Gartenwintervorbereitung

Das ist wahrscheinlich tatsächlich die richtige Zeit, den Garten für den nahenden Winter vorzubereiten. M. hat den Vorschlag gemacht und deshalb habe ich am Abend schonmal angefangen, das bisherige Polsterstaudenbeet von den Kalksteinen zu befreien, die es einige Jahre lang bedeckt hatten. Die Stauden hatten sich zuletzt nicht mehr so toll entwickelt und waren über den Winter zur Hälfte eingegangen oder so stark mitgenommen, dass sie unansehnlich wurden. Jetzt ist es an der Zeit, die Ecke wieder mit etwas frischerem zu bepflanzen. Was genau wissen wir noch nicht. Zunächst muss ohnehin die Erde großzügig ausgetauscht werden, damit nicht alles von Wurzeln und ungewollten Knollen durchsetzt bleibt. Vielleicht können wir auch noch einige andere Dinge in die Wege leiten und einfach wieder ein einladendes Bild herstellen, nachdem V. die Weintrauben bereits gelesen und auch schon alles geschnitten hat. Nur mit der Sitzgarnitur bin ich mit M. nicht einer Meinung. Ich halte es für durchaus denkbar, dass wir dieses Jahr noch einige Male draußen sitzen können. Bei dem misslungenen Auftakt des Altweibersommers sollte es doch wenigstens eine goldene erste Oktoberhälfte geben. Und einige entspannte Stunden im Garten mit entspanntem Blick auf den Feigenbaum, den Ginkgo, den Walnussbaum und meinetwegen auch auf Vs geliebten Nashi.

Enttäuschende Feigen

Die Feigen gehen keinen einzigen Schritt voran. Na ja, natürlich ist das bei dem Wintereinbruch auch nicht zu erwarten. Aber vorher hatten wir eine lange sehr warme und sommerliche Periode, in der aber dennoch keinerlei Zuwachs stattgefunden hat. So sind sie noch genauso grün und hart wie vor zwei Monaten. Irgendwie nicht zu verstehen. Vielleicht schaffen es die dicksten im letzten Moment noch, irgendwann im Oktober, genug Zucker umzusetzen, dass man sie pflücken und genießen kann. Aber die meisten der zahlreichen Früchte werden das nicht mehr schaffen. Schon eine herbe Enttäuschung, wo wir den Baum doch das ganze Jahr über mit viel Aufmerksamkeit begleiten und pflegen. Vielleicht sollte man die Südländer einfach nicht in unsere Breiten verpflanzen. Sie scheinen hier nicht wirklich heimisch zu werden. Und so weit, wie es nötig wäre, reicht die Anpassungsfähigkeit dann eben leider doch nicht.

Verschwinden der Jahreszeit

Bei dem Wetter kann man ja kaum einen Hund vor die Tür jagen. Novembergleicher geht’s nicht mehr. Dabei mag ich den November eigentlich. Nur nicht zwei Monate im Voraus. Da ist der Gedanke wirklich nicht mehr von der Hand zu weisen, dass der Klimawandel unser Wetter und den gewohnten Zyklus der Jahreszeiten zunehmend durcheinander bringt. Kaum einer Jahr zuvor hat das derart deutlich gemacht. Deshalb wundert es mich auch nicht, dass in Sachen Obsternte jedes Jahr wieder anders ausfällt und wir immer wieder zwischen Überfülle und totalem Ausfall hin- und herwechseln. Ich glaube, dass diese Extreme langfristig unsere eigene Biologie in Unordnung bringen – und noch fast schlimmer, bestimmte kulturelle Muster unkenntlich machen, die traditionell an die mitteleuropäischen Jahreszeitenzyklen gebunden sind. Wenn es keine klar erkennbaren Jahreszeiten mehr gibt, was wird dann aus den Frühlings-, Herbst- und Wintertraditionen, die ohne die passende Witterung aufgesetzt wirken?

