Bäume und die inneren Kraftquellen

Jetzt war es schon wieder einige Tage ziemlich dunkel. Nach dem frühlingshaften Wetter mit fast schon frühsommerlichen Temperaturen und diesem irren Licht der Tage zuvor war das entnervend und hat die Menschen spürbar demotiviert. Gleich gehen die Aktivitäten davon abhängig wieder zurück, unglaublich eigentlich, wie stark wir von diesen äußeren Faktoren abhängig sind, wie sehr unsere Biologie, das Körperliche, aber ganz gewiss auch das seelische Gleichgewicht von einer Verstärkung leben und mit dieser variieren, die nicht aus unserem Inneren kommt. Wir benötigen zumindest eine Spiegelung der Äußeren, um innere Kraftquellen, die natürlich immer schon vorhanden sind, zu reaktivieren – besser, uns an diese zu erinnern. Schon einen Baum zu betrachten, besser noch, ihn in seiner Lebendigkeit, seiner jahreszeitenabhängigen Entwicklung, aktiv zu begleiten, allein das kann diese inneren Kraftquellen wieder nutzbar machen. Auch deshalb ist ein Reden über die Bäume, erst recht ein Leben mit den Bäumen keine naturmystische Spielerei, es kann in diesen so irritierenden Zeit geradezu rettend, zumindest aber motivationsfördernd und energiespendend wirken.

Wieder mehr fotografisch unterwegs

Heute habe ich auch die jüngsten Fotografien aus der Baumlandschaft durchgesehen und eine enge Auswahl meinen Microstock-Portfolios hinzugefügt. Diesmal waren zwischen den Baumbildern auch einige sehr gelungene Material-Struktur-Motive, Beton-, Metall- und Kunststofftexturen, die ich in ähnlicher Form schon einmal erfasst hatte, die bei dem Licht der letzten Tage aber wiederum in einer anderen Anmutung erschienen. Auch habe ich ganz neue Motive auf meinen Lieblingswegen entdeckt. Ich bin froh, dass ich nach der Flaute in den letzten Jahren jetzt wieder verstärkt echte Fotografie in der Landschaft und der näheren dörflichen Umgebung realisieren kann. Wenn das Wetter und vor allem das Sonnenlicht dieses Jahr wieder besser und konstanter ist, bietet sich das auch an.

Und wieder blüht der Schlehdorn

Diese dezent sich in erdigen Farben aus der noch grauen Spätwinterlandschaft heraushebenden Impressionen der frühen Schlehdornblüte finde ich faszinierend. Ich hatte ja gestern schon eine solche Einstellung festgehalten und heute bei sehr ähnlichem Licht neue Perspektiven versucht. Eine davon habe ich hier abgebildet. Die Blütenköpfe zeigen zwar schon die weißen Blütenblätter, sind aber noch zu kleinen kompakten Kugeln geschlossen, kurz vor dem Sich-Öffnen der weiß-gelben und viel Licht reflektierenden Blüten, die exemplarisch für den Vorfrühling und die ersten echten Baumblüten stehen. Gerade diese Vorstufe, kurz vor dem eigentlichen Erblühen, ist mir in den Vorjahren immer entgangen. Ich bin froh, sie in diesem Frühjahr einmal fotografisch festgehalten zu haben.

Spätwinterliche Zweige mit noch geschlossenen Blütenköpfen des Schlehdorns

Vorfrühlingszeichen in der Baumlandschaft

Das war ein tolles Spätwinterwetter, das viele Menschen zum Sonntagsspaziergang rausgezogen hat. Wegen des Lichts war es wieder einmal naheliegend, die Kamera mitzunehmen und weitere Impressionen des Baum-Vorfrühlings einzufangen. Spannend finde ich zu dieser Jahreszeit die ersten Regungen der früh blühenden Bäume, wenn die Blüten noch nicht oder nicht vollständig geöffnet sind. So bei der Forsythie und beim Schlehdorn beobachtet:

Zweige mit noch geschlossenen Blüten der Forsythie
Zweige mit noch geschlossenen Blütenköpfen des Schlehdorns

Der Schlehdorn ist vielfach aber auch schon fortgeschrittener und zeigt bei manchen Sträuchen schon die geöffneten Blütenköpfe:

Zweige mit geöffneten Blüten des Schlehdorns

Und natürlich dürfen die Erlenblüten nicht fehlen, deren männliche Exemplare jetzt schon länger werden und die Pollen freigeben:

Erlenblüte im März

Es gab noch einiges mehr zu entdecken, das ich auch fotografisch festgehalten habe. Aber das werde ich erst noch genauer durchsehen und vielleicht später noch hier zeigen.

