Natur als Gesprächsgegenstand

Gut, das war jetzt noch nicht wirklich die Wende zum Sommer. Nach einigen ganz erfreulichen Phasen tagsüber, ist der abendliche Eindruck wieder eher novemberlich. Wenn die uns umgebende Natur, im Garten und darüber hinaus, im Alltag so häufig Gesprächsgegenstand wäre, wir könnten die Freude am jahreszeitlichen Wechsel unserer gemäßigten Breiten verlieren. So leben wir weiter von der Prognose sich doch endlich stabil entwickelnden Sommerwetters, bei dem wir Schutz unter Bäumen vor gleißendem Sonnenschein suchen, und nicht unter Regenschirmen vor allzu viel Nass.

Zwischen Heilpflanzen und Gartenbäumen

Unser Horizont in Sachen Pflanzenwelt erweitert sich immer wieder. Jetzt haben wir die Ale Vera für uns entdeckt. M. ist ganz begeistert von der Pflanze, vor allem wegen ihrer tatsächlich spontanheilenden Wirkung auf Hautverletzungen. Eine der Wahrheiten, die keine Gerüchte sind, wie sie gleich beim ersten Test feststellen konnte. Gleich haben wir eine Reihe von jungen Exemplaren aus der Nachbarschaft erhalten und in verschiedene Pflanztöpfe verteilt. Jetzt sind zum einen unsere letzten Vorräte Pflanzerde erneut aufgebraucht und die Frage, wohin mit all den neuen Pflanzen, wird zunehmend drängend und auch zunehmend schwierig zu lösen. Während M. sich für Aloe Vera begeistert, lässt meine Bewunderung für die Entwicklung der Bäume des Gartens nicht nach. Besonders unser Ginkgo erscheint zu Beginn des Hochsommers so kräftig wie nie zuvor und bietet heute schon einen majestätischen Eindruck, beim Blick von unten in die lichte Krone. Auch die Seitenäste haben bereits eine ungeahnte Ausladung. Anzeichen dafür, dass er sich an seinem Standort wohl fühlt und größeres für die Zukunft vorhat. Vielleicht eine Anreiz für seine bäumischen Nachbarn, es ihm gleichzutun.

Gartensommerfeeling

Der Garten nimmt jetzt die dschungelartige Gestalt an, die wir von den letzten Hochsommern gewohnt sind. Das Grün wird täglich dichter, von den Außenblättern der Blumen am Boden, vom üppiger werdenden Laub der Bäume, von den über Drähte geleiteten Weinreben, die hier und da noch Lücken fürs Sonnenlicht lassen und ansonsten das Licht filtern und in hellen Grüntönen nach unten weiterreichen. Gerade im Hochsommer, bei brütender Mittagshitze, ist das eine echte Wohltat. Nachdem wir diese anhaltende Regenphase hinter uns haben, hoffentlich spätestens Mitte kommender Woche, wird sich das Gartensommerfeeling sicher endgültig einstellen. Gut so, nach derart langer Wartezeit und dem Ausreizen sämtlicher Toleranzspielräume.

Zeitlos und aktuell zugleich

Wieder Apfelbaum und wieder Eberesche. Die beiden Hölzer hatte ich gerade erst verarbeitet, allerdings in anderer Konstellation. Jetzt also als Partner-Armbänder, eine Paarung, die wieder einmal neu ist. So kann ich immer wieder neue Variationen vorstellen und konkret abbilden. Das dürfte dem einen oder anderen eine noch bessere Illustration des Angebots sein. Vor allem aber freut es mich, dass das kunsthandwerkliche Projekt auf diese Weise lebendig bleibt und in der Zeitlosigkeit seines Ansatzes dennoch seine je stimmige Aktualität offenbart.

Unsichere Honigsaison

V. macht sich allmählich Sorgen um den weiteren Verlauf der Honigsaison. Nachdem es so erfreulich begonnen hat, ist diese wetterbedingte Flaute jetzt so langanhaltend, dass nicht nur die Robinienblüte ausgefallen sein dürfte. Auch der Beginn der länger währenden Brombeerblüte fällt weitgehend ins Wasser. In solchen Phasen konsumieren die Bienen erfahrungsgemäß ihren gerade erzeugten Honig gerne selbst. Schlecht für unsere Bilanz und für die Kontinuität und Vielfalt der diesjährigen Saison. Vielleicht bringt das Ende der Woche endlich die Wende und versöhnt uns mit diesem seltsamen Sommer, der noch keiner werden wollte.

