Belebendes Bio-Wetter

Eine wohltuende Abkühlung im schwül-heißen Hochsommer. Und wieder eine zum Drittel gefüllte Regentonne, auf deren Inhalt wir in den nächsten Tagen sicher wieder zurückgreifen werden. Gerade weil der Regen so erholsam war, bin ich mit der handwerklichen Arbeit weiter gekommen als ursprünglich geplant. Gut, denn nach der interessanten Kombination von Hasel und Eberesche steht jetzt mit dem Zürgelbaum wieder ein Klassiker der Lebensbäume auf dem Programm. Das Bio-Wetter scheint jetzt langsam wieder seine belebende, auf die Natur ausgerichtete Wirkung zu entfalten. Ein Muster, das in den letzten Jahren immer wieder aufzutauchen schien.

Sensible Umbruchzeiten

Für die Holzarbeit ist es gut, wenn die kommenden Tage eine leichte Abkühlung bringen. Sonst ist es schwer, sich auf die filigrane Naharbeit zu konzentrieren. Wenn dagegen der Wind ein wenig weht und auch mal eine kühle Brise vorbeiweht, dann bin ich dem Material, dem jeweiligen Baum, deutlich näher. So freue ich mich auf die anstehende Arbeit und auf den gemäßigteren Teil des Hochsommers, während dessen die Menschen eher zur konzentrierten Gelassenheit neigen, wenn die Aufladung durch das Maximum an Sonnenenergie sich langsam schon wieder abschwächt. Es ist interessant, diese Wendepunkte zu beobachten. Und die Verhaltens- und Einstellungsänderungen der Menschen, in ihrer Abhängigkeit von biologischen und meteorologischen Umwelteinflüssen.

Antike Eindrücke

Aus den Manuskripten ist auch heute nichts geworden. Außer einigen Postkartenhändlern – leider keins meiner Favoritenmotive – gab es leider keine Entdeckungen. Aber der Besuch dieses Marktes ist dennoch immer eine Freude, bei diesem Superwetter sowieso. Zwischendurch haben uns die Bäume des Kurparks erholsamen Schatten gespendet. Vom Weg her eine Art Neuauflage des Besuchs vor zwei Jahren. Und dann ist es einfach interessant zu beobachten, wie sich die Vorlieben der Besucher und die Angebote der Antikhändler andererseits verändern. Wie mir scheint geht das in Richtung einer mehr impressionistischen, spontanen Aufmerksamkeit. Es steht immer weniger ein vermuteter Wert im Mittelpunkt. Das finde ich, macht die Sache noch offener und irgendwie ,,demokratischer”. Bewundern muss ich die flexible Freundlichkeit mancher Händler, denn so ein Geschäft scheint mir wahrhaftig kein leichtes Unternehmen.

Ruhetag

Das war endlich mal wieder ein Tag zum Ausruhen, seit langem. Die beiden neuen Partner-Armbänder, Hasel und Eberesche, habe ich aber am Vormittag doch schon vorbereitet. Gut, dass ich in den letzten Monaten ausreichend Nachschub für zuletzt ausgegangene Hölzer wie die Eberesche, auf Vorrat nehmen konnte. Ich freue mich auch auf die neuen Hölzer, die derzeit noch trocknen und die ich sicher im Laufe des Herbstes zu ersten Prototypen umwandeln kann. Ich hoffe, morgen werde ich in puncto alte Handschriften fündig. Das Kochbuch von vor zwei Wochen geht mir seitdem im Kopf herum. Es ist nämlich recht selten, eine vergleichbar schöne Schrift auf nicht liniertem Papier zu finden. Vielleicht habe ich ja diesmal Glück.

Blick auf das Ganze

Die meisten sind mit dem Verlauf des Sommers doch ganz zufrieden. Das konnte ich in den vergangenen Tagen immer wieder hören, wenn es um das Thema ging. Und tatsächlich gewöhnt man sich schnell an die Sommerhitze, vom Klimawandel offensichtlich bedingte Wetterextreme hin und her. Wir müssen uns irgendwie darauf einstellen und unsere Flexibilität in Sachen wetterabhängig Stimmung stetig ausbauen. Dann werden wir mit angepasstem Verhalten sicher den richtigen Weg durchs Jahr finden. Mit Phasen, in denen wir den Gang durch die Landschaft, mit allen Blumen, Gräsern, Wiesen, Bäumen und Tieren genießen können. Und anderen, die wenig Bewegung bei heruntergelassenen Jalousien als vernünftiger erscheinen lassen. Nur den Blick auf den Zusammenhang des Ganzen, der uns dieses Verhalten nahelegt, sollte uns nie abhandenkommen.

