Kalte Welt

Es erschreckt mich immer wieder zu beobachten, wie unsensibel heutzutage mit dem Schneiden und Fällen von Bäumen umgegangen wird. Auf der Fahrt zu J. und W. nach G. sah ich entlang der Autobahn über eine lange Strecke ganze ,,Schlachtfelder“, übersät mit frischen Baumstümpfen. Hier soll wohl eine neue Spur entstehen. Zu diesem Zweck hat man einen radikalen Kahlschlag vorgenommen, sieht fürchterlich aus. Vielleicht ist es die schnelle, maschinelle und hochtechnisierte Art, mit der heute solche Rodungen vorgenommen werden, die mich als jemanden erschüttert, der den Bäumen so sehr verbunden ist. Wie lange sind die Bäume gewachsen und wie schnell ist ihr Leben und alles, was sie in diesem Leben dargestellt haben, innerhalb von Minuten einfach ausradiert! Auch in G. selbst waren Spuren dieser Arbeitsweise zu erkennen. Ein Blick aus dem Küchenfenster offenbarte einen zur Hälfte gerodeten Lärmschutzwall, der künftig wohl nicht mehr den meisten Lärm abhalten wird. Alle großen Robinien, die bisher dem Fußgängerweg vor allem im Frühjahr und Sommer einen gewissen Charme verliehen, wurden schlicht weg entfernt, nur noch Stümpfe blieben übrig. Andere eher strauchartige Bäume, die ich jetzt im Winter nicht genau identifizieren konnte, wurden einfach ca. 1m über dem Boden abgeschnitten. So als ob man ein Lineal daran gesetzt hätte. Ich werde den Verdacht nicht los, dass dabei häufig unqualifiziertes Personal zu Gange ist, welches überhaupt keinen Unterschied mehr macht zwischen den verschiedenen Arten. Das geht mehr nach dem Motto: Die Bäume stören hier: also müssen sie weg. Oder: Die benötigen zuviel Pflege: also müssen sie auf ein pflegeleichtes Maß gestutzt werden. Übrig bleibt die kalte Welt. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass es meist nachvollziehbare Gründe für diese Maßnahmen gibt (Im letzteren Fall die Klage der Anwohner über ein Zuviel an rieselnden Blüten und fallenden Fruchtständen der Robinien).

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