Rauschhafte Entfaltung

Das ist jetzt der gefühlte Höhepunkt des Hochsommers. Intuitiv sehen das die meisten so, weshalb in diesen zwei Wochen, die den Übergang vom Juli zum August bilden, meist eine Art Schwebezustand eintritt. Eine Zeit, in der viele ungern Neues beginnen und sich lieber dem Stillstand widmen als der fortschreitenden Aktivität. Vielleicht sind wir in diesen Tagen dem Weltall da draußen näher als sonst, dehnen unseren Geist ins All aus, nicht nur während des Schlafes. Ich glaube, das gerade die Bäume jetzt ebenfalls ihre Hochzeit erleben, in der sich alles überschneidet: Grünen, Fruchten, Höhen- und Breitenwachstum, Sprossen und sich Stabilisieren. Alles zusammen ein rauschhaftes Feiern der Entfaltung des Natürlichen, die uns viele Anstöße und Anregungen für später mitgeben kann.

Gartenbäume im sommerlichen Ensemble

In diesen Tagen gehen die Bäume des Gartens ihrem sommerlichen Höhepunkt entgegen, fangen mit ihrem üppigen Laub jede Menge Licht ein und setzen die reichliche Energie in weitere Wachstumsschübe um. Der Ginkgo strebt in diesem Jahr vor allem in die Breite, trotz der räumlichen Konkurrenz des direkt angrenzenden Nashi-Birnenbaums, der schon fast dieselbe Höhe erreicht hat. Im Halbschatten der beiden dringt für den kleineren Feigenbaum noch genügend Licht durch, der sich vor allem an der Wärme erfreut und aus diesem opulenten Licht-Wärme-Mix den Stoff für seine Früchte nimmt. Nummer fünf wird in den nächsten zwei Tagen erntereif sein. Von links ragen die Weinreben hinein, deren Trauben sich zunehmend blau färben und im gleichen Maße Zucker in sich konzentrieren. Die Wespen sind entsprechend lästig und lassen mich bei der Arbeit draußen gar nicht mehr in Ruhe.

Weinlaub, Ginkgo, Nashi-Birne und Feigenbaum

Es freut mich besonders, dass unser junger Walnussbaum nicht mehr nur Richtung Himmel wächst, sondern erstmals seine Krone auch ausbreitet. Die Seitenäste sind zwar immer noch steil , aber dennoch stärker geworden und haben weitere Verzweigungen gebildet. An der Spitze hat sich in diesem Sommer wiederum so etwas wie ein Baum im Baum ausgewachsen. Ein Baum, der mir fraktalen Prinzipien zu gehorchen scheint. Es bleibt spannend, das im Zeitverlauf zu beobachten.

Junger Walnussbaum im Hochsommer, aus: Gartenbäume im sommerlichen Ensemble

Geduldige und kontrollierte Holzarbeit

Es war tatsächlich mit so viel Aufwand verbunden, wie ich es vorhergesehen hatte. Aber irgendwann entwickelt sich auch eine besondere Routine, die nützlich ist, wenn man gleichzeitig die Konzentration hochhält. Das ist nämlich unverzichtbar. Gerade bei immer gleichen Abläufen ist die ständige Selbstkontrolle notwendig, um Fehler und Ungenauigkeiten zu vermeiden. Jedenfalls kann ich sagen, dass die Stäbe nicht nur in ausreichender Anzahl für die anstehenden Projekte vorliegen, sondern auch in nie zuvor dagewesener Qualität gelungen sind. Bei der Ulme einen wirklich runden Querschnitt zu realisieren, ist ein wirkliches Kunststück. Und das hat bei immerhin 13 kurzen Stäben ganz gut funktioniert. Vorteilhaft ist das für die Optik der späteren Armbänder, aber auch für die weiteren Arbeitsprozesse, die dadurch deutlich erleichtert werden. Genau die richtige Arbeit für die heißen Tage nächste Woche.

Ulme satt

So viele Stäbe aus Ulmenholz hatte ich auf einmal noch nie auf meiner Aufgabenliste. So habe ich heute schon mal angefangen, da mir die Bohrkerne ausgegangen waren und damit zusätzliche Vorbereitungsarbeiten anfielen. Eine ausreichende Menge der kurzen Stäbchen will ich dann morgen herstellen. So ist die kommende Woche für die eigentliche Produktion reserviert. Sehr passend, denn es ist wieder Hochsommerwetter angesagt. Dann macht das Arbeiten im Freien besonders viel Freude. Die grünende und überall blühende und sprossende Kulisse des Gartens ist eine super Arbeitsumgebung. Meine Art Urlaub sozusagen, auf die mich freue.

