Bestattungskultur und Friedwald

Ein Gespräch, in dem die Bäume gar keine Rolle spielen, scheint kaum vorstellbar. Ich muss das aber einmal genauer beobachten. Vermutlich lassen sich zumindest symbolische Anklänge in jedem längeren Gespräch ausmachen. So auch bei dieser Grillabendrunde, die unter Dach, aber bei Starkregen, Gewitter und schwüler Augusthitze stattfand. Dass die Rede auf die Vorstellungen von Eltern und anderen Angehörigen bezüglich ihrer Bestattung kam, hatte konkrete biografische Gründe. Das Thema selbst schien aber insgesamt nicht unpassend, wahrscheinlich weil die Teilnehmer größtenteils der Altersgruppe 50+ angehörten und jenseits der Lebensmitte bestimmte Themen näher liegen. Der Friedwald als letzte Ruhestätte ist nicht nur in dieser Runde umstritten gewesen. An diesem Thema scheiden sich oft die Geister. Obwohl ich mich ständig mit den Bäumen und besonders mit dem Lebensbaumbegriff beschäftige, kann mich die Bestattungsform nicht vollständig überzeugen. Ein konkreter Ort des Gedenkens in traditionellem Rahmen hat für mich biografische Bedeutung und kommt der sozialen Funktion des Umgangs mit dem Tod und dem Gedenken an Angehörige wahrscheinlich näher. Deshalb ist für mich die Variante mit dem unauffälligeren, aber eben doch traditionell platzierten Rasengrab die wünschenswertere Alternative, wenn es nicht eine übliche Grabstätte mit Steineinfassung und Stele sein soll. Abgeschlossen ist meine Vorstellung zum eigenen Bestattungswunsch allerdings noch nicht.

Das Baumtagebuch hat eine neue Form

Nun ist es so weit. Schneller als ursprünglich geplant konnte ich heute die neue Fassung des Baumtagebuchs online stellen. Ganz fertig bin ich noch nicht, da noch nicht alle Projekte in der überarbeiteten Form integriert sind. Aber das wird in den nächsten Wochen schrittweise ergänzt. Als zentrales Element bietet das Baumtagebuch selbst nun die Möglichkeit, Beiträge zu kommentieren. Einen stärkeren Schwerpunkt habe ich auf die fotografische Illustration der Einträge gelegt. In den Beiträgen des letzten Wochen ist das schon ablesbar. Und als Orientierung für die Zukunft ist es ebenfalls vorgesehen. Ein weiteres Projekt, das längerfristig angelegt ist, wird die Verschlagwortung aller Einträge rückwirkend bis zum Start am 20. November 2004 sein. Das wird einen noch besseren inhaltlichen Überblick der Schwerpunkte und Kernthemen ermöglichen. Nun bin ich gespannt auf die ersten ernst gemeinten Kommentare, die ich in den letzten zehn Jahren in Form kommentierender E-Mails von regelmäßigen und sporadischen Lesern immer wieder erhalten habe. Dafür steht nun die genuine WordPress-Funktion zur Verfügung. Wichtig war es mir zudem, die Seite responsiv anzulegen und damit auf allen Geräten gut lesbar zu machen. Ein Signal für mich und alle Interessierten, dass das Baumtagebuch noch auf eine lange Zukunft setzt.

Tage der Mirabelle

“1/1”] Gesagt, getan. Den Eimer mit den frisch gepflückten Mirabellen konnten wir natürlich nicht rumstehen lassen. V. hat sie alle entkernt, M. hat drei Hefeteige vorbereitet, und anschließend haben V. und ich die Bleche belegt. Nach meiner bevorzugten Art, mit senkrecht hineingestellten Früchten, die so besonders dicht zu stehen kommen und den Kuchen umso fruchtiger machen. Den kleineren der drei Kuchen haben wir dann auch schon gleich gegessen, nur noch eine kleine Ecke ist übrig. Einfach toll, dieser Geschmack. Zweifellos das leckerste heimische Obst und insbesondere der beste Obstkuchen. Die „Tage der Mirabelle“ sind damit angebrochen, um den Buchtitel eines saarländischen Schriftstellers zu zitieren, der die charakteristische Vorliebe der hier Lebenden für die Mirabelle richtig erkannt hat. Und ich hoffe, dass sie noch eine Weile andauern. Etwas in die Zukunft verlängern können wir sie ohnehin. Immer wenn wir einen der eingefrorenen Mirabellenkuchen auftauen, kommen sie für den Moment ganz anschaulich wieder zurück. Vielleicht sogar mitten im Winter.

