Trost und Ausgleich

Das ging recht zügig. Die Perlen sind schon fertig und kommen heute Abend aus dem Ölbad. Ich freue mich jetzt schon auf die kommenden Projekte, ist doch die Herbstzeit besonders geeignet, die Bäume wegen der auffallenden Laubfärbung wieder stärker ins Bewusstsein zu rücken. Es ist, als ob sie dann präsenter würden, obwohl ihre Hochzeit doch im Frühjahr und Sommer liegt. Aber da spielen eben auch die optischen Reize hinein. Der Kontrast scheint im Herbst besonders augenfällig zu sein. Im Winter hat die oft spürbare Zuwendung zum Holz und den Bäumen dann andere Gründe. Man sehnt quasi das Lebende in der Natur wieder her, nimmt gedanklich das Frühjahr vorweg und findet in der zeitlosen Symbolik der Bäume und der Gegenstände, die aus ihnen hergestellt wurden, Trost und Ausgleich.

Zürgelbaumvorrat

Nun ist doch noch etwas aus dem Zürgelbaumstab geworden, den ich schon vor zwei Wochen hergestellt hatte. Schöne schillernde Perlen, wie sie typisch für diese Art sind. Bei diesem Abschnitt kombinieren sich hellere mit dunkleren, von Adern strukturierten Perlen, die dem Armband letztlich eine sehr lebendige Ausstrahlung verleihen werden. Jedes Mal, wenn ich am Zürgelbaumholz arbeite, kommt mir die Geschichte in den Sinn, wie ich es damals 2001 in Südtirol besorgt hatte. Das war eine spannende Recherche mit erfolgreichem Ausgang. Irgendwann werden die Vorräte aufgebraucht sein. Dann steht die nächste Reise über die Alpen an.

Alternde Rebstöcke

Die Amseln scheinen sich jetzt doch zurückzuhalten. Jedenfalls hat V. das Thema Netze spannen zuletzt nicht mehr aufgegriffen. Ich hoffe, das bleibt auch so, damit wir den entspannenden Anblick des Gartens ganz unverstellt bis in den Herbst hinein genießen können. Leider sind unsere alten Rebstöcke nicht mehr die stabilsten. Der Ertrag ging über Jahre immer wieder zurück. Bald werden sie wohl ausrangiert werden müssen. Das ist schon schade, da die Reben den ganzen Sommer über ein wunderbarer Schattenspender sind und die neueren nicht so schnell mehr nachkommen. Für den Wein hoffe ich auf einen dennoch guten Ertrag. Dann ist V. beruhigt.

Vogelspeise

Schon wieder hat V. die Befürchtung, die Vögel könnten seine Weintrauben fressen, bevor sie ausgereift sind und gelesen werden können. Ich sehe schon kommen, wie eigentlich jedes Jahr, dass seine diesbezügliche Panik von Tag zu Tag anwächst, bis er es sich nicht mehr nehmen lässt, die Netze zu spannen. Das ist nicht in meinem Sinne, denn danach ist der schöne entspannende Blick in den Garten zerstört von unschönen visuellen Fremdkörpern, teilweise in künstlichem Blau gefärbte Netze zerstören die natürliche Optik. Von mir aus könnten die Vögel alle Trauben holen. Eigentlich wäre mir das sogar noch sympathischer. Aber es ist natürlich Vs ursprüngliche Erfindung. Damit müssen wir im Zweifelsfall wohl leben.

Reifezeit

Das ist in Bezug auf jahreszeitliche Eindrücke eine sehr spannende Zeit. Denn viele Früchte befinden sich gegenwärtig im Übergang vom unreifen in den reifen Zustand. Besonders schön beim Weißdorn zu beobachten. Aber auch die Früchte des Pfaffenhütchens färben sich ganz allmählich in Richtung ihres charakteristischen Rosarots. Dazu kommen die bereits orange gefärbten Ebereschenfrüchte, die knallroten Heckenkirschen und Schneeballfrüchte. Bald werden die Hagebutten folgen, die noch überwiegend Grün erscheinen. Ich freue mich, dass ab Morgen auch die Sonne wieder konstanter durchkommen soll. Eine schöne Fortsetzung des zwar späten, aber dafür intensiven Hochsommers. Die Energie der Menschen sollte sich dadurch automatisch auf ein höheres Niveau aufschwingen. So jedenfalls hoffe ich.

