Anregende Jahreszeit

Ein wirklich toller Spätsommertag, der mir eine Vorfreude auf den Altweibersommer vermittelt hat. Nicht zu warm, aber sehr sonnig, mit einer belebenden Brise Wind. Da kann man den Gedanken beim Spaziergang freien Lauf lassen und fühlt sich dennoch aufgehoben. Irgendwie ist man der Landschaft an solchen Tagen näher, nimmt eine Art Zugehörigkeit war, die so deutlich nicht immer präsent ist. Ich glaube, die meisten freuen sich, wenn der Sommer lange und mild ausklingt. Diese Zeit gehört deshalb zu den anregendsten des ganzen Jahres. Die Färbung der Blätter später ist nur der äußerliche Höhepunkt dieser Veränderungen im Lebenszyklus der Bäume, die jetzt gerade ihren Anfang nehmen. Aber noch ist es mehr Sommer als Herbst. Die Tag- und Nacht-Gleiche lässt noch etwa drei Wochen auf sich warten.

Obsternteprognosen

Die Schlehdornbeeren sind so dick wie seit Jahren nicht mehr. Dennoch mache ich mir nicht allzu große Hoffnung, dass wir im Winter welche pflücken können. Erfahrungsgemäß schnappen sich die Vögel alle Beeren, die noch einigermaßen von außen im stacheligen Gebüsch zu erreichen sind. Und an die übrigen kommt sowieso niemand gefahrlos heran. Immerhin Zwetschgen, mehr Äpfel als im Vorjahr und vielleicht auch ein paar Mirabellen von dem bildwachsenden Baum sind wohl zu erwarten. Das bedeutet jedes Wochenende leckeren Hefeobstkuchen. Jedenfalls sofern es M. nicht zu viel damit wird. Mit unseren Weintrauben wird es wohl weniger turbulent werden. Die sind sehr ausgedünnt im Vergleich zu früher. Die Lese wird sich deshalb an einigen aufeinanderfolgenden Tagen sicher problemlos erledigen lassen.

Gefühlt schon Herbst

Ein eher entspannter Ausklang dieses Augustmonats. Und der Herbst steht gefühlt schon vor der Tür. Auch wenn der Sommer ab Montag zurückkommen soll. Man weiß, eigentlich liegt er schon hinter uns, hat seinen Höhepunkt längst überschritten. Für die Bäume ist diese Zeit des Jahres eine Erholungsphase, bevor sie all ihre Energie in die Früchte stecken. Und für uns hoffentlich eine Gelegenheit, die Blick wieder stärker nach innen zu richten. Das könnte einige der Irritationen und Ablenkungen der letzten Monate wieder ausgleichen.

Sensibler Feigenbaum

Die Feigen sind seit Wochen im Stillstand befindlich. Das war im letzten Jahr schon so. Irgendwann in wenigen Wochen werden sie auf einen Schlag dicker werden und ausreifen. Wahrscheinlich kurz bevor der Baum seine Blätter ablegt. Dann schickt er all seine über den Sommer angesammelten Nährstoffe in die Früchte. Ich hoffe doch sehr, dass M. noch einige Abendmalzeiten daraus wird zubereiten können. Wo wir den empfindlichen Baum doch das ganze Jahr über hegen und pflegen, so dass er sich eigentlich nur wohlfühlen kann. Ich bin mir nur nicht sicher, ob die starke Konkurrenz des Nashi zu viel für ihn ist. Der nimmt ihm einen Großteil der Sonne und lässt ihn deshalb nicht richtig hoch hinaus wachsen. Ein Kampf, bei der dem er wohl keine Chance hat. Es ist eben die Sensibilität, die diese Art als Lebensbaum mit seinen menschlichen Genossen als prägendes Merkmal gemeinsam hat.

Treue Maschinen

Es ist ein Wunder, wie lange meine Minimaschinen jetzt schon ihren Dienst tun. Das ist mir heute bei der Arbeit mit der Minikreissäge wieder in den Sinn gekommen, bei der ich mindestens fünf Jahre kein Blatt wechseln musste. Jetzt war es aber doch an der Zeit, da es die Schnittkanten zunehmend verbrannte, so dass das Schleifen mühsam wurde. Ein neues Blatt hatte ich auf Vorrat, so dass der Wechsel möglich war. Ähnlich ist es mit der Bohrmaschine, die schon bei der Produktion von hunderten Holzperlen im Einsatz war. Wenn sie irgendwann tatsächlich den Geist aufgibt, werde ich sie regelecht vermissen. Die Birke heute war eine schöne und eher seltene Gelegenheit. Vielleicht weil der Baum auf nur einem Tag des Jahres liegt. Das Holz offenbart in seiner Ausstrahlung vieles von dem lebenden Baum, transportiert wunderbar dessen lichte Präsenz und jugendliche Schönheit. Schön, dass ich morgen bei wahrscheinlich noch warmem Wetter die Arbeit fortsetzen kann.

