Zeitlos wichtige Dinge

Der Austausch und gelegentliche Gespräche mit Kunden und Interessenten des Wunschbaum-Shops zeigen mir immer wieder, dass die Nähe und Symbolik der Bäume für die Menschen eine wichtige Rolle spielt. Jedenfalls für die, die sich die Zeit nehmen, ihre natürliche Umgebung bewusst aufzunehmen und zu verarbeiten. Ich finde es schön, dass dieses ,,Gespräch über Bäume”, wie es in einem Gedicht Bertold Brechts genannt wird, heute auch in Krisenzeiten möglich ist. Häufig nur flüchtig, wie zu einer Nebensache gehörend, aber dennoch den Fluss des Alltagsgeschehens durchkreuzend, etwas Wesentliches im Bewusstsein verankernd. Dabei ist es gleichgültig, ob ein Text, das Tragen der Armbänder am Handgelenk, ein Wunschzettel am virtuellen Wunschbaum oder die Lektüre eines Baumgedichts der Anlass ist. Wichtig ist nur, dass kleine Gedankenoasen ins Leben gerufen oder aus den Tiefen hervorgeholt werden, die uns an die zeitlos wichtigen Dinge erinnern und unsere Entwicklung damit bereichern.

Kiefer und Linde

Es erwartet mich ein Wochenende in Begleitung der Kiefer und der Linde. Der erste Teil der Arbeit, die im Freien erledigt werden muss, wird bei der nassen Kälte wohl nicht ganz so angenehm werden. Aber auf die weiteren Arbeitsphasen freue ich mich schon. Dabei ist mir gerade aufgefallen, dass das im Sommer für fast alle Hölzer vorbereitete Vorratsmaterial bei einigen Arten schon wieder ausgegangen ist. So werde ich mich in Kürze wieder ans Sägen geben müssen, um bei Bedarf auch geeignete Kanteln parat zu haben.

Motivpläne

Heute war es dann doch notwendig, das Auto zu nutzen und eine gute Strecke durch schneevermatschte Straßen zurückzulegen. Aber auf dem Rückweg war das meiste schon aufgetaut und die Temperatur etwas angestiegen. Dennoch werden wir wohl bis zum Wochenende die Sonne den größten Teil des Tages vermissen. Dabei würde ich so gern erste Blüten und Blätter fotografieren. Ein Thema, das ich in den vergangenen 2-3 Jahren ziemlich vernachlässigt hatte. Ich hoffe, das sehr bald nachholen zu können und vor allem das große Motivfeld der Holzstrukturen weiter ausbauen zu können.

Unheimlich weit weg

Jetzt ist sogar der Eisschnee wiedergekehrt. Da hatte der Radiomoderator heute schon Recht, wenn er der Sonne eine Abmahnung geschickt hat. Weil das ja angemessen sei bei allen, die Ihre Aufgaben nicht pflichtgemäß erfüllen. Tatsächlich kann ich mich an einen so trüben Jahresanfang nicht erinnern. Man kann es kaum glauben, dass die Düsternis kein Ende nehmen will und die Auflockerungen zwischendurch kaum wahrnehmbar bleiben. Also Fortsetzung der Winterarbeit, des Hintergrund- und Untergrundwirkens, des Sortierens, In-Ordnung-Bringens und Vorbereitens. Nicht unbedingt die Zeit der großen Innovation und des Aufbruchs. Aber mit guter Vorbereitung sollte dann der Neustart im Frühjahr umso selbstverständlicher ausfallen. Und auch die Arbeit am Holz, die mir derzeit in einem fast unwahrscheinlichen Licht erscheint. Weil die Bäume zurzeit zwar nicht physisch, aber doch energetisch unheimlich weit weg scheinen.

Der Vorzug domestizierter Natur

Nach einer ziemlichen Nachlässigkeit in den vergangenen Monaten haben wir es in unsere Gruppe heute erstmals wieder geschafft, unsere Fremdsprache gesprächsweise zu pflegen. Und es ging eigentlich besser als wir erwarten konnten nach der langen Zeit ohne große Übung. Jedenfalls für die meisten von uns. Und so hatte ich einmal wieder die Gelegenheit, ein neues Restaurant kennenzulernen und einen Stadtteil erkunden zu können, der mir bisher völlig unbekannt war. Irgendwie vermisse ich die Jahre in D. doch, vor allem die Mittagsspaziergänge dort, durch den kleinen Parkstreifen, am Schloss und den vielen Stadtbäumen vorbei, die mir damals reichlich fotografische Motive und vielfältige botanische Eindrücke boten. In gewisser Weise war das spannender als die Beobachtung in freierer, weniger domestizierter Landschaft heute. Es ist tatsächlich so, dass die Kultivierung es leicht macht, Natur zu sehen. Eines der unbegreiflichen Paradoxe, deren Gültigkeit ich dennoch immer wieder bestätigt sehe.