Ein anstrengender Rückschnitt für den Maulbeerbaum

Der zweite Rückschnitt des Maulbeerbaums, nachdem ich vor einer Woche bereits alle seitlich überstehenden Äste gekürzt hatte, war eine besonders Kraft raubende Aktion. Die hat dann auch ca. 4 Stunden Zeit in Anspruch genommen. Am Ende konnte ich die sehr weit in die Höhe geschossenen Kronenäste im Zentrum der Krone von der Leiter aus kappen. Nur an zwei Randbereichen der Krone habe ich die dort eher dünnen Triebe unverändert gelassen. Zum einen, weil die dort kaum zu erreichen sind, selbst von der Leiter aus und mit maximal ausgezogener Astschere, zum anderen ist es so für den Baum nicht ganz so irritierend. Tatsächlich hat er in den Vorjahren auf radikalen Rückschnitt eher so reagiert, dass der Blatttrieb stark verzögert war und im Sommer kaum Maulbeeren wuchsen. Im letzten Jahr aber, nachdem wir in dem diesem vorangehenden Jahr auf den Rückschnitt ganz verzichtet hatten, war der Maulbeerertrag ja sehr gut. Ich hoffe, dass die jetzt umgesetzte Strategie mit dem Rückschnitt im Zentrum der Krone und rundherum sowie dem Belassen einzelner Abschnitte mit ungekürzten Ästen einen zumindest durchschnittlichen Maulbeerenertrag nach sich ziehen wird. Aber natürlich hängt der Erfolg auch von anderen Faktoren ab: Ob während der Blütezeit keine Nachtfröste auftreten und ob zu früh kommende höhere Durchschnittstemperaturen nicht den Wachstumszyklus des Baums insgesamt aus dem Gleichgewicht bringen. Vor allem hoffe ich, dass das nicht mehr passiert, was vor drei Jahren ja Realität war. Damals musste es im Frühjahr mindestens eine sehr kalte Nacht gegeben haben, zumindest muss sich am Standort des Maulbeerbaums eine lokale Kälteglocke über den Baum gelegt haben. Denn damals wollte er lange Zeit überhaupt keine Blatttriebe mehr ausbilden. Erst im Spätsommer fing er, wie in einer Panikreaktion, hastig an, neue Blatttriebe auszubilden, nachdem er bis dahin vollkommen kahl inmitten der grünenden Nachbarbäume stand.

Baumsymbol, Winterbaum und Frühlingsbaum

Eine Auswahl aus meinem jüngsten Spätwinter-Landschaftsshooting habe ich inzwischen durchgesehen, entwickelt und optimiert. Vorhin habe ich diese und einige weitere auch in meinen Microstock-Portfolios eingereicht. Es sind ganz verschiedene Bildmotive, die natürlich alle etwas mit Bäumen zu tun haben. Das erste ist nur auf den ersten Blick die Nahaufnahme einer Holzlattenstruktur. Tatsächlich handelt es sich um das Detail einer Sichtbetonwand, die in eine Holzverschalung aus vertikal verleimten Latten gegossen wurde. Man sieht hier noch ganz genau die Sägespuren vom Gatter des Sägewerks, die Nagelköpfe und natürlich die Zeichnung des Holzes sowie die Astknoten. Da die Wand nach den zehn Jahren, die sie jetzt schon der Witterung ausgesetzt ist, eine bräunliche Patina angenommen hat, macht sie umso verwechselbarer mit einer Holstruktur, von der sie tatsächlich nur den Negativ-Abdruck darstellt:

