9. Februar 2020

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Rudolf Steiners ästhetischer Ansatz

Ich bin sehr froh, mir zu Weihnachten die drei neuen Bände aus der Rudolf Steiner Gesamtausgabe gewünscht zu haben. Mit dem zweiten dieser Bände, einer Zusammenstellung der Aufsätze, Vorträge und Notizen Rudolf Steiners zu Fragen der Ästhetik, konnte ich mich letzte Woche und heute wieder beschäftigen. Und schon die ersten dieser Texte offenbaren ein sehr spannendes Thema, das Grundfragen und auch konkretere Anwendungen einer Philosophie des Schönen umfasst. Auch auf dem Gebiet war Rudolf Steiner seiner Zeit voraus und hat mit der bis dahin gültigen Ästhetik in Deutschland abgerechnet, ihr seine abweichende Sichtweise entgegengesetzt, der ich absolut zustimmen würde. Das sind Gedanken und Grundideen, die ich sehr gut in meine Magisterarbeit über ästhetische Kommunikation hätte einarbeiten können, die eine Bereicherung dieses Theorienvergleichs gewesen wären. Aber damals war mir das Werk Rudolf Steiner noch nicht vertraut, und es ist natürlich auch fraglich, ob seine Ansätze zur damaligen Zeit in meinem Fach als wissenschaftlich akzeptiert worden wären. Die bisher gelesenen Texte stammen allerdings aus dem Frühwerk Steiners, das noch stärker als später von seinen philosophischen Anschauungen geprägt waren. Ich denke schon, dass es gepasst hätte. Die grundlegende Idee, die er vertritt, würde ich auch im zeitlichen Abstand und nach allem, was ich selbst wissenschaftlich über ästhetische Kommunikation erarbeiten konnte, absolute unterstreichen. Dass es nämlich in der Kunst nicht darum geht, dass ein geistiger Inhalt (das Göttliche) mit Mitteln der Kunst darstellbar gemacht wird, also nicht darum, dass das Göttliche im Kunstwerk zum Ausdruck kommt. Das erlebten Realität des Künstlerischen entspricht es viel mehr, dass Künstler das Natürliche als Geistiges (Göttliches) umformen, dass durch das Wie der Umformung des Natürlichen das Geistige sinnlich erlebbar wird. Eine ganz andere Beziehung zwischen Inhalt und Form, die auch für aktuelle Kunst sicherlich anwendbar und zutreffend ist. Diese Lektüre aus dem Frühwerk Steiners, gerade zu ästhetischen Fragen, empfand ich heute als Freude und Bereicherung. Ebenso freue ich mich auf die späteren Beiträge zur Kunst und auf den dritten Band, der sich wieder einmal um das Erleben der Jahreszeiten und die große Rolle dreht, die die Pflanzen darin für die Weiterentwicklung von Mensch und Kosmos spielen.

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