Gefühlter Herbst

Gedanken an den Herbst sind mir nicht nur mehrfach im Laufe des Tages gekommen. Auch das Wort Herbst war einige Male in Gesprächen aufgetaucht. Kein Wunder, dieser Tag trug eindeutig herbstliche Züge, selbst der Augustregen hatte nicht den gewöhnlichen Charme eines Hochsommerregens. Begleitet war er nämlich von einem dominierenden Tief, das die Gemüter sogleich abkühlte und einmal wieder eine merkwürdig unwirkliche und zeitlose Stimmung entstehen ließ. Auch die kunsthandwerkliche Arbeit am Nachmittag fiel in solcher Atmosphäre ungewöhnlich verträumt aus. Eine Befindlichkeit, der sich keiner von allen, die ich heute getroffen habe, entziehen konnte. So haben wir heute den Herbst bereits vorgefühlt. Ich hoffe, er wird diesmal von einem ausgedehnten Altweibersommer eingeleitet, der im Vorjahr unspektakulär und kurz ausfiel und zudem wenig von den ästhetischen Reizen des Blätterherbstes offenbarte.

Stammholzlager

Den weitgehend regenfreien Tag musste ich dann doch nutzen, um die kürzlich in der Nähe gesichteten hohen Stapel geschichteter Stämme am Waldrand zu fotografieren. Die Lichtverhältnisse waren nicht so günstig, aber es sind dennoch einige gute Aufnahmen entstanden, die auch die Dimension verdeutlichen. An dieser spärlich befahrenen Straße, die vornehmlich von Fußgängern genutzt wird, waren zuvor nie solche Stapel gelagert worden. Da war wohl in den angrenzenden Wäldern einiges überfällig gewesen.

Aufgeschichtete Holzstämme am Waldrand 1
Aufgeschichtete Holzstämme am Waldrand 2
Aufgeschichtete Holzstämme am Waldrand 3
Aufgeschichtete Holzstämme am Waldrand 4
Aufgeschichtete Holzstämme am Waldrand 5

Gut vorbereitet ins nächste Projekt

Auf die nächste kunsthandwerkliche Arbeit freue ich mich. Die kleine Unterbrechung tat auf dem Gebiet gut, zumal es in den letzten Monaten relativ pausenlos durchging. Etwas Atempause zwischendurch ist da förderlich. Und auf die vollständig aufgefüllte Kantelvorräte zugreifen zu können, bestätigt im Nachhinein die vorbereitenden Arbeiten der letzten Wochen. So kann ich gleich loslegen, diesmal mit der Weide, die in jüngster Zeit häufig auf dem Wunschzettel stand. So gibt es immer wieder Schwerpunktverlagerungen auf einzelne Arten, ohne dass ein äußerer Grund dafür auszumachen ist. Gut so, das trägt mit dazu bei, dass dieses Projekt niemals zur Routine wird.

Kräuter, Sommer, Feiertag

Kräuterstrauß 2017

Die beiden Kräutersträuße haben sich bis nach der Segnung sehr gut gehalten. Auch das Gewächs, das wir im Austausch für die Königskerze in die Mitte gebunden haben, trägt seine kleinen gelben Blütenblätter noch weitgehend. Eigentlich bin ich recht zuversichtlich, dass die farbigen Blüten auch mit dem Trocknen noch ihre Farbe weitestgehend behalten. Das ist dann das ganze Jahr über sehr schön. Einen dritten Strauß haben wir noch aus der Kirche mitgenommen, dort liegen immer zahlreiche vor dem Altar, für alle, die keine Gelegenheit hatten, selbst Blumen oder Kräuter mitzubringen. Den hat M. dann einer Freundin gebracht, die evangelisch ist und deshalb den Mariä Himmelfahrt nicht feiert, den Festtag aber dennoch schätzt. M. hätte es auch gerne gesehen, wenn ich die unglaublich opulente Weintraube fotografiert hätte, die J. uns für V. mitgegeben hat. Es ist wirklich die üppigste Traube, die ich jemals gesehen habe. Aber solche Objekte sind fotografisch immer schwer zu erfassen, und eine wirklich gute Idee für ein ansprechendes Arrangement haben wir spontan nicht gefunden. So werden wir dieses Vorhaben wohl später mit den schönsten roten Trauben aus dem eigenen Garten nachholen.