Sichtbetonwand mit Holzabdruck-Oberflächenstruktur - Nahaufnahme

Deutlich lebendiger wird’s bei den spätwinterlich noch kahlen Ästen, die mit im Sonnenlicht leuchtenden Gelbflechten überzogen sind. Eigentlich das ganze Jahr über, aber im Winter, bei kahlen Ästen, sind sie eben besonders gut sichtbar und sorgen für in dieser Zeit so seltene Farbakzente in der Baumlandschaft:

Spätwinterliche Zweige mit leuchtenden Gelbflechten

Und dann gibt’s eben jetzt schon die ersten echten Lebenszeichen des Form der halb aufgefalteten Blätter des Weißdorns:

Frühes Weißdorngrün - junge Blätter des Weißdorns im Spätwinter - Nahaufnahme

Die kommen beim Weißdorn ja lange vor der Blüte, während es sich beim Schlehdorn umgekehrt verhält. Das kann man schon die winzigen Blütenknospen erkennen, die aber noch geschlossen sind und demnächst wohl dieses irre Schlehweiß über die Sträucher legen werden.

Weißdorn-Mistel

Junge Mistel an spätwinterlichem Weißdornstrauch

Das Licht war heute wieder faszinierend und hat viele Menschen hinaus in die Landschaft geführt. Zum Fotografieren ist das ideal, so dass ich die ersten Regungen des Baumfrühlings in einer Reihe von Nahaufnahmen festhalten konnte. Da war einiges sehr Interessantes dabei, was ich erst noch durchsehen und optimieren muss. Aber ein Motiv will ich an dieser Stelle schon herausgreifen, weil es ganz speziell und auch selten ist: Eine noch recht frische Mistel, die sich an einem Weißdornstrauch festgesetzt hat. Selten, dass ich das an einem niedrigen Strauch sehe, selten auch, dass es ein Weißdorn ist. Man kennt es ja v. a. von Obstbäumen, Pappeln und Eichen. Aber der Weißdorn mit einem Mistel-Schmarotzer, das ist natürlich tiefgreifende Symbolik und Baumenergie pur. Es ist ein Glücksfall, dass die Mistel sichtbar war, nicht nur, weil sie in Augenhöhe wächst, auch weil jetzt im Spätwinter die Zweige noch kahl sind und gerade beim Weißdorn erst jetzt die ersten Blätter sich auffalten.

Plädoyer für naturbezogene Basisthemen

Sie tut gut, diese anhaltende Sonne, heute so gleichmäßig und durchgängig wie bisher noch nicht in diesem Jahr. Dann kann man unangenehme Termine, wie den von M. in S., gleich viel besser verarbeiten und relativ schnell zur Tagesordnung übergehen. Aber machen wir uns nichts vor. Die biologischen und klimatischen Highlights, die uns von außen mit der Annäherung an die warme Jahreszeit öfter entgegenkommen, können die tief liegende Verunsicherung der Menschen, ihren Glaubensverlust – nicht nur im religiösen Sinne – kaum überdecken. Was wir seit einigen Jahren erleben und was jetzt gerade vielleicht auf einem lähmenden Höhepunkt angekommen ist, bedeutet nicht nur Rückschritt gegenüber den früheren besseren Jahren. Es ist von so vielen Brüchen und Zerstörungen verbunden, dass man sich verbreitet einer ganz anderen Welt gegenübersieht, in der die Menschen nicht mehr sie selber sein können, sich in oft nicht vorteilhafter Weise verändern. Es kostet viel Energie, das zum einen zu verarbeiten und zum anderen, darüber hinaus wieder in einen Fortschritt zurückzufinden. Ich meine, mit einer Verkomplizierung des Denkens ist das kaum zu erreichen. Da sind wir wohl schon übers Ziel hinausgeschossen. Wir müssen im Gegenteil immer wieder den Nullpunkt, die Basis, einen festen Startpunkt suchen und von dort, alle Erfahrungen berücksichtigend, die Dinge neu aufrollen, möglichst rasch, damit wir die Rückschritte wieder kompensieren. Die Selbstspiegelung in der natürlichen Umwelt, z. B. der Rückgriff auf die Lebenssymbolik der vermittelten Mensch-Baum-Beziehung, kann so einen Neuanfang und Neuaufbau ins Leben zu rufen helfen. Dieses Baumtagebuch ist ein ganz kleiner, bescheidener Beitrag, um dieses Plädoyer für die Anknüpfung an naturbezogene Basisthemen plausibel zu machen.

