Zeitlose Fastnacht

Na ja, die Menschen sind jetzt natürlich schon auf Fastnacht eingestellt. Das äußert sich in der konkreten Kommunikation in einer gewissen Sorglosigkeit, im Internet in einer stark reduzierten Präsenz, gerade bei den Unternehmen. Aber solche Phasen sind auch ganz nützlich. Ich nennen sie gerne, die ,,zeitlosen“ Phasen, in denen die Zeit quasi still steht. Ausnahmesituationen, die gewisse Freiheiten schaffen und ein Stück willkommener Erholung obendrein. Ich freue mich auf abgeschlossene und neue Textprojekte, neue Fotografien, so viele neue in so kurzer Zeit wie nie zuvor, und hoffentlich bald auch auf neue Armband-Produktionen mit möglichst ungewöhnlichen Baumkombinationen. Das wäre gerade über die närrischen Tage eigentlich nicht das schlechteste.

Themenverschiebung

Schön, jetzt werden sogar schon Bilder mit Herbstblättern bei fotolia nachgefragt. Überhaupt hat sich die Motivsuche bereits verschoben in Richtung von jahreszeitlichen Eindrücken, die sich derzeit noch im Bereich des Wünschenswerten bewegen. Noch ist es nasskalt und der Ofen schluckt nicht schlecht. Vielleicht deshalb bin ich bei meinen Portfolio-Erweiterungen auch noch auf ganz anderem Gebieten tätig. Einen Schwerpunkt habe ich derzeit zwar nicht, aber Vintage-Themen werden dominanter. Der letzte sehr gelungene Versuch war einer mit Inflations-Banknoten der 1920er Jahre. Ein gutes Ergebnis, das sicherlich Resonanz finden wird, vielleicht auch im Zusammenhang einer bildhaften Verarbeitung der gegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftskrisen.

Abwehrhaltung und Winterschlafwetter

Selbst Hundebesitzer wirken in diesen Tagen auf ihren Spaziergängen trübsinnig und übellaunig. Man begegnet kaum jemandem, der sich nicht in einer Art Abwehrhaltung verfangen hält. Es ist, als ob der Winter uns so fest im Griff hat, dass dies schon bis auf das Sozialverhalten durchgeschlagen ist. Und im Netz spiegelt sich das gleiche Verhalten in ungewohnter Inaktivität. Winterschlafwetter, das die gesamte belebte Natur ergriffen hat. Das einzige, was diesem Eindruck bislang zuwiderläuft sind die bereits vor 2 Wochen durchgebrochenen Krokusse, sonst die letzten im Frühling, jetzt waren es die ersten, noch vor den Schneeglöckchen. Alles verrückt. Ich weiß, dass die Bäume zwar zäh sind, solche Unberechenbarkeiten aber mögen sie nicht. Und so wirkt der Feigenbaum trotz der Eiseskälte der letzten Wochen zwar im Sonnenlicht einfach nur kahl. Zu erwarten ist aber, dass er sich im Frühjahr sehr schwer tun wird, da ein Großteil seiner feinen Zweige erfroren sein dürften, und mit ihnen die neuen Wachstumsknospen. Direkt weiterwachsen wird so nur eingeschränkt möglich sein. Und so wird der Baum einmal mehr einen zweiten und vielleicht auch dritten Anlauf nehmen müssen. Anläufe, die Kraft zehrend sind und die spätere Fruchtreife wieder einmal gefährden. Wie immer wollen wir das Beste hoffen.

Antikältestrategien

Nun ist der Vorrat wieder mit dicken Buchenklötzen aufgefüllt. War leider noch zu schlapp, um beim Sägen zu helfen. Ich schätze, das wird noch alles aufgebraucht werden. Und vielleicht war es auch nicht das letzte Mal für diesen Winter. Es könnte allerdings auch bald umkippen, ein früher Frühling z. B., das würde zu den Ungereimtheiten und Kapriolen, mit denen sich das Klima seit Jahren gefällt, ganz gut passen. Nachts die Jalousien an allen Fenstern herunter und die Heizung nicht ganz aus, das sind schon Voraussetzungen, wenn man am nächsten Morgen nicht stundenlang frieren will. Und die Nachrichten von zugefrorenen oder gar geplatzten Wasserleistungen sind auch nicht gerade ermutigend. Jedenfalls war die Entscheidung zum Renovieren des Ofens eine der besten und nützlichsten seit langem.