Neue Kräutersträuße

M. hat heute die gestern zusammen getragenen Kräuter und Gräser zu drei Sträußen gebündelt und dabei noch einige Pflanzen aus dem Garten ergänzt, u. a. die jetzt im Halbschatten des Feigenbaums schon rot ausgereiften Physalis, die blühende Pfefferminze und je eine meiner Strohblumen, die ich am Morgen geschnitten hatte. Die Zusammenstellung wirkt insgesamt noch filigraner und vielfältiger als in den Vorjahren. Wie die Sträuße später in getrocknetem Zustand wirken, ist natürlich wieder eine andere Frage. Darauf, auch die ganz schmalen Sonnenblumen dazu zu nehmen, haben wir dann letztlich doch verzichtet. Es ist fraglich, ob sich die kleinen Blüten noch nachträglich öffnen würden. Und die schon größeren Blüten wären einfach zu dominant im Verbund mit den zarten Kräutern. Insgesamt bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. So können wir uns auf die Segnung morgen freuen.

Erste Kräutersuche

Eigentlich hatte ich nicht mehr damit gerechnet, dass wir heute noch die Kräuter für Mariä Himmelfahrt sammeln. Aber am späten Nachmittag zog die Temperatur dann doch an und die Sonne kam heraus, ein Vorbote des neuen Hochs der nächsten Woche. Da bot es sich einfach an, zumal M. das immer ganz besonders genießt. An unserer Favoriten-Sammelstelle sind wir wieder fündig geworden, aber da in diesem Sommer alles so früh dran war, kamen einige Kräuter und Gräser nicht mehr in Frage, da sie schon vertrocknet oder vollständig verblüht waren. Stattdessen haben wir an zwei anderen Stellen weitergesucht und dort verschiedene uns noch unbekannte Arten gefunden, die sich gut für den Kräuterstrauß eignen dürften. Königskerzen, das ist das einzige wirkliche Problem, haben wir aber nirgends gefunden. Sehr schade, da diese ja traditionell die Mitte des Straußes ziert. Aber ich bin doch auf eine Staude gestoßen, die interessanterweise ähnlich aussieht und die wir als Ersatz verwenden können. Zweierlei werden wir morgen noch ergänzen: Je eine Strohblume aus der eigenen Züchtung. Die halten sich naturgemäß in ihrer ganzen Pracht auch dauerhaft. Und Schilfkolben, zwar ungewöhnlich für einen Kräuterstrauß, aber eben auch ein beliebtes Gewächs zum Trocknen. An die müssen wir aber erst noch heran kommen. Morgen soll es einen zweiten Versuch mit verbesserten Hilfsmitteln geben.

Umgekehrte Gunst

Immerhin ist das Wetter im benachbarten Bundesland auch nicht besser. Der Südwesten ist in der Hinsicht relativ einheitlich und konstant. Gewöhnlich auf der Sonnenseite, aber aktuell ist die Gunst gerade umgekehrt. Jetzt profitieren die östlichen Länder von der Sommersonne und wir blicken in regennasse Landschaften und wolkenverhängte trübe Himmel. Js und Ws Pflanzen haben sich hinterm Haus wunderbar entwickelt. Gerade die Ebereschen sind so üppig mit Früchten ausgestattet und präsentieren sich so gesund, dass eine Freude ist. Aber auch alles andere scheint wunderbar zu gehen. Etwas neidisch bin ich auf die Größe und Pracht der Strohblumen, die ebenfalls aus der eigenen Züchtung stammen. Bei uns sind es zwar ähnliche Farben und Formen, aber die Größe ist weniger beeindruckend. Vielleicht eine Frage des Bodens? Ich freue mich darauf, dass es sowohl bei J. und W., als auch bei uns nächste Woche wieder sommerlich zugeht und wir den Spätsommer in seiner ganzen Pracht und Schönheit wieder und hoffentlich noch viele Wochen erleben dürfen.

Das alte Lied von Licht und Holz

Nun ist aus der letzten Aufgabe im Zusammenhang mit den kunsthandwerklichen Holzvorräten heute doch nichts geworden. Es ist das alte Thema mit dem Holz und der Sonne. Schönes Wetter kann man zwar nicht programmieren, aber es bleibt eben ein Katalysator für die Holzarbeit. So war heute nicht die richtige Stimmung, bei so viel trüber, wenn auch nur wenig mit Regen durchsetzter Atmosphäre. Das Licht hat gefehlt, und das wäre gerade für dieses helle, licht wirkende Holz des Bergahorns wichtig gewesen. Ich werde den Plan zusammen mit einer neuen Aufgabe in der nächsten Woche nachholen, wenn das Spätsommerwetter zurückgekehrt ist. Inklusive der äußeren Motivation, die kunsthandwerkliche Ergebnisse guter Qualität erwarten lässt.