Verschlafen

Was für ein veschlafener Tag, nach einer so langen Phase der Hitze und des Sonnenscheins. Wahrscheinlich musste das zwischendurch zur Abkühlung einmal sein. Ein erholsames Intermezzo, das uns aufatmen und ausruhen lässt. Ich denke, die Bäume und übrigen Pflanzen genießen die Abkühlung und die Feuchtigkeit. Und die Regentonne ist wieder etwas mehr gefüllt. Zu wünschen wäre, dass solche Ruhephasen auch den Tatendrang für die bevorstehende Spätsommerzeit erwachen lässt. Denn so veschlafen wie dieser Tag ist die Motivation der Menschen seit Wochen. Zeit für einen Neuaufbruch, für den Abschluss begonnener Projekte und die Initiierung neuer. Für J. möge eine nicht schlaflose Nacht werden, und auch eine neue Woche, die vor allem dem Regenerieren dient.

Symbol von Stärke, Energie und Ausdauer

Ein Tag, ein Armband. Das habe ich so länger nicht mehr gemacht. Aber heute bot es sich an. Und mit der Kombination von Eiche und Pappel war die Arbeit auch schön abwechslungsreich. Dass das Ergebnis ein sehr attraktives ist, wusste ich schon vorher, denn dieselbe Kombination hatte ich schon einmal realisiert. Für die spätere Trägerin, die ich zwar nicht persönlich kenne, von der mir aber doch etwas berichtet wurde, für die Trägerin wird es ein sehr passendes, stimmiges Armband sein. Denn es kombiniert ihren Lebensbaum, die Pappel, mit der Eiche, dem symbolischen Inbegriff von Stärke, Energie und Ausdauer. Zur Mobilisierung dieser Stärke und Energie möge das Armband beitragen. Eine Verstärkung nur, aber doch eine sehr sinnvolle, zumal sie von guten Wünschen begleitet wird.

Strahlende Ebereschen

Es ist gut, dass J. den Termin in H. vorgezogen hat. Bei aller terminlichen Hektik waren wir am Ende des Tages wohl alle erleichtert, dass mit dem Notwendigen nicht noch drei Tage länger gewartet werden musste. Wir wünschen uns alle, dass es jetzt übers Wochenende die bestmögliche Wirkung entfalten wird. Abends in Js und Ws Garten habe ich das schöne Ebereschenensemble ein zweites Mal betrachtet. Wie schön die beiden jungen Bäume dort im Zentrum des Hinterhausgartens stehen und wie stolz und strahlend sie ihre reiche Frucht präsentieren. Dass W. sie vor einigen Wochen zurückgeschnitten hatte, wird ihnen eher guttun. So können die Stämme stärker werden und die Architektur insgesamt stabiler. Schon in wenigen Jahren werden sie ganz ohne Stütze als Zwillingspaar den ersten Blickfang des Gartens bilden, im Frühjahr mit den cremeweißen Blüten und im Herbst mit diesem wunderbaren Orangerot der Früchte. Den Nussbaum habe ich diesmal nicht besucht, keine Zeit, aber ich bin sicher, es geht ihm ebenso gut.

Sommerlandschaft an Mariä Himmelfahrt

Eine sehr schöne und feierlich gestaltete Messe konnten wir an diesem Mariä Himmelfahrtstag erleben. Dazu ein Wetter, das wunderbar zu diesem Festtag und seiner Tradition der Kräutersegnung passte. Denn auf Hin- und Rückfahrt konnten wir die Kräuter in freier Landschaft in hellstem Sonnenschein bewundern. Und unsere beiden Sträuße waren sicher die individuellsten und am liebevollsten zusammengestellten unter den Besuchern. Am Nachmittag konnte ich nicht umhin, das Licht dieses Hochsommertags auf meinem Lieblingsweg einzufangen, in Fotografien unterschiedlichster Art. Darunter die leuchtend roten Früchte des Schneeballs, die wolligen Köpfe der Disteln, eine Erle mit ständigem Kontakt zu einem stromdurchflossenen Koppeldraht und der gesägte Querschnitt einer gewaltigen Eiche:
Mariä Himmelfahrt 2013
Mariä Himmelfahrt 2013
Mariä Himmelfahrt 2013
Mariä Himmelfahrt 2013

Feiertagserleben

Ich freue mich auf die Kräutersegnung morgen Vormittag. Das ist immer schön, besonders wenn das Wetter so sommerlich ist, wie für morgen zu erwarten. M. hat aus den Kräutern, die wir vor einigen Tagen gesammelt hatten, zwei schöne Sträuße gebunden und ins Wasser gestellt. Und es sind auch noch einige übrig. Vielleicht wird daraus noch ein Kranz oder eine andere Dekoration für die Wohnung. Schön finde ich auch, dass wir neben Bayern diesen Tag als Feiertag erleben dürfen. An solchen Tagen ist das Erleben ein anderes. Die Gedanken dürfen sich dann auch mal in nicht alltägliche Richtungen bewegen, oder besser gesagt: Sie sind dann dazu eher in der Lage. Irgendwie hat sich das heute schon auf mich ausgewirkt, denn meine Vorhaben einer Neugestaltung des Baumtagebuchs hat im Laufe des Tages wieder neuen Auftrieb mit neuen Ideen erhalten.

