Feigenbaum-Revival

V. ist dieses Jahr unserem Feigenbaum viel wohler gesonnen als im Vorjahr. Sonst hatte er sich immer über ihn lustig gemacht und ihm nach den Schäden, die der Frost ihm zugefügt hatte, kaum noch eine Überlebenschance gegeben. Dass er sich jetzt aber wieder so eindrucksvoll aufgerappelt hat und schon so früh die ersten richtig großen Früchte hervorgebracht hat, scheint ihn beeindruckt zu haben. Vielleicht ist es das, der zu erwartende Ertrag, der ihn so optimistisch stimmt. Für mich ist das eher Nebensache, auch wenn das Ritual des sukzessiven Erntens eine Freude ist. Aber mir geht es vor allem darum, dass der Baum insgesamt wächst und kräftiger wird. Damit er sich in künftigen Wintern besser gegen die Kälte zur Wehr setzen kann oder nach Frösten schneller wieder neue Triebe ausbilden kann. Das scheint nach dem Totalausfall in 2010 jetzt wieder wahrscheinlicher. Ich hoffe, er wird mit den vielen kleinen Ästen sehr dicht werden und mit seinem ausgedehnten Blätterkleid jede Menge Sonnenlicht einfangen, um seinen Früchten die nötige Süße zu verleihen.

Power-Armbänder

Wieder drei Armbänder vorbereitet. Besonders die Kiefer fasziniert mich immer wieder. Sie strahlt eine solche Stärke und Souveränität aus. Als ob es sie schon immer gegeben hätte. Und als ob sie selber keinen Zweifel über sich zuließe. Ein sehr ausdrucksstarkes Holz, wenn es in dieser Form zu Perlen verarbeitet wurde. Eben sehr markant auf Grund des streifigen Musters, das durch unterschiedliche Ausprägungen von Früh- und Spätholz entsteht. Das Ergebnis jedenfalls macht Freude und kommt dem, was man vor zehn Jahren als ,,Power-Armbänder” bezeichnet hat, sehr nahe. Damals waren es Perlen aus Halbedelsteinen. In meinen Lebensbaum-, Wunschbaum- und Partner-Armbändern dagegen bin ich materialgerecht auf trommelförmige Perlen ausgerichtet. Das Konzept hat sich bewährt, denn so bleiben die Perlen lange Zeit unverändert und haltbar.

Holzbeobachtungen

Die Drechselbank steht kaum noch still. Heute wieder drei Stäbe angelegt: Walnussbaum, Edelkastanie, Kiefer. Besonders die Kastanie ist immer wieder schwierig, wegen des Drehwuchses und der weiten Kapillaren. Aber im Ergebnis hat sie eben eine eindrucksvolle Ausstrahlung. Die Kombination mit Walnussbaum wirkt besonders edel. Gerade weil beide Hölzer eine stark differenzierte Mikrostruktur besitzen und sich farblich in nicht weit voneinander liegenden Nuancen unterscheiden. Schön, dass dieses Interesse besteht, und dass die Menschen wirklich Freude an den Bändern zu haben scheinen. Das kann ich aus den verschiedenen Reaktionen herauslesen. Ich bin froh, dass das Wunschbaum-Projekt eine so schöne produktorientierte Initiative ausbilden konnte, und dass diese Initiative sich in den vergangenen achteinhalb Jahren so gut weiterentwickelt hat.

Speicher der Sonnenenergie

Es ist schön. Und gleichzeitig entspricht es meiner eigenen Erfahrung. Je mehr das Licht die Atmosphäre beherrscht, desto mehr Aufmerksamkeit richtet sich auf das Holz. Es sind nicht etwa die lebenden Bäume selbst, die mit ihrem Chlorophyll dieses Licht einfangen und damit die Grundlage allen Lebens schaffen. Nein, es ist das Holz, welches ihre Statik zu Lebzeiten sichert und das später in so vielfältiger Weise zum Arbeits- und Lebensmittel für uns wird. Dieses Holz wirkt wie ein Speicher der Sonnenenergie, die der Baum zuvor über viele Jahre in sich aufgenommen hat. Meine Armbänder stehen genau dafür, für diese Energie, die wir erleben, wenn wir einem Baum direkt gegenübertreten. Sie erinnern an und aktualisieren diese Energie. Und eben das wird zurzeit vielen bewusst, wenn sie sich für die Armbänder interessieren. Am schönsten ist dabei für mich, dass man sich auch Jahre später noch erinnern kann und auf das Produkt zurückkommt. Dass es über Jahre tatsächlich das Alltagsleben der Menschen begleitet und sicher häufiger Anlass zu Kommunikationen gibt, die ohne es nicht zustande gekommen wären. Genau das habe ich früher in meiner künstlerischen Arbeit zu erreichen versucht. Jetzt ist es die Wirkung eines kunsthandwerklichen und kommunikativen Projekts.

