Totholz-Skulpturen

Und im Nass der Flachwasserzone zeigen sich die skurrilsten Totholz-Skulpturen. Dort wo vor Jahren noch Bäume standen, ragen mittlerweile abgefaulte Stümpfe aus dem Wasser, oftmals mit Moosen bedeckt, oder neu ausschlagend. Wenn sich solche Tot-Gewächse ineinander schachteln entstehen seltsame Gebilde, die besonders in der kälteren Jahreszeit auffallen, da sie eine unwirkliche Landschaft erzeugen.

Totholz

Im späteren Hochwinter wirkt das bei vereister Fläche besonders eindrücklich:

Totholz

Baum-Skulpturen

Anfang Oktober gibt es in Wald und Flur noch mehr zu entdecken als man vermuten würde. Vielleicht liegt es am sagenhaften Wetter mit unverhältnismäßig hohen Temperaturen, die dem Spaziergänger den Blick auf Blüten und Früchte verschärft. Aber immer wieder begegne ich den Bäumen auch in ihrer Gesamtgestalt, immer dann, wenn die Lichtverhältnisse das Individuelle über das Artgemäße hinausheben und es damit betonen. Auch heute bin ich wieder solchen Formen begegnet, an einer Baumgruppe am Rand der Flachwasserzone seitlich der Saar, die das besondere Licht geradezu anzuziehen scheint. Sie wird darin zur Baumskulptur, zur höchst eigenwilligen Form, die die Dynamik der Wachstums und das Zusammenspiel der Individuen eindrucksvoll in Szene setzt:

Baumensemble

Baumensemble

Großer Sägetag

Wir haben praktisch den ganzen Tag über gesägt. War aber auch eine ungeheure Menge, mindestens 4 m3 Holz aus dem Sägewerk. Schwartenware, d. h. das was das Gatter an den Rändern übrig lässt und nicht mehr als Brett oder Bohle brauchbar ist. Für Kleinholz zum Anfeuern ist das ganz gut geeignet, und der Sägewerker gibt das in dicken Bündeln für sehr wenig Geld ab. V. hat sich allerdings in der Menge ganz erheblich verschätzt. So viel Holz klein zu sägen ist eine ermüdende Angelegenheit. Wir haben dazu eine neue Kreissäge mit 3 KW Leistung genutzt und den Strom, da beim Bienenhaus nicht vorhanden, über ein Aggregat erzeugt. Na ja, jedenfalls hat das Wetter einigermaßen mitgespielt und außerdem haben wir jetzt genug Kleinholz für die nächsten Jahre. Auch wenn wir beide heute Abend ziemlich fertig sind. Glücklicherweise ist morgen Sonntag, also Ausruhtag, den wir in diesem Fall mal wörtlich nehmen werden.

Der Wunschbaum und die Wege zum Glück

Ich bin ganz hin und weg: Gleich in der zweiten Folge der neuen Telenovela ,,Julia – Wege zum Glück“ kam ein Wunschbaum vor. Und nicht irgendeiner, nein, genau der, in dessen Höhlung die beiden Hauptdarsteller nacheinander und jeweils ohne Wissen des anderen die jeweils eigene Hälfte einer Muschel hinterlassen haben, die sie zur Erinnerung an ihre erste Begegnung in Afrika mit sich getragen haben. So schließt sich ein Kreis, und an dieser Stelle wünschen sich beide natürlich dasselbe, nämlich ihre große Liebe wieder zu sehen. Vorher wurde der legendäre Hintergrund erläutert, die Geschichte vom alten Baum: Ein Liebespaar trennte sich, weil der Mann in der Fremde sein geschäftliches Glück suchen wollte, vorher aber vergräbt der Mann eine Eichel und weissagt, dass wenn daraus ein Baum wächst, sie wieder zusammen finden werden. Der Baum wächst tatsächlich, die Frau wartet lange Zeit und macht sich schließlich auf, ihren Geliebten in der ganzen Welt zu suchen. Als sie nach Jahren erfolglos nach Hause zurück kehrt, findet sie den Geliebten unter dem inzwischen groß gewachsenen Baum sitzend. Bei der Geschichte ist klar: Bei dem alten Baum hat man nur einen einzigen Wunsch frei, es ist der größte und wichtigste Wunsch des ganzen Lebens. Und diesen größten aller Wünsche artikulieren die beiden am selben Tag im Abstand von nur wenigen Stunden, indem sie das Symbol ihrer Verbundenheit, die Muschelhälfte, im Baum deponieren. Julia spricht bei diesem Ritual zum Baum, dass er nämlich ihren innigsten Wunsch in sich, in seine Blätter aufnehmen möge und über die Luft in der ganzen Welt verbreiten möge. Schöner und dramatischer könnte man ein Liebesdrama im Spiegel der Wunschbaum-Symbolik wohl nicht inszenieren. Also für mich steht jetzt schon fest – das wird wieder eine meiner Lieblingsgeschichten.

Sternenbaum

Songül hat mir heute ein neues Baum-Gedicht geschickt. Es ist fast wie ein Vorbote des Weihnachtsfestes, an das ich tatsächlich in den letzten Tagen öfters gedacht habe. Insofern freue ich mich besonders. Ich möchte das Gedicht an dieser Stelle wiedergeben, da es für die Gedichtseite etwas zu lang ist:

Der Sternenbaum

In einem fremden Dorf, das kaum einer kennt,
weil niemand seinen Namen nennt,
wohnt eine Familie leider sehr arm,
sie haben zwar kaum zu Essen, aber dafür im Winter sehr warm.