Erste Mirabellen

V. hat heute den von der Überfülle an Früchten abgebrochenen Ast eines seiner Zwetschgenbäume abgesägt und kleingeschnitten. Er war nicht mehr zu retten. Dieses Schicksal teilen in diesem Jahr viele Obstbäume. Bei einigen, wie z. B. dem Nashi in unserem Garten, konnten wir das Schlimmste mit dem Unterstützen der überladenen Äste verhindern. Und allmählich kann auch geerntet werden. Die Bäume werden sich freuen. Viel früher als sonst gab es bereits die ersten Mirabellen. Die noch kleinen Früchte der beiden jungen Bäumchen sind zwar noch nicht voll reif, aber doch schon wohlschmeckend. Ich freue mich sehr auf den ersten Kuchen. Für den wollen wir aber einen Eimer von dem wild wachsenden älteren Baum pflücken, uns zwar wenn sie richtig reif sind. Das ergibt immer einen super Mirabellenkuchen. Für mich die Krönung des Obst- und insbesondere Obstkuchenjahrs. Am Nachmittag bin ich mit meinen neuesten Armbändern weiter gekommen als geplant. So werde ich schon morgen drei der vier fertigstellen können. Das Musterarmband aus Trompetenbaumholz kommt dann spätestens am Donnerstag an die Reihe.

Der Relaunch ist nahe

Vielleicht schaffe ich es, noch diese Woche mit der Baumtagebuchseite in der neuen Form online zu gehen. Der Kern, das eigentliche Tagebuch, steht bereits. Allerdings arbeite ich noch an den illustrierenden Seiten, die etwas über die längerfristige Motivation und den Hintergrund aussagen. Das wird später dann noch etwas ausführlicher dargestellt. Aber die Bloginhalte sind mir zunächst das Wichtigste. Bestimmte Elemente, wie z. B. die Verschlagwortung aller Artikel, wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Das ist ohnehin nur schrittweise zu realisieren und kann dann die ganze Inhaltsbreite bis zu den Anfängen hin plastisch abbilden.

Sommerliches Marktereignis

Ein schöner Ausflug war es wieder, und das Wetter hat gehalten. Dieser Antik- und Trödelmarkt in Weiskirchen gehört schon zum festen Sommerprogramm dazu. Obwohl meist dieselben Händler dort zu finden sind und viele auch auf sämtlichen Märkten der Region auftauchen, gibt’s doch immer wieder Neuigkeiten. Mit Entdeckungen in meinen Interessensgebieten war es heute leider nichts, aber das Flanieren in sommerlicher Luft um den großen Kurparkteich herum, inmitten einer sehr grünen, von teils exotischen Bäumen dominierten Kulturlandschaft, hat etwas ungemein Entspannendes. Eigentlich ein Kulturereignis in seiner unschuldigsten Form, ohne Überladungen und Allüren bei allen Beteiligten. M. meinte unter dem Einfluss ihrer aktuellen Historienlektüre, dass es im Mittelalter auf Marktplätzen ähnlich zugegangen sein müsste. Ein schöner Gedanke, der zusätzlich noch zu einer gedanklichen Zeitreise einlädt.