Aufbewahrungskisten aus Holz

Die Aufbewahrungsboxen aus gefüttertem Kunstleder waren die ganzen Jahre sehr nützlich, zum Aufbewahren von technischem Zubehör. Aber diese Dinge sind nicht für die Ewigkeit gemacht. Jedenfalls beginnen sie an allen Ecken und Enden auseinanderzufallen, da sich die Klebenähte lösen. Der Versuch, sie mit Schraubzwingen in die ursprüngliche Form zu bringen, ist teilweise geglückt, dennoch denke ich, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis es damit weitergeht. Die Alternative wäre, einige leichte Kisten aus Holz herzustellen. Das ist ein Vorhaben seit langem, aber ich konnte mich nie dazu durchringen. Ich müsste mir einige technische Grundlagen dafür überlegen, um sicherzustellen, dass sie auch wirklich leicht werden und gut handhabbar sind. Auch wird die Auswahl der richtigen Holzart von Bedeutung sein. Und natürlich, ob es eine Möglichkeit gibt, es auszukleiden. Das fände ich schon besser, da man bei empfindlichen Kleinteilen sonst immer die Befürchtung hat, etwas zu beschädigen. Als ein Projekt, das noch einige Vorüberlegungen erfordert.

Wenige Farbtupfer

Meinen Lieblingsweg am Flussdamm bin ich wegen der Dauersperrung schon längere Zeit nicht mehr gegangen. Dabei gehört das gewöhnlich zur täglichen Routine. Bei dem zwischenzeitlich doch wieder sonnigen Wetter musste ich das einfach wieder auffrischen, auch wenn der Umweg umständlich und zeitaufwändig ist. Anders als erwartet präsentiert sich die Baumlandschaft dort eher unauffällig. Wegen des vielen Regens und der gleichzeitigen Wärme hatte ich eigentlich mit einer deutlicheren Präsenz der Baumfrüchte gerechnet. Aber aus irgendwelchen Gründen, vielleicht sind Blüten im Frühjahr erfroren, vielleicht hat es zuletzt auch einfach zu viel und heftig geregnet, sieht es mit den Früchten nicht so üppig aus. Besonders fällt mir das bei den Weißdornhecken auf, die in den Vorjahren unter der Last der Fruchtstände in die Knie zu gehen schienen. Das ist diesmal alles sehr dünn, da sich offenbar nur sehr wenige Fruchtbeeren entwickelt haben. Auch für die Ebereschen und den Schlehdorn scheint dies kein gutes Fruchtjahr zu werden. Unempfindlicher gegenüber Schwankungen ist dagegen der Hartriegel, der eigentlich immer gut aussieht, zu allen Jahreszeiten, und auch jetzt wieder jede Menge schwarze Beeren zeigt. Und die Hagebutten, auf die man sich in der Hinsicht immer verlassen kann. Zwar auch nicht überdurchschnittlich üppig fallen die knallroten Hagebutten doch sehr ins Auge und prägen in diesen eher unspektakulären Wochen des frühen Spätsommers das Landschaftsbild mit ihren Farbtupfern.

Hagebuttenstrauch im Spätsommer

Das Typische am Bergahornholz

Nun ist auch der nachgekaufte Bergahorn angekommen. Aus den beiden starken Kanteln werden sich eine Menge verwertbarer Stäbe herstellen lassen, so dass dies für diese Baumart einige Jahre ausreichend sein dürfte. Auf den ersten Blick unterscheidet sich das Material nicht sehr von dem, das mir noch vorrätig war. Aber es kann eben sein, dass das vorrätige Holz von einer Ahorn-Varietät stammt und deshalb die typischen Farbeigenschaften des Bergahornholzes fehlen, nämlich das Helle, leuchtende, das sich nach dem Ölen höchstens in ein sattes Gelb wandelt. Ich kann das nachträglich nicht mehr überprüfen, da ich damalige Quelle nicht mehr zurückverfolgen kann. Möglicherweise ist das Holz aber auch in einem ersten Stadium der Zersetzung befindlich gewesen, was man äußerlich beim Bearbeiten so nicht feststellen konnte, sich möglicherweise auf der Ebene der Holzzellen aber doch ausgewirkt hat. Wie auch immer, das Ahornholz mit der gewohnten und typischen Anmutung steht jetzt wieder zur Verfügung, so dass ich in den nächsten Tagen auch die letzten Vorratskanteln herstellen kann. Damit ist die Vorratsarbeit zunächst einmal abgeschlossen. Gut auch, dass ich zwei neue Abschnitte Olive mitbesorgen konnte. In absehbarer Zeit wäre auch das knapp geworden, und diese Abschnitte haben eine gute Qualität.