Zwei Kinder die noch zur Schule gehen,
können einfach nicht verstehen,
warum es ihnen schlechter als den anderen Familien geht,
an Weihnachten bei ihnen nicht die traditionelle Gans auf dem Tisch steht.
Doch eines hatten sie gelernt; niemals die Hoffnung zu verlieren,
denn Liebe, Glaube und Hoffnung sind es, die diese Familie regieren!

Es war an einem schönen Winterabend gewesen,
die Mutter hatte den Kindern eine schöne Geschichte vorgelesen.
Markus und Nadine dachten noch sehr lange darüber nach,
bis plötzlich ein Gedanke über die beiden hereinbrach!

Da beschlossen sie etwas spazieren zu gehen,
ihnen war, als bliebe ihr Herz stehen.
Auf einmal standen sie vor einem seltsamen Baum,
es ist die Wirklichkeit, viel schöner als jeder Traum!

Sie bewunderten ihn noch eine ganze Weile,
schließlich hatten sie Zeit und waren nicht in Eile.
Irgendwie konnten sie sich von diesem Baum nicht loseisen,
ihnen war, als würden sie auf wundersame Weise verreisen!

Die Kinder blieben stehen
und doch spürten sie ein „Fortgehen“.
Jetzt ist alles anscheinend wieder normal,
aber was dann geschah, befreite die ganze Familie von der Qual:

Plötzlich sprach der Baum zu den Kindern,
schon heute Nacht würde sich ihr Leben komplett verändern!
Denn sie standen wahrhaftig vor dem Sternenbaum,
man sagt er erfüllt den Menschen ihren größten Traum!

Die Sterne, wie sie leuchteten waren den Kindern zum Greifen nah‘,
das Licht in ihnen ist so hell, ein Strahlen was noch niemand zuvor sah!
Der Baum sprach weiterhin zu ihnen,
sie mögen sich doch bitte an ihm bedienen!

Später sprachen die Kinder ihre Wünsche aus,
danach mussten sie leider nach Haus‘.
Auf ihrem Heimweg hatten sie ebenfalls eine Veränderung vorgefunden,
es schneite ja seit Stunden!?
Dabei war doch gar kein Schnee vorauszusehen,
ist da etwa noch ein Wunder geschehen?

Als die Kinder zu Hause ankamen,
erzählten sie ihren Eltern alles, während diese sie in ihre Arme nahmen,
denn nichts ist mehr wie es vorher war,
ihr neues Leben ist einfach wunderbar!

Die Zeit der Armut ist endgültig vorbei,
auch von lästigem Kleinkram ist die Familie frei.
Jetzt können sie in Frieden leben,
brauchen gar nichts aufzugeben!

Wunderbare Bäume

,,Wunder der Welt – Bäume“ – Der Titel war mir zwar etwas suspekt, aber es ist ein großformatiger Bildband und er kostete noch keine 15 Euro. So fiel es mir am Wochenende in T. nicht schwer, den Wühltisch-Band mitzunehmen. Meine Einschätzung der Qualität war nur bedingt zutreffend. Tatsächlich ist das Buch ziemlich inhaltsleer und lebt vor allen Dingen von den großflächigen Abbildungen. Aber ganz uninteressant ist der erläuternde Text auch nicht, nur eben sehr verkürzt, wobei alle behandelten Themen nur knapp angerissen werden. Auch die fotografische Qualität der Bilder ist nicht in allen Fällen überragend. Man merkt, dass es ein Band ist, der für eine hohe Druckauflage produziert wurde und auf den Schnäppchen-Trieb der Buchkäufer und Naturfreunde abzielt. Dennoch, das Durchblättern macht Spaß, vor allem im Kapitel zu den Bäumen der Tropen, da ich hier einige mir bisher noch nicht bekannte Arten gefunden habe, die den Horizont in Richtung tropischer Vielfalt ein Stück weit ausdehnen.

Sichtschutz-Bäume

Mein Vorschlag, ihre Gartenlücke mit Pfaffenhütchensträuchern zu füllen, ist bei J. nicht sehr positiv aufgenommen worden. Die Tendenz geht wohl doch eher zu einem Obstbäumchen. Oder zum Zier-Schneeball, der zurzeit noch bei uns hinterm Haus steht, und der im Frühjahr nach G. transportiert werden soll. Der könnte die entfernten Zypressen durchaus auch ersetzen, vor allem wenn man die neuen Triebe nicht gleich kappt, sondern sich entwickeln lässt, damit der Strauch etwas höher und als Sichtschutz tauglich wird. Wie auch immer, in diesem Winter passiert sowieso nichts mehr. Und der Nachbar war dem Vorhaben insofern schon zuvorgekommen, dass er selber zwei schlanke Bäumchen auf seiner Gartenseite neu gepflanzt hat. So wird in einigen Jahren möglicherweise diese Stelle zur undurchsichtigsten des Gartens überhaupt werden. Und das scheint von beiden Seiten in dieser etwas unterkühlten Nachbarschaft für gut befunden zu werden.