Sommerlichtfänger

Wie bei uns im Saarland präsentiert sich die Baumlandschaft in G. in diesem Sommer besonders üppig und wuchsfreudig. In Js und Ws Garten hat sich das Ebereschenpaar schon entwickelt. Sie wirken jetzt schon wie ein Baum, sind kaum noch voneinander zu unterscheiden. Mit der Frucht hat es sich diesmal langsamer angelassen. Aber jetzt leuchten die Fruchtstände umso schöner. Das Orange ist doch immer wieder der Eyecatcher des Hinterhausgartens. Meine Favoriten sind aber immer noch die beiden kräftigen Bäume im Vorgarten. Der schon mit kräftigem Stamm ausgestattete Walnussbaum, der seine Stütze eigentlich nicht mehr benötigt und dieses Jahr erstmals eine nennenswerte Anzahl Nüsse trägt und die direkt daneben, aber doch noch in respektablem Abstand wachsende Esskastanie. Dass die so hoch aufschießen und sich kräftig verzweigen würde, hätte ich vor drei Jahren noch nicht gedacht. Immer hin J. und W. unsere Empfehlungen für den Beschnitt berücksichtigt, was dem Baum sichtlich gut bekommen ist. Auch der trägt schon Früchte. Beide Bäume bilden ein wunderbar in hellem Grün leuchtendes Paar und machen einfach Freude. Noch mehr als beispielsweise die Ebereschen fangen sie das Sommerlicht durch ihre großflächigen Blätter ein, die dadurch an Transparenz gewinnen und die Umgebung in lichtes Grün tauchen. Auf dem kurzen Spaziergang am Abend mit W. sind wir an einem Baum vorbeigekommen, den W. nicht zuordnen konnte und den ich auch nur aus der Baumliteratur kannte, aber eben in natura bisher nicht erblickt habe: Eine Hopfenbuche, die ihre Fruchtstände unheimlich gleichmäßig verteilt hat und insgesamt ein wohlproportionierter, perfekt ausbalancierter und irgendwie schmucker Baum ist. Schade, dass ich den Fotoapparat nicht dabei hatte. Ich hätte ihn gerne festgehalten.

Schlapapfel in der Sonne

Rosenapfel an Heckenrosenzweig

Es ist länger her, dass ich an den Heckenrosen einen Schlafapfel entdeckt habe. Früher fand ich das einfach nur skurril, wusste nicht, dass sich darin die Larven der Rosengallwespe entwickeln. Und eigentlich wirkt diese Information auf mich immer noch unwahrscheinlich, denn auf die Idee, einen solchen Rosenapfel zu öffnen, kommt man natürlich nicht. Das skurrile Objekt mit den haarig-wuscheligen Auswüchsen hat schon etwas Zauberhaftes. Dass sich irgendwann die Vorstellung herausgebildet hat, es könnte – unter das Kopfkissen gelegt – den Schlaf fördern, verwundert mich deshalb nicht. Die Form provoziert geradezu Spekulationen über seinen Sinn und Zweck. Obwohl die Äpfel sich lange am Strauch halten, finde ich sie im Sommer am eindrucksvollsten, auch weil ihre Färbung dann so schön zur Geltung kommt. Später werden sie dann immer grauer und unansehnlicher.

Ob die Schlehdornfrüchte wohl erntereif werden?

Reifende Früchte des Schlehdorns

Dieses Jahr scheint es sogar wieder jede Menge Schlehdornfrüchte zu geben. Jedenfalls sind mir die Sträucher am Flussdamm in den vergangenen Jahren nie so deutlich ins Auge gefallen. Die wenigen Beeren hatten sich meist zwischen den dornigen Zweigen tief im Inneren der Sträucher versteckt. Jetzt findet man sie auch außen, was sicher auf eine ungewöhnliche Üppigkeit schließen lässt, allerdings auch die Vögel anzieht. Deshalb ist es fraglich, ob sie im Spätherbst, wenn die ersten Nachfröste die Beeren erntereif machen, noch sehr viele übrig sein werden. Zum Ansetzen fand ich die Schlehen immer schon klasse geeignet. Am Nachmittag konnte ich meine neuen Bestellungen vorbereiten. Verschiedene Stäbe, darunter wieder ein Zürgelbaum. Weil das Wetter so schön war, habe ich die Gelegenheit genutzt und endlich auch den schon lange abgetrockneten Trompetenbaum bearbeitet. Ein sehr weiches Holz, das in der geschliffenen Form aber doch sehr charaktervoll wirkt und einen leichten seidenmatten Schimmer trägt. Ich bin gespannt, wie die fertigen Perlen des Musterarmbandes wirken. “1/1”]

Üppiges Obstjahr

Wenn der Hochsommer seinen Höhepunkt überschritten hat und die Baumfrüchte in unterschiedlichem Tempo ihrer Reife entgegengehen, wird V. zunehmend nervöser. In einem Jahr wie diesem, in dem das Frühjahr kaum Fröste während der Blütezeit verzeichnet hat und auch sonst keine größeren Schäden durch Insekten aufgetreten sind, ist mit einer außerordentlichen Obsternte zu rechnen. Viele Äste bei den Zwetschgen- und Apfelbäumen neigen sich unter der Last der Frucht oder brechen gar. Und alles ist diesmal um einige Wochen früher an. Die Regenfälle der letzten beiden Wochen tun das ihre, um im Verbund mit dem üppigen Sonnenlicht die Früchte schnell reifen zu lassen. Unsere roten Weintrauben sind schon zur Hälfte gefärbt. Kein Wunder also, dass die Vögel bereits ihre Chance sehen. Wenn jetzt die Sonne und auch etwas höhere Temperaturen noch länger anhalten sollten, kann das ein sehr üppiges Obstjahr werden – mit hoffentlich guter Qualität.

