Die biografische Dimension des Weihnachtsfestes bewusst machen

Das ewige Krisenthema einmal beiseite zu schieben, ist uns auch an diesem ersten Feiertag ganz gut gelungen. Ich glaube, es ist einfach auch notwendig, eine Unterbrechung des immer gleichen Nachrichtenflusses und seiner Wirkungen auf die Kommunikation, das Gemüt und die Motivation in den verschiedensten Lebensbereichen. Wir knüpfen an unser frühes Verständnis der Weihnacht und ihrer Feier an und erleben die Tage vielleicht erstmals seit langer Zeit wieder ein Stück mehr wie in Kindertagen. Wenn man das Bedürfnis vielleicht nicht mehr hatte, konnte es unter diesen Bedingungen und nach diesem Verlauf des Jahres jetzt wieder neu entstehen, musste vielleicht auch entstehen. Denn Zuversicht und Mut im Hinblick auf eine Rückkehr ins normale Leben kann uns kaum wahrscheinlicher in die Seele treten als aus Anlass der Weihnachtstage, die im Sinnbild der Christusgeburt für uns alle einen Neuanfang im Geistigen bedeuten können. Und die Chance, unsere Aufmerksamkeit auf diese Chance zu fokussieren, ist niemals größer als an den Weihnachtstagen und den zwölf Tagen bis zum Dreikönigsfest. In dieser Zeit zwischen den Jahren können wir den Verlauf des nächsten Jahres symbolisch vorwegnehmen. Es ist mir über Weihnachten ein Bedürfnis, diese Zusammenhänge immer wieder zu durchdenken und im Einklang mit aktuellen Erfahrungen und Denkweisen zu bringen. Deshalb habe ich erneut mit der Lektüre von Rudolf Steiners Vortragsmitschriften zu Themen rund um das Weihnachtsfest begonnen, die ich ganz gerne chronologisch lese. In jedem Jahr wecken andere, bis dahin noch nicht so bewusst aufgenommene Passagen meine besondere Aufmerksamkeit. Das ist anregend und zeigt einmal mehr, wie vielschichtig und wesentlich diese Gedankenlinien Rudolf Steiners waren. Sie erscheinen mir auch heute noch, über hundert Jahre nach ihrer Entstehung, außerordentlich aktuell. Es scheint, dass sich unser Bezug zur Symbolik und Geistigkeit der Feiertage seitdem nicht grundlegend gewandelt hat und der große Anthroposoph seiner Zeit sehr weit voraus war.

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