Divergierende Meinungen zum richtigen Rückschnitt

Das jetzt schon einige Tage konstant warme Wetter bei gleichzeitig viel Sonnenlicht hat die Menschen schon überrascht. Teilweise ist man auch körperlich gestresst, weil die Umstellung von dem nasskalten Schmuddelwetter und der Dunkelheit auf diese anhaltend hellen und für die Jahreszeit ungewöhnlich milden Tage schon beanspruchend ist. Das merken v. a. Menschen mit Schwächen bei den Gelenken und Muskeln. Meist ist das nach der Akklimatisierung aber auch schnell wieder verschwunden. Bleibt zu wünschen, dass das Wetter auch noch länger so bleibt und nicht wieder ins Gegenteil umschlägt. Nach der zwischenzeitlichen Verstimmung wegen Vs unangebrachter Kommentare zu meinem Rückschnitt des Walnussbaums war ich heute froh, dass M. meine Aktion und vor allem das Ergebnis gelobt und die Einwände als ebenso unverständlich bezeichnet hat, wie ich das zuvor schon getan hatte. Tatsächlich präsentiert sich die Krone des Walnussbaums jetzt ganz gleichgewichtig und symmetrisch. Zudem ist im Sommer keine so extreme Abschattung des unmittelbaren Umfelds mehr zu erwarten, worum es mir ja vor allem ging. Nein, mit diesem Rückschnitt kann ich sehr zufrieden sein. Bleibt jetzt nur noch übrig, den begonnenen Rückschnitt des Maulbeerbaums abzuschließen. Ich hoffe, das wird mir am Wochenende möglich sein.

Erste Frühlingszeichen aus der vegetabilen Umwelt

Der spürbare Frühlingsauftakt, lustigerweise genau passend zum meteorologischen Frühlingsanfang, hat die Menschen doch sehr motiviert, sich ins Freie zu bewegen. Sogar die ersten Biergärten sollen schon geöffnet haben, weil die Besucher nach dem ungemütlichen, nassen Winter nach Sonnenlicht sehnen und die ersten Gelegenheiten darum allzu gerne nutzen. In der Baumlandschaft ist der Frühling dagegen noch nicht wirklich angekommen, was nicht verwundert, denn die Bäume wollen sich „ganz sicher sein“. Und einige helle Tage am Stück müssen eben noch nichts Konstantes bedeuten. Deshalb müssen wir mit der Voraussage des Frühlings noch vorsichtig sein. Beim Spaziergang heute Mittag musste ich schon ganz genau hinsehen, um erste Regungen bei den Bäumen und Sträucher zu erkennen. Von Weitem betrachtet und mit flüchtigem Blick in die Landschaft wirkt noch alles grau und spätwinterlich. Bei einigen Arten aber kann man von Nahem doch schon Frühlingszeichen erkennen. Bei den Blattknospen am weitesten waren hier bei uns die Weißdornsträucher. Da waren an einigen Exemplaren tatsächlich schon noch dicht eingeschlagene, noch nicht ganz aufgefaltete Blätter zu sehen, die ihre Knospenhüllen schon zur Seite geschoben hatten. Noch ein paar helle und mäßig warme Tage, und das Weißdorngrün sollte schon vollentfaltet sein und die ersten grünen Tupfer in der Baumlandschaft hinterlassen. Beim Schlehdorn sind es nicht die Blattknospen, sondern die winzigen, kugeligen braunen Blütenknospen, die zahlreich schon zu sehen sind, die aber noch vollständig geschlossen erscheinen. Aber der Schlehdorn gehört eben zu den am frühesten blühenden Arten. Das heißt, bei ihm kann sich das Bild über Nacht wandeln und die Sträucher plötzlich in etwas Blendendes in üppigem Weiß verwandeln. Auch schon zu sehen sind die noch geschlossenen Blütenknospen bei einzelnen Wildapfelexemplaren. Man kann durch die geschlossenen äußeren Blütenblätter schon die roten Anteile dieser später so dominanten Blüte sehen. Neben diesen drei Arten habe ich noch vereinzelte weitere Sträucher mit geschlossenen Knospen erblickt, die ich aber nicht eindeutig zuordnen konnte. Ich denke, diese spannende Phase der ersten Frühlingszeichen werde ich in den nächsten Tagen engmaschiger beobachten. Schon jetzt freue ich mich über jeden erkennbaren Fortschritt beim Frühlingserwachen der vegetabilen Umgebung.

