Ungewohntes Fastnacht-Setting

Schon wegen des Ortswechsels, der heute zu Ende ging, kam mir dieser Rosenmontag sehr ungewohnt vor. Rosenmontagsuntypisch war aber auch das Wetter, das nasser, kälter und trüber kaum hätte ausfallen können. Kein gutes Setting für die vielen Rosenmontagsumzüge. So kam für uns alle keine wirkliche Fastnachtsstimmung auf, auch wenn wir nie sehr aktive Fastnachter gewesen sind. Aber die besondere Atmosphäre der zentralen Fastnachtstage, die haben doch immer schon ganz gerne eingeatmet. Nun hoffe ich nur dass der Fastnachtsdienstag wenigstens noch ein restliches Flair dieser besonderen Auszeit verströmt und wir uns während der Fastenzeit auf wirklich erkennbare Anfänge des Baumfrühlings freuen können. Nach so viel Dunkelheit und Nässe, die selbst für Februar ungewöhnlich ausgeprägt war, kann Frühling belebend wirken und uns aus der Reserve locken, in die die meisten sich bisher noch zurückgezogen haben.

Reminiszenz zur Baumliteratur der 1980er und 90er Jahre

Es ist wohl das erste Mal, dass es mir in einer solchen Umgebung gelungen ist, Texte zu verfassen. Nachdem ich diese Arbeit heute fortgesetzt habe und ich auch mit dem Thementext gute Ergebnisse erzielen konnte, ja sogar zum Abschluss gekommen bin, freut es mich umso mehr, den Versuch gewagt zu haben. Denn so habe ich kaum Zeit verloren und kann nächste Woche relativ nahtlos daran anschließen. Vor allem ist es klasse, nach einjähriger Pause wieder ein wichtiges Thema aus meiner kommunikativen Berufspraxis ausgearbeitet zu haben und das meiner Reihe von Fachthementexten hinzuzufügen. Und da die Nachmittage und Abende sich hier endlos hinziehen, habe ich noch ein Baum-Buch mitgenommen, das ich schon mehr als zur Hälfte durchsehen konnte. Es ist eines der populärwissenschaftlichen Beispiele für Baumliteratur der 1980 und 90er Jahre, die das Symbolhafte der Bäume sehr breitgefächert, nach Durcharbeiten einer Unmenge von Quellen, aber leider auch extrem knapp im Bezug auf die Einzelquellen und außerdem ohne eine echte konzeptionelle Durchdringung darstellen. Und wie bei vielen ähnlichen Büchern aus dieser Zeit ist dieses so aufgebaut, dass im ersten Teil die allgemeinen, abstrakteren Fragen diskutiert werden, und im zweiten Teil dann die wichtigsten heimischen Baumarten unter den verschiedensten Kriterien, aber auch hier sehr umfangreich, beleuchtet werden. Für einen Baumfan wie mich sind natürlich auch solche Beiträge wie „Das Geheimnis der Bäume“ von 1989 spannend, v.a. weil ich es mit der etwas anders gelagerten thematischen Betrachtung jüngerer Baumliteratur im Vergleich betrachten kann. Gut, dass ich aus diesem ungewöhnlichen Anlass eines meiner lange liegengebliebenen Baumbücher wirklich einmal begutachten konnte.

Kreativ in ungewohnter Umgebung

Ein dürrer Winterbaum mit vom Wind wackelnden Zweigen ist mein Vordergrundmotiv beim Blick durchs Fenster. Das passt zu diesem stillen Spätwintertag und vor allem zu diesem seltenen Aufenthalt außer Haus, zu diesem öffentlichen Gebäude, in das es mich verschlagen hat, und vor allem zu diesem irgendwie unwirklichen Anlass. Ich hatte nicht gedacht, dass ich in dieser Umgebung würde arbeiten können. Aber ich habe mir Arbeit mitgenommen und tatsächlich schon einiges umgesetzt. Das eher kreative Textvorhaben hat auch immerhin zwei ganz gute Abschnitte hervorgebracht. Nun bin ich gespannt, ob ich den Faden weiterspinnen kann. Eineinhalb Tage Gelegenheit in diesem Umfeld bleiben mir noch dafür.

Reizvolle Konzentration an Auszeit-Tagen

Die Arbeitstage sind immer noch dicht gepackt, wie schon seit vielen Wochen. Aber ich erinnere mich, über die Fastnachtstage eigentlich immer gerne gearbeitet zu haben. Der Blick nach draußen, z. B. auf die dort stattfindenden Umzüge und die ausgelassene Ausnahmestimmung der Menschen, hatte immer schon etwas Unwirkliches und damit auch Reizvolles. Außerdem war an solchen Tagen die Konzentration auf eigene Projekte besonders leicht, weil es naturgemäß wenig Ablenkung gab. Ein bisschen so ist es heute noch, dazu passt meine außergewöhnliche Exkursion am Wochenende, die nicht wirklich zur Fastnachtsstimmung passt, aber an diesen Tagen auch am stressfreiesten zu absolvieren ist. So hoffe ich zumindest. Ich denke, dass auch unterwegs und in ungewohnter Umgebung das Baumtagebuch seine tägliche Fortsetzung finden wird. Das ist mir bei den wenigen ähnlichen Gegebenheiten in den vergangenen 21 Jahren ja immer gelungen.