Gutes Brennholz

V. holt jetzt alle paar Tage einige Scheite mit dem Auto heran. Das hilft, den Brennholzvorrat nach und nach wieder aufzufüllen, der durch die Dauerkälte stark geschrumpft war. Dabei dachten wir Anfang des Jahres noch, dass wir der Ofen gar nicht mehr zum Einsatz kommen würde. Die Buchenscheite, gemischt mit dem schweren Apfelbaumholz sind doch die besten Energiequellen, wenn der Ofen wirklich Leistung bringen soll und man nicht dauernd nachlegen will. Der Verbrauch ist jetzt allerdings ziemlich angezogen. Er ,,schluckt“ ziemlich viel, wie wir salopp immer sagen. Der Holzkorb aus ehemaligen Autoreifen, den wir V. zum Geburtstag geschenkt hatten, hat sich übrigens sehr bewährt. Ein guter Griff, sauber und stabil.

Privatwald

Ich glaube, selbst gelasseneren Naturen geht die Dauerkälte inzwischen auf die Nerven. Man bräuchte zwischendurch eine Auflockerung, die aber bis Mitte nächster Woche nicht in Sicht ist. So hat dieses neue Jahr so unberechenbar begonnen, wie die beiden letzten insgesamt verlaufen sind. Da müssen wir jetzt durch, und die Situation so nutzen, dass wir uns noch mehr auf die Arbeit konzentrieren. Denn selbst Spazierengehen ist jetzt keine Freude mehr. Am Nachmittag hat eine Besucherin, die selber über einen kleinen Privatwald verfügt die Möglichkeit zur Sprache gebracht, ein Unternehmen mit dessen Rodung zu beauftragen. Eines, das das gerodete Holz dann auch selber vermarktet. Das wäre natürliche eine Möglichkeit für unser ehemaliges Weihnachtsbaum-Grundstück mit den Fichten. Aber ich denke, V. wird sich letztendlich nicht wirklich dazu überwinden können. So sehr, wie er gerade an seinen Ländereien hängt.

Ofenreparatur

Heute war der Ofenbauer bei uns. Und tatsächlich, der Riss im Schamottmantel des Holzbrandofens ist Ergebnis eines Fehlers von seiner Seite. Das heißt, er wird ihn nach der Heizsaison reparieren, in der Form, dass der Hut des Mantels ganz erneuert, neu gemauert werden soll. So ist V. beruhigt. Und für den nächsten Winter werden wir wieder gut gerüstet sein.

Nicht beschweren

Jetzt auch noch Schnee. Na ja, ich kann mich nicht wirklich beklagen. Immerhin hatten wir trotz halb bedecktem Dach Anfang Februar schon so viel Sonne wie lange nicht mehr. So dürfte zumindest die Vorjahresbilanz im Februar erreicht werden. Wenn wir nicht ganz im Winter untergehen. Nun nehmen auch die Erkältungskrankheiten zu, wir stecken uns gegenseitig an. Etwa 1 Woche zu früh, das war für mich sonst immer um die Fastnachtszeit. Na ja, verlassen kann man sich ohnehin auf nichts mehr, gerade nicht auf das Wetter. Ich bin ganz froh, dass für die nächsten Tage keine handwerkliche Holzarbeit ansteht. Bei solchen Temperaturen und der nicht gerade umwerfenden Stabilität würde mir das gerade eher schwerfallen.

Sorge um den Feigenbaum

Der Mittagsspaziergang ist sehr angenehm, trotz der Kälte. Aber das Licht ist eben einmalig. Alles andere dagegen wird durch den Dauerforst ziemlich gewöhnungsbedürftig. Heute ist mir die Hand einmal beinahe an der Türklinke hängen geblieben, so unterkühlt war das Metall. Große Sorgen mache ich mir jetzt um unseren Feigenbaum. Der Stamm ist inzwischen zwar schon so stark, dass nichts passieren wird. Aber die ganzen jungen Triebe werden unter diesen Temperaturen leiden. Wenn es noch länger so bleibt, müssen wir wohl wieder mit einigen Frostschäden rechnen. Und das heißt: Der Baum wird lange brauchen, bis er im Frühjahr neu ausschlägt. Wieder ein Anlauf von vorne. Hoffentlich fallen die Schäden nicht allzu groß aus.

Wie müssen die Bäume sich fühlen

Unser Brennholzvorrat wird derzeit stark gebeutelt. V. muss von Tag zu Tag immer mehr auflegen. Und tatsächlich wurde im Süddeutschland letzte Nacht die tiefste Temperatur dieses Winters gemessen. Ganz zu schweigen von andern europäischen Ländern. Seltsam, diese Kälte unterscheidet sich von üblicher Winterkälte. Sie scheint tatsächlich in einen hinein zu kriechen. Eine Ahnung von den regelmäßigen Klimaverhältnissen in Osteuropa kommt da auf. Kein Wunder, dass viele dort depressive Persönlichkeiten ausbilden. Das Licht ist wichtig, um Motivationen zu entwickeln. Aber da es ja zurzeit tagsüber sehr hell ist, muss die Wärme eben auch eine Rolle spielen. Bei solchen Außentemperaturen glaubt man, sich zurückziehen und möglichst still halten zu müssen. Mein Gott, wie müssen die Bäume sich angesichts solcher Verhältnisse erst fühlen.