Gegen die schattige Wachstumsbremse

Noch so ein unentschlossen zwischen Spätwinter und Vorfrühling angesiedelter Tag. Aber die Zeichen stehen gefühlt auf Frühling, und tatsächlich sollen ja mit der neuen Woche die vor einigen Tagen schon dagewesenen frühlingshaften Temperaturen zurückkehren. Ich habe deshalb den gestern nicht mehr möglichen Rückschnitt des Walnussbaums nachgeholt. Im Wesentlichen zwei nicht allzu große Seitenäste, die im Sommer, mit voller Belaubung, aber sehr viel Schatten um den Gartenbaum herum werfen. Die Gefahr ist jetzt beseitigt, unverständlicherweise von Vs Missmut begleitet. Ich selbst habe keinen Zweifel, dass das eine sinnvolle Maßnahme war, habe ich doch in den Vorjahren immer wieder feststellen müssen, dass im Schatten des Nussbaums nahezu nichts mehr gedeiht, selbst die sonst so vitalen und blühfreudigen Strohblumen sind zwei Jahre in Folge überhaupt nicht gegangen. Ich hoffe jetzt auf einen milden Verlauf des Frühlings, vor allem während der für die einzelnen Baumarten relevanten Blütezeiten. Damit wir wieder ein gutes Jahr fürs Baumobst und ein für das gesunde Wachstum der Zierbaumarten günstiges Klima erleben.

Mein erster Rückschnitt der Gartenbäume für diese Saison

Die sonnenreicheren Stunden musste ich einfach ausnutzen, um an diesem Samstag nach dem Abschluss der kunsthandwerklichen Arbeit doch noch mit dem Zurückschneiden der Gartenbäume zu widmen. Eigentlich wollte ich mit dem Walnussbaum beginnen, bei dem einige Seitenäste noch zu viel Schatten werfen, später im Sommer, wenn sie mit den großen lappigen Walnussbaumblättern bestückt sind. Nachdem ich im Vorjahr die ganz großen Äste in diesem Bereich schon herausgenommen hatte, ist das jetzt eine erweiternde Maßnahme, die meinen Gemüsepflanzen im Spätsommer guttun wird, die ansonsten zu wenige Nachmittagssonne tanken können. Aber V. hatte ich ausziehbare Astsäge mitgenommen, so dass ich das Vorhaben erste einmal aufschieben musste. Stattdessen habe ich weitere Seitenäste, teilweise auch zu auslandende Äste im oberen Kronenbereich der Gleditschie entfernt. So wird der Baum später nicht mehr mit den Nachbarbäumen zusammenwachsen und ebenfalls in den ersten 2 Metern überm Boden keinen Schatten mehr werfen können. Das Kleinschneiden der Gleditschien-Äste ist immer eine schwierige Sache, weil sie über sehr lange spitze Dornen verfügen, an denen man sich leicht verletzt. Ich konnte dennoch alles in der Biotonne unterbringen. Anschließend bin ich dann zum Maulbeerbaum außerhalb gefahren, um den ersten Teil des Rückschnitts durchzuführen. Es ging zunächst darum, die seitlich über die Begrenzungszäume reichenden Asttriebe zu kürzen. Das ist eine aufwändige und kleinteilige Arbeit, die ich versuche, vom Boden aus mit der ausziehbaren Astschere zu realisieren. Bis zu einer gewissen Höhe ist das auch ganz gut gelungen. Nächste Woche will ich dann den oberen Kronenbereich angehen, bei dem es darauf ankommen wird, die nahezu vertikal in die Höhe schießenden Äste deutlich zu kürzen. Unabhängig davon, wie der Maulbeerertrag in diesem Jahr ausfallen wird, es ist ohnehin unmöglich, diese sehr hohen Bereiche der Krone über eine Leiter zu erreichen. Uns ist zwar bewusst und haben das bereits mehrfach erfahren, dass man es beim Maulbeerbaum mit dem Zurückschneiden nicht übertreiben darf. Deshalb haben wir im Vorjahr auf diesen Rückschnitte der oberen Krone verzichtet. Aber jetzt ist es eben doch wieder fällig, wenn wir den Baum noch einigermaßen im Griff behalten wollen. Und so früh im Jahr sollte der Baum auch keinen Schaden aus der Aktion davon tragen – hoffe ich jedenfalls. Wahrscheinlich werde ich nächste Woche die Ast-Kettensäge verwenden, mit der ich in diese Höhen allerdings nur von der Leiter aus arbeiten kann. Ist nicht ganz unkompliziert, aber die Methode hat sich schon einmal bewährt, so dass ich es für vielversprechend halte.