Zeitlos bewegende Initiative

Ein wirklicher Ruhetag war dieser Sonntag, der erste seit langem. Dabei war ich nicht untätig, habe lange aufgeschobene Verwaltungssachen erledigt und M. bei der Zusammenstellung ihrer Unterlagen geholfen. Aber ansonsten hielt sich die Aktivität in Grenzen. Sicher war das notwendig, inklusive des ausnahmsweise eingekauften Mittagessens. Die nächste Woche wird mich in Richtung der neuen Projekte bewegen. Aber es ist auch noch einiges abzuschließen. Dass immer häufiger alte Baum-Kunden auf mich zukommen, finde ich sehr schön. Es zeigt, dass die langjährige Initiative rund um die Symbolik der Bäume Früchte trägt und in ihrer Zeitlosigkeit und immerwährenden Aktualität die Menschen bewegt. Ich denke, dass ich in den nächsten Monaten unbedingt auch die zurzeit ausgesetzten Interaktionsangebote wieder einsetzen sollte. Allem voran natürlich der virtuelle Wunschbaum, wenn auch in reiner Textform. Und vielleicht und den Grußkartenservice, wenn ich das passende Modul finde. Die Seite könnte außerdem neue Texte vertragen. Aber ob ich dazu komme – ich werde sehen.

Ginkgo-Vorbereitungen

Bei diesem sommerlichen Wetter ist es morgens am schönsten, im Freien zu arbeiten. Deshalb habe ich meine Handwerksarbeit auf den Vormittag gelegt. Am Nachmittag stand dann nur noch das Aufsägen einiger kleiner Stäbe aus Ginkgoholz an. Es geht mir darum, einige Abschnitte schneller zu trocknen, als das gewöhnlich vonstatten geht. So hoffe ich, bereits im Hochsommer, vielleicht Ende Juli, die ersten Versuche mit Ginkgoholz unternehmen zu können. Dazu wage ich noch keine Prognose. Es ist in größeren Abschnitten verarbeitet, ziemlich splittrig und weich. Das sieht nicht gerade nach einfachen Eigenschaften aus. Aber es kann durchaus sein, dass die Mikrostruktur so ist, dass sich die Perlen problemlos daraus fertigen lassen. Letztlich hängt es an der Homogenität dieser Struktur. Es bleibt spannend. Zwischenzeitlich gäbe es noch eine Reihe weiterer Testkandidaten, etwa der Götterbaum, der Mirabellenbaum und die Abschnitte des Redwood-Baums, die mir H. aus Kalifornien mitgebracht hat.

Gute Lösungen

Die Sommerblumen haben wir heute gut hingekriegt. Eine klasse Auswahl, und die Kombination in den Trögen und Kästen ist wirklich gelungen. Wird bestimmt schön bunt, wenn sie mal richtig angewachsen sind. Fast noch wichtiger und eine echte Erleichterung ist, dass ich ein anderes Problem auflösen konnte. Das hätte mir für einige Wochen ansonsten heftige Bauchschmerzen bereitet. So ist es eindeutig besser, auch wenn man sich den Abschluss eines Projektes, in das man viel Energie gelegt hat, anders vorstellt. Morgen noch das letzte Armband, Ahorn und Apfelbaum, und dann kann das sonnige Wochenende kommen.

Frühlingsarbeiten

Wieder eine gute und erfolgreiche Arbeit am Holz. Bei solchem Sonnenschein, den ganzen Tag über, ist das eine Freude. Viel Apfelbaum ist zurzeit dabei, auch Ahorn und Nussbaum. Irgendwie lerne ich durch die häufige Bearbeitung die Hölzer und ihre Ausstrahlung immer besser kennen, entdecke ihre verschiedenen Facetten. Morgen steht eventuell wieder Brennholzsägen an, und natürlich das letzte Armband. Und vielleicht schaffen wir es, die ganzen Sommerkübelpflanzen zu kaufen und einzupflanzen, vor dem Haus und auch auf Gs Grab.

Frostschäden

So schöne Tage, heute wahrscheinlich sogar ein Sonnenscheinrekord. Aber die Nächte neigen sich dann eben dem Gefrierpunkt. Es ist ein Jammer, dass ausgerechnet oben bei Vs Bienenhaus ein enorm kalter Wind weht. Die Folge ist, dass alle empfindlichen Bäume regelmäßig erfrieren. Bei den Nussbäumen und beim kleinen Maulbeerbaum ist das in diesem Frühjahr schon zweimal passiert. Und immer wieder nehmen die Bäume einen neuen Anlauf und bilden neue Blatt- und Asttriebe. Ich hoffe, dass die Frühsommer mehr Stabilität auch in den Temperaturen bringt. Was bei den Blättern ja schon unangenehm und für die Bäume anstrengend genug ist, zeigt sich bei den jungen Blüten fatal. Denn seit Jahren bedeutet das auch einen Ernteausfall für die Kirschen und Mirabellen. Na ja, vielleicht haben wir 2011 ja doch noch mehr Glück.

