Vitale Kiefer

Die Holzarbeit, die sich gerade ausschließlich auf das Kiefernholz konzentriert, macht Freude. Der Duft, der beim Bearbeiten der harzreichen Abschnitte austritt, ist unvergleichlich. Besondern in den Momenten wird die energetische Ausstrahlung dieser Art besonders spürbar, und ihre Vitalität. Vielleicht auch ein Stück die Unberechenbarkeit, die sich in der ungleichmäßigen Struktur widerspiegelt. Das wird bei der Kette aneinander gereihter Perlen später sicher auch zum Ausdruck kommen, zumal sich die Perlen um die Kordel ja auch noch verdrehen können und so immer wieder andere Strukturmuster in der Gesamtschau zustande kommen. Ich hoffe, der Duft wird zumindest teilweise erhalten bleiben. Das verstärkt die Erlebnisqualität.

Wohlfühlumgebung

Der Garten bei St. Und P. erinnerte mich etwas an die Wiese aus unserer gemeinsam erlebten Zeit in B. Schräg ansteigend und ein Kirschbaum in der Mitte. Da finden sich Parallelen und Wiederholungen in Bezug darauf, was man als lebenswerten Ort, als Wohlfühlumgebung wahrnimmt. Und tatsächlich passt das ganz gut zu dem Bild, das ich mir selbst von der befreundeten Person gemacht habe. Es sind wahrscheinlich solch ein auf bestimmten Ebenen gleich ausgerichteter Sinn, der Gemeinsamkeit schafft und Kommunikationen auch über längere Zeiträume immer wieder spannend und erfüllend werden lässt.

Landschaftsvergleiche

Die Baumlandschaft in G. unterscheidet sich doch etwas von der unsrigen. Dort, im klimatisch besonders begünstigten Teil von Rheinland-Pfalz können selbst mediterrane Arten an geschützten Orten schadlos überwintern. Und in der freien Landschaft finden sich tatsächlich hier und da Mandelbäume. Ansonsten gibt’s mehr Flieder als hier. Gut entwickelt haben sich die Hintergartenbäume bei J. und W., unter denen das Ebereschenpaar immer noch besonders hervorsticht. Ich denke, bald schon werden die Holzlattenstützen nicht mehr notwendig sein, so kräftig sind die Stämme schon geworden. Und sie blühen auch wunderbar zurzeit, was üppige Fruchtstände über den Sommer erwarten lässt. Die beiden anderen Stars, der Walnussbaum und die direkt daneben wachsende Esskastanie im Vorgarten konnte ich bei dem eng gepackten Tagespensum heute gar nicht richtig unter die Lupe nehmen. Aber deren große Zeit kommt ohnehin erst. Denn als essbare Früchte tragende Bäume kommen sie eben auch erst im Herbst so richtig zur Entfaltung.

Die Sommerblumen kommen

Einige Reparaturarbeiten, darunter der Ersatz einer Perle für ein Armband aus dem Holz des Trompetenbaums, standen heute auf dem Programm. Außerdem habe ich eine der jüngsten Anfragen bearbeitet und auch schon fertiggestellt. Nächste Woche geht’s gleich weiter mit dem eher außergewöhnlichen Auftrag für Kinder-Halskettchen. Ich freue mich sehr, dass während der eher durchwachsenen und regnerischen Tage meine gesäten Blumen sehr schön angewachsen sind. Besonders die Schwarzäugige Susanne entwickelt sich prächtig. Bald schon können wir sie in eine Ampel verpflanzen und eine weitere vielleicht in die Erde, damit sie sich am Zaun hochranken kann. Das wird sicher ein Blickfang. Und die Strohblumen wuchern jetzt auch schon gewaltig. In den nächsten Tagen werde ich sie in größere Gefäße mit mehr Erde versetzen müssen, bevor sie dann ins Freiland kommen.

Konzentrierte Arbeit an weichen Hölzern

Der Nachmittag war für die heutige Holzarbeit gut gewählt. Denn zum Abend hin stieg die Temperatur spürbar an, wieder in Richtung frühlingshafter Eindrücke, und das Licht war so, dass man erneut Lust auf die Arbeit draußen bekommen konnte. Heute ein Stab aus Linde und gleich vier aus Kiefer. Das war eine konzentrierte Arbeit, wie immer notwendig bei weichen und elastischen Holzarten, die aber dennoch flüssig von der Hand ging. Ich freue mich, diesen Schwung mit in die weitere Wochenendaktivität nehmen zu können.

