Gemeinschaftsarbeit rund um den Mirabellenkuchen

Heute, so schätze ich, haben wir wohl die letzten Mirabellenkuchen dieser Saison gebacken. Wobei backen natürlich untertrieben klingt. Tatsächlich ist es jedes Mal eine Gemeinschaftsarbeit, für die V. die Früchte gepflückt und entkernt hat, M. die Teige zubereitet hat und ich alles mit meiner speziellen Technik belegt habe. Natürlich bin ich auch für die ganzen Nacharbeiten mit den Blechen und dem späteren Verpacken und Einfrieren zuständig. Und mit den jetzt noch 13 übriggebliebenen Mirabellenkuchen sind es auch von dieser Art genug – einen für jeden Monat eines vor uns liegenden Jahres. Alle Blechkuchen mit Baumobst werden es aber wohl noch nicht gewesen sein. Schließlich steht noch die Ernte der Zwetschgen, Pfirsiche und später auch der Äpfel noch an. Ich hoffe nur, wir werden das alles einfrieren können. Langsam wird der Gefrierraum knapp. Aber die Familientradition ein weiteres Mal gepflegt zu haben, ist uns doch am Ende immer eine Freude. Auch, dass das in Gemeinschaftsarbeit überhaupt noch möglich ist, keineswegs selbstverständlich.

Jahreszeitliche Verwertungstradition

Sehr gleichförmig erscheinen diese Tage, wie geklont und mit ähnlichen Abläufen. Und tatsächlich haben wir auch heute, als Nebentätigkeit, die aber viel Zeit beansprucht, wieder 5 Mirabellenkuchen gebacken. Nun sind es schon 10, von den wir einen schon gegessen haben. Und einen eingefrorenen vom Vorjahr habe ich heute aus der Truhe geholt, damit wir ihn morgen verzehren können. Das wird vermutlich wieder ein Problem mit dem freien Platz im Gefrierschrank ergeben. Aber das erleben wir eigentlich in jedem Jahr. M. ist ziemlich genervt wegen der vielen Teige und des großen Zeitaufwands. Ich hoffe, die Aktion artet nicht aus und erfüllt noch ihren traditionellen Zweck, nämlich bewusst jahreszeitlichen Aktivitäten nachzugehen und die saisonalen Baumfrüchte zu verwerten.

Nervöse Erscheinungen unserer Zeit

Ok, auch der August fängt wieder so an, wie der Juli aufgehört hat. Es scheint kein Ende zu nehmen mit dem Regen, den kühlen Temperaturen, dem Scheitern des Hochsommers. Recht schwer zu ertragen, zumal die Menschen ohnehin zur Nervösität neigen, angesichts all der Unzulänglichkeiten im engeren Umfeld wie in der weiten Welt. Da müssen wir uns einmal mehr auf die Grundlagen besinnen, bei den natürlichen Grundlagen ebenso wie im Sozialen und Kulturellen. Ein paar Schritte zurücktreten, alles auf Anfang stellen und versuchen, in dem Durcheinander von Erfahrungen eine Richtung und möglichst auch Auflösungen zu finden. Das wünsche ich uns allen, mit mehr Erfolg und Mut in der näheren Zukunft.

Alles auf Herbst eingestellt

Das Juliwetter, das zuletzt eher ein Augustwetter war, fordert uns schon jede Menge Geduld ab. Und biologische Kompensationsstrategien, die Winterzeiten vorwegnehmen. So als ob wir durch völlig abweichende Witterungsentwicklungen geprüft werden müssten. Dabei gibts doch schon genügend Prüfungen und Herausforderungen anderer Art. Na ja, praktisch gesehen und außerhalb der Projektarbeit, die letztlich von dem „Un-Wetter“ profitiert, ist eigentlich ohnehin schon alles auf Erntezeit und Herbst eingestellt. V. hat gestern die ersten Mirabellen gepflückt, einen ganzen Eimer. Die sind zwar noch nicht super ausgereift, aber schon genießbar. Vor allem für den Kuchen, für den wir sie gewöhnlich verwenden. Und so haben wir heute schon die ersten 5 Mirabellenkuchen gebacken, ausnahmsweise einmal nicht mit Hefeteig, sondern mit dem früher so geschätzten Ölquarkteig. Die Zubereitung war nicht mehr ganz so präsent, aber im Ergebnis und nach Blick ins uralte Backbuch mit den handschriftlichen Notizen, ist der Teig ganz gut gelungen – und schmeckt auch fast so wie früher. Wir werden das noch etwas optimieren. Bin mal gespannt, auf wieviele Obstkuchen wir in dieser Saison kommen werden. Vielleicht wird die letzte Rekordzahl von ca. 16 ja noch überschritten. In einem guten Baumobstjahr wie diesem wäre das naheliegend.