Trockenblumenschönheiten

Meine Strohblumensammlung nimmt allmählich Formen an. Vom letzten Jahr, als ich die Liebe zu diesen trockenbaren Blüten entdeckt habe, bin ich anspruchsvoller geworden. Inzwischen sortiere ich solche Blüten, die beim Trocknen nicht ganz perfekt zu werden drohen, gleich aus, wohlwissend, dass ich es später ohnehin tun werde. Die schönsten werden dann die Vorjahresauswahl ergänzen. In diesem Jahr sind zwei Farben besonders schön ausgefallen: ein zartes Rosa und ein Sonnengelb. Ich denke, dass ich beide getrennt zusammenfasse und zumindest zwei Sträuße daraus forme. Bei diesen sehr unterschiedlichen Farben macht eine Mischung natürlich keinen Sinn. Mit dabei sind auch wieder viele eher ins Lila tendierende Farbtöne. Die können attraktiv ausfallen, wirken häufig aber nach dem Trocknen struppig und fahl. Leider ist diese Farbvariante die wohl häufigste, etwas, das vermutlich mit den Kreuzungen zusammenhängende Gründe hat. Und leider erhält man auch nirgendwo nach Farben getrennte Strohblumensamen, weswegen es bei den Mischungen immer auf eine Überraschung hinausläuft. Aber die Formen der Blüte, die Breite des Blütenblätter z. B. und auch das Verhältnis von abstehenden Blättern und Zentrum können sehr unterschiedlich und variabel ausfallen. Der Zeitpunkt, zu dem sie geschnitten werden, hat dabei ebenfalls Einfluss auf die spätere Anmutung. Ich freue mich jedenfalls auf die neue Auswahl und darauf, immer mehr besonders schöne Blüten weiterverarbeiten zu können, so dass wir über eine lange Saison hin Freude daran haben können. Es ist einfach so, wie schon häufig im Vorjahressommer, dass während dieser Wochen die Blumen den Bäumen den Rang ablaufen.

Die Baumthematik und ihr Sinn

In diesem Sommer ist alles anders. Bisher wenige Besuche auf den geliebten Trödel- und Antikmärkten. Viel weniger Exkursionen in die Landschaft. Ein Zugang zu den Bäumen, der sich sehr weit auf das Gebiet der Symbolik konzentriert. Natürlich schon immer mein zentrales Themenfeld, aber gegenwärtig das Wichtigste, auch weil mich die allzu starke Emotionalisierung eher abstößt, der ich in Bezug auf das Baumthema in den Social Media begegne. Ich vermisse die Frage nach dem Sinn, das Thematisieren des eigenen Verhältnisses zum Lebendigen in der Natur und was das für unseren Alltag bedeutet. Ich finde, das sollte sich nicht in Rührseligkeit auflösen und z. B. den Eindruck erwecken, die Bäume seien großflächig bedroht und wir müssten um jedes einzelne Exemplar kämpfen. Diese Bedrohung findet anderswo statt und erfordert insofern unsere ständige Aufmerksamkeit. Wir können aber in unserem Umfeld die positiven Kräfte der Bäume wahrnehmen und uns in ein sinnvolles und lebensnahes Verhältnis dazu setzen.

Symbolische Ergänzungen

Wieder zurück zur Symbolarbeit mit den verschiedenen Lebensbaum-Hölzern. Diesmal war es die Hainbuche, die ich realisieren konnte, für ein außerordentlich schmales Handgelenk, das normalerweise zu einem Kind passt, tatsächlich aber für eine Erwachsene bestimmt ist. Aber solche Bänder mit sehr kurzen Perlen haben natürlich auch ihren Reiz, schon auf Grund der feingliedrigen Oberflächenästhetik. Der eigentliche Sinn aber entsteht durch die symbolischen Ergänzungen, die nur der Träger selbst vornehmen kann. Auch wenn ich diese Ergänzungen fast nie in Augenschein nehmen kann, bringe ich doch in jeden Kontakt ein individuelles Moment ein, das dem Produkt, dem Symbol tragenden Objekt die bestmögliche Energie mit auf den Weg gibt. Es ist einfach ein gutes Gefühl, das der Prozess damit noch nicht abgeschlossen ist, sondern sich bei jedem Tragen aufs Neue aktualisiert und im Zeitverlauf sicher auch verändert.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.