Der Regen tut gut

Der Regen wird den Bäumen gut tun, wie allen grünen Pflanzen. Gute Bedingungen auch für unser Vorhaben, den Rasen neu auszusäen. Ich schätze, am Wochenende können wir das angehen, und auch die Umänderungen am gegenüber liegenden Gartenabschnitt, der ebenfalls mehr Rasenfläche erhalten soll. So hoffe ich, dass wir auch eine gute Lösung für den neuen Feigenbaum finden. Der steht dann mitten in dieser Rasenfläche. Es wäre gut, wenn er rasch in die Höhe wachsen würde, aber damit tut er sich gegenwärtig noch schwer, da er sich schon früh verzweigt hat, auf einem sehr kurzen Stamm. Vielleicht müssen wir da schnitttechnisch noch etwas unternehmen, um ihn für die Zukunft zu positionieren.

Honigsaisonvorbereitungen

V. bemüht sich während dieser wieder kühlen und nassen Tage sehr um seine Bienen. Gerade die neu erworbenen, jetzt ca. 2 Monate bei uns, haben sich prächtig entwickelt. Aber wir wissen, dass gerade solch untypische Witterung im Frühjahr wie auch später im Herbst sich ungünstig auswirken kann. Deshalb ist Vorsicht geboten, damit die Völker gesund und munter in die Saison starten können. Wie weit der Weißdorn ist, konnte ich in den letzten Tagen noch nicht beobachten, aber er kommt besser mit Verzögerung als zu schnell, da dann einzelne Extremwetterlagen, z. B. mit Frost oder zu viel Regen, das Ganz wieder vernichten können. Wir wollen einfach einmal optimistisch sein und hoffen, dass sich endlich wieder alles wie gewünscht entwickelt.

Selbst auferlegte Waldeinsamkeit

„Allein in den Wäldern“ war am Ende doch ein eher enttäuschendes Buch. Ganz unterhaltsam zu lesen, aber inhaltlich doch über Strecken unmotiviert und unklar wirkend. Der Titel, das haben auch andere Rezensenten angemerkt ist insbesondere in der deutschen Fassung irreführend, denkt man doch eher an ein echtes Wildnis-Abenteuer mit Überlebenskampf und dem Versuch, allein mit und aus der Natur heraus eine Zeit lang zu leben. Davon ist die zweijährige Erfahrung des ehemaligen Harvard-Absolventen auf der Suche nach Sinn und dem Weg der Selbstfindung dann allerdings weit entfernt. Zu nah die Anbindung an zivilisatorische Gewohnheiten wie Fertiggerichte, Automobil und Telefon, Strom und fließend Wasser. Zu ungeeignet auch die persönlichen Voraussetzungen für ein konsequentes Leben als Einsiedler. Letztlich eher ein überzogener und irgendwie zu keinem Schluss führender Versuch einer Selbstfindung durch einen Rückzug, der jederzeit die Rückkehr in der Hinterhand behält. Ob der Autor, der von der eigenen Geschichte schreibt, durch diese Form selbst auferlegter Einsamkeit, seiner Bestimmung näher gekommen ist, bleibt offen. Dass er seine Kenntnisse der natürlichen Umwelt nicht wesentlich erweitert hat, lässt sich aber zwischen den Zeilen lesen.

Sonniger April

Wieder einmal ein sonnenreicher und wärmender Frühlingstag, der eigentlich besser zum 1. Mai gepasst hätte. So schließt der April mit einer im langjährigen Vergleich durchaus sonnigen Bilanz ab, der Lust auf die Gartensaison macht. Jetzt wird sicher noch einmal eine kühle Phase eingeschoben werden, aber dann rechne ich mit der Blüte des Weißdorns, dessen weiße Blütenknospen schon vor einer Woche zu sehen waren, die sich aber bei den Temperaturen noch nicht zu öffnen trauten. Dann beginnt auch die eigentliche Honigsaison, die hoffentlich für V. erfreulicher ausfällt an in den Vorjahren. Dazu gehört natürlich auch, dass zur Blütezeit der relevanten Arten keine Katastrophen in Form strenger Fröste oder Insektenplagen passieren.

Die Bäume kommen später

Die Abgrenzung des Pflanzstreifens zum noch anzusäenden Rasen haben wir heute realisiert. Das ist gut, auch wenn mir die schweren Steinelemente als Trenner zu wuchtig sind. Aber nun können wir bei geeignetem Wetter den Rasen aussäen und hoffentlich bald wieder den gewohnten Garteneindruck genießen. Wie bei gerade einmal 45 cm Tiefe allerdings die Bepflanzung mit immergrünem Gehölz aussehen wird, ist die große offene Frage. Auch wenn künftig der Arbeitsaufwand in Sachen Rückschnitt geringer sein wird, ist angesichts der neuen Aufteilung keine wirkliche Idee in Aussicht. Wahrscheinlich werden wir uns bei Rundgängen in verschiedenen Baumschulen Anregungen holen und das Ganze in Ruhe und stimmig konkret werden lassen.

