Er kann nur schön sein

Für M. hat die Woche nicht so toll begonnen. Einer der Zustände, die ihr in den letzten Jahren Angst gemacht haben, aber dank guter Gedanken diesmal nicht so heftig ausgefallen sind. Ich hoffe, wir werden eine gesunde restliche Adventszeit erleben und wie geplant J. und W. besuchen können. Eine gute Lösung für diese Weihnacht, wie ich finde. Welchen Baum sie in diesem Jahr besorgen, darüber haben wir gar nicht gesprochen. Unserer könnte sogar schon etwas früher zur Verfügung stehen. Ich schätze, dieses Wochenende wird der richtige Zeitpunkt sein, um sich umzusehen und ein hoffentlich schönes Exemplar zu finden. Aber natürlich, er war immer noch schön. Das kann eigentlich nicht anders sein.

Eine Weihnachtstradition

Meine Weihnachtsbäumchen aufzustellen, zu drapieren und aufzuhängen, das war mir am zweiten Adventssonntag doch wichtig. In früheren Jahren hatte ich das immer schon zu Beginn der Adventszeit geschafft, aber diesmal musste es leider warten. Die Sammlung ist schon so umfangreich, dass ich nicht mehr alle gleichzeitig ausbreiten kann. So treffe ich in jedem Jahr eine etwas andere Auswahl, damit die schönen Darstellungen aus Glas, Holz, Filz, Stoff, Perlen- und Rocaille-Applikationen oder Metall alle einmal zur Geltung kommen können. Da kann es auch vorkommen, dass länger nicht hervorgeholte Exemplare wieder eine Chance erhalten. Mit dabei diesmal die kleine zusammensteckbare Spieluhr aus bemaltem Sperrholz mit weihnachtlichen Figürchen, die an einem stilisierten Weihnachtsbaum hängen. J. und W. haben sie mir letzte Weihnachten geschenkt.

Brennholz heimgeholt

Nun haben wir mit Ws Unterstützung doch noch zwei Anhängerladungen Brennholz herangefahren, das wir in den nächsten Wochen in Ruhe kleinsägen können. Zuvor haben wir für Js und Ws Kamin noch eine Autoladung vorbereitet. Das dürfte fürs Erste reichen. Oben beim Bienenhaus war es zunächst schwierig, den Anhänger zu erreichen, da der Weg mit den frisch geschlagenen Fichtenabschnitten zugestellt war. Mit vereinter Kraft haben wir dann aber die Hälfte beiseite geräumt und dann war das Ganze doch innerhalb von 2,5 Stunden erledigt. Nun wird V. hoffentlich beruhigt sein. Und für den Holzofenbrand müssen wir uns einige Monate lang keine Gedanken machen. Ich freue mich auf das Essen heute Abend an einem Ort, der in Js und meiner Jugend eine Rolle spielte und uns in guter Erinnerung geblieben ist. Ich war seitdem schon öfter wieder dort, für J. ist es aber das erste Mal seit ca. 30 Jahren.

Kurs auf Jahresabschluss

Jetzt laufen die Fäden langsam zusammen. St. Nikolaus und die Weihnachtsfeiertage sind schon ständig präsent. Gleichzeitig gehen die Projekte und Erledigungen des Jahres in ihren Endspurt, mit der üblichen Hektik, die einfach nicht vermeidbar zu sein scheint. Ich freue mich, dass die Dekorationen mit weihnachtlichen Pflanzen so weit schon alle unter Dach und Fach sind. So können wir uns auf die Auswahl und das Schmücken des Weihnachtsbaums konzentrieren. Eigentlich mein liebster Part und auch der, der gänzlich in meiner Hand liegt. Ich hoffe, V. wird sich wenigstens bereit erklären, den Baum abzuholen. Das wäre auf Rund der Länge für meine Transportkapazitäten wahrscheinlich nicht möglich. Im Vorjahr war die Abholfahrt eine der letzten Fahrten mit Vs altem Auto überhaupt. Und eine der ersten, die ich in diesem Wagen zurückgelegt hatte. Dafür war er auch bei eisigen Straßen ganz gut geeignet.

