Grüne Städte

Dass die Großstädter sich zunehmend in grüner Umgebung wohlfühlen, war Gegenstand eines Artikels der Frankfurter Rundschau. Danach möchten die Menschen zum einen die Vorzüge des urbanen Flairs genießen und zum anderen sich währenddessen auch in einer attraktiven, mit viel Grünflächen und Bäumen gestalteten Stadtlandschaft bewegen. Wieder einmal werden die Bäume als Mittler in solchen Aufwertungsprozessen genannt. ,,Ein Baum in der Stadt hat einen hohen Nutzwert: als Staubfilter, Sauerstoffproduzent und Gemütsaufheller“, heißt es in der Bezeichnung eines Bildes, das eine fiktive Stadtszene mit Modellhäusern, -autos und -bäumen zeigt. Und eine Zahl wird genannt, wonach ein allein stehender Baum jährlich 659 Euro erwirtschaftet, 500 Euro allein auf Grund seiner Sauerstoffproduktion. Aber er ist eben auch Schattenspender und Erschaffer neuer Lebensräume für Tiere und andere Pflanzen. Im gleichen Maße, wie das Bedürfnis nach grünen Städten wächst, sinken die finanziellen Möglichkeiten der Kommunen, diesem Bedürfnis durch Entwicklungsmaßnahmen und entsprechende Planung zu begegnen. Deshalb setzt man, so heißt es, zunehmend auf Eigeninitiativen der Bürger, die ihre Wohnumgebung mitgestalten sollen, was häufig wiederum auf politischen Widerstand stößt, weil man fürchtet, dass die so entstehenden Grünanlagen längerfristig nicht gepflegt werden können, weil zwischenzeitlich die Lust verloren geht oder es personell und finanziell nicht realisierbar ist. Immerhin macht man sich trotz solcher Hindernisse Gedanken. Die parallel zu beobachtende Radikalität und ingenieurhafte Denkart im Umgang mit dem Baumschnitt und anderen Pflegemaßnahmen öffentlicher Grünanlagen scheint damit durch gegenläufige Erkenntnisse aufgefangen zu werden.

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Leuchtende Früchte

Die Stadt hat es glücklicherweise bisher versäumt, das Gras am Saardamm zu mähen. So kann man nämlich all die blühenden Wiesenkräuter bewundern und durch das kniehohe Gras waten, als ob man sich in unberührter Natur bewegte. Bei so angenehmer Temperatur ist das eine Erholung. Besonders wenn man dabei die Bäume beobachten kann. Der Baumhasel hat wunderschöne Fruchtstände. Es sind weniger die traubenartig zusammen stehenden Nüsse selber als ihre Hüllen mit den filigran gezähnten Fransenrändern, die mich in ihrer hellgrünen Transparenz faszinieren. Leider sind die Blätter in diesem Jahr einmal wieder total zerfressen, was den Gesamteindruck des Baums erheblich verschlechtert. So konzentriere ich mich lieber auf solche charmanten Details. Besonders auffallend zurzeit sind die Früchte der Roten Heckenkirsche, die ihre volle Größe erreicht haben, aber noch nicht ganz ausgereift sind. Mit zunehmendem Reifegrad werden sie später dunkelrot, jetzt strahlen sie ein helles, leuchtendes Rot aus. Offenbar gibt es davon zwei Arten, eine mit blasseren und gelblicheren Blättern, deren Früchte eine matte Oberfläche haben. Und die mit den satt grünen Blättern und den glasig, fast durchscheinend wirkenden Früchten. Letztere mag ich besonders, weil sie Sonnenlicht nicht nur reflektieren, sondern auch ein Stück weit in sich hinein saugen, was sie zum Leuchten bringt. Unterwegs habe ich den ersten richtigen Schlafapfel für dieses Jahr gesehen. Und etwas weiter zwei Schneeballsträucher, die wolligen, deren Früchte im Übergang von Grün nach Dunkelrot sind und sich deshalb gerade im Rosabereich bewegen. Sehr schön, diese Färbungslinie über die Wochen zu beobachten. Im Hochsommer sind sie knall-dunkelrot und einige von Ihnen werden sich schwarz gefärbt haben. So weit die Baumeindrücke eines kurzen, aber intensiven Sonntagnachmittagspaziergangs. Zuvor gab es ein kulinarisches Baumerlebnis, das damit zu tun hat, dass V. es gestern mit dem Pflücken der Kirschen und kleines Bäumchens am Bienenhaus übertrieben hat. Es waren einfach zu viele Früchte für zwei Kuchen. So hat M. nach einem Rezept von J. am Mittag aus dem Rest noch einen ,,Kirschen-Michel“ im Backofen zubereitet. Das hat klasse geschmeckt, ich hätte allerdings nicht erraten, was genau die Zutaten sind. Neben den Kirschen werden dort u. a. aufgeweichte alte Brötchen, geschlagenes Eiweiß und Zimt verarbeitet. Das Ergebnis sieht nicht nur gut aus, es schmeckt auch außergewöhnlich gut. Müssen wir uns unbedingt merken – vielleicht gibt’s ja in dieser Saison noch eine weitere Gelegenheit.