Baum-Riesen

Jetzt am Abend wird am Horizont das ,,Engel-backen-Kuchen-Leuchten“ sichtbar. Ich meine damit dieses rot-orange Durchleuchten der Sonne, wenn sie auf- oder wie in diesem Fall untergeht. Dabei war der ganze Tag bedeckt, mit den entsprechenden Auswirkungen auf meine Befindlichkeit. Ich glaube tatsächlich, dass es das Licht ist, was den Körper am deutlichsten beeinflusst. Weniger die Temperatur, die Sonnenstrahlen sind es, zu denen man als Mensch Kontakt haben muss, ohne depressiv oder sonst wie krank zu werden. Ich schätze, bei mir ist das besonders stark ausgeprägt. Ich weiß nicht, wie das Menschen am Polarkreis oder in Sibirien aushalten, wo sie immer nur Schnee sehen, die Tage teilweise sehr kurz und die Dunkelheit dafür umso länger ist. Und wo zudem auch andere Licht liebende Lebewesen wie die Bäume eher selten sind. Wenn ich Reisemagazine im Fernsehen verfolge, sortiere ich die potentiellen Reiseziele spontan danach, ob es dort Bäume gibt oder nicht. Ein Land, das kaum Bäume kennt, wäre für mich einfach nicht bereisbar, dort würde ich es nicht allzu lange aushalten. Jedenfalls wäre für mich eine Erholung dort nicht möglich.

Neue Wunschbaum-Karten

Auffallend sind zurzeit tatsächlich nur die immergrünen Pflanzen, die sich um diese Jahreszeit dadurch auszeichnen, dass sie blühen oder Frucht tragen. Eine Hochzeit hat der Efeu, der in manchen Hecken von lauter geöffneten Blüten geradezu überquillt. Die Stechpalmen fallen durch ihre inzwischen knallroten Früchte auf. Und die Gemeine Waldrebe hat ihre medusenartigen Früchte allerorten ausgebreitet. Nicht zu vergessen die Hagebutten, die zwar nicht immergrün, so aber in meiner Sicht zu den Winterpflanzen gehören. Denn niemals sind sie dominanter und das Erscheinungsbild der Landschaft bestimmender als im Herbst und frühen Winter, eben solange noch die Früchte hängen und ihr wachsartiges Rot abstrahlen. Den etwas trüben Nachmittag habe ich genutzt, um endlich einmal neue Wunschbaum-Visitenkarten zu entwerfen.

Wunschbaum-Visitenkarte

Mit dem Ergebnis bin ich recht zufrieden, da es mit gelungen ist, sowohl den interaktiven Aspekt als auch den thematischen Schwerpunkt präsentativ begreifbar zu machen. Problematisch allerdings immer wieder das Einkalkulieren des Druckrandes, und so hoffe ich, dass die fertigen Karten später dem gedachten Erscheinungsbild entsprechen.

Unverrückte Individuen

Der erste Tag des Oktober ist außerordentlich unwirtlich. Obwohl es nicht übermäßig kalt ist, meint man zu frieren, wegen des ständigen Regens und weil kein Sonnenstrahl ungefiltert zur Erde dringt. Noch ein paar Grad weniger, und hätte gesagt: typischer Novembertag. Mein Organismus braucht jetzt wieder eine Weile, bis er sich an diese neue Atmosphäre gewöhnt hat. Bis dahin sind die Spannungen unvermeidbar. Nicht selten denke ich in solchen Phasen der Veränderung an die Bäume und überlege, wie sie sich wohl als Baumwesen fühlen, ob sie die Veränderungen ähnlich wahrnehmen und ob sie in einer uns Menschen vergleichbaren Form körperlichem Stress ausgesetzt sind. Auch kommen mir solche Überlegungen, wenn ich früh morgens das Fenster öffne und in den nebelverhangenen kühl dampfenden Horizont blicke. Ein Baum steht immer draußen, in Wäldern etwas geschützter und wärmer als auf freiem Feld, doch unverrückbar an seinen jeweiligen Standort gebunden. Es ist schon etwas Großartiges zu sehen, wie ein Baum-Individuum unter diesen doch extrem eingeschränkten Lebensbedingungen seine ganz eigene Persönlichkeit ausbildet. Und das, wie Hermann Hesse das in seinem berühmten Text über die Bäume dargelegt hat, zudem noch als ihre ureigene selbstverständliche Aufgabe sehen.

Bäume und Erdgeschichte

Wir haben eine relativ romantische Einstellung gegenüber den Bäumen und Wäldern unserer Lebenswelt. Wenn wir den Bäumen begegnen, und sei es auch nur gedanklich, knüpfen wir viele Emotionen an diese oft so beeindruckenden Mit-Lebewesen. Im erdgeschichtlichen Rahmen betrachtet erscheinen Bäume und Wälder aber in einem noch ganz anderen Licht. Dass es vor Millionen Jahren bereits Bäume gab, die den heutigen sehr ähnlich waren, zumindest den gleichen Typen zuzuordnen waren, ist ein Grund mehr, sie mit Respekt zu behandeln. Waren sie doch schon sehr lange vor uns Menschen auf der Welt-Bühne präsent. Und haben sie doch das Entstehen des Mensch-Seins und die Kulturentwicklung des Menschen stark beeinflusst, im grundlegend biologischen Sinne zusammen mit anderen Grünpflanzen sogar erst ermöglicht. Was mich in diesem Zusammenhang absolut fasziniert und was unsere doch künstliche und kurzsichtige Einstellung den Bäumen gegenüber entlarvt, ist die wissenschaftlich fundierte Tatsache, dass die Typen vieler der Bäume, denen wir im Wald oder in Parks begegnen, im Zeitalter des Tertiär (vor 65 Millionen bis 1,8 Millionen Jahre) bereits entstanden sind, und dass diese in der Schlussphase des Tertiärs bereits den heutigen glichen. So haben etwa Magnolienbäume oder Tulpenbäume, welche wir in Deutschland heute eher als exotische Ziergehölze auffassen und deshalb fast nur in Gärten oder Parkanlagen antreffen, bereits vor mehreren Millionen Jahren im Gebiet des heutigen Mitteleuropa zur heimischen Vegetation gehört, lange bevor sie von einem Menschen überhaupt erblickt werden konnten. Wie jämmerlich muss man sich als Mensch vor diesem Hintergrund vorkommen, wenn man einem Lebewesen begegnet, dessen kollektives Art-Gedächtnis das des Menschen um riesige Zeitspannen überdauert.