Falsche Jahreszeit

Nichts Neues widerfährt uns in unserer Wahrnehmung der falschen Jahreszeit. Man könnte sich so von den natürlichen Wurzeln entfremden. Und selbst den am wenigsten Wetterfühligen fällt jetzt auf, dass etwas nicht stimmt. Da hilft auch hoffen schon nicht mehr sehr viel. Mein Trost: Der regengetränkte Blick in den Garten und in Richtung der Baumlandschaft, die zumindest eine Spur tropischer Anmutung in sich trägt und die Gedanken in fremde Welten schweifen lässt.

Untypische Junitage

In normalen Junitagen halten wir uns sehr viel mehr im Garten auf. Bei solchem jahreszeituntypischen Wetter aber zieht es einen weniger nach draußen, zumal auch die Temperatur nicht sehr einladend ist. Wie ich beim Blick durchs Fenster schon sehen kann, entwickeln sich die Pflanzen unterdessen sehr gut. Die Weinreben setzen bereits Fruchtstände an. Man kann die Weintrauben jetzt schon als winzige grüne Kügelchen erkennen. Unser neuer Feigenbaum hat seine Krone ebenfalls schön weiterentwickelt. Noch ein, zwei Jahre, dann wird er sich über die Ebene der hoch geleiteten Weinreben erheben und genügend Sonne tanken können, um ein richtiger Baum zu werden. Ginkgo und Walnussbaum wetteifern wie in den Vorjahren um den Höhenrekord. Interessant ist, dass der Ginkgo bisher immer noch einen Tick höher herausgewachsen war. Es macht aber nicht viel aus. Längerfristig betrachtet, denke ich, hat der Walnussbaum im Vergleich aber keine Chance gegen die für Ginkgos typische Wachstumsform, bevorzugt in der Vertikalen, mit relativ wenigen und nicht sehr raumgreifenden Ästen, die in stumpfen Winkel zur Seite ragen.

Technik ist Mittel, nicht Zweck

Nun waren die technischen Probleme doch nicht so weitgehend, wie ich vermutet habe. Gut so, denn damit sind lähmende Verzögerungen vom Tisch und Ausweich- und Rettungsaktionen nicht notwendig. Verbunden mit etwas mehr Überblick und einigen neuen Erkenntnissen, die für die Planung der technischen Infrastruktur der näheren Zukunft von Vorteil sind. Denn für alle Webprojekte, auch für die, die sich um die Thematik der Baumsymbole und Baumbeobachtungen drehen, sind Brüche immer ärgerlich, wenn es einfach nur um die Darstellung und Vermittlung eigenen Erlebens geht. Die Technik versuche ich dabei für die Vermittlung der Inhalte nutzbar zu machen, ohne sie selbst zum Thema zu machen. Das würde Aufmerksamkeit vom eigentlichen Gegenstand abziehen und einen Teil der Wirkung vernichten. Schön, dass das über den größten Teil der Zeit auch so verwirklicht.

Technische Tücken

Immerhin, seit langem war ich in dieser Hinsicht sehr störungsfrei unterwegs. Doch jetzt sieht es danach aus, dass die Technik ein größeres Problem verzeichnet. Das bedeutet zumindest eine Unterbrechung, im ungünstigsten Fall eine längere. Während das Baumtagebuch davon nicht betroffen sein muss, wird es die übrige Projektarbeit u.U. empfindlich beeinträchtigen. Morgen werde ich mit externer Unterstützung hoffentlich mehr wissen. So etwas kommt immer zur Unzeit. Und man weiß dann auch erst später, ob es irgendeinen übergeordneten Sinn gemacht hat.

Arbeitsstimmung bei Regen

Bei Regenwetter geht alles etwas zögerlicher von der Hand. Dennoch habe ich mein Soll an diesem Handwerkstag erfüllt und die drei Bänder fertiggestellt. Natürlich ist das bei wärmender Nachmittagssonne und sommerlichem Licht wesentlich angenehmer und auch anregender. Immerhin ist die Luft an solchen Tage gut. Und die Aufmerksamkeit ist vielleicht noch ein wenig näher am Holzwerkstück und der Individualität des zugehordneten Baums als sonst, wenn die Gedanken auch mal nach außen schweifen. Vielleicht die richtige Arbeit für diesen Tag, an dem die Gespräche über jüngste Aufräumarbeiten immer noch nicht verstummen wollten und die nächsten ähnlichen Projekte schon angedacht wurden. Zwischendurch habe ich es geschafft, die Bananenstauden zu trennen und die kleinen Schößlinge in gesonderte Töpfe zu setzen. Genau genommen sind es fünf Stauden, verteilt auf drei Töpfe, die drei ganz kleinen wollte ich nicht auch noch verteilen. Ich hoffe, sie werden die Trennung verkraften und sich bei uns im Garten wohlfühlen. Es ist spannend, das Verhalten einer bisher unbekannten Art zu beobachten. Auch wenn sie in unseren Breiten wahrscheinlich nie so weit kommen werden, tatsächlich Bananen zu tragen.