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Vereinbaren

Schön, wie wachstumsfreudig die Bäume in diesem Jahr sind, selbst diejenigen, die in den vergangenen Jahren stagniert haben. Es ist einfach eine gute Verbindung von sehr sonnigen und warmen Phasen, Regenschauern, wieder kühleren Tagen mit hoher Luftfeuchtigkeit und kurzen Temperaturanstiegen, die den Pflanzen angenehme Wachstumsbedingungen liefern. Das hatten wir im Sommer in dieser Form schon lange nicht mehr. Deshalb fällt das meiste üppiger aus als gewöhnlich. Dennoch wünsche ich uns einen als Jahreszeit erkennbaren Sommer, mit viel Grün, Wärme und jenem Sommerlicht, das sich eben doch von der Helligkeit anderer Jahreszeiten unterscheidet. Vor allem wünsche ich mir die Ruhe, all das auch wahrzunehmen, zu verarbeiten, ins eigene Alltagsleben einfließen zu lassen. Das Leben mit den natürlichen Prozessen, insbesondere des Wachsens, Blühens und Fruchtens ist mir ein wichtiges Ziel, das es immer wieder anzustreben, zu verbessern, zu erinnern und weiterzuentwickeln gilt. Das mit den Notwendigkeiten und der Logik moderner Arbeitswelten zu vereinbaren, ist dabei die große Kunst.

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Ausloten

Ich hoffe, in den nächsten Wochen mit der Gestaltung der Baumtagebuchseite weiter zu kommen. Das Projekt liegt jetzt schon seit einem halben Jahr brach, zunächst wegen der technischen Probleme, und dann aus Zeitmangel. Aber jetzt besteht die Chance, beides in einem Zuge wieder in Gang zu setzen. Allerdings muss ich mir noch viele Details überlegen, die Tabellenstruktur der Seite, die Platzierung von dynamischem Kalender und Suchfeld, die Verteilung der Haupt- und Subnavigationen. Und natürlich die Inhalte, die derzeit nur rudimentär angelegt sind. Eine spannende Aufgabe, die ich hoffe, mit den belebenden Eindrücken des Sommer-Baum-Grüns verbinden zu können. So wird wieder das einkehren können, was ich bisher als normal bezeichnet hätte, was sich aber vor dem Hintergrund neuer Erfahrungen vielleicht ein Stück weit relativiert findet. Diesen Mix aus Bewährtem und Neuem auszuloten und zu einer neuen Synthese zu führen, stellt wohl das Programm der nächsten Monate dar.