Versetzte Wachstumsrhythmen

Jede Baumart hat so ihren ganz eigenen Wachstumsrhythmus. Während die in jedem Jahr unterschiedlichen jahreszeitlichen Verläufe sich natürlich auf alle Arten gleichermaßen auswirken, so dass es eben frühe und späte Jahre gibt, sind einige Arten eben doch etwas früher oder später dran, wenn es um die schnellen Wachstumsphasen geht. Unsere kleinen Gleditschien scheinen ihre Hochzeit schon hinter sich zu haben. Bei ihnen war das diesmal ein extrem ausgeprägtes Vertikalwachstum über mehrere Wochen. Der Ginkgo scheint sich sehr gleichmäßig zu entwickeln. Immer wieder bemerkt man kleine Zuwächse in der Höhe und dann auch wieder im Breitenwachstum. Und der Walnussbaum ist besonders verzögert, kommt jetzt erst so richtig dazu, stärkere Asttriebe zu bilden, die sich allmählich verstärken und verholzen. Ich bin davon überzeugt, dass der Baum bald die Notwendigkeit bemerken wird, den Stamm breiter werden zu lassen, um dem überproportionalen Höhenstreben einen stabilisierenden Unterbau entgegen zu setzen. So lange stehen wir ihm stützend zur Seite. Ganz sicher wird er in wenigen Jahren mindestens zur Nummer Zwei des Gartens aufgestiegen sein und seine Dominanz über viele Jahre behaupten.

Erstarkendes Baum-Thema

V. setzt sich neuerdings vehement für die Weiterexistenz unseres alten Feigenbaums ein. Dabei hat er jahrelang gegen ihn gewettert. Unser symbolischer Streit über den Wert bestimmter Gartenbäume ist ohnehin legendär. Aber gerade dieser Umschwung der Sichtweise ist doch skurril, da der Baum doch so extrem schwächelt, dass man sich kaum eine stabile und ansehnliche Zukunft für ihn vorstellen kann. Ich würde es deshalb auch lieber sehen, wenn wir das Augenmerk stärker auf den kleinen Nachzögling setzen. Das Thema wird wohl noch andauern, zumal der große Baum unverhofft viele Früchte trägt, trotz seiner Schädigung. Das wirkt tatsächlich wie eine Auferstehung. Ich merke, dass die Baumthemen in diesen Tagen wieder mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Sollte die Phase diesbezüglicher Ablenkung jetzt wieder beendet sein? Mit der Vorhersage bin ich noch vorsichtig.

Die nächsten Kreativvorhaben

Auch heute konnten wir uns das Gießen einmal wieder sparen. So viel konnte nicht verdunstet sein. Glücklicherweise sind unsere Gießwasservorräte wieder ein Stück weit aufgefüllt. Und auch der Regen an sich war natürlich wohltuend und wichtig für die Pflanzen, die sich in den letzten Tagen erholen konnten. Zwischendurch kommen schon wieder längere Sonnenphasen, ein Zeichen, dass der Hochsommer einen langen, aber voraussehbaren neuen Anlauf nimmt. Also noch genügend Gelegenheit, die Möglichkeiten des neuen Weitwinkels an den Bäumen als Ganzen auszutesten. Vielleicht finde ich in den nächsten Wochen auch wieder etwas mehr Ruhe dafür. Damit die Arbeit an meinen Microstock-Portfolios nicht zu erliegen kommt. Das neue Vater, Mutter & Kind-Armband-Set habe ich heute abfotografiert. Zusammen mit einer früheren Dreier-Kombination werde ich es demnächst zu meinen Beispielansichten gesellen und vielleicht diesen Armbandtyp auch stärker herausstellen. Denn in jüngster Zeit ist das Interesse dafür gewachsen.

Erste Feigen

Die ersten Feigen dieses Jahres kamen ganz unverhofft. Ich hatte ihr Heranreifen während der letzten beiden Wochen tatsächlich nicht bemerkt. Wie das so oft vorkommt, wenn die Früchte noch grün sind und mit dem Grün des Laubs konkurrieren. V. hat mich am Nachmittag wild gestikulierend darauf aufmerksam gemacht und mir die Ernte überlassen. Eine davon besonders dick, die andere oberflächlich schon leicht von Insekten angefressen und bereits überreif. Jetzt können wir wieder eine neue Strichliste auf unserer Schiefertafel anlegen. Ich bin gespannt, wieviele in diesem Sommer zusammen kommen, bei dem doch schleppenden Start in die Saison. Das Wahnsinns-Hochdruckwetter der letzten Wochen, gepaart mit jetzt öfter auftauchenden Regentagen sind natürlich ganz gute Bedingungen, die die Verspätung kompensieren könnten.

Erweiterte Optik

Landschaft an der Saar
Baumgrundstück mit exotischen Bäumen an der Saar

Es war der erste Test für das neue Objektiv. Bei nicht gerade idealen Lichtverhältnissen, aber immerhin ohne Regen. An den Weitwinkel muss ich mich erst noch gewöhnen. Aber jetzt schon ist klar, dass es die Perspektiven erheblich erweitert. Welche Blende bei welcher Belichtungszeit in welcher Situation die richtigen sind, dafür habe ich nach diesem ersten Mal schon einige Anhaltspunkte. Überrascht bin ich darüber, dass auch Details erstaunlich scharf abgebildet werden, bei idealen Bedingungen bis in die Randbereiche hinein. Insofern ist es nicht nur die 1. Wahl für Landschaften, Innenräume und Außenarchitektur. Auch Bäume als Ganze lassen sich mit diesem Objektiv gut abbilden. Wenn man vom Makrobereich kommt, ist das zunächst sehr ungewohnt. Man steht dicht vor dem abzubildenden Objekt und kann es dennoch in seinem Kontext vollständig erfassen. Fast wie ein Vergrößerungsglas, denn mit den eigenen Augen ist dieser Winkel nicht abbildbar. Insofern bin ich gespannt auf die Entdeckung der Gestaltungsmöglichkeiten, die ich mit dem Weitwinkel jetzt integrieren kann.

