Entdeckungen in der Nähe

Wieder ein wirklich frühlingshafter Tag. Aber es wird nicht konstant so weiter gehen. Die Bäume halten sich entsprechend mit ihrem Blühen noch zurück. Lediglich bei einer Zierkirsche und vor allem bei den Schlehen habe ich den Beginn der Blüte beobachten können. Ein paar weiße Tupfer in der ansonsten noch recht farblosen Landschaft. Das Licht jedenfalls ist an solchen Tagen ideal zum Fotografieren. So entdecke ich auf den kurzen Mittagsspaziergängen sogar in unmittelbarer Nähe immer wieder neue Ecken und darin befindliche Motive, die mein Portfolio erweitern. Vor allem Materialstrukturen und -oberflächen finde ich finde ich immer wieder spannend. Mal sehen, ob ich die großen leeren Kabelrollen symbolisch in Szene setzen kann. Die plastische Wirkung dieser Rollenensembles am Güterbahnhof ist enorm. Es wird aber auf die spezielle Perspektive und die Komposition ankommen, wenn es darum geht, eine über das Objekthafte hinaus gehende Bedeutung zu erzeugen.

Vielfältige Baumwelt

In dem Fall war ich leider nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Bei verschiedenen Mittagsspaziergängen hatte ich ja in der Vergangenheit schon das Glück, Forstleuten bei der Arbeit zu begegnen oder frisch geschnittene Stamm- oder Astabschnitte am Wegesrand zu entdecken. Darunter waren gelegentlich echte Raritäten, die man sonst einfach nicht findet. Ich denke etwa an die Maulbeerbaumabschnitte beim Schloss in D., das ich just zu der Zeit aufsuchte, als Arbeiter dabei waren, zwei alte Maulbeerbäume zu sanieren. Oder an die Abschnitte des Trompetenbaums und eines Weißdornstrauchs im vergangenen Jahr, ganz in der Nähe. Das waren Begegnungen mit neuen, mir bisher noch praktisch nicht bekannten Holzarten und damit mit den Eigenarten der Bäume, von denen sie stammen. Es ist schön, auch auf die Art das Spektrum zu erweitern, immer mehr Facetten der großen und vielfältigen Baumwelt kennenzulernen.

Eine individuelle Linie

Die Sonnenbilanz kann phantastisch in diesem Monat eigentlich nicht mehr werden. Dazu hätte das Hochdruckwetter anhalten müssen. So wird es wohl noch einige Tage vor sich hindümpeln und hoffentlich wenigstens gemischt weitergehen. Ich gehe dennoch von einem mindestens durchschnittlichen Ergebnis am Ende des Monats aus. Das ist gut für die Ökostrombilanz und auch gut für die Gelegenheiten, den jetzt immer häufig anzutreffenden Frühlingsregungen der Bäume und Sträucher fotografisch auf die Spur zu kommen. Die Technik ist gut vorbereitet und mein Spektrum ist noch einmal um einiges gewachsen. Jetzt benötige ich nur noch möglichst viele Gelegenheiten. Und natürlich inspirierte Momente. Auch wenn es von erfolgreichen Microstock-Photographen gebetsmühlenartig wiederholt wird, ist doch etwas daran. Der Erfolg im Sinne eine guten Resonanz hängt sicher wesentlich von einer eigenen Handschrift ab. Man muss eine individuelle Linie nicht nur finden, sondern auch beibehalten. Die kann durchaus eine vielfältige Natur haben, sollte aber dennoch unterscheidbar bleiben. Nähe betrachtet kann ich für meine Arbeiten durchaus eine solche Linie erkennen. Mein Motivspektrum ist aber zurzeit noch so weit, dass es vielleicht im Überblick nicht so deutlich wird. Dieser spezielle Blick auf die Dinge, die Auswahl von Motiven, die Vorliebe und das Umgehen mit bestimmten Lichtverhältnissen sind eben doch bei jedem anders. Und einen Blick für Fotos, die Gestalter auch tatsächlich verwenden können, glaube ich mein eigen nennen zu dürfen. Vielleicht schaffe ich es, künftig die Linie ein wenig plastischer herauszuarbeiten.