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Für sich selber

Die extremen Witterungsschwankungen machen mir schwer zu schaffen. Ein eigenartiges Jahr, es scheint, dass das Auf und Ab gar kein Ende mehr nimmt. Ich merke, dass ich wieder mehr Zeit zur Meditation benötige, einfach mal wieder für sich selber sein, ohne die ständige Einbindung. Die nächsten Wochen sind dafür sicher geeignet, jedenfalls wenn ich es schaffe, nicht von der einen Geschäftigkeit gleich in die nächste zu wechseln. Die Nähe der Bäume zu suchen und aus der Beschäftigung mit ihnen immer wieder den Nullpunkt zu finden und im gleichen Zug Neues dazu zu lernen, ist mir ein wichtiges Anliegen. Unabhängig davon, ob das kommunizierbar ist. Ich muss es nicht kommunizieren, es reicht, dass ich die Möglichkeit habe, selber mit diesem Thema weiter zu gehen. Und über meine interaktiven Angebote, im Web und anderswo, ergeben sich ohnehin zahlreiche Anknüpfungen und unverhoffte Koalitionen. Auch das kann schön sein, ist aber kein Muss.

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Hibiskus und Schneeball

Der Name wollte mir partout nicht einfallen. Vielleicht weil ich das Gehölz nicht wirklich mit einem Baum identifiziere. Im letzten Sommer war es mir erstmals aufgefallen, während der letzten Monate meiner Arbeit in D. Ich habe damals den Variationsreichtum des Hibiskus bewundert, der in allen möglichen Farben und leicht unterschiedlichen Blütenformen vorkommt. Botanisch bin ich nicht dahinter gekommen. Er gilt offensichtlich weder als Baum noch als Strauch, doch als was dann? In dieser Jahreszeit ist er jedenfalls eine Bereicherung für die Vorgärten und Parkanlagen. Ebenso wie die schönen, gezüchteten Sorten des Schneeballs. Kennzeichnend für alle Schneeballarten sind die sterilen Randblüten und die schirmartige Blütenform. Beim Gewöhnlichen Schneeball sind diese Blüten weiß, ebenso beim wolligen. Diese Zierformen in den privaten Gärten scheinen vom wolligen Schneeball abzustammen, tragen aber viel größere und farbige Randblüten. Das verleiht ihnen ein sehr dekoratives Aussehen. Nicht beurteilen kann ich, ob die Früchte sich ebenfalls unterscheiden, denn die sind erst dabei sich auszubilden.

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Erstaunliches

Ich muss mich korrigieren. Man erblickt zurzeit doch wenige nicht-grüne Baumfrüchte. Aufgefallen ist mir die Rote Heckenkirsche, wenn auch ziemlich trostlos und mit halb welkem grün-blassem Laub. Und dieser Zierstrauch mit dunkelgrünen und gezackten, ledrigen Blättern, der in allen öffentlichen Parkanlagen zu finden ist und dessen Namen ich nicht kenne. Er trägt dunkelblaue, wie winzige Weintrauben aussehende Fruchtstände. Die glaubte ich im Übrigen schon im Spätsommer letzten Jahres gesehen zu haben. Zu dieser Jahreszeit war ich doch überrascht. Aber bei den Ziersträuchern den Überblick zu behalten, ist ohnehin sehr schwierig. Die Araukarie, über die ich vor einigen Wochen berichtet habe, trägt kugelige Zapfen. Solche konnte ich heute Abend jedenfalls an den oberen Ästen des hohen Baumes erkennen. Einfach ein gewaltiger Eindruck, dieser majestätische, so gleichmäßig aufgebaute Baum, und dann noch solche kokosnussförmigen Fruchtstände. Einen solchen hätte ich allzu gerne im eigenen Garten.

