Megacities

Diese Fernsehreportage über Bombay, das heute eigentlich Mumbay heißt, hat mich sehr beeindruckt. Wie überhaupt die ganze Reihe, welche sich verschiedenen ,,Megacities“ in verschiedenen Teilen der Erde widmet. Letzte Woche war es Sao Paolo, dieses Mal eben Bombay, dieser indische Moloch, die schillernder und aus deutschen Augen exotischer nicht sein könnte. Dieses so ganz andere Leben hat, wenn man es so mundgerecht serviert bekommt, sicher etwas sehr reizvolles. Der Reiz hat ein Stück weit mit dem Unbegreiflichen, dem Entrückten und so ungeheuer Fernen zu tun, das allen Geschichten darüber etwas Abenteuerliches verleiht, auch ohne dass man irgendetwas damit zu tun hätte. Natürlich kann es für Hunderttausende dort nicht wirklich lebenswert sein, wenn sie im Alltag ihre Chance zum Überleben suchen. Natürlich sind die sozialen und ökonomischen Unterschiede riesengroß. Aber es gibt auch Verbindendes, vor allem eine verbreitete Spiritualität, die man, wenn sie sich auch in unterschiedlichen Religionen ausdrückt, vielleicht als den kleinsten gemeinsamen Nenner sehen könnte. Eine kurze Passage dieser Reportage hat mich sehr beeindruckt, dabei ging es um ein Bestattungsritual, von dem ich schon einmal in anderem Zusammenhang gelesen hatte: Die Verstorbenen werden in eigens dafür gebauten Begräbnisstätten, die einem römischem Amphitheater ähneln, unter freiem Himmel aufgebahrt und den Geiern zum Fraß überlassen. In dem Buch, aus dem ich erstmals über diese Bestattungsform erfahren hatte, wird dies als Himmelsbestattung bezeichnet. Die indische Bezeichnung kenne ich nicht. Ein Kommentar ist mir aber in Erinnerung: Dass die Geier in den letzten Jahren weniger geworden seien und es deshalb länger dauere, bis die Leichname gänzlich verschwunden seien. Eine dieser Stätten, von denen es nur wenige in Bombay gibt, die allerdings mitten in der Stadt auf sehr hohen Gebäuden untergebracht sind, liegt inmitten des einzigen mit Bäumen bepflanzten Grünfleckens der Stadt, der dem Bauboom noch nicht zum Opfer gefallen ist. Für jemanden, der in einem waldreichen Land groß geworden ist, eine unvorstellbare Lebensumwelt, eine nahezu komplett aus Architektur bestehende Landschaft, durch die sich ständig verstopfte Kanäle ziehen, die zu 60% aus Slums besteht, in der außerhalb der Bollywood-Traumwelten und der von wirtschaftlicher Aktivität bestimmten Alltagswelt kaum ein Platz zur Erholung zu finden sein scheint. Und doch schaffen es die Menschen, sich in all dieser Hektik ein Stück Individualität zu bewahren. Nicht zu beneiden, aber bewundernswert in jedem Fall.

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