Table-Top für lichtarme Zeit

Schade, ich bin gerade wieder in Fotografier-Stimmung. Und jetzt soll die Sonnenphase vorerst einmal wieder zu Ende sein. Mit wenig Licht ist es schwieriger, bei der Motivsuche erfolgreich zu sein. Natürlich könnte ich auch die alte Tradition der Haushaltsmotive erneut aufgreifen und mich mit Table-Top auseinandersetzen. Gut inszenierte Situationen können durchaus attraktiv sein. Einige gut gelungene Beispiele sind seit Jahren Bestandteil meiner microstock-Portfolios. Eine Möglichkeit, die Zeit sinnvoll auszufüllen, in der die Bäume ihr Grün noch nicht entfaltet haben und von Blühen und Fruchten noch nichts wissen wollen. Schade nur, dass man dabei auf künstliches Licht angewiesen ist. Ein Thema, das ebenfalls einigen Erfindungsreichtum und am besten zusätzlich eine gute Beleuchtungsausstattung voraussetzt.

Mehr Social Media-Präsenz

Auf meinen verschiedenen Social-Media-Kanälen sollte ich künftig einfach mehr posten. Ich sehe, dass das durchaus gelesen und geschätzt wird. So ist auf der Facebook-Seite zum Wunschbaumprojekt in letzter Zeit wenig geschehen. Die Möglichkeit, z. B. neue Baumfotografien zu veröffentlichen, habe ich aber öfters, vor allem wenn neue Arbeiten von fotolia, iStockphoto oder dreamstime akzeptiert wurden. Das werde ich wohl regelmäßiger praktizieren, zusätzlich zum täglichen Baumwp_posts und den Aktivitäten rund um den Wunschbaum-Shop.

Foto-Optimierung

Vielleicht kann ich künftig aus meinen Fotos noch mehr herausholen. Auf die Konvertierungssoftware, die so häufig gelobt wurde, bin ich sehr gespannt. Zwar habe ich in der Entwicklung der RAW-Formate schon einige Übung, aber zusätzliche Korrekturen je nach Kamera-Objektiv-Kombination sind natürlich eine prima Sache. Vor allem interessant scheinen mir die Optimierungsmöglichkeiten hinsichtlich Rauschen und Helligkeit, mit die beiden größten Problembereiche. Wenn das schon beim Entwickeln verbessert werden kann, ist das sicher eine gute Grundlage für die weitere Bearbeitung. Aber natürlich bleibt es wesentlich, wie das Ausgangsmaterial aussieht, denn die Qualität eines Bildes lebt vor allem von dem tatsächlichen Licht, der Situation, der Motivwahl und allen anderen Faktoren, die eine Entscheidung oder ein sich Einlassen auf die jeweilige Situation erfordern. Die Software kann nur das Beste herausholen. Das könnte gerade auch bei den von mir zurzeit so geliebten Oberflächenstrukturen, aber auch bei Baum- oder Pflanzenmakros mit zartem Bokeh von großem Nutzen sein.

Kommunikationsfördernd

Die strahlenden Tage erscheinen mir fast unwahrscheinlich. Damit hatte wohl kaum jemand gerechnet, dass nach dem verpassten Winter eine so frühe und sogar länger anhaltende Sonnenphase kommen würde. Jedenfalls genießen es die Menschen. Selten habe ich bei Spaziergängen so viel Kommunikation erlebt. Eine unmittelbare Folge der so angenehmen Witterung. Während wir in der Arbeitswoche das alles einfach bestaunen und uns freuen, häufen sich jetzt zunehmend die Ideen und Pläne fürs Wochenende, vor allem den Samstag. Gut möglich, dass wir an diesem Samstag die restliche Holzvorräte abtransportieren und die letzte Lücke unseres Brennholzlagers damit auffüllen. Dann kann der nächste Winter kommen, dann auf jeden Fall auch mit Holzofenwärme, die wir irgendwie diesmal vermisst haben. Bei der Gelegenheit kann ich mir auch mal den Status Quo des kleinen Waldes ansehen bzw. was davon noch übrig geblieben ist. Allerdings befürchte ich, dass V. sich nie wird davon trennen können. Auch nicht, wenn kein einziger Baum mehr steht und der Grund vollständig seinen Sinn und Zweck verloren hat.