Und wieder lockt das Pfaffenhütchen

Das Pfaffenhütchen hat mich auch beim heutigen Spaziergang an der Saar wieder beschäftigt. Jetzt ist bei den meisten Sträuchern schon ein Teil der Früchte aufgesprungen, so dass der orangefarbene Samenmantel hervorscheint, ja geradezu aufleuchtet. Ist eine interessante, fast künstlich wirkender Farbkombination zwischen knatsch-rosa und grell-orange, die dem Betrachter da offenbart wird. Ich bin immer wieder ganz fasziniert davon, vor allem aber von der unheimlich an eine Arpsche Plastik erinnernde Form der Fruchtkapseln. Deshalb konnte ich mir den neuerlichen Versuch einer Makroaufnahme nicht verkneifen:

Pfaffenhütchen

Vom Sinn des Wunschbaums

So viele Wünsche, die fast täglich bei mir eingehen! Manchmal komme ich nicht mehr nach mit Illustrieren. Aber ich merke, dass der Wunschbaum einen Nerv trifft, dass das Wünschen wichtiger Bestandteil im Leben vieler Menschen ist. Und dass es gut ist, wenn Räume zur Verfügung stehen, die den Wünschen Platz bieten. Damit sie sich entfalten und entwickeln können. Die Erfüllung scheint mir manchmal gar nicht das Wesentliche zu sein. Vielmehr die Artikulation und all das, was sie in dem Wünschenden selber und seinem Umfeld in Bewegung setzt.

Holz-Gerüche

Ulmen sind seltsame Bäume. Nicht nur weil sie inzwischen auf Grund der weit verbreiteten Ulmenkrankheit so selten geworden sind. Auch die asymmetrische Blattform ist sehr ungewöhnlich, und die Zeit der Blüte, zum Ende des Winters, so dass man fast nichts von ihr wahrnimmt. Und natürlich die knotzelige Form alter Ulmenstämme, die fast an die der Ölbaum-Veteranen erinnert. Das Seltsamste aber ist der Geruch des Holzes. Damit meine ich etwas, was der Normalmensch niemals erfahren wird, nämlich der Geruch des feinen Holzstaubs, der entsteht, wenn man das Ulmenholz (auch Rüster genannt) mit einer schnell drehenden Säge schneidet. So wie ich das bei der Arbeit an den Armbändern tue. Von dieser Arbeit her kenne ich den Geruch vieler Hölzer. Und viele dieser Gerüche sind ganz eigenartig, so, dass sie mit nichts anderem vergleichbar wären. Das gilt insbesondere auch für den Ulmengeruch, den die meisten wahrscheinlich zudem als unangenehm einordnen würden. Auch so etwas kann das Erfahrungsspektrum erweitern. Wenn ich einen Baum sehe, denke ich inzwischen an vieles, nicht nur seine äußeren Merkmale, auch und vor allem natürlich seine Symbolik und solche gewöhnlich unsichtbaren Eigenschaften wie der Geruch seines pulverisierten Holzes, die den Baum in seinem ganzen oft fremdartigen Persönlichkeitsspektrum darstellen.

Herbst-Entdeckungen

Man glaubt nicht, wie viel sich auch um diese Jahreszeit noch tut. Seitdem ich auch die strauchartigen Bäume und Sträucher für mich entdeckt habe, kann ich zunehmend mehr identifizieren. Gänzlich entgangen ist mir bisher z. B. die Kornelkirsche, die ich jetzt nichtsdestoweniger überall erkenne. Zurzeit natürlich leicht zu bestimmen wegen der Früchte, die in unterschiedlichen Reifegraden, aber schon ziemlich weit fortgeschritten, an den älteren Exemplaren zu sehen sind. Es sind eher trommelförmige Früchte, nicht mit der Süßkirsche zu vergleichen. Laut Baum-Buch ist diese Frucht nur in vollreifem Zustand essbar, kann aber auch zu Säften, Gelee oder Marmelade verarbeitet werden. Ich glaube, dieser Strauch wäre auch eine gute Lösung für Js und Ws Gartenlücke. Auch sonst ist es recht spannend. Auf der Suche nach den Früchten des Japanischen Schnurbaums am Bürgerplatz, konnte ich mit Mühe die noch ganz winzigen Ansätze der schnur- oder schotenartigen Früchte erkennen. Kaum zu glauben, dass diese winzigen Auswüchse in ein paar Wochen zentimeterlang sein werden und dem Baum sein charakteristisches herbstliches Aussehen verleihen. Die stabartigen Fruchtschoten des Trompetenbaum sind schon viel weiter, man sieht sie schon in voller Länge, aber eben noch grün. Zum Winter hin werden sie sich bräunlich-schwarz verfärbt haben, bis sie aufplatzen und nur noch als Hülle am Baum verbleiben, die sich dann aber oft bis zur nächsten Fruchtreife dort hält. Verschiedene Sträucher an der Saar sind mir immer noch unbekannt bzw. kann ich sie nicht voneinander unterscheiden. Ich bin aber sicher, dass ich das mit der Zeit hinzulerne.