Regenwässerung

Das ist jetzt endlich mal eine richtig angenehme Sommerwärme. Trocken, über 30 Grad. Das ist recht viel, aber die Luftfeuchtigkeit ist gering, so kommt man nicht so schnell ins Schwitzen. Und wie so häufig: Was für uns angenehm scheint, ist für die Pflanzen nicht so lustig. Die Blüten kommen zwar voll auf ihre Kosten, aber bei solch konstant hohen Temperaturen benötigen sie sehr viel Wasser. Bei unseren Kübelpflanzen reicht da einmal Gießen nicht mehr. Glücklicherweise haben wir bei den Gewittertagen jede Menge zusätzliches Regenwasser aufgefangen. So kann ich auch die Gartenbäume zusätzlich bewässern. Die sind zwar gut und tief verwurzelt und zeigen insofern noch keine Austrocknungserscheinungen. Mir liegt aber daran, dass sie möglichst nicht gestört werden in ihrer Wachstumsfreude und beim Ausbilden ihrer Früchte. Und wenn die Tonnen leer sind, wird das nächste Hitzegewitter sicher wieder fürs Auffüllen sorgen.

Lichtkonkurrenz

V. wird dieses Jahr doch recht viele Nashi-Birnen ernten können. Die Früchte entwickeln sich gut. Und der Baum wuchert vor Blattgrün. Leider sind auch die neuen Asttriebe wieder sehr weit herausgewachsen. Das nimmt unserem Feigenbaum doch einiges an Licht. Deshalb bin ich trotz der vielen anhaltenden Wärme nicht ganz sicher, ob die Zeit noch reicht, die Früchte bis zur Reife zu bringen. Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn M. nach dem letztjährigen Ausfall für einige Wochen täglich Feigen zu ihren Malzeiten essen könnte. Das wird sich dann aber in Richtung Frühherbst verschieben.

Farbige Landschaftstupfer

Trotz der mäßigen Sonne während der letzten Tage könnte es in diesem Juli doch noch eine sehr gute Sonnenstundenbilanz geben. Im Vergleich mit den letzten 3 Jahren einer der besten Sonnenlichtmonate überhaupt. Ich hoffe sehr, das war es jetzt nicht schon und der Spätsommer gestaltet sich ebenfalls freundlich und stabil. Das wäre ein leichter Übergang von der Urlaubszeit in die produktive Hochzeit des Jahres. Eine Phase, in der man leichter neu starten kann, eher den Mut zum Angehen neuer Projekte verspürt. Jedenfalls beobachte ich das seit langem so. Eine gute Zeit auch, um die Motivwahl von den lichten Blattmotiven in Richtung der Baumfrüchte zu verschieben. Die präsentieren sich und ihre Träger zunehmend farbenfroh und in diesem Jahr auch üppig. Am dominantesten natürlich die Rottöne, zurzeit vor allem bei den Ebereschen und den bereits knallroten und sehr reifen roten Heckenkirschen. Weißdorn- und Pfaffenhütchen früchte sind noch grün. Und auch von den Hagebutten habe ich das rote Mäntlein noch nicht gesichtet. Bald schon werden sich die Farbakzente verstärken, um weitere rote und schwarz-blaue Landschaftstupfer.

Mehr Baumobst

Die neuen abstehenden Triebe der Efeuhecke habe ich am Abend erneut gekappt. Ich erledige das lieber etwas öfters, als dass in längeren Abständen zu viel zusammen kommt. Das kann dann schon mal eine mehrere Stunden währende Arbeit werden. Zu gießen gab’s diesmal nicht so viel, da sich die Feuchtigkeit der Regenschauern im Boden gehalten hatte. Schließlich war den ganzen Tag über Hochnebel und kaum ein direkter Sonnenstrahl hat die Erde berührt. Aber der Sommer wird zurückkommen und die Süße in die Früchte treiben, auf dass wir ab der Zeit des Altweibersommers sicher mehr Baumobst als in den Vorjahren erwarten dürfen.