Sehnsucht nach Winterschlaf

Ich könnte die Eindrücke von gestern wiederholen. Tatsächlich scheint die Welt eingefroren, die Menschen wie erstarrt. Selbst in der virtuellen Welt ist alles merkwürdig unbeweglich geworden. Ein unwirklicher Tag, der wieder ganz im Zeichen der Kältewelle stand. Ich bin mir jetzt nicht mehr sicher, ob die provisorische Schutzabdeckung der Gleditschienbäumchen ausreichend ist. Mittlerweile dürfte der Frost zu ihren dünnen Stämmchen vorgedrungen sein. Vielleicht wäre es doch besser, sie ganz ins Hausinnere zu holen. Sonst wäre die jahrelange Aufpäppelei möglicherweise umsonst gewesen. Wenn das auch heute wieder so wunderbare Licht tagsüber nicht wäre, man könnte sich nach einem Winterschlaf sehnen.

Intelligenter Ofen

Die Kälte scheint uns jetzt doch noch einige Zeit im Griff zu behalten. Damit werden wir viel mehr Brennholz verbrauchen, als wir vor wenigen Wochen noch für möglich gehalten haben. V. redet schon davon, bald wieder Nachschub aufzusägen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das wirklich nötig werden wird. Es hängt eben alles daran, wie lange es noch anhält und wie früh der Frühling kommt. Unser Ofen zieht jedenfalls zurzeit wie verrückt, besonders zur Mittagszeit, wenn die Sonne hoch steht. Es scheint so, dass der hohe Luftdruck das Verbrennen befördert. Je sonniger, desto mehr Material wird verbrannt. Man könnte meinen, der Ofen könnte das Ausmaß der Kälte erspüren und würde seinen Brennstoffhunger danach dosieren. Schon interessant, welche Beobachtungen wir mit diesem schamottierten und professionell ausgebauten Holzbrandofen immer wieder machen können.

Lichte Winterästhetik

Dass es noch so kalt wird, hätte ich nicht gedacht. Aber die strahlende Sonne passt genau zur Tradition: Mariä Lichtmess. Schön, wenn sich Traditionen und Erlebtes so schön entsprechen. Und man genießt es einfach, trotz der Kälte so viel Licht aufnehmen zu können. Der Spaziergang in der Mittagsstunde ist eine wahre Erholungskur. Klare, wenn auch etwas trockene Luft, und dann ist alles wie in eine Licht-Softbox getaucht. Die Bäume und Sträucher werden davon zwar auch noch nicht grün, aber die bizarre Ästhetik ihrer erstarrten Winterlichkeit kommt besser zum Vorschein als gewöhnlich. Und wie immer, wenn es besonders unwirtlich in der Natur ist, wenden sich die Menschen gerne dem Lebendigen zu. Ich merke das an dem Interesse an den Themen und Angeboten der Wunschbaum-Seiten. Was man draußen zurzeit nicht sehen kann, schaut man sich gerne im virtuellen Medium an. Vorausahnend und wünschend, dass der Frühling bald kommt. Der Spruch des Bauernkalenders heute deutet jedenfalls auf einen frühen Frühling hin.

Wohlige Wärmequelle

Die Zufriedenheit mit unserem umgebauten Holzbrandofen wuchs zuletzt von Tag zu Tag. Ausgerechnet jetzt stellen wir fest, dass der Schamottmantel Risse ausgebildet hat. Und der erste Hilferuf in Richtung Ofenbauer war notwendig. Der wird tatsächlich in den nächsten Tagen vorbeischauen. Ich nehme mal an, dass die Funktion des Ofens nicht allzu stark beeinflusst wird. Aber es besteht immerhin die Möglichkeit, dass er von falscher Seite Luft zieht. Und das kann sich nur negativ auf den Verbrauch und die Energieeffizienz auswirken. Deshalb muss der Defekt letztlich beseitigt werden. Vielleicht ist dadurch auch der krautartige Geruch zu erklären, den ich in den vergangenen Tagen verschiedentlich feststellen konnte. Möglicherweise entsteht er beim Verbrennen von Abschnitten bestimmter Baumarten mit bemooster Rinde und dringt dann durch die feinen Risse nach außen. Ich hoffe, der Fachmann weiß einen vernünftigen Rat und hat auch gleich die Lösung parat. Angenehmer als an diesen extrem kalten Wintertagen empfinden wir diese wohlige Wärmequelle jedenfalls selten.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.