Bedeutung der Eibe

Der Bericht in ARTE vorhin hat mich doch überrascht. Dass mein Lebensbaum eine solche wirtschaftliche Bedeutung hätte, war mir nicht bekannt. Offenbar aber gibt es einen enormen Bedarf nach dem in der Eibe enthaltenen Wirkstoff Taxol, einem Gift, das für die Krebstherapie Verwendung findet. Die synthetische Herstellung scheint nicht möglich zu sein, so dass eine große Nachfrage nach den Bestandteilen der Baumart entstanden ist. Ausgerechnet die Eibe, die so extrem langsam wächst und sich zu nichts drängen lässt. Da mutet es befremdlich an, dass in Forschungsinstituten derzeit umfangreiche Tests stattfinden, unter welchen Bedingungen der Baum am besten gedeiht und eine Auslese in Richtung solcher Exemplare, die schnell wachsen und gleichzeitig besonders viel des ansonsten recht sparsam enthaltenen Taxols produzieren. Aber natürlich ist das löblich. In Ländern, die moralische und nachhaltige Überlegungen noch nicht für sich entdeckt haben, soll es zu einem wahren Raubbau an der Art gekommen sein. Wenn z. B. in China innerhalb kurzer Zeit über 80 % der Eibenbestände ausgebeutet werden, kann man sich die Folgen und die Selbstbeschneidung gut vorstellen. Und natürlich, pflanzliche Bestandteile zum Heilen und Behandeln menschlicher Krankheiten zu verwenden, was könnte es Faszinierenderes und Begrüßenswerteres geben. Ich hoffe, man schafft es, die Art nicht nur zu erhalten, sondern gerade mit dem Interesse am Gewinn der Inhaltsstoffe ihre wieder stärkere Verbreitung zu fördern. Denn was schneller und widerstandsfähiger wächst, wird sich vermutlich auch außerhalb kommerzieller Nutzung in größerem Umfang behaupten können. Die Eibe hat jetzt schon die besten Voraussetzungen dafür. Ob sie eine Beeinflussung ihres Lebensrhythmus wirklich mitmachen wird, da bin ich mir nicht sicher.

Wieder Barbaratag

Im vergangenen Jahr haben wir es doch tatsächlich verpasst, aber diesmal habe ich wieder rechtzeitig daran gedacht, an die Barbarazweige zu erinnern. So hat V. am Nachmittag einen Bund junger Kirschzweige mitgebracht. Er hat sich auch tatsächlich an den Wunsch gehalten, möglichst junge Zweige zu schneiden. Bei denen ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass es mit dem Blütenwunder tatsächlich funktioniert. Zu meiner Zeit in D., als wir in der Vorweihnachtszeit die Zweige auf der großen, mit einer Marmorplatte abgedeckten Fensterbank direkt über dem Heizkörper platziert hatten, hat es regelmäßig geklappt. Auch wenn wir mit gewissen Verzögerungstaktiken die Blüte bei den ersten Anzeichen leicht verzögert haben. An Heiligabend waren die Blütenknospen zum größten Teil geöffnet. Zuhause hat das auch schon einige Male funktioniert, allerdings solange wir schon vor Weihnachten den Holzofen genutzt hatten. Ohne diese Verstärkung ist es schwieriger. Mal sehen, ob wir einen geeigneten Standplatz finden.

Schöne Weihnachtsbaumanstecker

Für M. hat jetzt die Weihnachtsbaumanstecker-Saison begonnen. Gestern Abend kam der erste aus der Sammlung zum Einsatz. Und sicher werden noch einige Gelegenheiten für die übrigen auftauchen. Das Alleinstellungsmerkmal ist allerdings ebenfalls seit gestern Abend Vergangenheit. Zu Ms großer Überraschung und irgendwie auch Enttäuschung fand sich eine Bekannte ein, die ebenfalls einen Weihnachtsbaum-Pin am Revers trug. Einzige Genugtuung war dann, dass dieser mit dem eigenen Prachtexemplar natürlich nicht mithalten konnte. Mal sehen, vielleicht entdecke ich ja in dieser Saison noch einen neuen, wunderschön glitzernden und noch schöneren Anstecker mit Weihnachtsbaummotiv. Eine harmlose Leidenschaft, die ihren Reiz noch nicht verloren hat.

Brennholzvorrat auffüllen

Das Auffüllen unseres Wintervorrats an Brennholz wird wohl doch eine längerwierige Angelegenheit. Denn fürs Wochenende ist schon wieder eher mieses Wetter vorhergesagt. Wenn es nur kalt wäre, könnten wir uns nicht beschweren. Aber Regen macht das Projekt dann doch zunichte. Wirklichen Bedarf haben wir zwar zurzeit noch nicht, und das Lager ist auch schon zu zwei Dritteln aufgefüllt. Aber es wäre doch schön, diese Arbeit vor Weihnachten erledigt zu haben. Mal sehen, vielleicht klappt es ja doch, zumindest für uns allein, und später dann noch eine Ladung für J. und W., die sich ebenfalls schon auf eine lange Kaminsaison einstellen. Es ist eben alles ziemlich gedrängt in diesem Jahr. Vor Weihnachten werden wir eine Entspannung wohl leider nicht mehr erleben. Ich hoffe, dass die Adventszeit dennoch nicht an uns vorüber gehen wird.

Adventlichter

Der diesjährige Adventskranz ist wirklich gut gelungen. Auch das Größenverhältnis zwischen Kranz und Kerzen ist sehr ausgewogen. So habe ich Freude an der ersten Kerze und den andere weihnachtlichen Dekorationen, auch an den Lichterketten draußen, die mich faszinieren, auch wenn ich sie einmal nicht sehe, einfach weil sie sich bei Einbruch der Dunkelheit selbständig aktivieren und dann dieses weihnachtliche Licht verströmen. Zumindest am Nachmittag konnte ich die Ruhe realisieren, die für mich zu einem Adventssonntag eigentlich gehört. Die Lektüre von Steiners Geheimwissenschaft hat mir zusätzlich geholfen, die Ruhe ich den gewünschten Form wirksam werden zu lassen. Ein guter Auftakt für den Start in die neue Woche.