Mythos Baum

Bin endlich dazu gekommen, das Buch von Doris Laudert ,,Mythos Baum“ zu Ende zu lesen. Von allen, die sich auf die Geschichte, Mythologie und Symbolik einzelner Arten beziehen, gehört dieses sicherlich zu den besten:
http://www.wunschbaum.de/baumliteratur_baumbetrachtungen

Ich denke nicht, dass man, ohne sich gänzlich dieser Aufgabe zu widmen, noch intensiver und hintergründiger auf einen Überblick von ganzen 40 verschiedenen Baumarten einlassen kann. Ist schon eine beachtliche Fleißleistung, besonders wenn man bedenkt, dass die Autorin aus den ältesten Originalquellen schöpft und nicht, wie die meisten, sich vornehmlich aus Sekundärliteratur bedient. So haben sich für mich, obwohl ich schon so vieles über die Bäume gelesen und erfahren habe, aus dem Buch ganz viele neue Einblicke ergeben. Einiges ist mir jetzt, mit Blick auf die teilweise weit zurück reichende Historie der symbolischen Rezeption der Arten, viel deutlicher geworden. Ein Band, der auch wegen der professionellen Gestaltung, der übersichtlichen Gliederung und der verständlichen Schreibweise sehr zu empfehlen ist.

Immergrüne Symbolbäume

Der Herbst hat gerade erst begonnen, und schon bereiten wir den Garten für den Winter vor. Heute Nachmittag haben wir die Pfefferminze und die anderen verblühten Stauden kurz über dem Boden abgeschnitten. Die kommen garantiert wieder im neuen Jahr. Einige Blumenkübel wurden gesäubert und verfrachtet. Und verschiedene immergrüne Sträucher spielten mal wieder die Hauptrolle. Nicht der Efeu, der uns in den vergangenen Wochen sehr beschäftigt hat. Nein, die kleinen Stechpalmenpflänzchen, die sich unter den Weinstöcken selber gezogen haben, sollten einen neuen sonnigeren Platz finden. In der Hoffnung, dass sie ab nächstem Jahr kräftig wachsen. Dafür musste aber zuerst ein verzweigter Strauch, von dem keiner so genau wusste, welcher Art er angehört, erst entfernt werden. Er hatte es nicht geschafft, das Wohlwollen der Familie zu gewinnen. Das war allerdings eine anstrengende Angelegenheit, da die Wurzeln schon sehr stark ausgebildet und verzweigt waren. Nun, an die Stelle des alten Strauchs haben wir dann die beiden Stechpalmen gesetzt, fest angedrückt und gewässert. Sie werden später eine Ecke des Rasenplatzes ausfüllen und damit im Gartenkarree genau diagonal dem kleinen Buchsstrauch gegenüber stehen. Eine weitere Ecke ist übrigens mit unserer einzigen Eibe bewachsen, die es schwer hat, sich innerhalb der Zypressenhecke zu behaupten. Ja, und die vierte, der Eibe wiederum diagonal gegenüber liegende Ecke ist sowieso vom Efeu ausgefüllt. Das finde ich Klasse, so sind durch die spontane Aktion heute alle vier Gartenecken durch immergrüne Symbolbäume markiert: Efeu, Buchsbaum, Eibe und Stechpalme. Die naturnaheren Arten, wie z. B. die gemeine Waldrebe, überlassen wir dann gerne dem Wald.

Herbstlicher Kranz

Herbst-Kranz

Nachdem der erste verdorrt war, hat M. pünktlich zum Herbstanfang mal wieder einen klasse Herbstkranz gesteckt. Ich war daran nicht ganz unbeteiligt, habe ich ihr doch einige Zweige besorgt. Verarbeitet sind darin Hagebuttenzweige mit Früchten, einige Hartriegel-Zweige, Gemeiner Schneeball-Früchte, Weißdorn-Früchte, Fruchtstände der Wilden Möhre, und als i-Tüpfelchen die bei Wärme immer wolliger werdenden Früchte der Gemeinen Waldrebe. In einem zweiten Steck-Kranz hat sie auch noch ein paar Pfaffenhütchen mit untergebracht.

Das Pfaffenhütchen

Das ist schon spannend, wenn man zwei Informationen, die einem bisher getrennt bewusst waren, plötzlich in einen Zusammenhang bringen kann. Die Bezeichnung ,,Pfaffenhütchen“ hatte ich zuvor schon verschiedentlich gehört, allerdings habe ich mir nie Gedanken darüber gemacht, welche Pflanze damit gemeint sein könnte. Und dieser Strauch mit den plastisch ausgeformten rosa Früchten, der abschnittsweise am Saardamm wächst, ist mir in den letzten beiden Jahren verstärkt aufgefallen. Nun bin ich in einem meiner Baum-Bestimmungsbücher über die Abbildung gestolpert und weiß jetzt den Strauch mit der bildhaften Bezeichnung zu verbinden. Die Form der geschlossenen Früchte erinnert an das Barett eines Geistlichen. Interessant ist noch etwas anderes, was man, ohne es nachgelesen zu haben, wahrscheinlich nicht realisieren würde. Mir schienen jedenfalls zuvor die Früchte immer nur in geschlossener Form vorzuliegen. Tatsächlich aber brechen sie im reiferen Zustand auf und bringen Samen zum Vorschein, die im Falle des Gemeinen und auch des Breitblättrigen Pfaffenhütchens vollständig von einem orangeroten Samenmantel umgeben sind. Bei meinem heutigen Streifzug habe ich nur zwei Sträucher entdeckt, die schon so weit waren. Hier ist eine Makroaufnahme zur Illustration:

