Maulbeerbaum und Synchronizität

Es kommt bei mir nicht häufig vor, dass sich Synchronizitäten in dieser Deutlichkeit zeigen. Heute war es aber einmal wieder der Fall, als es mich in der Mittagspause wiederum in Richtung des Alten Schlosses zog, das ich am Vortag schon besucht hatte. Diesmal war es anders, denn das Tor zum Schloss stand offen, was ich nur selten antreffe, und so beschloss ich den Innenhof zu betreten, der von alten Bäumen gesäumt wird. Kaum hatte ich mich umgesehen, fiel mir auch schon einer der ältesten und mächtigsten Bäume auf – bei der Gelegenheit erinnerte ich gleichzeitig, dass ich vor Jahren schon rätselte, um welche Art es sich wohl handelte – und ich erkannte sofort die weißen und teilweise schon überreifen Früchte, die ihn als Maulmeerbaum auszeichneten. Nie zuvor hatte ich einen Maulbeerbaum im Original gesehen, aber der Baum und besonders seine ungewöhnlichen Früchte waren mir aus Baumbestimmungsbüchern und auch aus der symbolbezogenen Baumliteratur (Stichwort: Seidenraupen) bekannt. Auch wusste ich, dass er in Deutschland wachsen kann, wenn er auch aus der Mode gekommen ist. Umso erfreuter war ich, diesen wunderbaren Baum, zumal in voller Fruchtreife, hier anzutreffen. Und ich konnte nicht umhin, gleich den Apparat hervorzuholen und die Blätter und Früchte zu fotografieren:

Maulbeeren

Maulbeeren

Ich konnte die reifen Früchte geradezu riechen, ein derart intensives Aroma strömten sie aus. Ein Eindruck, der sich wiederholte, als ich eine der Beeren anfasste und die zuckrig-klebrige Konsistenz erkannte. Während ich dabei war, das Geheimnis dieses seltenen Fundes zu ergründen, fuhren Gemeindearbeiter mit ihrem Arbeitsfahrzeug in den Hof, parkten und unterhielten sich angeregt. Meine Anwesenheit schien sie nicht zu stören und so fuhr ich einfach mit meiner Arbeit fort. Plötzlich aber hörte ich, wie sie Instruktionen von einer Vorgesetzten erhielten, welche sich auf eben diesen Maulbeerbaum bezogen. Und kurz darauf stieg einer der Arbeiter auf eine Hebebühne und begann einen der überhängenden Äste, just den, dessen Früchte und Blätter ich gerade fotografisch festgehalten hatte, abzusägen. Gleichzeitig irritiert und fasziniert betrachtete ich sogleich den abgesägten Ast, entdeckte seine ungewöhnliche Holzstruktur und bat sogleich einen seiner Kollegen, mir den Ast zu überlassen bzw. mir den stärkeren Teil desselben abzusägen. Der schien überrascht, dass ich den Baum identifizieren konnte, hatte aber keine Einwände. Er wies mich aber darauf hin, dass der ganze überhängende Ast entfernt werden würde, wohl eine Sicherheitsmaßnahme, und ich also noch stärkere Abschnitte erhalten könnte. Das fand ich klasse, und so hinterließ ich ihm und seinen Kollegen ein Trinkgeld, mit der Bitte, mir die Abschnitte vors Tor an den Weg zu legen, damit ich sie am späten Nachmittag dort abholen konnte. Leider musste ich wieder zur Arbeit. Gerne hätte ich die weiteren Arbeiten beobachtet. Aber der Deal ging glatt, das Holz habe ich tatsächlich vorgefunden. Eine echte Rarität, die ich einer wirklich beeindruckenden Synchronizität zu verdanken habe, einem passgenauen Zusammentreffen sinnvoller Abläufe. Wohl etwas, das Begeisterung, oder soll ich es Leidenschaft nennen, für die Bäume voraussetzt. Ein Ereignis, das wohl nur mir in speziell dieser Form widerfahren konnte. Und ein Erlebnis, das mich sicher noch länger beschäftigen wird. Allein schon in Form des Holzes, aus dem ich später ein Wunschbaum-Armband und vielleicht auch anderes herstellen werde.

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