Letzte Adventsdekorationen

Jetzt ist es doch wieder schön, überall in der Wohnung und am Eingang weihnachtliche Dekorationen zu haben. Heute haben wir den Adventskranz geschmückt, mit roten Kerzen und einigem Glitzer über dem schönen aus verschiedenen Baumgrüns gebundenen Kranz. M. hat noch einen weiteren kleineren für die Haustür dekoriert, mit kleinen Fliegenpilzen und Filzornamenten. Schließlich habe ich noch das Gesteck und die kleine Zypresse neben der Haustür mit Lichterketten versehen und an die Zeitschaltuhr angeschlossen. So haben wir bei Dunkelheit immer dieses gemütliche Licht um die immergrünen Pflanzensymbole herum. Ein schöner Rahmen für die Adventszeit, von der ich hoffe, sie wird uns wenigstens phasenweise etwas Ruhe bescheren.

Gelungenes Adventszeitgesteck

In jüngster Zeit hat das mit der zeitlichen Planung immer gut funktioniert. So schaffe ich es, handwerkliche Arbeiten mit konzeptionellen und kreativen parallel zu führen, ohne jeweils den Faden zu verlieren. Etwas bremsend wirkt da schon der Winter, der Mangel an Licht, an den ich mich noch nicht gewöhnt habe. Vermutlich ginge vieles leichter von der Hand, wenn es nicht bei künstlicher Beleuchtung stattfinden müsste. Dennoch gelingt es uns immer wieder, Neues und Schönes zu schaffen. So M. heute mit ihrem Gesteck für den Eingangsbereich. Die Mischung zwischen Fichtenästen, Stechpalmenzweigen, Mistelzweigen und einer Kette mit Lärchenzapfen ist wirklich gut gelungen. Und wenn ich morgen die Lichterkette anbringe, wird es auch bei Dunkelheit ein wenig weihnachtliche Atmosphäre vor unsere Haustür zaubern.

Weihnachtsbaumfrage

Beim besten Willen. Dieser Baum kommt tatsächlich überhaupt nicht in Frage. Auch beim zweiten Blick fehlt ihm einfach alles, was einen guten Weihnachtsbaum ausmacht: Gleichmäßiger Astaufbau, dicht stehende Äste, die nicht zu steil gewachsen sind, keine endlos langen Endtriebe, stattdessen schöne Verzweigungen, die auch noch die Leerräume zwischen des Astetagen gleichmäßig ausfüllen. Natürlich, auch Abweichungen von diesem Ideal können reizvoll sein. Solche Exotenbäume hatten wir auch schon. Aber die waren ansonsten erstklassig und hatten eben nur diese punktuellen Besonderheiten. Dieser hier taugt für eine solche Rolle einfach nicht. M. hätte gerne seine kräftigen Äste mit den schönen dicken Nadeln für Dekorationszwecke, z. B. für noch anzufertigende Gestecke. Aber da ziert sich V. noch, selbst sehr gut wissend, dass er mit dem Vorschlag nicht durchkommt. So ist die Weihnachtsbaumfrage für dieses Jahr wohl so schnell noch nicht geklärt.

Kein eigener Baum mehr

V. meinte, von seinem Baumstück doch noch einen Weihnachtsbaum für dieses Jahr abzweigen zu können. Aber natürlich sind diese Baumspitzen schon seit langem nicht mehr zu gebrauchen, schon in 2004, beim Start des Baumtagebuchs, waren die Fichten bereits so hoch und verwachsen, dass ein vernünftiger Baum nicht mehr zu erwarten war. Die letzten Versuche fielen, wie ich mich erinnere, ziemlich wild aus. Und irgendwann haben wir uns dann entschlossen, doch einen Händler aufzusuchen. Ich bin gespannt, wie das dieses Jahr aussieht und ob V. sich bereit erklärt, den Baum wenigstens mit seinem Wagen abzuholen. Wenn er schon nicht die Nerven aufbringt, mit mir zusammen eine Auswahl zu treffen. Na ja, das gehört eben zu den Skurrilitäten, die in den letzten Jahren zum Normalfall geworden sind.

Weihnachtsdekorationen

Nun hat auch M. der Ehrgeiz in Sachen Weihnachtsdekoration gepackt. Aber wie immer übertreibt sie es einmal wieder, will zu viel auf einmal und verzettelt sich dabei. Die meisten Dekoweihnachtsbäume sind schon aufgestellt, darunter der aus Holz mit den vielen ornamentalen Durchbrüchen, die verschiedenen Leuchtbäume und auch der Glitzerkranz mit kleinen Spiegelelementen und transparenten Kügelchen ist schon platziert. Jetzt ist es nicht mehr lange, bis wir uns über die Weihnachtsbäume für den Hauseingang und vor allem für drinnen Gedanken machen. Ich hoffe, der Händler der Vorjahr ist wieder gut sortiert und ich erwische den richtigen Zeitpunkt, den richtigen Baum zu erwischen.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.