Technik ist Mittel, nicht Zweck

Nun waren die technischen Probleme doch nicht so weitgehend, wie ich vermutet habe. Gut so, denn damit sind lähmende Verzögerungen vom Tisch und Ausweich- und Rettungsaktionen nicht notwendig. Verbunden mit etwas mehr Überblick und einigen neuen Erkenntnissen, die für die Planung der technischen Infrastruktur der näheren Zukunft von Vorteil sind. Denn für alle Webprojekte, auch für die, die sich um die Thematik der Baumsymbole und Baumbeobachtungen drehen, sind Brüche immer ärgerlich, wenn es einfach nur um die Darstellung und Vermittlung eigenen Erlebens geht. Die Technik versuche ich dabei für die Vermittlung der Inhalte nutzbar zu machen, ohne sie selbst zum Thema zu machen. Das würde Aufmerksamkeit vom eigentlichen Gegenstand abziehen und einen Teil der Wirkung vernichten. Schön, dass das über den größten Teil der Zeit auch so verwirklicht.

Technische Tücken

Immerhin, seit langem war ich in dieser Hinsicht sehr störungsfrei unterwegs. Doch jetzt sieht es danach aus, dass die Technik ein größeres Problem verzeichnet. Das bedeutet zumindest eine Unterbrechung, im ungünstigsten Fall eine längere. Während das Baumtagebuch davon nicht betroffen sein muss, wird es die übrige Projektarbeit u.U. empfindlich beeinträchtigen. Morgen werde ich mit externer Unterstützung hoffentlich mehr wissen. So etwas kommt immer zur Unzeit. Und man weiß dann auch erst später, ob es irgendeinen übergeordneten Sinn gemacht hat.

Arbeitsstimmung bei Regen

Bei Regenwetter geht alles etwas zögerlicher von der Hand. Dennoch habe ich mein Soll an diesem Handwerkstag erfüllt und die drei Bänder fertiggestellt. Natürlich ist das bei wärmender Nachmittagssonne und sommerlichem Licht wesentlich angenehmer und auch anregender. Immerhin ist die Luft an solchen Tage gut. Und die Aufmerksamkeit ist vielleicht noch ein wenig näher am Holzwerkstück und der Individualität des zugehordneten Baums als sonst, wenn die Gedanken auch mal nach außen schweifen. Vielleicht die richtige Arbeit für diesen Tag, an dem die Gespräche über jüngste Aufräumarbeiten immer noch nicht verstummen wollten und die nächsten ähnlichen Projekte schon angedacht wurden. Zwischendurch habe ich es geschafft, die Bananenstauden zu trennen und die kleinen Schößlinge in gesonderte Töpfe zu setzen. Genau genommen sind es fünf Stauden, verteilt auf drei Töpfe, die drei ganz kleinen wollte ich nicht auch noch verteilen. Ich hoffe, sie werden die Trennung verkraften und sich bei uns im Garten wohlfühlen. Es ist spannend, das Verhalten einer bisher unbekannten Art zu beobachten. Auch wenn sie in unseren Breiten wahrscheinlich nie so weit kommen werden, tatsächlich Bananen zu tragen.

Zwischen Maschinen- und Handarbeit

Mit der neuen Maschine ist das exakte Bohren doch deutlich komfortabler und berechenbarer. Nach dem älteren Verfahren war gerade das eine extreme Herausforderung, die ständiges Variieren und Neujustieren erfordert hat. So kann ich die idealerweise kreisrunden Querschnitte möglichst genau zentrieren, eine der wichtigsten Voraussetzungen für gleichmäßige Ergebnisse. Und auch die stufenlose Verstellbarkeit der Geschwindigkeit des Bohrers ist vorteilhaft. Gerade bei unterschiedlich harten Hölzern, wie heute mit dem Apfelbaum als mittelhartem, der Hainbuche als sehr hartem und der Eberesche als vergleichsweise weichem Holz. Zeit braucht auch das selbstverständlich, nicht viel weniger als zuvor, aber die frei gewordene Energie kann doch für die folgenden Arbeitsschritte aufgespart werden, die dann reine Handarbeit erfordern.