Pfaffenhütchen

Herbst-Erinnerung

Der Herbstanfang steht kurz bevor. Und schon berichten die Lifestyle-Sendungen im Fernsehen über den Wechsel der Jahreszeit. Bald werden auch die Zeitungen es auf den Titelseiten mit vermutlich großformatigen Fotografien dokumentieren. Ich finde das bemerkenswert, weil es als zyklischer Naturprozess sich völlig von den so beliebten und oft aufgeregten Problemen und Ereignissen der Wirtschaft, Politik, des Kulturlebens oder des Klatsches unterscheidet, über die vornehmlich und ausufernd informiert wird. Das zeigt sehr schön, wie tief verankert das Bedürfnis der Menschen ist, ihre Natur bewusst zu erleben und insbesondere den Wechsel der Jahreszeiten mit ihren je eigenen Besonderheiten zu genießen. In der Lifestyle- und Sensationssendung ,,Hallo Deutschland“ war der Herbstanfang heute ein Thema. Vier Menschen wurden dazu auf der Straße interviewt. Und bezeichnenderweise haben 2 davon das Herbstlaub als das für diese Jahreszeit Charakteristischste bezeichnet. Eine davon mochte das Leuchten des verfärbten Laubs besonders, die andere das Rascheln der abgefallenen Blätter, wenn man beim Spazierengehen hindurchgeht. Auch für mich gehören der Herbst und ebendiese Eindrücke zu den frühesten Kindheitserinnerungen überhaupt. Die sonntäglichen Herbst-Spaziergänge mit meinen Eltern und meiner Schwester haben mich so stark beeindruckt, dass ich sie sicher nie vergessen werde.

Erlen-Kuriositäten

Erlenblüte und -fruchtstand

Die Erlen, die zweifellos zu meinen Lieblingsbäumen gehören, sind schon eigenartige Gewächse. Am meisten verwundert mich an ihnen dieser verwischte Rhythmus von Blühen und Frucht tragen. Schon seit ca. 2 Monaten sind die längeren männlichen und kürzeren weiblichen Blütenstände für das kommende Jahr zu sehen. Jetzt haben sie schon ihre endgültige Größe, sind aber noch fast gänzlich grün. Gleichzeitig hängen an den Ästen noch die letzten Gerippe der verholzten letztjährigen Früchte – und die neuen Fruchtzapfen. Erstaunlich ist, und ich glaube das passt nicht ganz mit dem üblichen Zyklus überein, dass die neuen Zapfen zwar schon ziemlich hart, aber immer noch grün erscheinen. Eigentlich müsste die Verholzung schon viel weiter fortgeschritten sein. Aber solche Abweichungen gehören eben auch zum Wesen dieses faszinierenden Baumes, der sich in kein Schema pressen lässt.

Hecken-Kunstwerke

Wohnung und Garten – wieder so eine Zeitschrift, die ich heute im Wartezimmer vorgefunden habe. Im Leitartikel ging es um kunstvoll angelegte und sorgfältig gepflegte Hecken-Gärten. Leute, die übermannshohe Hecken aus Buchsbaum, Hainbuche, Stechpalme und Eibe in ihrem Garten angelegt haben. Wie mit dem Lineal gezogene quasi-architektonische Wunderwerke aus lebenden Bäumen und Sträuchern, die den formenden Schnitt zulassen, ja sich geradezu wohl damit zu fühlen scheinen. Ich frage mich bei aller Faszination dann immer, was das wohl für Menschen sind, die sich so intensiv ihrem Garten-Kunstwerk widmen können. Wie die wohl leben, und wie sie es fertig bringen, so viel Zeit zu erübrigen. Gerade weil ich weiß, wie vollständig man in Aktivitäten dieser Art aufgehen kann, und dass am Ende kein Raum mehr für anderes ist. In dem Fall finde ich so was toll, diese Mischung aus Kreativität, die auch darin sich entfalten kann, mit Hecken Gartenräume oder Themenbereiche zu trennen oder aufeinander zu beziehen, und Fleiß, der unerlässlich ist, sollen die gewollten Geraden und rechten Winkel bzw.l die exakten Spiralen und Bögen ebendiese geometrische Form ständig behalten. Wenn wir ein riesiges Gelände am Haus hätten, ich würde so ein Projekt vielleicht selber einmal angehen wollen.

Stauseeklima und mehr

Die Atmosphäre heute hat mich sehr an das September-Klima in Südtirol erinnert, das ich vor ca. 4 Jahren auch um diese Jahreszeit erleben konnte. Nur der Wind war etwas heftiger. Besonders am Stausee in L., den wir am Nachmittag besucht haben. Die meisten sind wohl weniger wegen des Trödelmarktes gekommen, sondern um die letzten sommerlichen und ersten herbstlichen Sonnenstrahlen zu genießen. Die Kinder spielten und tobten ausgelassen, und manche Erwachsene nutzten die Ruhe abgelegener Winkel.

Am Losheimer Stausee

Ich habe die seltene Gelegenheit genutzt und die eingewachsenen Grasbüschel im Schotterbett meiner Holzskulptur beseitigt – und mich einmal wieder darüber gefreut, dass die Skulptur noch heute, 8 Jahre nach ihrer Fertigstellung, genau in dem Zustand ist und die Ausstrahlung hat, die ich mir für sie gewünscht habe. Wie M. meinte, auch im Vergleich zu der auffälligeren Arbeit von A. K., diese Skulptur ist eben wie ich. Ein schöneres Kompliment und eine klarere Wertung künstlerischer Überzeugungskraft kann ich mir nicht vorstellen. Deshalb bin ich auch heute noch froh, das Projekt initiiert zu haben. Dass es als Gesamtwerk nicht vollständig realisiert werden konnte, ist sehr schade. Immerhin habe ich aus dieser Erfahrung etwas gelernt. Wenn ich mich künftig entschließen sollte, etwas Ähnliches aufzuziehen, werde ich es geschickter angehen. Trotzdem, die Freude über die Realisierung und die zeitlose Qualität meiner eigenen Arbeit überwiegt. Ich wünsche der Arbeit noch sehr viele gute Jahre, möge sie als mein authentisches Produkt auch mein Leben begleiten.