Madeira und Lorbeerbäume

Tatsächlich sind die Efeublätter das einzige Grün, dem man auf Spaziergängen in winterlicher Landschaft derzeit begegnet. Da wünschte man sich, in einer botanischen Oase wie Madeira zu leben, über die ich vorhin einen TV-Bericht gesehen habe. Paradiesische Bedingungen für Pflanzen generell. Auch seltene und normalerweise im Süden Afrikas beheimatete Baumarten fühlen sich dort wohl. Am meisten beneide ich die Einwohner dieser Insel um die Lorbeerbäume. Zu gerne würde ich hierzulande die symbolträchtige Baumart beobachten können. Und mindestens genauso gern hätte ich verwertbares Lorbeerholz. Aber leider sinken die Temperaturen bei uns im Winter auf Temperaturen, die solche Arten nicht verkraften. Und auch das Holz scheint geschützt, denn bisher ist es mir nicht gelungen, eine Quelle aufzutun. So muss ich mich wohl vorerst mit der reinen Symbolik zufriedengeben.

The Symbolism of Trees on Pinterest

Pinterest ist doch eine recht interessante, weil intuitivere Möglichkeit, das Profil eigener Interessen und eigenen Geschmacks darzustellen. Bisher hatte ich die beiden Boards über Lovely Wood und Vintage Impressions recht stiefmütterlich behandelt. Dabei hat zumindest das Board über die Oberflächenstrukturen und Verwendungsweisen von Hölzern schon nach kurzer Zeit verschiedene Follower angezogen. Besonders spannend, es sind zwar nicht unbedingt englische, aber doch englischsprachige Follower, da ich die Seite selbst durchgehend in Englisch halte. Ein ganz anderes Publikum als bei meinen Engagements unter facebook und Twitter. Aber doch interessant. Deshalb habe ich heute noch ein drittes Board zu meinem Favoritenthema The Symbolism of Trees aufgemacht und zunächst mit einigen eigenen Fotografien bestückt. Pins fremder Provenienz sollen dann nach einschlägigen Streifzügen folgen. Und eher agenturbezogene Themen kann ich mir für die Zukunft ebenfalls vorstellen. Ich denke, das ist eine Plattform, an der ich künftig noch größere Freude entwickeln könnte.

Nebeneinander her

Der Februar beginnt so, wie der Januar geendet hat. Und der Winter will zu Beginn der Fastnachtstage kein Ende finden. Nichts zieht mich in diesen Tagen in die Landschaft, und wenn ich doch einen Abstecher wage, halte ich mich nicht lange auf. Und tatsächlich habe ich nicht den Eindruck, dass dieser Kontakt mit der schlafenden Pflanzenwelt zurzeit angebracht wäre. Die Zeit ist einfach noch nicht reif. Zu vieles offenbar ist da in den Tiefen der Erde wie im Inneren der Stuben noch an Winterarbeit zu verrichten. Eine Arbeit, die sich nicht auf das geschäftige Tätigkeitsein beschränkt, sondern sich offenbar zusätzlich auch auf einer geistigen Ebene abspielt. Ein Arbeiten im Inneren, das nach meiner Auffassung immer etwas von Aufarbeiten, Aufräumen, Sortieren, Klarstellen, In-Ordnung-Bringen hat. Wahrscheinlich haben die Bäume ein solches Bedürfnis ebenfalls. Und so leben die Spezies ihr je getrenntes Winterleben nebeneinander her.

Reserven

Ein merkwürdiger müder Ausklang des Januars. Wohl weil sich das Licht zwar andeutungsweise gezeigt hatte, aber nicht lange genug, um Wirkung auf die Stimmungslagen zu haben. So werden wir auch trüb in den Februar starten und weiter aus unseren Reserven zehren müssen. Selten habe ich mich so auf den Frühling und das erste Baumgrün gefreut und die Aufbruchstimmung dieser wunderbaren Jahreszeit vermisst.

Noch vor dem Ausatmen

Plötzlich ein Klima fast wie im Frühling. Dass die Vegetation noch nicht spontan darauf reagiert hat, zeigt uns aber, der Winter kehrt wieder zurück. Und der Holzofen wird noch so schnell nicht stillgelegt werden. Es sind gerade diese plötzlichen Anstiege, die Erkältungen provozieren. Interessanterweise immer um die Fastnachtszeit herum, egal wann jeweils die Zeit des Frühlingsvollmonds liegt. Vielleicht handelt es sich ja dabei um eine Art Reinigungsprozess, der dem Neuaufbruch im Frühling vorausgeht. Also wieder eine Übergangszeit, eine Zeit, in der die Erde – um ein Bild Rudolf Steiners aufzugreifen – sich noch nicht entscheiden kann, vom Einatmen zum Ausatmen überzugehen. Sie ist zurzeit noch in sich selbst zurückgezogen, und mit ihr die Bäume und anderen Pflanzen, die sich auf ihre Wurzeln konzentrieren, die Energien noch nicht ins Wachstum investieren. Der Frühling leitet dann die Ausdehnung, das große Ausatmen ein, die Ausdehnung ins All, mit dem sie ab dann in einem energetischen Austausch stehen.