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Übergangsphasen

Nur sehr wenige Bäume und Sträucher blühen zurzeit. Der Trompetenbaum fällt mir da ein, verschiedene Klettersträucher, die Esskastanien, und das war‘ s auch schon. Es ist eher die Zeit der grünen Früchte, die schon voll ausgebildet, aber noch nicht gereift sind. Das kann man am Weißdorn, dem Hartriegel, dem wolligen Schneeball, dem Holunder und dem Walnussbaum beobachten. In dieser Phase bereichern sie das Grün des Laubs um eine neue Nuance, geben der sommersatten Präsenz der belaubten Kronen noch stärkere Kraft. Die Mischung aus viel Sonne und zeitweisem Regen und hoher Luftfeuchtigkeit lässt das Chlorophyll echte Orgien feiern. Getrübt ist diese üppige Wachstumsphase eigentlich nur durch die Insekten, die dieses Jahr wieder großflächig die Baumblätter zerfressen und bei vielen Bäumen einen trostlosen Eindruck hinterlassen. Natürlich schadet dieser Blattfraß dem Baum auch im Hinblick auf seine Energieproduktion. So schlägt die Opulenz bei anhaltend hohen Temperaturen sehr schnell in ein Bild um, das man eher dem Herbst zuordnen würde, obwohl es mitten im Hochsommer erscheint. So war es im letzten Jahr, in dem der Herbst in seiner typischen goldenen Form kaum in Erscheinung trat, während wir einen langen Sommer-Herbst erleben durften. Ein klarere Trennung der Jahreszeiten wünschte ich mir. Dem intensiveren Erleben der Unterschiede und Übergänge willen.

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Seelenraum

Trotz der so angenehmen Temperaturen waren heute nicht viele Leute unterwegs. Vielleicht weil sie sich zu Hause einfach einmal ausruhen wollten. Vielleicht weil die ganze Woche hektisch und mit viel Bewegung verbunden war und sie nun die Beine hoch legen wollen. Wie auch immer, solche eher verschlafenen Sonntage wie diesen mag ich ganz besonders. Wenn man fast allein auf den Wegen oder im Wald seinen Gedanken und Beobachtungen nach gehen kann. Wenn außer der Landschaft und der eigenen Präsenz nichts ist, das in diesem Moment Bedeutung hat oder kommunikativ auseinander genommen werden müsste. Wenn man einfach bei sich selber ist. Dann kann man die Landschaft als solche genießen und ihre Aura spüren. Das heutige Foto ist deshalb auch eines meiner heimatlichen Landschaft, mit einer Reihe von 6 eng stehenden Pappeln am Horizont.

6 Pappeln

Der kurze Saar-Weg war gerade lang genug, um der Seele die räumliche Ausdehnung zu lassen, die ihr in anderen Räumen und Gegenden fehlt. Das ist lebensnotwendig, wahrscheinlich für jeden, aber ganz besonders für mich. Ohne dieses, was andere wohl ,,auftanken“ nennen mögen, wäre vieles Alltägliche kaum zu bewältigen.

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Sommerbäume

Es ist jetzt so schön draußen im Garten, weil die Bäume im dichten Laub stehen und in Verbindung mit der Sonne fast tropisches Feeling aufkommen lassen. Wärmer müsste es eigentlich gar nicht werden, nur einigermaßen gleichmäßig wäre schön. Ich hoffe, mich in den nächsten Wochen wieder mehr in der Landschaft bewegen zu können, zum Fotografieren, Beobachten, Meditieren, Entspannen. Und dann warten natürlich jede Menge kreative Projekte auf mich, die seit einiger Zeit brach liegen und jetzt wieder reaktiviert werden müssen. Darauf freue ich mich, und darauf, wieder mehr Zeit für mein Lieblingsthema zu haben. Der Ginkgo hat in diesem Jahr einen wirklich riesigen Schuss gemacht, ich bin zuversichtlich, dass er sich im Garten irgendwann zu einem stattlichen Baum auswachsen wird, der alles andere überragt. Und dass die Feigen jetzt schon deutlich ihre typische Form annehmen und in solcher Zahl wachsen, freut mich ganz besonders, das verspricht ein kulinarischer Genuss in der Spätsommerzeit zu werden. Noch wichtiger sind aber die Bäume da draußen, die ich noch nicht gesehen habe und in ihrem Umfeld beobachten konnte. Das Neue ist immer am spannendsten und gibt der Beschäftigung mit diesem Thema den Anstoß zur Weiterentwicklung. So wünsche ich mir viele neue Baumerlebnisse während der warmen Zeit des Jahres.

