27. September 2005

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Holz-Gerüche

Ulmen sind seltsame Bäume. Nicht nur weil sie inzwischen auf Grund der weit verbreiteten Ulmenkrankheit so selten geworden sind. Auch die asymmetrische Blattform ist sehr ungewöhnlich, und die Zeit der Blüte, zum Ende des Winters, so dass man fast nichts von ihr wahrnimmt. Und natürlich die knotzelige Form alter Ulmenstämme, die fast an die der Ölbaum-Veteranen erinnert. Das Seltsamste aber ist der Geruch des Holzes. Damit meine ich etwas, was der Normalmensch niemals erfahren wird, nämlich der Geruch des feinen Holzstaubs, der entsteht, wenn man das Ulmenholz (auch Rüster genannt) mit einer schnell drehenden Säge schneidet. So wie ich das bei der Arbeit an den Armbändern tue. Von dieser Arbeit her kenne ich den Geruch vieler Hölzer. Und viele dieser Gerüche sind ganz eigenartig, so, dass sie mit nichts anderem vergleichbar wären. Das gilt insbesondere auch für den Ulmengeruch, den die meisten wahrscheinlich zudem als unangenehm einordnen würden. Auch so etwas kann das Erfahrungsspektrum erweitern. Wenn ich einen Baum sehe, denke ich inzwischen an vieles, nicht nur seine äußeren Merkmale, auch und vor allem natürlich seine Symbolik und solche gewöhnlich unsichtbaren Eigenschaften wie der Geruch seines pulverisierten Holzes, die den Baum in seinem ganzen oft fremdartigen Persönlichkeitsspektrum darstellen.

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