Schenkungsschleifen

Das Hin- und Herschenken der Bananenstauden scheint kein Ende zu nehmen. Nachdem unser Bekannter uns im Sommer eine seiner Bananenstauden überlassen hatte und wir sie über die warme Jahreszeit mehrfach vermehrt hatten, war er nach dem Verlust seiner Pflanzen im Winter auf uns zugekommen. Die Ablegerpflanzen, die wir ihm damals zurückgegeben hatten, haben sich zwischenzeitlich gut entwickelt. Und jetzt, da unsere eigenen Exemplare durch die Nachtfröste Schaden genommen haben, werden wir möglicherweise auf einen der Abkömmlinge des Bekannten wiederum zurückkommen müssen. Verrückt und irgendwie auch spannend, welche gleichgerichteten Denkströme von so einer Pflanze ausgehen können. Ich hoffe, morgen werden wir der Vorbereitung der späteren Nachpflanzung von immergrünen Bäumen im Garten näher kommen. Es geht darum, einen Randstreifen abzugrenzen, hinter dem die Bäume später ihren Standort haben werden. Vor der Abgrenzung könnte der Rasen leichter gemäht werden. So der Plan. Bin gespannt, ob das alles wie gedacht  funktioniert.

Baumkreis-Arbeit

Die Holzarbeit lässt mich nach wie vor viele intensive Stunden in meinem Kelleratelier verbringen. Nur der erste Arbeitsschritt muss zwangläufig an der großen Maschine in der Werkstatt draußen stattfinden. Und da sich die Temperaturwahrnehmung irgendwie auch drinnen fortsetzt, bin ich ganz froh, die zusätzliche Wärme des Halogenstrahlers im Rücken zu spüren. Das vermittelt eine angenehme Umgebung, von der notwendigen Zusatzbeleuchtung einmal abgesehen. Gegen Wochenende warten noch einige Projekte auf eine Umsetzung. Dabei ist der Baumkreis zu meiner großen Freude wieder häufiger Thema. Im vergangenen Jahr standen das System und seine Zuordnungen nicht so stark im Fokus der Aufmerksamkeit. Zeitlose Themen verschaffen sich eben aus sich heraus immer wieder aufs Neue Geltung.

Erfrorene Blätter beim Ginkgo

Den empfindlichen Frösten der letzten Tage ist nun sogar unser Ginkgo zum Opfer gefallen. Das habe ich bei einem ahnungslosen Blick in die Krone heute Nachmittag erschrocken festgestellt. Natürlich nicht der Baum als Ganzer, sondern die gerade erst entstandenen kleinen Blättchen. Die sind größtenteils schon herbstlich verfärbt oder bereits abgefallen. Dabei ist gerade der Ginkgo relativ robust, die Blätter allerdings waren wohl noch zu jung und zart, um unverhofft eintretende Minus-Temperaturen zu verkraften. Nun wird erst einmal eine Zwangspause eintreten. Aber dann wird er neue Blätter ausbilden. Und der zweite Anlauf wird vermutlich ein besonders üppiges Blätterkleid bringen. Das war jedenfalls bei ähnlichen Konstellationen schon öfter zu beobachten. Der Baum will damit wahrscheinlich sicher gehen, dass er für den Fall neuerlicher Verluste einen gewissen Überschuss zur Verfügung hat.

Unsterblicher Efeu

Dem Efeu tuen die kühleren und weniger sonnigen Tage in diesem Frühjahr gut. Zuletzt dachte ich noch, es ist seit dem Winter gar nicht mehr nachgewachsen. Aber innerhalb weniger Tage haben sich nun doch neue Blätter gebildet. Das sieht man sofort, da sie sich in ihrer hellgrünen Farbe von dem dunkler gewordenen Blätteruntergrund abheben. Auch sind sie scheinbar größer, wenn sie gerade erst entstanden sind. Sieht so aus, dass sie mit dem älter und ledriger Werden auch etwas schrumpfen. Die Erneuerung ist wichtig, damit die zuletzt durch den Rückschnitt entstandenen Löcher sich wieder auffüllen und die Bewachsung ein einheitliches Aussehen zurückerhält. Auch wenn ich dann in einige Wochen wieder zurückschneiden muss. Ein Teil der neuen Blätter wird dann erhalten bleiben, wodurch sich die Pflanze immer wieder erneuert und scheinbar unsterblich wird.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.