Lichtdurchflutet

Viele leiden unter dieser Wechselhaftigkeit des Wetters. Wohl weil es den Körper belastet. Im günstigsten Fall kann es aber auch etwas Erholsames haben. Mein Eindruck ist, dass solche Wetter-Wirr-Tage auch eine besondere Form von Gelassenheit erzeugen. Und die kann in Kommunikationen wohltuend sein. Nur zu lange sollte das nicht andauern. Sonst verliert man noch den Glauben an die Jahreszeiten. Für unsere Breiten wäre das ein Kulturschock. Immerhin, heute ist bei fotolia jemand über mein Frühlingsblätter-Bild gestolpert. Die sommerlichen Hainbuchenblätter, wenn ich mich richtig erinnere, vor einem Jahr ungefähr um diese Zeit entstanden, strahlen in ihrem saftigen Hellgrün etwas ungeheuer Frisches und Lichtdurchflutetes aus. Ich hoffe sehr, einige neue Aufnahmen dieser Art während des Hochsommers umsetzen zu können.

Blattfärbung und Bodenbeschaffenheit

Die Menschen scheinen sich von den Pfingstferien noch nicht ,,erholt” zu haben. Ich kann ich seit Jahren beobachten, dass zwei Wochen und zwei Wochen nach Pfingsten viele ihre Gedanken und Pläne neu ordnen müssen und in dieser Zeit kaum ansprechbar sind. Jedenfalls scheinen dann die Projekte zu stagnieren. Der Vorteil: in solchen Zeiten kann man eigenen lange aufgeschobenen Vorhaben nachgehen. Das hat auch was. Wenn man die kleinen Gleditschien betrachtet, dann könnte man meinen, der Herbst stünde vor der Tür. Die haben sich nämlich in ein gelbliches Grün verwandelt. Jedenfalls alle bis auf einen. Mit ist der Gedanke gekommen, dass diese unterschiedliche Laubfärbung eventuell mit der Bodenbeschaffenheit zusammenhängt. Kann schon sein, etwas Ähnliches hat der Weihnachtsbaumverkäufer behauptet, auf die Frage hin, warum die einen satt dunkelgrüne und die anderen frisch hellgrüne Nadeln tragen. Allerdings weiß ich nicht, ob das auch ein Qualitätsmerkmal darstellt. Ob also neben der ästhetischen Differenz auch das Maß ihrer Gesundheit darin ablesbar ist. Ich hoffe doch, dass sie trotz gelblicher Blätter weiter gedeihen.

Sonnen-Halbzeitbilanz

Die Sonne kommt wieder. Und mit ihr die Chance, dass die Sonnen-Halbzeitbilanz des Juni doch noch ganz ordentlich ausfällt. Dann können die Bienen auch wieder fleißig sein und sich auf die Brombeerblüten stürzen. Und die Esskastanien werden ebenfalls nicht mehr lange auf sich warten lassen. Damit ist der Höhepunkt des Bienen- und Honigjahres schon erreicht. Und die Töpfe wieder ganz gut gefüllt. Ich wünsche mir dafür noch einen guten Witterungsverlauf. Und dass die Bienenvölker stark und vital bleiben.

Moderne Holzarchitektur

Der Band über internationale moderne Holzarchitektur war wirklich spannend: Wood, Holz, Bois. Ich hätte nicht gedacht, dass man aus Holz derart repräsentative, ästhetisch ansprechende und ökologisch zukunftsweisende Gebäude errichten kann. Wenn ich die Diskussion um Nachhaltigkeit, Energiesparen und gesunde Lebensweise verfolge, stelle ich große Entwicklungsschritte fest. Bei der Architektur scheint das dagegen noch nicht wirklich angekommen zu sein. Häuser in Blockbauweise sind das äußerste, was man – selten – hierzulande zu Gesicht bekommt. Das andere sind Projekte von experimentierfreudigen Architekten. Wenn in einem solchen Band aber gleich 40 tolle Objekte beschrieben sind, aus aller Welt, dann zeigt das doch immerhin das Potenzial, die Möglichkeit einer ausgebreiteten Realisierung für Wohnhäuser im eigenen sonst doch so energiefortschrittlichen Land eingeschlossen. Ich denke, ich werde das weiterverfolgen. Mit dem jetzt von der Bundesregierung beschlossenen Ausstieg aus der Atomenergie sehe ich gewisse Chancen, einen guten Nährboden für eine – vielleicht sogar – Vorreiterrolle Deutschlands auf diesem Gebiet.