Gegensätze

Das war ein Tag mit Gegensätzen. Es ist schön, wenn man an eigenen Produkten arbeiten kann. Erzeugnisse, die nicht nur die eigene Handschrift tragen, sondern auch sozusagen eigene Erfindungen darstellen, sind auch langfristig motivierend. So habe ich auch die letzte Bestellung schöner Kombinationen: Eiche-Esche und Eiche-Pappel zügig abschließen können. Auf das Erlebnis am Nachmittag hätte ich dagegen gut verzichten können. Aber dass dies etwas Unangenehmes werden würde, war ohnehin schon vorher klar. Das manche Menschen sich aber nicht zusammenreißen können, das ist ganz und gar nicht hinzunehmen.

Angenehme Abwechslung

Sonne pur, und der sonnenreichste Tag des bisherigen Jahres. Und gleichzeitig wurde es verdammt kühl. Ich hoffe, die kleinen Gleditschien müssen nicht leiden. In Sachen Naturfotografie läuft zurzeit unheimlich wenig. Aber die Armbänder sind sehr beliebt. Und das beschert mir angenehme Arbeitsphasen im Freien. Eine wirklich schöne Abwechslung.

Schöner Maianfang

Ich denke, wir werden in unserer Ecke Deutschlands doch von den Nachtfrösten verschont. Das ist gut für unsere Gartenbäume und sonstigen Pflanzen, die sich in den warmen Tagen gerade so gut entwickelt haben. So nehmen sie keinen Schaden. Nicht genug wundern kann ich mich an diesem wunderbar sonnigen 1. Mai über den Feigenbaum. Daran sind jetzt schon mittelgroße grüne Feigenfrüchte zu sehen. Mehr also, als in 2010 bis zum Spätherbst an selber Stelle zu finden war. Das zeigt, dass für diese Art eben doch die Wärme ausschlaggebend ist. Nicht nur das Licht. Mit den frühsommerlichen Temperaturen fühlte er sich offenbar zu Hause. Und dann zeigt er einen starken Wachstumswillen, der Blätter und Früchte gleichzeitig entstehen lässt. Seltsam ist, dass die Vegetation so wenig Fotogenes derzeit hergibt. Ich konnte den schweren Fotoapparat kein einziges Mal hervorholen, was bisher selten vorgekommen ist. Dabei habe ich mir in punkto Naturfotografie in diesem Jahr noch einiges vorgenommen. Hoffentlich lässt sich das über die schönen Monate realisieren, mit Blättern vor allem, aber auch mit den Sommerblühern und den ersten Baumfrüchten.

Ein richtig gutes Sonnenjahr

Nun bin ich sonnenbilanzmäßig doch noch ziemlich an den April 2010 herangekommen. Nicht ganz zwar, aber fehlt nicht viel. Gerade einmal ein durchschnittlicher Tag. Das macht doch Hoffnung, dass 2011 ein richtig gutes Sonnenjahr werden könnte. Und eines, das den Pflanzen gutes Wachstum und eine neue Chance bringt, wie im Falle unseres Feigenbaums, der kleinen Gleditschien oder des Wandelröschenstrauchs, die alle im vergangenen Jahr geschwächelt haben bzw. erst gar nicht richtig zum Wachsen kamen. Die größere Wärme, die das Licht diesmal begleitet hat, ist wohl für diesen Unterschied verantwortlich. Bleibt zu hoffen, dass sich die Linie positiv fortsetzt und die vielen Baumblüten in den kommenden Tagen nicht unter vorgezogenen Eisheiligen leiden müssen. Das wäre dann in V. Bienengrundstück wieder einmal das aus für die Mirabellen und oben auf dem Berg für die Zwetschgen, Birnen und Äpfel.

Wetterkonstanten

Sieht so aus, als wenn das Wetter sich ähnlich wie im vergangenen Jahr verhält. Im April überwiegend super hell, auch wenn es in 2010 gleichzeitig kühl war. Und in Richtung des Mai dann wird es zunehmend durchwachsen. Schade, wir hatten uns gerade schon an das Frühsommerliche gewöhnt. Gut, dass ich zurzeit wieder am Holz arbeiten kann. Morgen werde ich sicherlich mit dem Nussbaum-Armband und mit dem kombinierten Nussbaum-Ahorn-Armband abschließen können. Und mit der Wärme wird dann auch die Hinwendung zu den Bäumen und ihrer Symbolik wieder zunehmen. Gut für die Resonanz der Wunschbaumseiten.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.