Überzeitlicher Sinn

Die meist unverhofften Rückmeldungen einzelner Armbandkunden finde ich immer sehr aufbauend. Es ist einfach schön, zu hören, dass Menschen die Armbänder tatsächlich tragen und sich dabei wohlfühlen. Es zeigt, dass mit diesem kunsthandwerklichen Produkt, das eigentlich auch ein Kommunikationsprodukt ist, wirklich ein Sinn verbunden ist, den viele wahrnehmen und schätzen. Und wenn ich dann höre, dass einige seit Jahren immer wieder gerne ein Armband zu bestimmten Anlässen oder Gelegenheiten tragen, dann sehe ich einmal mehr die starke Symbolik der Bäume bestätigt. Eine Symbolik, der Kraft Zeiten und wechselnde Stimmungen überbrückt, weil sie etwas Überzeitliches zum Gegenstand hat.

Baumsymbolik zu Mariä Himmelfahrt?

Dass Mariä Himmelfahrt mit der Baumsymbolik in Verbindung gebracht werden könnte, ist mir nicht bekannt. Aber möglich ist es natürlich. M. hat dieses Thema heute zur Sprache gebracht. Vielleicht gibt es in Bayern oder anderen lokalen Traditionen solche Ansätze, dass neben den Kräutern vielleicht auch Baumzweige, -blüten oder -früchte für die Kränze und Dekorationen verwendet werden. Ich weiß es nicht. Aber das wäre ein weiteres Thema zum Nachforschen. Sollte sich etwas daraus ergeben, stünde ein weiterer Text zur Feiertagssymbolik auf dem Programm. Ich fürchte allerdings, dass dies weniger ergiebig würde als der Palmsonntag, Pfingsten, der 1. Mai oder gar Weihnachten.

Historische Baumbedeutungen

Selbst aus der populärwissenschaftlichen Baumliteratur kann ich immer wieder Neues erfahren. So ist dieser Band mit einer Übersicht bekannter heimischer Baumarten eine Fundgrube für botanische, volksmedizinische, kulturhistorische und mythologische Informationen zu diesen Arten. Obwohl alles ziemlich unzusammenhängend dargestellt ist, wie ein Informationsflickenteppich, sind einzelne Inhalte doch interessant. So freue ich mich sehr, an Sonntagsnachmittagen einfach einmal die tiefgehende und weitreichende Bedeutung der Bäume im Leben der Menschen, über Kulturkreise und Zeiten hinweg, zu verfolgen und zu staunen, wie sich die Bedeutungen im Laufe der Jahrhunderte verschieben, sich regional unterscheiden und ganz unterschiedliche Verbindungen zu den Bedürfnissen und Wünschen der Menschen herstellen.

Schattenplatz Walnussbaum

Von oben betrachtet hat sich unser Walnussbaum dieses Jahr bisher schon gut entwickelt. Es war wie vorhergesehen. Nach dem Umpflanzen innerhalb des Gartens im vorletzten Jahr hatte er sich zunächst ein wenig gestört, benötigte an seinem neuen Standort, wenige Meter von dem alten entfernt, eine Zeit, die beschädigten Wurzeln neu zu bilden, sich fest zu verankern. Deshalb hat die Krone auch zunächst kaum Fortschritte gezeigt. In diesem Sommer aber hat er sich stärker in die Vertikale orientiert und eine zweite Kronenspitze ausgebildet. Die Geschwindigkeit dieses Wachstums zeigt mir, dass in der Folge rasant entwickeln wird. In 2-3 Jahren wird M. wahrscheinlich für ihren Sommerliegeplatz gar keinen Schirm mehr benötigen. Dann wir das schattige Blätterdach des Nussbaums ausreichen. Na ja, eigentlich soll man sich ja nicht lange unter Nussbäumen aufhalten. Aber das gehört wahrscheinlich eher in den Bereich des Aberglaubens. Zum Ruhen ist vielleicht gerade der Nussbaum die richtige Wahl.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.