Pfingsten und die ausgeleuchtete Klarheit

Es ist schön, wenn die Atmosphäre an den Feiertagen ihrer jeweiligen Bedeutung entspricht. An diesem Pfingstsonntag hatte ich den Eindruck, dass die Stimmung des Tages genau zur belebenden Rolle des Heiligen Geistes passte. M. hat dann am Nachmittag auch darauf Bezug genommen, meinte, dass das bei mir mehr Wirkung hinterließe. Aber das war natürlich nicht ganz ernst gemeint, ist er doch für alle gleichermaßen da. Ich meine, dass sich an solchen Muster-Feiertagen das Verwobensein von natürlicher Schöpfung, was wir Umwelt oder Natur nennen, und eben dieser göttlichen Quelle besonders deutlich offenbart. Im Licht der strahlenden Sonne, in der ausgeleuchteten Klarheit der Bäume, überhaupt aller Lebewesen und auch Objekte um uns herum kann dieser Geist spürbar sein. Ich verstehe das wie eine Vergegenwärtigung eines alltäglichen Aufgehobenseins. An einem Feiertag ist es vielleicht einfacher, sich das klarzumachen. Aber Achtsamkeit und Aufmerksamkeit auf die Zeichen im Inneren und aus der Kommunikation heraus, das ist an allen Tagen wichtig. So kann es uns gelingen, den je eigenen Lebensplan zum Thema zu machen.

Phasenweise Kälte

Die Nachmittagssonne hat mich für die phasenweise Kälte des Tages entschädigt. Bei den Gleditschien, da muss ich meine gestrige Beobachtung korrigieren, zeigen doch neue Asttriebe. Das war mir zuvor nicht aufgefallen, vielleicht weil sich Wachstum abrupt verlangsamt hatte. Jedenfalls denke ich, dass der Sommer zurückkommen kann. Jetzt, wo er offiziell ja erst beginnen soll.

Gestörter Biorhythmus

Eine seltsame Wendung hat dieser Frühsommer genommen. Wo wir uns schon ganz auf Hochsommerliches Feeling eingestellt hatten. Und jetzt das. Ich glaube, die Bäume mögen das auch nicht besonders. Die Gleditschien jedenfalls, vor Wochen noch wuchsfreudig wie nie, wirken schon fast, als ob sie ihre Blätter wieder abwerfen wollten. Ihr saftiges Grün hat sich in eine herbstliches blassgelb verwandelt. Ich hoffe, das dreht sich wieder. Für uns Menschen sind solche Biorhythmusstörungen nicht das förderlichste. Und zum Feiertag passt es erst Recht nicht. An regnerisch unwirtliches Wetter über Pfingsten kann ich mich kaum erinnern.

Kaum zu viel Aufmerksamkeit für die Bäume

Bei meinen Entwürfen schälen sich immer wieder die transparenten Entwürfe ab. So transparent wie die neuesten, habe ich es bisher nie erreicht. Es geht jetzt genau in die Richtung, die mir immer vorschwebte. Gerade so, als ob mein Familienname Programm sei und das Licht eine tragende Rolle in meinen Hervorbringungen und den bevorzugten Themenfeldern spielt. Vielleicht ist es ja auch das, was mich vor Jahren zu den Bäumen geführt hat. Es ist nicht allein die Biologie und natürliche Faszination der Bäume. Besonders ihre Symbolik, die reichhaltigen Verbindungen zum Menschen, die vielen Formen der Selbstspiegelung in Bäumen, die ästhetischen Dimensionen der Bäume stehen für mich im Mittelpunkt. In all diesen Dimensionen kommt die lichte Natur der Bäume, ihre Bestimmung, das Licht einzufangen, daran zu wachsen und vieles wieder an die Umwelt abzugeben, was deren Leben und Überleben erst ermöglicht. Eine ganz zentrale Rolle also im Ganzen des globalen Lebenszusammenhangs. Dem kann man kaum zu viel Aufmerksamkeit schenken.