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Zauber der Bäume

Jedes Mal ein Weltenwechsel an den Wochenenden. Eingeleitet durch die lange Autofahrt. Zu viel Hetzerei, zu wenig Zeit zu beobachten, zu verarbeiten, in Worte und Bilder zu fassen. Ich vermisse das und bin deshalb froh, wenn ich bald wieder an diese Linie anknüpfen kann. Dann mit einigen neuen Erfahrungen angereichert, die sicherlich Auswirkungen haben werden, wie ich es mir ja eigentlich auch gewünscht habe. Welche das sein werden, kann ich jetzt noch nicht sagen. Ich hoffe jedenfalls, dass es die Dinge im Fluss hält, und wenn nötig in Fluss bringt. Die vielen Armband-Bestellungen werden mich schnell wieder auf meine eigenen Projekte zurückführen, inklusive der handwerklichen Arbeit und der intensiven Arbeit mit dem Holz und den Bäumen. Dass das Interesse so vieler Menschen nach wie vor besteht, finde ich Klasse. Das ist nicht selbstverständlich in dieser hektischen und auf Broterwerb fixierten Zeit. Aber es ist auch nicht verwunderlich, denn die Bäume wissen zu allen Zeiten ihre zeitlose Kraft zu entfalten. Glücklich der, der ihren Zauber zur Spieglung des Selbst nutzen kann.

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Schon so viele Früchte

Leider habe ich heute Abend vergessen, eine Tüte mitzunehmen. Sonst hätte ich den Walnussbaum am Stadtrand sicherlich wieder aufgesucht und einige grüne Nüsse gepflückt, die ich dort gestern gesehen habe. Sie waren dicker als diejenigen, die ich letzte Woche aus G. mitgebracht habe. So hätte ich mindestens noch einen weiteren Liter Schnaps ansetzen können. Aber, na ja, vielleicht ist es auch schon etwas spät jetzt, die Nüsse dürften jetzt schon recht hart sein. Überhaupt sieht man überall schon Früchte: Die Ebereschen und die Feigen kommen langsam, verschiedene Obstsorten sind schon reif. So habe ich eine Frucht entdeckt, die wie eine Kirsche aussieht, was aber nicht zu dem Baum und seinen Blättern passt. Deshalb vermute ich eine Kirschpflaume. Ich glaube mich erinnern zu können, dass die solche Blätter tragen und etwas früher an sind. Ja, ich freue mich tatsächlich auf den Sommer. Wegen der üppigen Blätterpracht und dem transparenten Grün, wegen der langen Tage und eben wegen der Früchte. Wenn die Temperatur so bleibt wie zurzeit, ist das in Ordnung. Und ein richtig heißer Sommer wie vor 4 Jahren hätte auch etwas Anregendes. Aber das steht nicht in unserer Macht.

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Lindenblütenduft

Tatsächlich kam uns ein angenehmer Duft entgegen, als wir vom Mittagessen wieder in Richtung der Firma gingen. Diesen Duft habe ich zwar wahrgenommen, bin ihm aber nicht weiter nachgegangen, bevor die Kollegin ihn mit der Lindenblüte in Verbindung brachte. In den vergangenen Tagen hatte ich die üppige Blüte der Lindenbäume beobachtet, in der Innenstadt und auch in den zahlreichen Parkanlagen hier im Viertel. Die Blüten scheinen die Äste geradezu nach unten zu ziehen, so schwer lasten sie. Und beim richtigen Wind und höherer Luftfeuchtigkeit entströmen sie eben auch jenen eigentümlichen Duft, den manche als süßlich beschreiben. Ich selber kann das nicht bestätigen, zumal mein Geruchssinn nicht sehr ausgeprägt ist. Aber an dieser Kommunikation konnte wieder einmal sehen, dass auch Bäume mit allen Sinnen wahrgenommen werden. Je nach Art sind unterschiedliche Sinne angesprochen. Manche Arten bestechen vor allem durch ihre optische Präsenz, andere durch die besondere haptische Qualität ihrer Rinden, wieder andere durch das akustische Erlebnis ihrer rauschenden Blätter. Und mache eben durch die Düfte, die sie verbreiten und die das Bild der jeweiligen Jahreszeit wesentlich mitprägen.