Reifende Weintrauben

Alte Handschriften sind faszinierend

Heute hatten mich die alten Handschriften fest im Griff. Je mehr von diesen handgeschriebenen historischen Dokumenten ich mir ansehe, desto faszinierter bin ich davon. Darunter amtliche Dokumente, viele Briefe, Tagebücher, Kochbücher, wissenschaftliche Mitschriften, Gerichtsurteile. Alles, was man sich vorstellen kann. Eine ganz eigene ebenso fremde wie interessante Welt offenbart sich da aus den Relikten der Vergangenheit heraus. Leider konnte ich mein Lieblingsfundstück nicht erwerben, aber für die nächste Gelegenheit bin ich besser gerüstet. Vielleicht ein Tagebuch. Toll wäre natürlich eines, das sich um die Bäume oder doch zumindest um Pflanzen dreht. Ähnliches habe ich schon erblickt, z. B. ein Reisetagebuch, das u. a. eingeklebte getrocknete Pflanzen und Beschreibungen dazu enthält. Aber ein historisches Baumtagebuch. Das wäre natürlich die Krönung.

Inhaltsübertragung ist nicht so aufwändig wie gedacht

Die Übertragung der Datensätze ist nun doch etwas einfacher als gedacht. Ich muss einige Tricks anwenden und sehr viel sukzessiv zu erledigende Einzelschritte sind auch dabei. Aber ich denke, die Substanz der Inhalte selbst doch morgen im neuen System erfassen zu können. Dann kann ich das Hauptaugenmerk im weiteren Prozess wieder Struktur und Gestaltung richten. Auch da gibt’s noch einiges zu tun, um dem Baumtagebuch ein frisches, zeitgemäßes Äußeres und eine stärker interaktive Funktionalität zu verleihen. Da gibt’s eine ganze Reihe Möglichkeiten, deren Eignung ich noch ausloten will.

Herausforderungen des Tagebuchrelaunchs

Eine größere Herausforderung stellt es dar, die mehrere Tausend Einträge des Baumtagebuchs in das neue Format zu übertragen. Ich arbeite mit Hochdruck daran. Sehr wahrscheinlich wird die Aufgabe nur zum Teil über automatisierte Prozesse erfolgen können. Einen anderen deutlich zeitaufwändigeren Teil werden ich mit Copy & Paste manuell durchführen müssen, und das wohl eher schrittweise, umgekehrt chronologisch. So stelle ich mir das gegenwärtig vor, um mit der neuen Fassung doch schon früher online gehen zu können. Der genauer Zeitpunkt ist aber noch nicht eingegrenzt. Letztlich soll alles stimmig sein. Nur das 10-Jährige ist auf jeden Fall die letzte Orientierungsmarke.

Die Früchte sind mir nicht das Wichtigste

Und natürlich ist es so wie gestern vorhergesagt. Die stahlblauen Netze zieren jetzt ausgerechnet den Teil des Gartens, den wir dort sitzend vor allem im Blickfeld haben. V. kann das einfach nicht lassen, wobei er immer wieder behauptet, es seien keine anderen erhältlich. Der springende Punkt ist aber einfach, dass er auf keine einzige der Weintrauben verzichten will. Das ist mir ganz unverständlich. Von mir aus könnten die Vögel alle für sich beanspruchen. Der Fruchtertrag war mir auch bei den Obstbäumen noch nie das Wichtigste. Auch bei dem so schön gewachsenen Maulbeerbaum nicht, dessen diesjährige Fruchtlosigkeit V. beklagt, während mich das gar nicht stört. Ich bin vielmehr froh, dass er sich nach dem Rückschnitt im Vorjahr so prächtig weiterentwickelt hat. Ich schätze, er wird sich zum ältesten und stattlichsten Baum des schmalen Grundstücks mausern. Und die Sache mit den Netzen werden wir auch diesmal wohl zähneknirschend überleben.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.