Gartenszene mit Bäumen

Die Abkühlung hat den ganzen Tag angehalten. Ohne auch nur einen wirklichen Sonnenstrahl. Das hatten wir schon lange nicht mehr, es war dennoch notwendig. Denn die Hitze hatte sich derart eingenistet, dass dieses Ventil einfach notwendig wurde. Wenn ich den Blick in Richtung Garten schweifen lasse, finde ich eine Kulisse vor, die an einen tropischen Regenwald erinnert. Alles überbordend grün, auf dem Höhepunkt der Wachstumsfreude sozusagen. Und der Regen dieser Tage tut das seine, zwischendurch für kräftiges Höhen- und Breitenwachstum zu sorgen, Blüten und erste Früchte sich entwickeln zu lassen. Bei unserem über den Winter so gebeutelten Feigenbaum bin ich zuversichtlich, dass er bis zum Spätherbst noch essbare Feigen hervorbringt. Es sind jetzt schon zahlreiche mittelgroße Früchte zu sehen, die in ca. 2 Monaten soweit sein könnten. M. würde sich freuen. Und nach der Nullernte des Vorjahrs wäre es sicher auch für den Baum selbst ein Erfolgserlebnis. Aber auch wenn es nichts werden sollte. Er scheint die Nachbarschaft von Ginkgo, Nashi und die etwas entferntere Anwesenheit von Stechpalme und Walnussbaum zu mögen. Ein Ensemble, das in den letzten Jahren zu einander gefunden hat und das für mich schon fester Bestandteil der Gartenszene geworden ist.

Archivarbeiten

Ganz schön heftig. Außer zum Blumengießen dem obligatorischen Gartenbäumebesuch habe ich mich heute kaum vor die Tür gewagt. Ich schätze, das war der bisher heißeste Tag dieses Jahres. Aber es gab auch sonst genug zu tun. Zum Beispiel mit meinen 10 Archivkisten, die ich inzwischen vollständig befüllt habe, die eine Hälfte mit Ms Sachen und die andere mit eigenen. Dafür mussten andere weniger gut stapelbare und unterschiedlich große Kartons entsorgt werden. Anders wäre die Maßnahme kein Gewinn gewesen. Immerhin konnte ich in den letzten Monaten die Übersicht über meine Arbeitsmittel und Informationsmaterialien deutlich verbessern und gleichzeitig pflegeleichter gestalten.

Jahreszeitenwunsch

Das gleiche Bild wie an den Vortagen: Bis zum frühen Nachmittag bewölkt mit Hochnebel. Und dann sorgt die Hitze für tropisches Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit. Da fühlt sich besonders der Efeu wohl. Schon wieder sind überall neue abstehende Triebe zu sehen, so dass ich demnächst wieder die Schere bemühen muss. Und bis zum Herbst wird sich diese Wuchsfreudigkeit sicher nochmal öfters bemerkbar machen. Gut so, denn dieses Aufbäumen der Vegetation haben wir so lange in diesem Jahr vermisst. Allerdings würde ich mir jetzt einmal wieder angenehm warme und nicht so schweißtreibende Hochsommertage wünschen. Einen August, der uns mit konstantem Sonnenschein versorgt und später in einen milden Altweibersommer übergeht. Das wäre mein gegenwärtiger Jahreszeitenwunsch.

Ginkgo-Stütze

Der Ginkgo kommt von heute Abend an mit nur noch einer Anbindung aus. Die Stütze aus Stahlstab und Aluminiumrohr-Verlängerung wird er zwar noch eine Weile benötigen. Aber der Stamm ist im unteren Abschnitt bereits so stark, dass die Verbindung an der Stelle eigentlich keinen Sinn mehr macht. Nur noch weiter oben bleiben Stamm und Stütze verbunden, so dass auch starker Wind keine Gefahr sein kann. Ein Verfahren, das in den vergangenen Jahren hervorragend funktioniert hat und zudem auch optisch unauffälliger ist als die sonst übliche dreiteilige Stütze mit der Anbindung über Bastseile. Ich bin recht zuversichtlich, dass der Baum in 2-3 Jahren ganz alleine Wind und Wetter standhalten kann. Der höchste im ganzen Garten ist er heute schon.

Nicht ungetröstet

Das subtropische Klima lässt inzwischen auch unsere Weinreben üppig wachsen. Die Triebe sind lang, das Laub satt grün und großblättrig. Auch die Trauben hängen jetzt schon in ungefähr der Hälfte ihrer endgültige Größe noch grün an den Reben. Ideale Wachstumsbedingungen in dieser Zeit des Jahres, besonders wenn es zwischendurch diese Gewitterregen gibt. Nur später im Herbst müssen dann noch schöne trockene Indian Summer-Tage nachkommen, welche den Früchten ihre Reife und dem Wein seine besondere Süße verleihen. Mit Bezug auf diese Vegetationsbeobachtungen würde ich derzeit mit einem Zitat aus dem Werk von Johannes Kühn sagen: ,,Ganz ungetröstet bin ich nicht.”

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.