Baumschatten und gefährlicher Walnussbaum

Es ist die Zeit, während derer die Bäume vor allem als Schattenspender heiß begehrt sind. In der kleinen verlassenen Parkanlage in D. lag über Mittag jetzt tagelang ein junger Mann mit blankem Oberkörper auf einem der Rasenstücke – in der prallen Sonne. Sehr mutig und ein gutes Stück unvernünftig, dachte ich, wer sich derart ungeschützt der zerstörerischen Kraft der Sonnenstrahlen aussetzt. Heute war ihm das aber dann doch endgültig zu heftig, und so breitete er seine Decke unter dem Schatten spendenden Walnussbaum aus. Eine vernünftige Wahl, dachte ich als erstes, und dann: er weiß nichts von der Symbolik der Bäume, dem gefährlichen Ruf der Walnussbäume, deren fungizide Ausdünstung unzweifelhaft ist (kein Unkraut und auch sonst keine Pflanze hat unter seinen Zweigen eine Chance), und denen man in früheren Zeiten gar nachsagte, dass derjenige, der sich schlafend unter ihnen niederlässt, nicht mehr aufwachen werde. Es wäre wohl unangemessen gewesen, ihn auf solche Bedeutungen aufmerksam zu machen. Er hätte es nicht verstanden, und ich hätte ihn wohlmöglich nur erschreckt. Umso erleichterter war ich, dass im nächsten Parkstreifen, sich zwei junge Männer unter einem Spitzahorn niederließen, einem symbolisch völlig ungefährlichen und unspektakulären Baum, dem man, wenn überhaupt etwas, eine gewisse Affinität zum Unbeschwerten und Spielerischen nachsagen könnte.

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