Die wärmende Sonne im Rücken

Es macht Spaß, bei diesem wieder sommerlichen Wetter im Freien zu arbeiten. Die Drechselarbeit am Nachmittag war da genau richtig terminiert, mit diesen wärmenden Sonnenstrahlen im Rücken. Und mit dem zweiten Arbeitsschritt bin ich auch schon gestartet. Dabei habe ich dem Apfelbaum den Vortritt gelassen. Morgen folgen Eberesche und Hainbuche, deren Stäbe sehr schön gelungen sind. Während der Arbeit kann ich dann die nächsten Pläne für offene Gartenprojekte schmieden. Diesen kleinen, seitlich abstehenden Ast des Nachfolger-Feigenbaums habe ich endlich entfernt. Er wäre einer gleichmäßigen Krone wenig zuträglich gewesen. Natürlich nicht, ohne mich zuvor bei dem jungen Baum entschuldigt zu haben.

Garten- und Holzarbeiten

Nun habe ich es zwischendurch doch noch geschafft, die Strohblumen von den zwei kleinen Schalen in insgesamt vier größere Pflanzgefäße umzutopfen bzw. zu verteilen. Jetzt haben die jungen Pflanzen wieder etwas mehr Luft, auch wenn es immer noch zu viele sind. Aber so lange ich nicht weiß, ob überhaupt richtige Strohblumen daraus werden, ist das die einzige Möglichkeit. Die stärksten später zu selektieren, wird zwar auch schwierig. So komfortabel mit frischer Erde ausgestattet, sollte es aber zumindest einen Teilerfolg geben. So warten am Wochenende noch weitere Gartenpflanzaktionen auf mich, u. a. die Bananenstauden auf mehrere Töpfe aufteilen. Die nächsten Holzarbeiten stehen ebenfalls wieder auf dem Plan, mit dem ersten Arbeitsschritt am morgigen Nachmittag. Eberesche und Hainbuche, beide schon länger nicht mehr realisiert, und der Klassiker Apfelbaum, der sich zu einer Art Spitzenreiter entwickelt hat.

Hölzerne Tonröhren

Die Orgelpfeifen aus Holz, es waren die tiefsten Töne der früheren Orgel, sind damals an Interessierte verkauft worden, um mit dem Erlös einen Teil der neuen Orgel zu finanzieren. Nun lagen sie bestimmt drei Jahrzehnte auf dem Dachboden und sind jetzt im Zuge unserer Räumung wieder an die Oberfläche geraten. Mit der Zeit ist aber auch die Faszination daran abhandengekommen, vor allem weil seitdem keine Idee zu ihrer Verwendung oder Umwandlung entstanden ist. Jedenfalls ist es auch bezüglich des Holzes nicht Besonders. Relativ einfache aus je vier Brettern zusammengefügte Tonröhren mit quadratischem Querschnitt und einer Art Ventil am unteren Ende. Schade, aber auch das Material, Nadelholz, ist für mich nicht verwendbar. Deshalb werden sie wohl ein eher unspektakuläres Ende finden und in den Stoffkreislauf zurückgeführt werden.

Am Open Air Arbeitsplatz

P. M. hat mir heute eine Bananenpflanze mitgebracht. Die ist mehrjährig und kann im Topf überwintert werden. Das ist doch mal eine echte Neuheit für unseren Garten. Es wird nur allmählich schwierig, noch einen geeigneten Platz zu finden. So üppig wächst alles bei der Feuchtigkeit und der zunehmenden Wärme. Sollte der Sommer in den nächsten Tage wirklich angekommen sein? So richtig mag man es noch nicht zu glauben. Ich freue mich jedenfalls, wieder regelmäßiger meiner handwerklichen Arbeit am Open Air-Arbeitsplatz nachgehen zu können. Genügend Gelegenheiten dazu sind zurzeit vorhanden. Eine gute Abwechslung zu der ebenfalls intensiven Projektarbeit.