Faszinierende Nahsicht auf natürliche Strukturen

Aus den Borkenstrukturen, die ich bei der Exkursion gestern eingefangen habe, konnte ich schon einiges herausholen. Einige der Aufnahmen waren knackscharf und sehr detailliert. Dabei bin ich immer wieder erstaunt, wie gut die Bildstabilisierung funktioniert, auch bei Verschlusszeiten, bei denen man unverwackelte Fotos aus der Hand früher für unmöglich gehalten hätte. Sehr spannend finde ich die Ähnlichkeit der Makrostrukturen solcher Baumborken mit Felsoberflächen. Auf den ersten Blick möchte man bei einigen Aufnahmen tatsächlich an zerklüftete Sand- oder Kalksteinwände denken, die Spuren glänzender Quarze oder ähnliches enthalten. In dieser Nahsicht verwischen sich die Eindrücke zwischen pflanzlicher und mineralischer Natur und offenbaren eine hoch aufgelöste Gemeinsamkeit. Es ist vor allem die Differenzierung, die unendliche Vielfalt möglicher Feinstrukturen, die dabei auffällt und fasziniert.

Ausflugslichttag

Das war ein wirklich toller Frühlingstag, an dem sich die vielen Ausflügler wie im Sommer gaben und die Sonne sichtlich genossen. Auch ein schöner Tag zum Fotografieren. Noch nicht ganz die Zeit für Blüten und Blätter, aber im klaren Licht dieser Tage zeichnen sich die Baumrinden mit ihrer faszinierend vielfältigen Oberfläche besonders plastisch ab. Das sind nur vier von zahlreichen Aufnahmen, die ich nach meinen ersten Experimenten mit dem neuen Graufilter, das allerdings ohne Filter, gemacht habe.
Baumrindenstruktur im Frühling
Baumrindenstruktur im Frühling
Baumrindenstruktur im Frühling
Baumrindenstruktur im Frühling

Maulbeerbaum zurückgeschnitten

Bei diesem Supersonnenwetter haben die verschiedenen handwerklichen Arbeiten Freude gemacht. So hat V. gleich drei Fensterlaibungen geplättet, ein Vorhaben, das wir schon lange vor uns herschieben, und ich habe ihm dabei geholfen. Das dürfte das leidige Problem mit den schwitzenden Alufenstern in Zukunft abmildern. Am Nachmittag sind wir dann zum Bienenhaus und haben Bäume geschnitten. V. hatte mir das am Vormittag vorgeschlagen. Ich fand, das ist der ideale Tag für eine solche Arbeit. Außerdem war es höchste Zeit. Bei diesen frühlingshaften Tendenzen sind die meisten Bäume schon sehr weit. Auch der Maulbeerbaum zeigt schon deutlich verdickte Knospen, die nicht mehr lange brauchen. Der Schnitt an diesem schönen jetzt etwa zehn Jahre alten Baum war nicht gerade einfach. Obwohl der Stamm immer noch recht dünn ist und die Äste entsprechend noch schwächer, ist sein Aufbau doch sehr harmonisch und er wirkt sehr ausbalanciert und stabil. So konnte er auch die zweifach ausgefahrene Leiter und mein Gewicht mit seinen stärkeren Ästen bereits tragen. Auf die Art konnte ich auch die ganz hohen Zweige erreichen und den Baum rundherum stutzen, in der Höhe wie auch in der Breite, zudem die vielen quer verlaufenden Seitenästchen, die ihn im vergangenen Jahr fast zu erdrücken schienen. Denn an jedem noch so feinen Ästchen erscheinen später unzählige dunkelgrüne und recht großflächige Blätter. Das ganze bietet dem Wind eine ziemlich große Angriffsfläche. Vielleicht der Grund, warum der Stamm nach einer Seite geneigt ist. Dennoch ein Klasse Baum, der nun auch wieder in Form ist und vielleicht nach dieser Verjüngungskur im Sommer wirklich einmal essbare, weil genügend große Früchte hervorbringt. Im vergangenen Jahr waren die Maulbeeren erstmals sehr zahlreich zu sehen, aber so winzig, dass man sie kaum pflücken konnte. Eigentlich müsste jetzt mehr Kraft in wahrscheinlich weniger Früchte einfließen und ihr Volumen vergrößern. Ich bin gespannt, auch ob das heute der richtige Zeitpunkt für den Rückschnitt war.

