Sie tut gut, diese anhaltende Sonne, heute so gleichmäßig und durchgängig wie bisher noch nicht in diesem Jahr. Dann kann man unangenehme Termine, wie den von M. in S., gleich viel besser verarbeiten und relativ schnell zur Tagesordnung übergehen. Aber machen wir uns nichts vor. Die biologischen und klimatischen Highlights, die uns von außen mit der Annäherung an die warme Jahreszeit öfter entgegenkommen, können die tief liegende Verunsicherung der Menschen, ihren Glaubensverlust – nicht nur im religiösen Sinne – kaum überdecken. Was wir seit einigen Jahren erleben und was jetzt gerade vielleicht auf einem lähmenden Höhepunkt angekommen ist, bedeutet nicht nur Rückschritt gegenüber den früheren besseren Jahren. Es ist von so vielen Brüchen und Zerstörungen verbunden, dass man sich verbreitet einer ganz anderen Welt gegenübersieht, in der die Menschen nicht mehr sie selber sein können, sich in oft nicht vorteilhafter Weise verändern. Es kostet viel Energie, das zum einen zu verarbeiten und zum anderen, darüber hinaus wieder in einen Fortschritt zurückzufinden. Ich meine, mit einer Verkomplizierung des Denkens ist das kaum zu erreichen. Da sind wir wohl schon übers Ziel hinausgeschossen. Wir müssen im Gegenteil immer wieder den Nullpunkt, die Basis, einen festen Startpunkt suchen und von dort, alle Erfahrungen berücksichtigend, die Dinge neu aufrollen, möglichst rasch, damit wir die Rückschritte wieder kompensieren. Die Selbstspiegelung in der natürlichen Umwelt, z. B. der Rückgriff auf die Lebenssymbolik der vermittelten Mensch-Baum-Beziehung, kann so einen Neuanfang und Neuaufbau ins Leben zu rufen helfen. Dieses Baumtagebuch ist ein ganz kleiner, bescheidener Beitrag, um dieses Plädoyer für die Anknüpfung an naturbezogene Basisthemen plausibel zu machen.