Vielleicht ein Jahr der Pfaffenhütchen

Pfaffenhütchen - Unreife Früchte
Pfaffenhütchen - Blüten

Im Vorjahr waren sie wegen des Rückschnitts durch die Gemeinde sehr stark reduziert und kaum in Erscheinung getreten. Inzwischen aber haben sich die Pfaffenhütchensträucher gut erholt und präsentieren sich in unvergleichlicher Ausdehnung. Nachdem lange Zeit, wie bei so vielen Arten in diesem Frühjahr, nichts von ihnen zu sehen war, sind bei einigen Exemplaren jetzt sogar schon Früchte zu sehen. Die sind parallel zu den Blüten zu beobachten und sind natürlich noch grün. Die phantastische Formung ist aber bereits zu erkennen. Nur in das charakteristische Rosarot haben sie sich noch nicht verwandelt. Es könnte also wieder ein Jahr der Pfaffenhütchen werden. Die im Laufe ihres Vegetationszyklus zu beobachten, ist immer wieder ein spannendes und über Monate sich hinziehendes Vergnügen, besonders wenn man sie bei strahlendem Sommerwetter beobachten kann.

Intensiver Speichertag

Es ist noch unglaublicher als zuvor erwartet, wie viel sich im Laufe von Jahrzehnten auf dem Speicher ansammelt. Das war auch mit vereinten Kräften ein Ganztagesprojekt, das noch nicht vollständig abgeschlossen ist, aber doch zum größten Teil. Gut, dass wir Unterstützung von jemandem hatten, der zeitweise auf dem Wertstoffhof arbeitet und sich mit der Zuordnung und den Regeln dort bestens auskennt. So konnten wir fast alles auf diese Weise entsorgen. Persönlicher und deutlich spannender waren am Nachmittag die Schulhefte und -bücher. Von J. und mir, teilweise auch noch von M., und Schulungsunterlagen und Arbeitsaufzeichnungen von V. Kurze Kurzblicke und darauf bezogene Gespräche, bevor doch das meiste in irgendeiner Kiste oder Tonne verschwand. Einiges aber blieb doch übrig, besonders eindrucksvolle Zeugnisse je persönlicher Vergangenheiten. Und das eine oder andere Streitgespräch über die Frage, ob bestimmte Dinge notwendig, schön oder nützlich genannt werden können, durfte auch nicht fehlen. Mein Holzvorratsarchiv ist jetzt besonders gut zugänglich, noch übersichtlicher und auch etwas reduziert. Die vielen vor Jahren aus dem großen Kirschbaum von Herrn F. herausgeschnittenen Abschnitte habe ich durchgesehen und mindestens die Hälfte als Brennholz deklariert. In abgetrockneten Zustand und bei Licht betrachtet hatten diese Abschnitte nicht die beste Qualität, um weiterverarbeitet zu werden. Und den größten Bedarf danach gibt’s ebenfalls nicht. Jetzt jedenfalls liegt alles nach Arten getrennt zusammenhängend in einem Abschnitt des Raums. Das macht es noch leichter, den Überblick zu behalten und für das nächste Auffüllen meines Reservoirs direkt nutzbarer Kanteln eine gute Auswahl zu treffen.