Landschaftserlebnisse

War ein weitgehend schöner, aber recht kühler Tag heute. Wir haben bei unserem Fichtenwäldchen nach dem Holunder gesehen. In der Hoffnung, dass die Früchte noch hängen. Aber es war zu spät, die Vögel hatten alle Beeren schon geholt. Schade, denn ich hätte gerne mal selber frischen Holundersaft gepresst, der recht interessant, aber gewöhnungsbedürftig schmeckt, wie ich vor vier Jahren in Südtirol feststellen konnte. Na ja, dann haben wir eben ein neues Projekt für kommendes Jahr. Im vorderen Abschnitt des Wäldchens, in dem wir eine ganze Reihe von kranken Fichten bereits gefällt hatten, hat sich innerhalb kürzester Zeit der Hartriegel breit gemacht. V. würde die jungen Sträucher gerne ummähen, aber ich habe ihn davon abgehalten, weil ich diesen Strauch sehr mag und ich es außerdem gut finde, wenn er den gerodeten und mit Nadeln überdeckten Fichtenwald ein Stück weit ersetzt. Der Birnbaum, welcher leider nicht mehr auf unserem Grundstück steht, sondern einige Meter daneben, gibt immer wieder interessante Blicke in die Landschaft frei. So sehe ich die Landschaft gerne durch die Brille der Baum-Form. Hier sind zwei Perspektiven dieser Birnbaum-Landschaft:

Baumgabelblick

Baum-Himmel

Baum-Verschalung

Der halbe Stadtpark ist derzeit in eine Baustelle verwandelt. Das hat mit dem Bau einer Kanalröhre zu tun, die wohl dem Auffangen überschüssigen Wasseraufkommens bei starken Niederschlägen dienen soll. Erfahrungsgemäß dauern solche Bauarbeiten mehrere Monate. Sehr schade, so wird mir die Hälfte des schönen mit zahlreichen seltenen Bäumen bepflanzten Stadtparks in nächster Zeit vorenthalten bleiben. Immerhin zeigt die Stadt bemerkenswerte Um- und Vorsicht, wenn es um den Schutz der Bäume vor Beschädigungen durch Baufahrzeuge geht. Alle potentiell gefährdeten Exemplare wurden deshalb sorgfältig mit einer Holzverschalung umgeben. Aber nicht wie sonst üblich direkt an den Stamm gebunden, sondern mit Abstand, so dass die Bäume weiter problemlos atmen und die einzelnen Bretter auch nicht verrutschen können. Dabei sind Gebilde entstanden, die beinahe mit künstlerischer Intention ausgestattet zu sein scheinen. Solche Baum-Mensch-Konstrukte haben auf mich immer eine anrührende Wirkung.

Baumverschalung

Baumverschalung

Herbst-Winter-Vegetation

Wenn ich jetzt zum Fenster hinaus schaue, ist alles ziemlich kahl. Vor wenigen Tagen noch haben wir die wohl letzten Phasen des Altweibersommers genossen, mit dem typischen Licht, das durch das Weinlaub noch intensiviert und ins Grünlich-Gelbe transformiert wurde. Jetzt sind die Rebstöcke und ihre Ausläufer weitgehend nackt. Nur noch vereinzelt hängen Blätter daran. Auch die werden, nachdem sie gewelkt sind, nach einigen Regenschauern abfallen. Und dann beginnt eigentlich schon die winterliche Vegetationsperiode. Efeu, Gemeine Waldrebe, Stechpalme, Mispel; Mistel und Gemeiner Schneeball werden uns noch lange erfreuen, vor allem mit ihren teils sehr auffälligen Früchten, die teils bis in den tiefsten Winter an den Bäumen und Sträuchern zu sehen sein werden. Auch diese Jahreszeit hat ihre besonderen Reize. Vorher will ich mich aber am Herbstlaub bzw. der wechselhaften Färbung des Laubs freuen. Ich wünsche mir sehr, dass es in diesem Jahr wieder leuchtend sein wird und lange hält. In 2004 war der Baum-Herbst zu kurz, zu schnell war das Laub abgebaut und schon abgefallen, ohne dass wir das Herbst-Licht wirklich genießen konnten.

Weinlese II

Das ging recht rasch in diesem Jahr. Die Trauben sind schon eingemaischt, und die Hälfte ist auch schon zurück geschnitten. Wenn das Wetter es zulässt, müssen wir morgen nur noch die Netze entfernen und den Rest schneiden. In ein paar Tagen geht’s dann ans Keltern. Ich habe bei der Gelegenheit auch gleich den Efeu mit geschnitten, bestimmt zum 6. Mal für dieses Jahr. Der ist eben ganzjährig sehr aktiv. Außerdem setzt er viele schöne Blütenstände an. Darüber freut sich M. besonders, denn das bedeutet im Winter ansehnliche Fruchtstände, die sich vortrefflich in Adventskränze und sonstige Weihnachtsdekorationen einbinden lassen. Und so bin ich tatsächlich in Gedanken schon beim Winter, obwohl der Herbst laut Kalender noch gar nicht begonnen hat.