Zwischen Maschinen- und Handarbeit

Mit der neuen Maschine ist das exakte Bohren doch deutlich komfortabler und berechenbarer. Nach dem älteren Verfahren war gerade das eine extreme Herausforderung, die ständiges Variieren und Neujustieren erfordert hat. So kann ich die idealerweise kreisrunden Querschnitte möglichst genau zentrieren, eine der wichtigsten Voraussetzungen für gleichmäßige Ergebnisse. Und auch die stufenlose Verstellbarkeit der Geschwindigkeit des Bohrers ist vorteilhaft. Gerade bei unterschiedlich harten Hölzern, wie heute mit dem Apfelbaum als mittelhartem, der Hainbuche als sehr hartem und der Eberesche als vergleichsweise weichem Holz. Zeit braucht auch das selbstverständlich, nicht viel weniger als zuvor, aber die frei gewordene Energie kann doch für die folgenden Arbeitsschritte aufgespart werden, die dann reine Handarbeit erfordern.

Die wärmende Sonne im Rücken

Es macht Spaß, bei diesem wieder sommerlichen Wetter im Freien zu arbeiten. Die Drechselarbeit am Nachmittag war da genau richtig terminiert, mit diesen wärmenden Sonnenstrahlen im Rücken. Und mit dem zweiten Arbeitsschritt bin ich auch schon gestartet. Dabei habe ich dem Apfelbaum den Vortritt gelassen. Morgen folgen Eberesche und Hainbuche, deren Stäbe sehr schön gelungen sind. Während der Arbeit kann ich dann die nächsten Pläne für offene Gartenprojekte schmieden. Diesen kleinen, seitlich abstehenden Ast des Nachfolger-Feigenbaums habe ich endlich entfernt. Er wäre einer gleichmäßigen Krone wenig zuträglich gewesen. Natürlich nicht, ohne mich zuvor bei dem jungen Baum entschuldigt zu haben.

Garten- und Holzarbeiten

Nun habe ich es zwischendurch doch noch geschafft, die Strohblumen von den zwei kleinen Schalen in insgesamt vier größere Pflanzgefäße umzutopfen bzw. zu verteilen. Jetzt haben die jungen Pflanzen wieder etwas mehr Luft, auch wenn es immer noch zu viele sind. Aber so lange ich nicht weiß, ob überhaupt richtige Strohblumen daraus werden, ist das die einzige Möglichkeit. Die stärksten später zu selektieren, wird zwar auch schwierig. So komfortabel mit frischer Erde ausgestattet, sollte es aber zumindest einen Teilerfolg geben. So warten am Wochenende noch weitere Gartenpflanzaktionen auf mich, u. a. die Bananenstauden auf mehrere Töpfe aufteilen. Die nächsten Holzarbeiten stehen ebenfalls wieder auf dem Plan, mit dem ersten Arbeitsschritt am morgigen Nachmittag. Eberesche und Hainbuche, beide schon länger nicht mehr realisiert, und der Klassiker Apfelbaum, der sich zu einer Art Spitzenreiter entwickelt hat.

Hölzerne Tonröhren

Die Orgelpfeifen aus Holz, es waren die tiefsten Töne der früheren Orgel, sind damals an Interessierte verkauft worden, um mit dem Erlös einen Teil der neuen Orgel zu finanzieren. Nun lagen sie bestimmt drei Jahrzehnte auf dem Dachboden und sind jetzt im Zuge unserer Räumung wieder an die Oberfläche geraten. Mit der Zeit ist aber auch die Faszination daran abhandengekommen, vor allem weil seitdem keine Idee zu ihrer Verwendung oder Umwandlung entstanden ist. Jedenfalls ist es auch bezüglich des Holzes nicht Besonders. Relativ einfache aus je vier Brettern zusammengefügte Tonröhren mit quadratischem Querschnitt und einer Art Ventil am unteren Ende. Schade, aber auch das Material, Nadelholz, ist für mich nicht verwendbar. Deshalb werden sie wohl ein eher unspektakuläres Ende finden und in den Stoffkreislauf zurückgeführt werden.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.