Sinnhaftigkeit und Sonnenlicht

Der Plan für die neue Armbandarbeit ist dann heute doch nicht aufgegangen. So werde ich morgen eine längere Schicht einlegen. Es ist interessant, wie sich das alles so fügt. Die Holzarbeit liegt fast immer auf den sonnigeren Tagen, so wie es dem Holz entspricht, das für mich immer eine Materialisierung von Sonnenlicht darstellt. Und tatsächlich macht die Arbeit an lichten Tagen am meisten Freude. Ich bin sicher, dass sich diese Stimmigkeit auch im Ergebnis ausdrückt, sich die wahrgenommene Energie auch auf den Träger übertragen wird. Die wiederum haben in aller Regel eine besonders freundschaftliche Beziehung zu den Bäumen. Die besten Voraussetzungen für ein wirklich sinnvolles Arbeiten und ein für die Träger sinnhaltiges individuelles Accessoire.

Letzter Sommeranlauf

Ich kann mir schon vorstellen, dass der Sommer noch einen letzten Anlauf nimmt und wir noch nicht gleich den Altweibersommer erleben. Ich letzten Jahr fand der Trödelmarkt in R. an diesem Wochenende bei Super-Sommerwetter statt. Wäre doch schön, wenn es eine Wiederholung gäbe, zumal ich immer auf der Suche nach alten Handschriften bin. Ein neuer Anlauf dazu. Das mit der Aufbruchstimmung scheint noch länger auf sich warten zu lassen. Die Unentschlossenheit ist m. E. eher noch stärker geworden. Wie immer wende ich das möglichst ins Positive und hoffe für uns alle auf gute Gesundheit, für J. um bessere, im letzten Drittel dieses Jahres. Unsere Pflanzen jedenfalls mögen diese Zeit und fühlen sich auch bei wenig Sonne, aber angenehmer Temperatur sehr wohl. So wird sicher auch der Feigenbaum sich noch einen Ruck geben und all seine in der Photosynthese gebildeten Zuckermoleküle in die Früchte schicken. Damit M. wenigstens in diesem Jahr wieder etwas von ihrem Lebensbaum hat.

Technologische Herausforderungen

Wieder so ein Zwischentag. Ich weiß solche Zeiten für die interne Fortbildung zu nutzen. Tatsächlich macht man dann enorme Fortschritte, die bald darauf in produktiven Umgebungen von großem Nutzen sind. Ich hoffe, die neuen Erkenntnisse noch in diesem Jahr auch für die Neugestaltung des Baumtagebuchs einsetzen zu können. Es wird dann wohl die modernste unter meinen diversen privaten Seiten sein. Irgendwann werden dem auch die anderen mit einem technologisch angepassten Relaunch folgen müssen. Ein endloser Prozess, der immer wieder neue Herausforderungen mit sich bringt. Und mit diesen Veränderungen auch neue und andere Besucher.

Lebensbaum-Grabschmuck

Der Weg hat mich heute einmal auf den üblichen Sonntagsspaziergang meiner Kindheit geführt. Dort war ich lange nicht, und so sind einige Wege auch stark verwildert, überhaupt nicht mehr so verlaufend wie damals, sehr ungewohnt. Ich habe mich dennoch etwas vorgewagt und dabei verschlungene Pfade gefunden, die teilweise im Dickicht enden. Andere konnte ich nicht weiterverfolgen, da die Zeit dafür nicht reichte. Aber ich werde das ein anderes Mal wiederholen, zumal dort ein großer Ameisenhaufen zu finden ist, etwas, das ich schon lange nicht mehr gesehen hatte. Zwischen dem Waldweg und dem verschlungenen Pfad lag der Friedhof, auf dem meine Aufmerksamkeit den vielen phantasievollen und immer etwas über den Verstorbenen verratenden Grabmale galt. Auf einem fand ich einen kleinen bronzenen Lebensbaum, der mich auf seinem monolithischen Trägerstein und Hintergrund platziert anrührte. Er wirkt einsam und verwurzelt, selbstbewusst zugleich. In dieser Reduktion ein sehr schönes Erinnerungsmal, an dem nichts Ablenkendes zu sehen ist. Eines, das die Aufmerksamkeit und das Erinnern besonders gut fokussieren hilft.
Grabornament in Form des Lebensbaums