Kräftiges Wachstum

Ich denke, jetzt sind die Schmuddeltage wieder vorbei. Die Sonne strahlt schon wieder am späten Abend tief vom Horizont. Nun können die Landwirte zufrieden sein. Und auch alle Gartenbesitzer. Wichtig ist jetzt, dass die Feuchtigkeit für kräftiges Wachstum genutzt werden kann. Dann ist der etwas verhaltene Start in den Sommer ganz gut zu verkraften. Derzeit bietet die Landschaft nicht sehr viele attraktive Motive. Deswegen reizt mich auch das Fotografieren nicht so sehr. Ich warte jetzt auf die ersten roten Früchte, z. B. der Eberesche oder der Schwedischen Mehlbeere. Beim mittäglichen Spaziergang gesehen habe ich schon die leuchtend roten Beeren der Roten Heckenkirsche. Im Laufe des Sommers werden sie noch voller und später transparenter. Dann mag ich sie besonders, weil sie dann in der Sonne leuchten. Schön sind auch die Brombeeren, wenn auch noch nicht zur Hochform aufgelaufen. Das ist ganz gut so. Wenn sich deren Blüte hinzieht, werden die Bienen noch einige Wochen reichlich Beute machen können. Und Vs Ergebnis für 2011 wird vermutlich versöhnlich ausfallen, wenn man es mit dem traurigen Ergebniss des Vorjahres vergleicht. Ich hoffe, auch die Bienenvölker bleiben stark und kommen gut in den Herbst.

Geheimnisvolle Gewächse

Aus den Gleditschienbäumchen werde ich nicht wirklich klug. Vor einige Wochen haben sie einen richtigen Wachstumsschub hingelegt und schienen in ihrem Drang kaum zu bremsen. Und jetzt ist bei allen gleichzeitig wieder Stillstand eingekehrt. Es scheint sich nichts mehr zu bewegen, genau wie im letzten Jahr. Nur dass es damals ganzjährig nicht vorwärts ging. Ich habe keine Ahnung, wovon das abhängt. An den Witterungsverhältnissen hat sich doch nichts grundlegend geändert. Aber es ist wahrscheinlich wie bei allen interessanten und ausdrucksstarken Gehölzen: Sie bergen gewisse Geheimnisse und ziehen dadurch besondere Aufmerksamkeit auf sich. Vielleicht erkenne ich ja irgendwann die dahinter stehenden Regeln.

Wachstumsphasen

Seltsames Wetter, das ständig hin und her springt. Man kann keine Richtung erkennen. Aber der Sommer hat sich nicht verabschiedet, was man an den hohen Temperaturen merkt. Die Gießwassertonnen sind jetzt wieder gut gefüllt. Damit wird es zumindest in den nächsten Wochen keinen Engpass geben. Zumal man sich zurzeit das Gießen sparen kann. Ich bin sicher, die Bäume werden jetzt einen deutlichen Wachstumsschub ihrer Blätter und Früchte hinlegen. Dann muss aber schnell wieder das Licht zurückkehren, wenn z. B. aus unseren Feigen etwas werden soll. Für die ist nämlich die konstante Wärme und die Helligkeit entscheidend. Nur wenn der Baum sicher ist, in beständigem Sommerklima zu gedeihen, ist er bereit, seine Früchte auszubilden. Das haben wir im vergangenen Jahr gut beobachten können. Dieses Jahr hat er ein dutzend schöne Früchte ,,vorgeschossen”. Aber die übrigen lassen nach wie vor auf sich warten. Bleibt zu hoffen, dass dies nicht auf die vermutete Schädigung schließen lässt und dass der Baum sich bald wieder vollständig erholt hat.

Aus der Wurzel neu entstanden

Eine unserer kleinen Gleditschien, ausgerechnet die älteste, die den Winter nicht überstanden hat, hat jetzt aus dem Wurzelstock heraus neue Triebe gebildet. Es kamen mehrere, weswegen ich die überschüssigen entfernt habe. Ich hoffe, dass der verbliebene so eine bessere Chance hat, wieder zu einem Stämmchen zu werden. Die Wuchskraft scheint bei dieser Art des Sprießens nicht so groß zu sein. Jedenfalls tut es sich bisher noch sehr schwer. Die anderen entwickeln sich dagegen gut. Ist ja auch kein Wunder bei so viel Sonne. Und neben dem heute installierten Springbrunnen werden sie auch regelmäßig genügend Feuchtigkeit abbekommen. Bleibt nur noch zu hoffen, dass der Sommer so wird, wie es der Frühling zu versprechen schien, nämlich ungewöhnlich lichtreich und warm.