Weitwinkelsichten

Nach den arbeitsreichen Tagen dieser Woche und all den Extremwetterumschwüngen freue ich mich auf einen Sonntag, der wohl temperiert zu werden verspricht. Ob ich das zu einem Spaziergang nutzen kann, hängt wesentlich davon ab, ob es längere regenfreie Phasen geben wird. Ich würde mich freuen, denn dann könnte ich endlich das neue Weitwinkelobjektiv testen. Natürlich muss es dabei um Landschaft gehen, aber auch um die Möglichkeiten, diese Brennweite 16-35 mm gewinnbringend für die Aufnahme näher liegender Gegenstände zu verwenden. Es ist immer spannend, bei neuen Techniken zu ergründen, welche Chancen sie bieten und wie man sie für die eigenen Gestaltungs- oder Dokumentationsvorstellungen nutzen kann. Die Ausweitung meines Baumfoto-Portfolios um neue Perspektiven und vielleicht auch neue Motive ist ein Projekt der nächsten Monate.

Nussbaumfortschritte

Der Walnussbaum hat in den letzten Wochen doch an Stammstärke zugelegt. Bis kürzlich hatte er immer dieses Stängelartige, mit einer im Verhältnis zu seinem jungen Alter und dem kleinen Stammdurchmesser enormen Höhe. Wahrscheinlich hat die Biologie des Baums nun doch für eine Korrektur gesorgt und die Grundlagen dafür gelegt, dass er mittelfristig nicht völlig aus der rechten Proportion fällt und instabil wird. V. hatte dem zuletzt nicht ganz getraut und ihn deshalb von verschiedenen Richtungen aus mit Seilen und einer Stange stabilisiert. Vielleicht können wir im nächsten Jahr schon darauf verzichten und uns allein auf die Holzstütze für den Stamm beschränken. Jetzt schon kann man erkennen, dass er sich zu einem der dominierenden Bäume des Gartens und zu einem echten Blickfang und guten Schattenspender im Sommer entwickeln wird.

Tropisch

Nun musste ich doch noch nicht auf das Leitungswasser zum Gießen zurückgreifen. Glücklicherweise ist unser Tank noch ziemlich voll, so dass es damit noch einige Tage ausreichen sollte. Bis dahin kommt vielleicht tatsächlich der schon mehrfach angesagte Regen. Als Abkühlung und zwischenzeitliche Erholung für uns, die Bäume und Blumen. Ein Sommer ist das, wie ich ihn in dieser durchgängig heißen Form noch nicht erlebt habe. Man fühlt sich fast wie in den Tropen.

Stumme Kommunikation

Die Sommerseligkeit scheint noch lange nicht zu Ende. In unserem Bundesland dürfte sie für viele gar erst richtig mit dem Wochenende beginnen, wenn die Schulferien starten. Für mich ist das eigentlich spannend, da diese Urlaubsstimmung meine Konzentration während der Arbeit unterstützt. Es gibt nicht ganz so viel, was ablenken kann. Dann ist es auch noch leichter, trotz der durchgängigen Projektarbeiten, die kurzen Phasen im Garten oder beim Spaziergang, den punktellen Dialog mit den Bäumen des Gartens und die Nähe zu allen Pflanzen so zu erleben, als ob sie länger andauernd wären. Die Dauer des Kontakts ist eben kein Qualitätskriterium, eher die Fähigkeit, in dem Moment achtsam und fokussiert zu sein. Das ist gut bei allem Arbeiten, und es ist ebenso gut und wichtig bei dieser meist stummen Form der Kommunikation mit den Wesen der vegetabilen Welt.

Sommerblättertransparenz

Das war einmal wieder ein stimmiger Einundzwanzigster. Diese Tage haben meist etwas Anregendes. Und tatsächlich bin ich heute sehr gut mit verschiedenen im Abschluss befindlichen Projekten vorangekommen. Und dann dieses Hochsommerklima, das am Nachmittag mit voller Wucht zurückgekehrt ist. Man kann sich schon wie im Urlaub fühlen, so mediterran wirken die sommerlichen Szenen inzwischen im Südwesten Deutschlands. Unsere Sonnenbäume mögen das, und die eher mit Schatten assoziierten zeigen sich bisher zumindest nicht gestört. Unterdessen wuchert das Grün im Garten immer weiter und wird zunehmend die lichte Transparenz des Laubs sichtbar werden lassen. Baumblätter im Gegenlicht gehören dann auch zu meinen Lieblingsmotive während dieser Jahreszeit. Mit dem neuen Objektiv will ich in den nächsten Wochen eine neue Serie dazu ins Leben rufen.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.