Baumtagebuchrelaunch weiter aufgeschoben

Nun war ich schon beinahe so weit, den Relaunch des Baumtagebuchs anzugehen. Allerdings sind jetzt doch vorrangige Projekte dazwischen gekommen, so dass ein weiterer Aufschub notwendig wird. Ich hoffe dennoch, vor Jahresende damit zumindest beginnen zu können. Und ich freue mich darauf, da es nicht nur um die Neuprogrammierung und ein responsives Design geht. Auch den inhaltlichen Aufbau will ich unter die Lupe nehmen. Denn von den Anfragen und Rückmeldungen der letzten Jahre ausgehend sehe ich heute eine Reihe von Teilthemen, die bisher unberücksichtigt sind und sicher auf größeres Interesse stoßen könnten, z. B. eine Zusammenstellung solcher Seiten im Netz, die ein konkretes auf ein Baumindividuum bezogenes Baumtagebuch darstellen.

Bemerkenswerte Oberflächeneigenschaft

Das Holunderholz ist wirklich die größte Überraschung seit langem. Auch an den fertiggestellten Holzperlen entdecke ich bemerkenswerte Eigenschaften. Zum Beispiel dass das Material im Ölbad kaum Öl aufnimmt, selbst dann also die Oberfläche sehr dicht zu sein scheint. Die Mikrostruktur ist sehr fein und kristallin wirkend. Das wird später am Handgelenk sehr edel aussehen und wie alle sehr hellen Hölzer besonders auffallen. Tatsächlich hat sich die hellgelb-weiße Farbe auch durch das Ölbad kaum verändert. Da liegt es für mich nahe, demnächst einmal eine Kombination mit anderen Hölzern mit ähnlichen Oberflächeneigenschaften zu testen, z. B. mit Rotdorn, Hartriegel, Eberesche oder Stechpalme. Bei den drei letztgenannten könnte dann die optische Differenz eine sehr schmale sein. Eine Konstellation, die sich bei anderen nahe beieinander liegenden Hölzerkombinationen schon öfter als besonders reizvoll herausgestellt hat.

Ansprechendes Mirabellenfoto

Mein Mirabellenfoto scheint die Sinne anzusprechen. Jedenfalls habe ich schon einige spontane Reaktionen vor allem auf Grund meiner Social Media Postings dazu erhalten. Ich glaube es ist die gelbgolden-rote Farbigkeit der reifen Früchte in Kombination mit ihrer dünnen frischen Wachsschicht, die sie wie physisch anwesend aussehen lassen. Da läuft einem einfach das Wasser im Mund zusammen. Auch haben die Früchte etwas Sonniges an sich. Man kann erkennen, dass sie im Laufe ihres Wachstums sehr viel Sonne aufgenommen haben und sie jetzt sozusagen wieder ausstrahlen. Deshalb spricht man wohl auch, wie bei Äpfeln, von ihren ,,roten Bäckchen”. Also Kulinarisches, besonders wenn seine Natürlichkeit betont ist, gehört immer noch zu den Dingen, die am meisten bewegen, über alle Geschmäcker und Aufmerksamkeitsniveaus hinaus.

Holunderholz – widersprüchlich spannend

Ganz schön anstrengend ist die Arbeit am Holunderholz. Es gehört zu den Hölzern, die überraschen, da ihre tatsächlichen Eigenschaften völlig vom ersten Eindruck abweichen. Nach dem Schlagen, als die Abschnitte noch frisch und im Saft stehend waren, wirkte es wie ein typisches Wasserholz, ich meine eines, das enorm viel Flüssigkeit aufnehmen und speichern kann. Beim Sägen spritzte mir geradezu das Wasser entgegen. Entsprechend butterweich wirkt auch das Material. Umso erstaunlicher, dass das Holz beim Trocknen sehr dicht, fest und schwer wurde. Das hätte ich gar nicht erwartet. Denn andere ähnlich anmutende Hölzer, wie z. B. Pappel oder Ginkgo, bleiben vergleichsweise leicht. Holunderholz aber stellt sich im abgetrockneten Zustand als spröde im Querschnitt und gut polierbar in der Wachstumsrichtung heraus. Es trägt dabei eine hell-gelblich-weiße Farbe, die von weißen Adern durchzogen ist und ihm eine feine Zeichnung verleiht. Eine Ausstrahlung, die eher nicht zur spröden und glatten Schwere des Materials passt. Aber gerade wegen dieser Widersprüche ist es natürlich auch spannend, damit zu arbeiten. Es ist dann, als ob man in der Bearbeitung dem Holz ein Geheimnis entlocken könnte oder jedenfalls seinen Geheimnissen auf der Spur ist.