Anregender Anschau-Tag

Der Besuch bei den Gartenträumen hat sich gelohnt. Diesmal gab es wohl ein Jubiläum, und man hat besonders viele Händler eingeladen. Auch stand viel mehr Raum zur Verfügung. So konnte man sich problemlos mehrere Stunden dort aufhalten und hat am Ende doch noch nicht alles gesehen. Einige nette Utensilien für den Garten, aus patiniertem Metall, haben wir gefunden. Und, das freut mich besonders, zwei Chilipflänzchen. Der Händler meinte, bei dem Trog, in den wir es einpflanzen wollen, seien zwei ausreichend, da sie sich ausdehnen. Ich bin gespannt, ob die gut anwachsen. Und vor allem, ob es dieses Jahr schmackhafte Chilischoten zu ernten gibt. Gereizt hätte mich auch ein keiner Tulpenbaum, der aber schon recht kräftig ausgebildet war. Das Problem: Wir haben einfach keinen geeigneten Platz mehr für ihn. Zumal diese Art ziemlich groß und ausgedehnt wird. Schade, dass man bei solchen Vorhaben eben immer an die Dimensionen des Gartens gebunden ist. Nach so einem Anschau-Tag freue ich mich morgen auf wieder stärker kreative Tätigkeiten. Da steht einiges auf dem Programm. Aber die Endlektüre von James Redfields ,,Die 12. Prophezeiung von Celestine” gehört unbedingt auch dazu. Am Morgen habe ich zudem einen Entschluss gefasst, der ein lange angedachtes Projekt wieder aufgreift. Ich hoffe, es wird dieses Jahr auch tatsächlich gelingen. Es geht um neue Makros zum Thema ,,Holz”. Ich glaube, das ist tatsächlich mein Favoritenthema, zu dem ich noch einige gute Beiträge leisten kann. Aber mehr Licht, eine etwas bessere Ausstattung für die Objektfotografie und wieder mehr Spaziergänge sind einfach eine Voraussetzung dafür, den Faden aufzunehmen und weiter zu spinnen.

Im Dialog mit der Gartenwelt

Auf die ,,Gartenträume” morgen bin ich gespannt. Im letzten Jahr waren wir nicht dort. Ganz gut, denn so viel ändert sich von Jahr zu Jahr nicht, und mit etwas Abstand ist es schon eher möglich, etwas Anregendes zu entdecken. Bei sonnigem Wetter ist allein das Flanieren über die Innenhöfe mit den vielen Ausstellern eine Freude. Auch zu sehen, dass die Menschen dem Thema Garten eine wachsende Begeisterung entgegen bringen. Das lässt mich dann auch mein eigenes Verhältnis dazu überdenken, bei dem sich in den letzten Jahren einiges verändert hat. Hin zu einem Familienthema haben sich die eigenen Gärten entwickelt. Zu einem gemeinsamen und eigentlich zu allen Jahreszeiten aktuellen Gesprächsgegenstand und wichtigem Ort für Gespräch und Erholung. Dabei spielen eigentlich alle Pflanzen eine Rolle, zudem z. B. die Vögel, die sich einfinden, oder die streunenden Katzen der Nachbarn. Für mich selber ist der Garten aber vor allem durch die Bäume greifbar und immer wieder neu erlebbar. Ich beobachte zu allererst ihre Entwicklung im Jahreslauf und setze sie in Beziehung zum Wetter, dem Wachsen, Blühen und Fruchten der anderen Pflanzen. Und natürlich vergleiche ich die verschiedenen Bäume auch untereinander. Denn jeder hat seinen ganz eigenen Charakter, ist eine Persönlichkeit, die mir ans Herz gewachsen ist. Und doch gehören sie zusammen, sind nicht zufällig im selben Garten aufgewachsen. So kann ich mir meine eigenen Gedanken darüber machen, was möglicherweise, meinen Sinnen verborgen, an Kommunikationen zwischen ihnen vor sich geht. Ich jedem Fall aber kann ich ihr äußeren Dasein beurteilen und daraus auf ihre Befindlichkeit und die Unterschiede ihrer Befindlichkeiten schließen. Das ist eigentlich ein aktiver Versuch, in eine Art Dialog mit deren Welt einzutreten. Das schöne ist, dass das wortlos funktioniert und auch eine ganz eigene Art von Reflexion ermöglicht. Für mich eine große Bereicherung.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.