Speicher – Holz – Erinnerung

Für Anselm Kiefer war es eines der künstlerischen Schlüssel-Motive. Der Speicher als Ort der Erinnerung, mit seinen Geheimnissen und nicht nur positiven Assoziationen. Hausspeicher hatten für mich immer schon eine besondere Anziehungskraft. Nicht nur als Erinnerung und Aufbewahrungsorte, auch als Experimentier- und Entdeckungsgelegenheiten. An diesem Wochenende wird das für die Familie erneut zum Thema, das heute schon mit einiger Aufräumarbeit verbunden war. Da kommt so einiges zu Tage, dessen Verbleib abzuwägen ist. Vieles aus Kindheitstage, sogar noch von M., einiges, das nicht mehr genau eingeordnet werden kann oder eindeutig seine Funktion im Laufe der Jahre eingebüßt hat. Bloße Belastungen ohne emotionalen Wert, von dem man sich leichter trennen kann. Anders als V. das immer wieder behauptet hat, sind meine umfangreichen Holzvorräte dort das am besten Geordnete und Übersichtlichste. Sehr gerne will ich sie auch künftig in dieser Form lagern. Die Relikte von ca. 40 Baumarten, vielleicht einige mehr, die in einem häuslichen Archiv darauf warten, transformiert zu werden, eine neues Leben in umgeformter Gestalt, mit Bezug zu anderen Menschen, zu beginnen. Eine spannende Sache. Und ein Grund, für das Drumherum die größtmögliche Ordnung herzustellen.

Nässe und Schneckenplage

Eine der Kehrseiten des Wachstumsschubs, den die Bäume derzeit verzeichnen, ist die Schneckenplage, die vor allem den jungen Pflanzen schadet. Die anhaltende Nässe hat die Schnecken in Hochform versetzt. So haben gerade einmal zwei unbeobachtete Tage ausgereicht, um einen Teil meiner mühsam gezogenen Strohblumen zu ruinieren. Das biologische Anti-Schneckenmittel hat offenbar null Wirkung und hält die Tiere in keiner Weise davon ab, über das junge Grün herzufallen. Da hilft nur noch, alles in unerreichbarer Höhe zu platzieren. Ärgerlich ist das wegen der Zeit, die ich in die Vereinzelung der Sämlinge investiert habe. Aber auch kein Drama, da in den angesäten Schalen noch jede Menge junge Pflänzchen relativ unbeschadet geblieben sind. Die nachträglich zu teilen ist aber sehr schwierig. Im nächsten Jahr werde ich mir eine andere Methode ausdenken müssen, vielleicht mit diesen kleinen Setztöpfchen, die sich später leicht einzeln umtopfen lassen.

Efeu schneiden

Der Efeu wächst nun wild in alle Richtungen. Das bedeutet demnächst wieder jede Menge Arbeit mit dem Zurückschneiden. Die einfachere Lösung mit der Heckenschere lehne ich nach wie vor ab. Einfach weil damit die Blätter zerfetzt werden und man hässliche Löcher in das unregelmäßig prominente Gehölz schneidet. Deshalb schneide ich immer noch lieber individuell per Hand. So kann ich dem Wuchs folgen und nur das hervorstehende entfernen. Ich denke, das wird der Gehölzart eher gerecht, die sich ohnehin nie ganz in Zaum halten lässt. Einer der Gründe, warum ich die Art so mag. Sie ist zu allen Jahreszeiten interessant. Eine Kletterpflanze mit Charakter.

Gebremster Schwung

Dass der Wonnemonat so regnerisch zu Ende geht, hätte ich nicht für möglich gehalten. Wieder eine dieser seltsamen und für die Jahreszeit untypischen Wetterlagen, wie wir sie schon seit Jahren immer wieder erleben. So wird sich die Sonnenstundenbilanz des Jahres noch einmal verschlechtert haben. Und im gleichen Maße wächst die Hoffnung auf einen richtig schönen Sommer. Von der wahrscheinlich verregneten Robinienblüte abgesehen, tut auch den Blumen zu viel Regen nicht gut. Ein stabilere Hochdrucklage wäre das, was wir jetzt bräuchten, um den Schwung nutzen zu können, in den die Vegetation sich schon einmal versetzt hat. Ein Schwung, der sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Gemütsverfassung und die Entscheidungsfreude der Menschen auswirkt.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.