Vitaler Ginkgo

Beim mittäglichen Gang durch den Garten ist mir heute wieder bewusst geworden, wie stark der Ginkgo in diesem Jahr zugelegt hat. Längst zum höchsten Baum des Gartens emporgeschossen hat er jetzt auch an Stärke gewonnen, wird in wenigen Jahren sicher ohne Stütze auskommen, obwohl die immer ausladender werdenden Seitenäste dem Wind mehr Angriffsfläche bieten als noch vor Jahren. Noch ist die Lösung mit der Eisenstabstütze sicher eine gute. Und mit der lockeren Manschettenverbindung besteht auch keine Gefahr mehr, dass der Stamm eingeschnürt werden könnte. Glücklicherweise ist die Art auch ziemlich winterhart, scheint sich auch um starke Fröste nicht wirklich zu scheren. Jedenfalls hat er bisher im Frühjahr immer noch unverdrossen sein Wachstum wieder aufgenommen. Nur die frisch entstandenen kleinen Blättchen sind frostempfindlich und können schon mal den ersten kalten Nächten des Frühjahrs zum Opfer fallen. Aber dann ist er vital genug, um ersatzweise neue Blätter auszubilden und sogar noch zahlreicher als zuvor, um seine Energiegewinnung während der Sonnenmonate auf keinen Fall zu gefährden. Kein Wunder, dass es die Art zum Titel ,,Baum des Jahrtausends” geschafft hat. Da wären keine Goethe und kein Wunder von Hiroshima unbedingt nötig gewesen. Solche Anekdoten tragen aber doch wesentlich zu seiner symbolischen Stärke bei.

Drechselaktion

V. hat sich heute nach langer Zeit einmal wieder ans Drechseln gewagt. Natürlich hatte er einen besonderen Anlass. Ein guter Freund hatte ihn gefragt, ob er ein filigranes Säulenelement in der Rückenlehne eines alten Stuhls nachgestalten könne, das wohl abhandengekommen war. Bei der Auswahl eines geeigneten Eichenabschnitts konnte ich ihm noch einen Tipp geben. Der Rest war aber seine Sache, in Anknüpfung einer alten Tradition sozusagen. Letztlich mit einem gelungenen Ergebnis, mit dem alle zufrieden sein konnten. Leider war für die Aktion ein Umbau meiner Drechselmaschine notwendig, die seit Jahren ausschließlich für das Schlittendrechseln eingerichtet war. So ganz verkehrt war das allerdings doch nicht, denn auf dem Anlass konnten wir die Schaub- und Klemmarretierung etwas stabiler gestalten. Ich bin gespannt, ob V. in Zukunft wieder Lust hat, freie Stücke zu drechseln. Früher hat ihm das sehr viel Freude gemacht.

Gutes Mirabellenjahr

Seltsamer Kälteeinbruch, wo eigentlich Spätsommer erwartbar wäre. Da denke ich schon daran, mit der Kaffeesaison abzuschließen und wieder auf schwarzen Tee umzusteigen. Diese Schwankungen scheinen alle Menschen zu irritieren. Ich beobachte wieder einmal diese Verlangsamungen und zunehmende Unentschlossenheit. Gut, dass es so viele Techniken zu ergründen gibt, die einen geradezu unerschöpflichen Reichtum an neuen Gestaltungsmöglichkeiten bergen. Ich freue mich, dass eines meiner ersten Herbstbilder, das von den frisch gepflückten Mirabellen, kurze Zeit nach dem Einreichen bei depositphotos angenommen wurde. Da bin ich für die übrigen Agenturen zuversichtlich. Und schön, V. hat heute den großen Mirabellenbaum erneut besucht und jede Menge neue Früchte mitgebracht. Das werden nochmal ein paar Kuchen und sicher auch ein wenig Marmelade. Er sagt, der große Baum breche unter der Last seiner reichlichen Früchte fast auseinander. Schade, dass ich ihn selbst noch nicht sehen konnte.