Weinlese

Schade, dass das Holz des Weinstocks nicht dicht genug ist, um es kunsthandwerklich zu bearbeiten. Denn zum Weinstock habe ich seit meiner Kindheit eine besondere Beziehung. Hat mein Vater doch schon vor ca. 35 Jahren aus Frankreich einige Stecklinge einer sich weit verzweigenden Rebsorte mitgebracht und hinter dem Haus kultiviert. In Erinnerung ist mir seit frühester Kindheit die jährliche Lese im September/Oktober, bei der die ganze Familie mitgeholfen hat. Das war und ist immer noch ein besonderes Ereignis, auch wenn wir jetzt nur noch zu zweit sind: vom Lesen der Rotweintrauben über das Zurückschneiden, was wir eher unprofessionell gleich hinterher erledigen (während das professionelle Weinbauern wegen der Saftruhe auf den Winter verschieben), bis zum Mixen, Einmaischen, Keltern und Lagern. Dieses Jahr sind wir eher früh dran. Das liegt daran, dass manche Trauben schon Fäulnis zeigen und andere auf Grund der starken Niederschläge schon aufplatzen. Besser wäre wohl gewesen, noch 1-2 Wochen abzuwarten, aber das ist nicht zu ändern. Der erste Abschnitt ist heute schon gelesen, morgen geht’s weiter. Und wer weiß, vielleicht können wir am Wochenende schon den Saft in Fässer füllen. Ich freu mich darauf, auch wenn ich selber kein Rotweintrinker bin.

Fundgrube

Das Buch von Doris Laudert ,,Mythos Baum“ ist einfach unerschöpflich. Geradezu unglaublich, wie viele Detail-Informationen diese Autorin zu den vielen beschriebenen Baumarten zusammen getragen hat. Eine riesige Fleißarbeit, die immer fundiert erscheint. Auch wenn der einzelne Aspekt nur kurz angerissen ist, hat man den Eindruck, dass sie weiß, wovon sie redet. Bei einem derart weiten Feld von Wissensinhalten mit Bezug zu den Bäumen ist das keine Selbstverständlichkeit, vielmehr eine Leistung, die Respekt verdient. Gleichzeitig, denke ich, kann man sich von Nachahmungsversuchen getrost fern halten. Sicherlich könnte es auf dieser Ebene, nämlich an ein breites Publikum gerichtet, nicht gelingen, noch mehr in so anschaulicher und angenehm zu lesender Art zu sagen. Zudem sind alle Quellen ausgewiesen und das Buch ist sehr gut illustriert. Am spannendsten finde ich, dass man immer wieder bis dahin für einen selber ganz neue Informationen aufnimmt, die den Alltag und das Erleben der Bäume erheblich bereichern. So habe ich heute etwa gelesen, dass der in Südamerika so beliebte Mate-Tee von den Blättern einer besonderen Stechpalmenart stammt. Wer hätte das gedacht? Und diese Frage kann man bei vielen Detailinformationen stellen – und ist immer wieder verblüfft, wie weit die Bäume auch heute noch in unser Leben hinein reichen.

Stachelige Robinien

Das ist mir bisher noch nie aufgefallen, aber als W. mich bat, ihm beim Stutzen der jungen Robiniensprosse am Autobahndamm zu helfen, habe ich es gemerkt. Dass die jungen Robinienbäumchen nämlich Dornen tragen, die fast wie die von Rosenstöcken aussehen. Vielleicht erfahre ich ja mal, welche Funktion die haben, zumal sie bei älteren Exemplaren nicht mehr vorkommen. J. wollte die Robinien, die bis vor einigen Monaten reihenweise und erwachsen dort standen, nicht mehr haben, weil sie viel Laub produzieren, das sie dann später wegkehren muss. An dieser Stelle weht der Wind nämlich alles in Richtung Hauseingang, und da verstehe ich ihre Einstellung natürlich, das ist nicht sehr angenehm. Früher war es allerdings auch schöner und schattiger. Wer da zu Werke ging, hatte jedenfalls nicht die meiste Ahnung. Bis das Schlachtfeld sich wieder begrünt hat, werden sicher noch Jahre vergehen.

Ersatzbaum-Suche

Irgendwie traurig: Die Zypresse, welche wir vor einem Dreiviertel-Jahr so mühsam im Garten von J. und W. ausgebuddelt und einige Meter weiter in einen anderen Teil des Gartens verpflanzt hatten, hat es doch nicht geschafft. Vor einigen Monaten schon hat es sich angekündigt, da die Nadeln langsam braun wurden. Zuletzt war es nur noch ein dürres Gestell. Das aber erstaunlich fest verankert war, wie wir heute feststellen mussten, und außerdem auch kerzengerade eingewachsen war. Offensichtlich aber haben sich die Feinwurzeln nicht mehr ausreichend ausbilden können. So mussten wir ihn letztendlich wieder ausheben und zu Brennholz zersägen. Die große Frage, was an seine Stelle treten soll, ist immer noch nicht beantwortet. Die Varianten gehen von Benjamin-Zwetschgenbäumchen oder Weinreben zu Feuerdorn oder Efeu. Für alles gibt es Einwände, die noch nicht ausreichend gegeneinander abgewogen werden konnten. Fest steht: Es soll nicht nur harmonisch mit dem Rest des Garten zusammen gehen, sondern außerdem auch einen guten Sichtschutz zum Nachbarn abgeben. Ich hoffe, wir finden noch die ideale Lösung.