler als es sich zum Frühlingsanfang ankündigte, und ab dem späten Nachmittag frühlingshaft hell und warm. Die Abendspaziergänge sind deshalb zurzeit das Angebrachteste. Ich bin sehr froh, dass ich die Ruhe der letzten Tage nutzen konnte, um endlich mal wieder mit meiner inhaltlichen Arbeit über die Lebensbaum-Thematik weiter zu kommen. Viel schneller als erwartet konnte ich den Text über die Selbstspiegelung im Ursymbol Baum weitestgehend abschließen. Es ist nur noch eine Überarbeitung, ein bisschen Feilen an der Formulierung notwendig. Damit habe ich den dritten Text zum zentralen Begriff des Lebensbaums fertig, dem sicherlich noch eine ganze Reihe weiterer Folgen. Die Facetten des Begriffs jedenfalls sind zahlreich, und außerdem vielschichtig und spannend. Ich denke, die Strategie, dem Begriff durch die sukzessive Arbeit an Teilaspekten näher zu kommen, ist die richtige. Anders wäre es unmöglich, einen Überblick zu erhalten. Zu vieles ist dabei aufzuarbeiten, was sich nicht anstrengungslos erschließt. Das Ursprüngliche und Universale ist eben nicht leicht zu fassen. Aber ich finde zunehmend Gefallen daran.

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Baum der Hoffnung

Bäume können die Seele rühren, Inneres nach Außen holen. In manchen Situationen mag der Kontakt mit den Bäumen besser sein als die Kommunikation mit anderen Menschen. Sie sind immer da, hören bereitwillig zu, sind zuverlässig am immer gleichen Platz zu finden. Vor allem aber stören sie nicht den inneren Dialog des Menschen mit sich selber. Vielmehr ermöglichen sie diesen Dialog. Eine Weide am steinigen Ufer der Saar. Sie blüht gerade mit ihren flauschigen Kätzchen, aus denen es knall-gelb hervorbricht. An Ostern und bei schönem, mildem Wetter. Aber die Weide ist herausgebrochen, die nicht sehr tief gehende Wurzel liegt fast vollständig frei, die Krone des niedrigen Baums ist schon in Richtung des fließenden Wassers geneigt und teilweise eingetaucht. Beim nächsten Regensturm wird sie ganz entwurzelt und davon schwimmen. Oder vielleicht doch nicht? Diese Beobachtung beim nachmittäglichen Spaziergang hat mich nicht erschreckt. Im Sonnenlicht sah ich im Gegenteil so etwas wie Hoffnung angesichts der offensichtlich fatalen Situation des Baums aufflammen. Einige Stunden zuvor hatte der Papst sich am Fenster seiner Wohnung am Petersplatz den wartenden Gläubigen gezeigt und wie jedes Jahr den Segen ,,urbi et orbi“ erteilt. Es war ganz anders als in allen Jahren zuvor, denn der Papst konnte nicht sprechen. Der schwer durch seine Krankheit gezeichnete alte Mann hat für alle sichtbar unter Aufbietung all seiner Kräfte seine nur dem Papst vorbehaltende Aufgabe auf sich genommen, und obwohl er wusste, dass das Sprechen nicht möglich sein würde, hat er es dennoch versucht, dem Mikrofon aber waren nur unverständliche Kehllaute zu entnehmen. Eine Geste, die Tausende Besucher auf dem Petersplatz in Rom und Millionen Menschen an den Fernsehern in aller Welt zu Tränen rührte. Ein Zeichen nicht so sehr des großen Lebenswillens des Papstes als vielmehr der gelebten Nachfolge Jesu, den er für die Kirche vertritt. Keiner wäre bei diesen Bildern auf die Idee gekommen, hier wolle sich ein Mensch überhöhen, der seinem Amt körperlich nicht mehr gewachsen ist. Allen war erkennbar, auch an der von einem Kardinal verlesenen Osterbotschaft des Papstes, die er selber verfasst hatte, dass er geistig vollkommen dabei ist, körperlich aber in extrem labilen Zustand. Was für ein unglaublich stärkendes Symbol, was für ein Ausdruck der Solidarität und des wirklichen Verständnisses für die Nöte kranker Menschen überall in der Welt! Dieses Osterfest wird den meisten Christen, zumindest den katholischen, die wie ich hörte etwa eine Milliarde weltweit umfassen, unvergesslich bleiben, hat es doch durch den Papst zum Ausdruck gebracht, worum es unter Abzug der Rituale und Hierarchien kirchlichen Lebens im Glauben wirklich geht.

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Bäume als Archetypen

Bäume sind Ursymbole des Lebens und dienen uns Menschen ganz hervorragend, wenn es darum geht, die eigene Persönlichkeit zu spiegeln und das Leben damit beobachtbar und gestaltbar zu machen. Natürlich helfen sie auch bei der Sinnsuche, die häufiges Ziel der Selbst- und Fremdbeobachtung ist. Alle Ebenen des Lebens werden von der Symbolik der Bäume durchdrungen: Das biologische, das seelische, das geistige, das soziale, das spirituelle Leben wird gleichermaßen im archetypischen Bild des Baumes sichtbar. Deshalb taugt das Baumsymbol und das Symbolische der natürlichen und rituellen Bäume in nahezu allen Lebenslagen zur Spiegelung des Selbst, der kultur- und zeitunabhängigen Spiegelung des Menschen in einem Lebewesen anderer Art, dem er sich wie keinem anderen ähnlich und verbunden fühlt.

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Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.