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Ausnahmesituation

Einen kurzen Moment lang fühlte ich mich tatsächlich an Allerheiligen erinnert. Seltsam, im Frühsommer bei schwül-warmer Witterung. Es lag wohl an den roten Rückleuchten der Autos, die zu mehreren an den Straßenrändern einparkten. So spät war ich in den vergangenen Wochen nie im Stadtviertel unterwegs. Deshalb konnte ich auch die Frage nicht beantworten, wo denn all die Bewohner dieser Hochhäuser und Wohnblöcke sich aufhalten. So wenige Fenster waren immer erleuchtet, und so wenige Menschen waren in den Straßen unterwegs. Jetzt, um diese Zeit (22 Uhr) kamen sie zu Scharen nach Hause, meist mit dem Auto. Auch Jugendliche waren unterwegs und schlenderten Walkman hörend durch die schmalen Parkstreifen. Woraus ich schließe, dass Großstädter, zumindest die Frankfurter, sich abends sonst wo aufhalten und erst ganz spät in ihre Wohnungen zurückkehren. Eine andere Art zu leben eben. Das erklärt vielleicht auch die völlig differente Einstellung zu Themen, die mich besonders interessieren und die in anderen Kontexten durchaus auch wichtiger Gesprächsgegenstand sein können. In dieser Stadt dürfte das Gespräch über Bäume und die Wünsche der Menschen eine nicht erwartbare Ausnahme sein.

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Fürdieistesnormal

BrombeersträucherBrombeersträucherlangeTriebestachelig
deckenganzeMuldenabmeistschonmitFruchtabereskommen
immernochneueblütennachV.wirdsoschnellkeineRuhebekommen
mitseinenbienendenenindiesemJahrdieArbeitnichtausgehenwill
dannSchrebergärtenwinkelamStadtranddortlebenzumindest
zeitweiseMenschenkommtmirallessounwahrscheinlichvorwiefast
alleswasichindieserStadtsoerlebeseitzweiMonatenunddoch
interessantdieSpaziergängemittagsinderInnenstadtundabends
hierimabgelegenerenStadtvierteldasdurchdenStadtwaldvon
dereigentlichenKernstadtgetrenntistBeobachtungenvorallemvon
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großenHäuserblöckenbeidenenichnichtweißwiedieMenschendort
lebendasganzeJahrüberauchanFeiertagenallestotal
unwahrscheinlichkaumzuglaubenunddochgibtesdasundirgendwie
mussteeswohlseindassichhiergelandetbinwennauchnurfürdrei
MonateaberdennocheineMengeerfahrendUngewöhnliches
UnglaublichesEbenenvonKommunikationdieichhintermirgelassen
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auswassoallesmöglichistinsoeinerGroßstadtunddanndieserHang
zumLehrerhaftenundHierarchienaufbauenSchülerLehrerVerhältnis
waskeinenwirklichenSinnmachtaußerdasssichdieLehrertoll
vorkommenabersiesindirgendwiedaraufhinerzogenoderesisteine
FolgediesesStadtlebensichmeinefürdiedienichtsandereskennen
isteswohlnormal.

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Drei Gartenbäume

Nashi, Ginkgo und Feigenbaum machen sich derzeit gegenseitig Konkurrenz. V. behauptet zwar, er habe den Nashi im vergangenen Winter kräftig geschnitten, trotzdem schießt er jedes Jahr um ein gutes Stück weiter nach oben. Das hat zur Folge, dass die benachbarten Gewächse zu viel Schatten erhalten und selber dazu tendieren, ihren Haupttrieb zu verlängern, einfach um dem Licht näher zu kommen. Dem Feigenbaum ist das nicht so gut bekommen, da die langen Triebe von dem noch nicht so starken Stamm kaum getragen werden können. Es ist deshalb notwendig, die Äste mit einem Draht zusammen zu halten, um bei stürmigem Wetter den Baum nicht zu gefährden. Dem Ginkgo dagegen ist es gut bekommen, der hat einen Schuss von mindestens fünfzig Zentimetern gemacht. Und das bringt ihn nun näher an die Erscheinung eines Baums mit Symbolwirkung. Bisher wirkte er eher wie eine unterentwickelte Gartenstaude. Nächstes Jahr werden wir ihn oberhalb verzweigen lassen können und gleichzeitig die unteren Seitenäste entfernen. Dann wird hoffentlich auch der Stamm endlich einmal eine vernünftige Stärke erreichen, was Voraussetzung für sein weiteres Gedeihen ist.