Aufwändige Bearbeitung mit Feigenbaumholz

Die Arbeit an dem Feigenbaum-Stab hat sich heute Nachmittag als ungewöhnlich aufwändig erwiesen. Das lag allerdings nicht an der Bearbeitung selbst, sondern an der Materialgrundlage. Feigenbaumholz ist ja ohnehin immer schon eine größere Herausforderung gewesen, weil das Holz in guter und für meine Zwecke geeigneter Qualität ein ganz schnelles Verarbeiten des gefällten Stamm- oder Lastabschnitts erfordert. Nur ein paar Tage zu lang gewartet – und das Holz ist nicht mehr zu retten, weil es vermutlich schon von einem Pilz zerstört wurde oder ungünstig durch Trockenschwund zerrissen ist o. ä. Das ist eben der Grund, warum das Zusammentragen und Bevorraten von gutem Feigenbaumholz mich schon immer vor größere Aufgaben stellt. Jedenfalls sind die besten Abschnitte inzwischen Mangelware, so dass ich zu problematischeren übergehen muss. Zwei von diesen problematischen habe ich für das heutige Projekt erwischt – und bin gleich gescheitert. Denn der erste hat sich als innerlich instabil gezeigt, so dass er nicht gleichmäßig auf die gewünschte Dicke gebracht werden konnte. Und der zweite war im Inneren von der fetten Markröhre durchzogen, die bei den Feigenbäumen ja bekanntlich aus weichem, weißem Mark besteht. Das ist ein No-Go, weil es den Stab stellenweise durchlöchert und am Ende keine durchgängig geschlossene Oberfläche übrig bleibt. Erst bei der dritten Kantel war ein sauberes Arbeiten mit einem stabilen Ergebnis möglich. Für die kommenden Aufträge mit Feigenbaumholz muss ich eine sorgfältigere Auswahl treffen. Und natürlich werde ich solche Kanteln, die nach Markröhre aussehen, konsequent aussortieren. Zudem ist es wieder an Zeit, auf die Suche nach wirklich hochwertigem Material zu gehen, um für die Zukunft wieder besser aufgestellt zu sein.

Baumsymbolische Kommunikation mit Autoattraktion

Nach kurzer Pause freue ich mich, am Wochenende wieder eine kunsthandwerkliche Arbeit beginnen und vielleicht auch schon abschließen zu können. Der Feigenbaum ist in jüngster Zeit öfters nachgefragt worden, so auch jetzt wieder. Etwas, das ich seit Jahren beobachte, dass immer bestimmte Baumarten gehäufte Aufmerksamkeit beanspruchen, um in dieser Hinsicht dann wieder von anderen abgelöst zu werden. Nicht herausgefunden habe ich bisher, woran das liegt. Ob es eventuell mit gewissen globalen Schwingungen zusammenhängt? Wundern würde mich das überhaupt nicht, spielen solche Schwingungen bei der gesamten baumsymbolischen Kommunikation doch eine wesentliche Rolle. So liegt es auch nahe, dass sich die Baumarten ihre Attraktion gewissermaßen selbst herbeiführen und Menschen anziehen, die eine positive Resonanz zu zeigen versprechen. Und vielleicht sind gewisse Zeiträume ja für die jeweilige Baumart günstiger als andere. Es wäre schön, wenn ich im Laufe der hoffentlich noch zahlreichen Jahre mehr Licht ins Dunkel dieser Zusammenhänge bringen könnte.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.