Das Mysterium im Wachstum der Pflanzen

Auch beim Weißdorn zeigen sich jetzt schon die Blattknospen von ihrer braunen Hülle befreit. Die feinen Blättchen noch vollständig zusammengefaltet und nach außen hin in der Knospenform zu sehen. Man ahnt, dass sie sich über Nacht auffalten können. Und dann geht man durch die Landschaft und weiß, es ist Frühling. Urplötzlich findet man die Szene mit Tupfern von frischem Grün durchsetzt. Immer dichter wird dann dieses Grün, bis es Wochen später wie selbstverständlich die Hintergrundfarbe der Landschaft dominiert. Die Art von innerer Versenkung und Konzentration der Vorstellungskraft, die Rudolf Steiner empfiehlt, um auf dem Weg zu einer hellsichtigen Wahrnehmung Fortschritte zu machen, ist mir allerdings noch nicht gelungen. Schon allein, weil mir die Muße und Ruhe fehlt, dieses ernsthaft zu versuchen. So ist die Beobachtung dieses wundersamen Wachsens und Sich-Entfaltens der Pflanzen etwas, das ich zunächst noch von der Oberfläche aus angehe, immer ahnend, welches Mysterium sich millionenfach hinter der Lebensgeschichte jeder einzelnen Pflanze verbirgt. Manchmal gelingt es mir, dies in künstlerischen Formen festzuhalten. Es ist dann mit der Gewissheit verbunden, etwas Wesentliches in eine auch für andere wahrnehmbare und verstehbare Form gebracht zu haben.

Filterexperimente geplant

Heute hatte ich noch keine Gelegenheit, aber in den nächsten Tagen werde ich den neuen Filter sicher einmal testen. Die Bedingungen werden wohl gut sein, denn es ist bis zum Wochenende Sonne vorhergesagt. Damit dürfte auch der Einsatz des Stativs, der in dem Fall unvermeidlich ist, ohne weiteres möglich sein. Bin mal gespannt, was sich mit dem Graufilter so alles anstellen lässt. Vielleicht ist er ja auch für Nahaufnahmen z. B. von Baumblüten und -früchten geeignet. Ich könnte mir vorstellen damit das Objekt noch besser freistellen zu können. Vielleicht lässt er sich später auch noch kombinieren mit einem Polarisationsfilter, zum Intensivieren der Kontraste. Das gibt’s noch viel zu lernen, um es in der passenden Situation parat zu haben.

Frostgefahr für Bäume

Jetzt macht der Frühling doch wesentlich raschere Fortschritte, als ich es vor einigen Tagen noch vorhergesagt hatte. Wenn man die Sträucher und Bäume beobachtet, zeigen sich an vielen Exemplaren schon stark angeschwollene Blattknospen. Häufig haben die zarten Blätter schon ihre Hülle durchbrochen und beginnen langsam sich aufzufalten. So scheinen sich die Gehölze schon relativ sicher zu sein, dass es keine großen Fröste mehr geben wird. In den vergangenen Jahren haben sie sich damit schon einige Male geirrt. Ich denke an unseren Ginkgo, dessen erste zarten Blättchen von einer einzigen Frostnacht einmal so stark in Mitleidenschaft gezogen wurden, dass sie sogleich verdorrten. Beim zweiten Anlauf sind dann umso mehr Blätter, ungewöhnlich dichte Büschel entstanden. Wohl eine Reaktion auf diesen Schock. Was die Obstbäume angeht, besteht die Frostgefahr meist eher später bei den Blüten. In so manchem Frühjahr hat sich dann das Bild ergeben, dass sämtliche Blüten erfroren waren und die Fruchternte im Herbst entsprechend mager ausfiel. Nach diesem milden Winter könnte es zusätzlich noch ein Insektenproblem geben. Einer Überpopulation bestimmter Insekten können die feinen Blüten nämlich ebenso erliegen.

Neue Optimierungsmöglichkeiten für Fotos

Nachdem ich schon vor einiger Zeit die Möglichkeiten des RAW-Formats kennen und schätzen gelernt habe, liebäugele ich jetzt mit einer Software, die bei der Umwandlung der RAW-Dateien in JPEGs die kamera- und objektivspezifischen Fehler eliminiert. Eine Optimierungsmöglichkeit bei der RAW-Umwandlung selbst, d. h. bevor man am Bild weitere Optimierungen vornimmt. Nach der Beschreibung kann ich mir gut vorstellen, dass sich auf die Art noch mehr Qualität erzeugen lässt. Außerdem besteht dabei die Möglichkeit, die Profile anderer Kamera sozusagen zu imitieren. Ganz spannende Perspektiven, die im Prinzip bei allen Aufnahmen zum Einsatz kommen könnte, in der Umwandlung und Nachbearbeitung der Telezoom-Bilder aber wahrscheinlich am nützlichsten ist. Und das heißt im Bereich meiner Motivgruppen ,,Bäume” und ,,Holzstrukturen”. Ich ahne, dass dieses Frühjahr und der Sommer einen neuen Schwung in meine jüngst etwas vernachlässigten fotografischen Aktivitäten bringen werden.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.