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Neue Feigen

Wir alle waren tatsächlich davon ausgegangen, dass der Feigenbaum in diesem Jahr keine Früchte tragen wird. Die Vorfeigen waren schon vor einigen Wochen abgefallen, und dann sind nur noch die Blätter und neue Triebe gewachsen. Keine Spur von Fruchtansätzen. Und jetzt die Überraschung. Wenn man genau hinsieht, bilden sich im Bereich der Blattansätze neue Früchte. Bisher haben sie gerade einmal die Größe von Erbsen, aber das wird sich schnell ändern. Besonders wenn die Wärme anhaltend ist und es zwischendurch noch kräftig regnet. Daran kann ich wieder einmal erkennen, wie man sich in der Abfolge von Blüte, Blatttrieb und Fruchtbildung bei den einzelnen Arten verirren kann. In der Erinnerung sind da die mindestens 40 dicken Feigenfrüchte des vergangenen Jahres, und dass sie erst im absoluten Spätsommer reif wurden. Dass die Ausbildung der Früchte dann aber auch erst relativ spät einsetzt, das hatte ich ganz vergessen. So bin ich gespannt, wie schnell sie diesmal wachsen, welche Größe sie erreichen, und vor allem wie viele es werden. M. freut sich natürlich ganz besonders, denn es ist schließlich ,,ihr“ Lebensbaum.

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Feucht-heißes Wachstum

Es schüttete tatsächlich wie aus Eimern. So sehr, dass die meisten Fahrer auf der Autobahn auf den Randstreifen fuhren, stehen blieben und die Warnblinkanlage anschalteten. Auch mir blieb nichts anderes übrig, bis ich es wieder wagte und nach 10 Kilometern das Unwetter dann nachließ. Im gleichen Moment kam eine Art Nebel auf, der in Verbindung mit den ausgedehnten Waldflächen am Rande der Autobahn das Bild eines Tropischen Regenwaldes in mir heraufbeschwor. So, wie man es aus Filmen kennt, wenn nach einem Monsunregen die Hitze die Feuchtigkeit verdampft, was die Luft flirren und die nachfolgende schwüle Hitze erahnen lässt. Wie auch immer, das üppige Wachstum der letzten Wochen, das geradezu unanständig wuchernde Grün, wird durch solch extreme Wetterlagen noch verstärkt. Und auch uns Menschen tut die zeitweilige Abkühlung im Grunde genommen gut. Wenn wir nicht gerade im Auto sitzen und fürchten müssen, vom Blitz getroffen zu werden oder wegen Unwetters nicht mehr rechtzeitig nach Hause zu kommen.