Sommerübergangszeit und Baumobsterwartung

Ein bisschen erschreckend, wie schnell der Hochsommer vorbei ist, kaum dass man ihn wahrgenommen hat. Es war zuletzt auch schwer, an das Sommerfeeling anzuknüpfen, das es schon mal über Wochen gab, das aber sprichwörtlich dann ins Wasser gefallen war. Und heute früh meinte Frau T. dann sogar, dass der Herbst schon in der Luft liege. So weit würde ich trotz der zeitweiligen Kühle nicht gehen. Aber man hat schon den Eindruck, der Hochsommer hat seinen Zenit überschritten und schwenkt nur auf die Reife- und Erntezeit ein. Immerhin verspricht das viel Ereignishaftes im Bereich der Obstbäume und des Baumobstes. Überhaupt bei allem, was wir in diesem Jahr auch in Sachen Gemüse angepflanzt haben. Und auch die Feigen entwickeln sich in diesem Sommer prächtig, was ihre Größe und Reife betrifft. Nur deren Anzahl ist nicht ganz so überragend. Immerhin, M. kann sich auf einige Wochen mit zeitweilig schönen großen Feigen frisch vom Baum freuen, die sich in Aussehen und Geschmack kaum von denen unterscheiden, die man im Kaufhaus bekommen kann und die aus der Türkei oder Italien importiert wurden. Wohl auch in Indiz für den kaum noch festzustellenden klimatischen Unterschied zwischen mediterranen Gebieten und unserem erhitzten Klima in Mitteleuropa.

Unsichere Erfolgsprognose bei manchen Obstbäumen

Gut, dass der Juli 31 Tage hat. Dann könnte die ganz große Enttäuschung nach diesem seltsamen Witterungsverlauf in Sachen Sonnenstundenbilanz doch noch ausfallen. Aber natürlich wird das ein dürftiges Resultat ergeben, das vielleicht an das den April heranreicht, aber nicht mehr. Das hätten wir nach den vielen extrem heißen und hochsommerlichen Wochen wohl nicht für möglich gehalten. Ich hoffe nur, dass es wenigstens den Obstbäumen gutgetan hat. Allerdings kann ich noch nicht feststellen, dass die Früchte z. B. des Pfirsichbaums wesentlich dicker geworden wären. Vor allem brauchen sie erfahrungsgemäß eben beides: Sonne und genug Wasser, um wirklich gut zu gedeihen. Der Erfolg ist also derzeit noch unsicher.

Erster Blick in Richtung Mirabellen

Jetzt sollte der Sommer aber doch endlich zurückkehren. Wir haben es jetzt satt, die Nässe, das wenige Sonnenlicht passt nicht zur Jahreszeit und dämpft die Stimmung spürbar. Ich hoffe, wir werden das durchhalten und mit neuem Mut durchstarten. Vielleicht begleitet von den nächsten Baumobst-Pflückungen. Die Mirabellen wären da geeignete Kandidaten. Bestimmt finden wir einen geeigneten Tag, um unser Lieblingsobst (nach den Maulbeeren) erstmals für diese Saison zu ernten.

Sommerliche Ausnahmen und heilende Innenschau

Nun ist es mir nach Wochen einmal wieder gelungen, einen Teil des Sonntags wirklich als Ruhetag freizuhalten. Nicht ganz einfach umzusetzen und ursprünglich auch nicht geplant. Aber ich meine, das musste einfach sein, damit das Ungleichgewicht nicht zu ausgeprägt wird. Und das ist schon immer, gerade aber in den letzten Jahren so ein Thema gewesen, an dem ich mich abarbeite und bei dem ich vielleicht die deutlichsten Fortschritte erreichen kann, wenn ich die Aufmerksamkeit darauf nicht schleifen lasse. Mit Naturthemen als Ausgleichsinhalte ist es in diesen Tagen wegen des ungewöhnlich miesen Hochsommerwetters ja auch nicht weit her. So konnte ich mich eigentlich nur im Garten bewegen und mich am vom Regen begünstigten Grün, der Bäume, des Weinlaubs und der Efeuhecken erfreuen, die an Ruhetagen noch einmal beruhigender wirken. Und die andere Ruhe ist dann vor allem im Inneren zu suchen und zu finden. Auch das natürlich ungewöhnlich für die Hochsommerzeit, in der die Ausrichtung mehr nach außen geht und normalerweise gehen muss. Aber manchmal kann man auch phasenweise die Winterzeit vorwegnehmen und eine heilende Innenschau pflegen.