Baum-Mensch-Typen

Es ist wieder einmal Zeit, meine neu hinzugekommenen Hölzerkombinationen in die Beispielübersicht des Wunschbaum-Shops aufzunehmen. Das Spektrum von Verbindungen unterschiedlicher Holzarten in den Wunschbaum- und Partner-Armbändern scheint endlos. Denn immer wieder erreichen mich neue Wünsche, die etwas mit den Baumpräferenzen, mit symbolischen Überlegungen, mit den unterschiedlichen biografischen Bedeutungen der Bäume für die Menschen zu tun haben. Bei der Arbeit daran kann ich, auch wenn ich die Menschen nicht persönlich kenne, doch immer ein ungefähre Vorstellung vom Persönlichkeitstyp dieses Menschen bilden, abgeleitet von den Baumpräferenzen, manchmal auch von der Art der meist schriftlichen Kommunikation. Häufig ergänzt sich beides und zeichnet durchaus plastische Bilder. So begegne ich in der virtuellen Welt immer wieder verschiedenen, unterscheidbaren Mensch-Baum-Typen. Besonders spannend finde ich es, anhand der Armbänder Symbole bereitstellen zu können, mit denen diese Baum-Mensch-Spiegelung vor allem für die Träger eine begreifbare Form erhält.

Baumschäden durch Temperaturschwankungen

Nun geht der Monat schon dem Ende entgegen und wir warten immer noch auf die erste anhaltende Sonnenphase. Was für ein extrem dunkler Januar. Und jetzt auch noch ein drastischer Temperaturanstieg bis zur Wochenmitte. Das belastet den Organismus doch sehr stark. Bin mal gespannt, wie die empfindlichen Bäume das verkraften. Erfahrungsgemäß zeigen sich besonders beim Feigenbaum nach solchen Extremschwankungen stärkere Schäden. Dann wird erst sichtbar, was der Frost vorher angerichtet hat. Die Rinde platzt auf, die Pilze setzen sich fest und schädigen den Baum noch in tieferen Schichten. Und im Frühjahr wird es dann wieder schwer, wenn es darum geht, einen neuen Anlauf zu nehmen. Ich denke, wir müssen diesmal wirklich radikal zurückschneiden, weil es anders nicht mehr möglich wäre, dem Baum eine vernünftige Form zu geben. Dann geht vielleicht der ganze Wachstumsimpuls des Frühjahrs in diese Schnittstellen, von denen aus sich neue Triebe entwickeln können. So hoffe ich, dass wir nicht mehr allzu lange warten müssen.

Die Idee des Wunschbaums

Das Wunschbaumprojekt ist mir immer wieder Anlass für interessante Erkenntnisse und Anregungen. Da entdecke ich nicht selten Gemeinsamkeiten mit mir ansonsten unbekannten Menschen, die mit mir aber dieses Interesse an den Bäumen, an der Symbolik oder bestimmten spirituellen Themen teilen. Und die Präsenzen tragen diese Gemeinsamkeiten an die Oberfläche. Gemeinsamkeiten, die immer schon vorhanden, den so Verbundenen aber nicht als solche bekannt waren. Das Konzept themenzentrierter Webpräsenzen ist einfach eines, das sich für mich seit etwa zehn Jahren als ein bewährtes gezeigt hat. Eines, das Netzwerke, wenn auch meist loser, weitmaschiger Art, ermöglicht, die weit über die alltägliche Lebenswelt hinausreichen. Und die zeigen, dass es unabhängig von äußeren Faktoren wie Wohnort, Profession oder religiösen Einstellungen Übereinstimmungen im Interesse geben kann, d. h. in der Regel Übereinstimmungen in der Art, Lebenswelt und Lebenswirklichkeit symbolisch zu fassen, zu reflektieren und für sich gewinnbringen zu verarbeiten. Das ist mir eine Ermutigung, meine Bemühungen um die Idee des Wunschbaums fortzusetzen und auch inhaltlich lebendig zu halten.

Winterliche Stimmungstiefs

Ein großer Teil der Deutschen reagieren auf die Lichtarmut im Winter mit einer Art Stimmungstief, besonders stark die Frauen. Mir geht’s allmählich ähnlich, allerdings kann ich mich auch nicht daran erinnern, dass es in einem Januar schon einmal so extrem düster war. Das sagen auch die Meteorologen, die ja für solche Dinge meist Statistiken aus dem Ärmel schütteln. Höchste Zeit also, dass das Licht wiederkehrt. Da sich in den letzten Jahren die Extreme meist gegenseitig ausgeglichen haben, hoffe ich jetzt auf besonders helle Folgemonate, in denen das erste Baumgrün auftaucht, bei den Spitzahornen z. B., die ihre grün-gelblichen Blütenstände noch vor den Blättern austreiben. Dieses erste Grün sehne ich in diesem Jahr mehr herbei denn je. Auf dass die Stimmung und Initiativkraft der Menschen wieder eine andere Richtung nimmt.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.