Magere Weinlese

Das war eine ganz schöne Arbeit. Aber jetzt sind alle Stäbe für die verschiedenen Projekte vorbereitet und ich kann sie sukzessive abarbeiten. Zwei Armbänder sind schon fertig, auch heute Nachmittag wieder eines. V. hat parallel dazu die Trauben hinterm Haus gelesen. Das hätte er in normalen Jahren alleine in der Zeit nicht geschafft. Diesmal aber gab es so wenige Früchte, dass sich die Arbeitszeit stark reduziert hatte. Das bedeutet wenig eigenen Rotwein. Aber auch, dass der Garten wieder lichter wirkt. Bei weniger Sonnenstunden ist das ja auch von Vorteil. Und die eher milden Strahlen der Septembersonne sind auch ohne Blätterdach sehr angenehm. Jetzt muss der Altweibersommer nur noch kommen.

Aufmerksamkeitszuwachs im Herbst

Jetzt kommt wieder die Zeit, in der die Menschen den Bäumen wieder näher kommen. Eigentlich beobachte ich das immer zu Beginn des Herbstes, eine Veränderung in der Intensität der Aufmerksamkeit. Gut, dass sich das auch in wieder mehr Bestellungen zum Ausdruck bringt. Und in der stärkeren Kommunikationsfreudigkeit der Menschen, die auch ihre Motive und Wünsche mitteilen. Jedenfalls freue ich mich auf jede Menge kunsthandwerkliche Arbeit während der nächsten Tage und wahrscheinlich bis zu Wochenende. Und auf die Arbeit mit verschiedenen Hölzern und Kombinationen.

Sommerverabschiedung

An Stelle des ursprünglich vorgesehenen Antikmarktausflugs war das heute sicher die angenehmere Variante. In den Vorjahren war an dem Tag immer super Sommerwetter. Und jetzt dieser Einbruch, der aber doch weitgehend regenfrei blieb. So war das Grillen eine gute Idee, und mit Pulli ausgestattet konnte man sich auch ganz gut draußen aufhalten. Ein schöner Sonntagsruhetag, der irgendwie auch im Zeichen des Sommerabschieds stand. Schön, wenn man solche Gedanken beim Anblick des grünenden Gartens und der Früchte tragenden Bäume und Reben haben kann. Denn Ernte ist in den nächsten Wochen das bestimmende Thema. Auch wenn keine großen Mengen zu erwarten sind. Das Erleben der Jahreszeit ist doch sehr stark mit diesen Dingen verbunden. Wäre schön, wenn uns diese Erfahrungen nie abhandenkommen.

Überraschung Holunderholz

Leider hat sich die gestrige Vermutung bewahrheitet. Das war kein so toller Tag. Aber immerhin konnte ich die Vorbereitungen für einige Armbänder treffen, so dass die Arbeit in der nächsten Woche nahtlos weitergehen kann. Darunter auch ein Stab aus Holunderholz, eine neue Art, die in Kürze meine Auswahl der Wunschbaum-Armbänder erweitern wird. Ich hätte nicht gedacht, dass es sich als ein so geeignetes Material erweisen würde. Im frischen Zustand wirkt es doch sehr wässrig und spröde. Beim Trocknen aber entfaltet es ganz unerwartete Eigenschaften. Es wird offensichtlich sehr dicht, fest und erstaunlicherweise auch schwer. Das ist bei Hölzern, die so viel Wasser aufnehmen können, doch eher ungewöhnlich. Insofern bin ich froh, einen guten Vorrat davon angelegt zu haben. Aber auch, weil der Baum symbolisch interessant ist. Bin gespannt, ob es Menschen gibt, die dieses Interesse teilen.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.