Neues Equipment fürs Baumobst Pflücken

Aus der Besorgung bzw. Vorbereitung der nächsten Baumobstaktion ist heute leider nichts geworden. Eigentlich wollten wir eine neue, besonders hohe Standleiter besorgen, die beim Pflücken der Mirabellen in Kürze gute Dienste leisten könnte. Schon bei den Maulbeeren wäre die nützlich gewesen, habe ich doch auf der alten, sehr wackligen Leiter in den unteren Kronenregionen stehen und immer ein bisschen balancieren müssen, weil die nicht mehr stabil war und manchmal auch einseitig im Boden versank und dann kippte. Na ja, eine neue und höhere Leiter wäre da jedenfalls eine gute Lösung. Vielleicht können wir das ja in Kürze nachholen, wenn es V. wieder besser geht. Denn das Pflücken, gerade in diesem Jahr mit viel Obst, ist auch zeitraubend. Hilfsmittel sind da willkommen.

Sattes Grün als Entschädigung

Nach einer unruhigen Nacht hat sich dieser Tag als entspannender herausgestellt. Auch weil ich ziemlich durchgängig und ohne Ablenkung bei meinen Projekten bleiben konnte. Das ist etwas wert, vor allem, wenn die ganze Woche mit hektischen Wechseln von der einen Aufgabe zur nächsten geprägt war. Da ist der Blick durchs Fenster zwischendurch, auf die satt grünen Blätter der Weinreben und die schon langsam und nacheinander reifenden Weintrauben eine Freude. Überhaupt wuchert nach den Regentagen, die sich noch weiter fortsetzen sollen, zurzeit alles in gesättigten Grüntönen. Das ist zumindest optisch ein Genuss und entschädigt für die zeitweilige Kühle der Luft und den vielen Regenwolken, die die Sonne immer wieder vertreiben.

Ernüchternde Entwicklung des Sommers

Jetzt erinnert der Sommer doch sehr an den der beiden Vorjahre, die beide sehr verregnet waren. Gleich tauchen auch die Schnecken wieder auf, und die Pilze, die zwischen den Gemüsepflanzen und Blumen hervorsprießen. Es würde mir eigentlich reichen, nur sind noch mehrere Tage in diesem Stil vorhergesagt. Schade, wie sich dieser sommerliche Eindruck verschiebt, vor allem weil sich das so krass von dem unterscheidet, was wir schon erleben und im positiven Sinne schätzen konnten.

Die Energie von außen zurückerhalten

Noch so ein Tag. Und es scheint, dass der Hochsommer so schnell nicht zurückkommt. Seltsam, gerade auf seinem eigentlich vorgesehenen Höhepunkt. Die Bäume und Grünpflanzen werden es eine Weile noch mögen und schätzen. Aber wir Menschen hätte doch gerne wieder mehr Licht und Energie von außen zurück.

Warten auf die Rückkehr des Hochsommers

Ein arbeitsintensiver Tag, wieder einmal, der sehr spät endet. Ich sehne die handwerkliche Arbeit förmlich herbei. Aber das wird noch ein wenig auf sich warten lassen. So wie die Begegnung und kreative Beschäftigung mit den Bäumen. Ich freue mich darauf, und auf die Rückkehr des Hochsommers.

Ermutigende Highlights in zermürbenden Zeiten

Der Einundzwanzigste war gar nicht so schlecht. Etwas unruhiges Wetter und nicht ganz zum Hochsommer passend. Aber es sind auch neue Projekte ins Leben gerufen worden, und ich habe ganz gute und ehrliche Gespräche erlebt. Das ist doch schon mal klasse. Die regelmäßigere handwerkliche Arbeit mit Holz vermisse ich in diesen Wochen allerdings schon. Eigentlich ist das eine gute Zeit für dieses kunsthandwerkliche Arbeiten draußen, im Umfeld des Gartens. Aber die Menschen sind eben gerade sehr aufgeregt, unruhig, unsicher und haben Schwierigkeiten, eine Richtung und eine Mitte zu finden. Da sind die Grundvoraussetzungen für eine Aufmerksamkeit, die sich auf Symbolthemen richtet, nicht wirklich gegeben. Deshalb gestaltet sich zurzeit eher zäh. Aber es gibt zwischendurch auch immer wieder ermutigende Highlights.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.