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Grüne Nüsse

Der Feiertag war für uns alle ein Ausruhtag, den wir möglichst entspannt zusammen verbracht haben. Schon eigenartig, so Mitten in der Woche, und dann kommt noch ein Arbeitstag hinterher. Aber das war dann auch schon der letzte der Frühjahrs-Feiertage, jetzt kommt nur noch Mariä Himmelfahrt im August, und dann die fünfte Jahreszeit, der Advent mit seiner weihnachtlichen Krönung. Der kurze Spaziergang hat wieder einmal einige botanische Überraschungen zu Tage gebracht, v. a. Sträucher, die ich nicht genau bestimmen konnte, und die mir zum Teil auch noch nie anderswo begegnet sind. Aber es ist ganz schön zu sehen, wie sich die Kenntnisse sukzessive vergrößern und damit ein immer umfassenderes Bild unserer botanischen Umgebung entsteht. Sich dann auch noch im Kreis der Familie darüber austauschen zu können, finde ich besonders anregend. Etwa 2-3 Wochen zu früh für die Jahreszeit sind die Walnüsse derzeit in einem Reifezustand, dass man sie zum Ansetzen von Schnaps sehr gut verwenden kann. Sie sollen eben nicht zu klein sein, und andererseits auch noch nicht so ausgereift, dass die Verholzung bereits eingesetzt hat. Unter letzterem würde der Geschmack leiden und man hätte außerdem auch Schwierigkeiten, sie zu zerschneiden. Insbesondere der typisch würzige Geruch der noch grünen Nüsse, aber auch ihre Festigkeit hat mir gezeigt, dass der richtige Zeitpunkt zum Pflücken da ist. Ich habe aber nur einige größere abgenommen, die von unten aus leicht zu erreichen waren. Das wird schätzungsweise für 1-1,5 Liter ausreichend sein. Wir haben zwar noch einigen Likör vorrätig, aber das Ritual seiner Herstellung finde ich immer wieder so spannend, dass ich nach Möglichkeit jedes Jahr zumindest eine kleine Menge davon ansetze.

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Eine lebenslange Beziehung

Die Architekturvisualisierungen wirken im ersten Entwurfsschritt immer sehr steril und nüchtern. Es ist bezeichnend, dass bei der Frage, wie diese Nüchternheit aufgehoben werden kann, bei der Weiterbearbeitung spontan zwei Motive einfallen, die dann meist auch genutzt werden: Menschen und Bäume. Als nächstes kommen z. B. Straßen mit fahrenden Autos. Aber Bäume und Menschen allein würden allein schon ausreichen, um deutlich zu machen, dass das betreffende Gebäude liebenswert und wohnlich ist, oder dass es ein angenehmes Klima zum darin Leben und Arbeiten schafft. So war es bei den letzten Visualisierungen von Bürogebäuden, und so, schätze ich, wird es auch bei der neuen sein, die einen eher nüchternen Zweckbau sichtbar macht, dem, isoliert betrachtet, jede Art von Charme fehlt. Wenn sich in seiner Glasfassade einige Bäume spiegeln, wird die Anmutung der gesamten Architektur sich schlagartig zum positiv Empfundenen hin wandeln. Ein weiterer Beweis dafür, dass Menschen mit ihren Bäumen eine nicht mehr wegzudenkende lebenslange Beziehung eingegangen sind.

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Zu einseitig

Ein Tag zwischen Zugabteil, Bahnhof und Meetings in geschlossenen Räumen. Nicht unbedingt das, was man erholsam nennen könnte. Und doch gibt es viele, für die das Alltag und nicht bloß, wie bei mir, die Ausnahme ist. Was mich ernsthaft erschreckt, ist die Einseitigkeit, mit der Geschäftsleute pausenlos auf ihren Laptop starren und scheinbar konzentriert damit arbeiten oder einfach nur spielen. In keinem Fall kommt es ihnen in den Sinn, das Teil einmal bei Seite zu legen und einfach nichts zu tun. Meist ist dann die Zeitung oder eine Zeitschrift die Alternative. Meine Bewunderung darüber, dass jemand das stundenlang tuen kann, ohne dass ihm übel wird, mischt sich mit einem Unverständnis. Solches Verhalten lässt Rückschlüsse auf die Art zu, wie diese Menschen außerhalb des Zugabteils leben, zumindest wie sie arbeiten. Vieles an Weitblick muss unweigerlich dabei verloren gehen. Denn jede Einseitigkeit hat eben auch ihre Schattenseite. Vielleicht weil ich in meiner Jugend die Falschheit zu einseitigen Verhaltens erlebt habe, ist dies für mich heute keine Option mehr. Die Beschäftigung mit den Bäumen hilft mir besonders, auf dem Teppich zu bleiben und so weit wie möglich die Scheuklappen zu vermeiden.

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Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.