Sattgrün mit Farbtupfern

Eine Pause für den Sommer ist das jetzt wohl gerade. Solche Unterbrechungen können auch etwas Wohltuendes haben. Ich denke, der beste Anlass, die Jahreszeit gedanklich zu verabschieden. Und schon liegt mit dem Reifen der ersten Früchte bereits die Herbstluft in der Luft. Unsere Rotweintrauben sind schon teilweise blau, die Feigen bemühen sich zumindest, noch bis zum Frühherbst zur Reife zu kommen. Beim Spaziergang begegne ich schon blassrosa gefärbten Weißdornfrüchten, bereits schwach geröteten Hagebutten, knallorangenen Fruchtdolden der Eberesche und dunkelrot glänzenden Heckenrosenfrüchten. Eine schöne, sattgrüne Landschaft mit bunten Farbtupfern. Der Regen dieser Tage wird den Früchten noch mehr Volumen geben. Und dann folgt hoffentlich ein langer, milder und sonniger Altweibersommer, den ich besonders mag.

Trost und Ausgleich

Das ging recht zügig. Die Perlen sind schon fertig und kommen heute Abend aus dem Ölbad. Ich freue mich jetzt schon auf die kommenden Projekte, ist doch die Herbstzeit besonders geeignet, die Bäume wegen der auffallenden Laubfärbung wieder stärker ins Bewusstsein zu rücken. Es ist, als ob sie dann präsenter würden, obwohl ihre Hochzeit doch im Frühjahr und Sommer liegt. Aber da spielen eben auch die optischen Reize hinein. Der Kontrast scheint im Herbst besonders augenfällig zu sein. Im Winter hat die oft spürbare Zuwendung zum Holz und den Bäumen dann andere Gründe. Man sehnt quasi das Lebende in der Natur wieder her, nimmt gedanklich das Frühjahr vorweg und findet in der zeitlosen Symbolik der Bäume und der Gegenstände, die aus ihnen hergestellt wurden, Trost und Ausgleich.

Zürgelbaumvorrat

Nun ist doch noch etwas aus dem Zürgelbaumstab geworden, den ich schon vor zwei Wochen hergestellt hatte. Schöne schillernde Perlen, wie sie typisch für diese Art sind. Bei diesem Abschnitt kombinieren sich hellere mit dunkleren, von Adern strukturierten Perlen, die dem Armband letztlich eine sehr lebendige Ausstrahlung verleihen werden. Jedes Mal, wenn ich am Zürgelbaumholz arbeite, kommt mir die Geschichte in den Sinn, wie ich es damals 2001 in Südtirol besorgt hatte. Das war eine spannende Recherche mit erfolgreichem Ausgang. Irgendwann werden die Vorräte aufgebraucht sein. Dann steht die nächste Reise über die Alpen an.

Alternde Rebstöcke

Die Amseln scheinen sich jetzt doch zurückzuhalten. Jedenfalls hat V. das Thema Netze spannen zuletzt nicht mehr aufgegriffen. Ich hoffe, das bleibt auch so, damit wir den entspannenden Anblick des Gartens ganz unverstellt bis in den Herbst hinein genießen können. Leider sind unsere alten Rebstöcke nicht mehr die stabilsten. Der Ertrag ging über Jahre immer wieder zurück. Bald werden sie wohl ausrangiert werden müssen. Das ist schon schade, da die Reben den ganzen Sommer über ein wunderbarer Schattenspender sind und die neueren nicht so schnell mehr nachkommen. Für den Wein hoffe ich auf einen dennoch guten Ertrag. Dann ist V. beruhigt.

Vogelspeise

Schon wieder hat V. die Befürchtung, die Vögel könnten seine Weintrauben fressen, bevor sie ausgereift sind und gelesen werden können. Ich sehe schon kommen, wie eigentlich jedes Jahr, dass seine diesbezügliche Panik von Tag zu Tag anwächst, bis er es sich nicht mehr nehmen lässt, die Netze zu spannen. Das ist nicht in meinem Sinne, denn danach ist der schöne entspannende Blick in den Garten zerstört von unschönen visuellen Fremdkörpern, teilweise in künstlichem Blau gefärbte Netze zerstören die natürliche Optik. Von mir aus könnten die Vögel alle Trauben holen. Eigentlich wäre mir das sogar noch sympathischer. Aber es ist natürlich Vs ursprüngliche Erfindung. Damit müssen wir im Zweifelsfall wohl leben.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.