Regionaltypische Anmutung und heimatliche Verbundenheit

Letztlich hatte der unsympathische Ausflug nach S. heute doch etwas Versöhnliches, auch wenn er viel mehr Zeit in Anspruch genommen hat, als ich erwartet hatte, und das meine Geduld bis zum Äußersten strapaziert hat. Letztlich aber wird die Untersuchung langfristig wichtige Aufschlüsse geben, und das ist im Großen und Ganzen dann ein Fortschritt. Immerhin konnte ich auf der Fahrt gewisse Landschaftsreize in mir aufnehmen, die ganz typisch für unsere Region sind. Das hat nicht nur mit der Baumlandschaft unserer Gegend zu tun. Es gibt auch städtebauliche und für frühere Industrieansiedlungen typische architektonische Muster und eine für unsere Ortschaften regionaltypische Anmutung, die ein wichtiges Element heimatlicher Verbundenheit darstellt. Das konnte ich immerhin an diesem Tag noch einmal ins Bewusstsein rufen.

Der Baumfrühling könnte kommen

Dass so ermüdende technische Fließband- und Geduldaufgaben mit diesem Dauerregen- und Spätwinterwetter zusammenfallen, ist doch eigentlich ein Glücksfall. Einer, der allerdings bei mir nicht selten eintritt. Eigentlich fallen die Aufgaben häufig sehr gut mit den Umständen und dem Rahmen ihrer Ausführung zusammen. Damit sind diese technischen Geduldsphasen ganz gut zu bewältigen. Aber ich wünsche mir jetzt bald doch wieder ein Wetter und Temperaturen, die man frühlingshaft nennen kann, um mich wieder mehr draußen aufhalten, fotografieren, handwerklich arbeiten und die ersten Gartenarbeiten machen zu können. Und den Bäumen würde ich auch wieder gerne begegnen, wenn sie ihren vitalen Start ins neue Jahr antreten. Der Baumfrühling kann von mir aus jetzt kommen.

Fastnachtstradition und Symbolreflexion

Die großen Fastnachtsfans sind wir alle nicht. Aber die Zeit in gewisser Weise bewusst zu erleben und irgendwie auch mitzufeiern, das ist uns schon auch wichtig. Von den traditionellen Gebäcken zu dieser Zeit, über die Dekoration bis zu den Gesprächen. Ein wenig färbt es dann doch immer wieder ab. Auch das Bild mit der Nahaufnahme einer venezianischen Maske habe ich dieses Jahr wieder aufgehängt, nachdem wir es im Vorjahr schlicht vergessen hatten. Und vielleicht kommen die kleinen Hexen aus Filz, die ich als Kinder gebastelt hatte, eins meiner frühesten Kreativprojekt, ja auch wieder zum Vorschein. Solche Auszeiten, auch wenn einem bezüglich der Zeitumstände und des ganzen Drumherums nicht danach zu sein braucht, sind schon auch bedeutend für die meisten Menschen und tragen mit zu einer kulturellen Identität und zu einem selbstverständlichen Zusammenhalt bei. Das ist fast schon so grundlegend wie alles, was ich hier täglich aus der Natursymbolik rund um die Bäume hervorhole, um seine lebenspraktische Relevanz ins Bewusstsein zu heben.

Wenn die Symbolreflexion hintergründig wird

Es ist heute so spät geworden, dass die Bäume nicht so zu ihrem Recht kommen konnten, wie ich das täglich versuche umzusetzen. Aber das sind eben Tage und Wochen, die ganz von den technischen Herausforderungen dominiert sind. Und da tritt die Symbolreflexion im Zeichen der Bäume leider in den Hintergrund.

Von außen kommende Verstärkung

Die Sonntagsruhe hat nach den dicht gepackten technischen Aufgaben, die mich während der ganzen Woche in Dauerschleife wohl auch noch länger beschäftigen, sehr gut getan. Aber das anstrengende und lichtarme Biowetter geht an die Substanz, weil es so gar keine Aussicht auf ein Ende dieses nass-kalten Spätwinters zu geben scheint. Nächste Woche ist die Fastnachts-Hochzeit und dann gehen wir schon auf Ostern zu. Aber von Frühling keine Spur, noch nicht einmal eine Vorahnung, die sich in einem verstärkten und wieder aufgenommenen Bewegungsdrang in der Landschaft äußern würde. Das kann man zurzeit tatsächlich nicht feststellen. Stattdessen ein Einigeln wie während der Weihnachtszeit und ein grüblerisches Abarbeiten der großen Frage, wie wir diese lange schon in Entwicklung befindliche Lethargie und Demotivation zu überwinden wäre. Antworten scheinen kaum an die Oberfläche zu kommen. Aber ich denke, dass sich im Untergrund, bei jedem für sich und angestrengt, so einiges tut. Mögen die ersten Frühlingszeichen der Bäume eine von außen kommende Verstärkung bieten und die Lebenssymbolik der Bäume so ihr mobilisierendes und heilendes Potenzial entfalten.

Balance zwischen Leben und Technik

Es war heute wieder eine technische Mammutaufgabe in dem Aufgabenbereich, der mich seit Wochen beschäftigt. Aber jedes Projekt ist wieder anders, dieses eben besonders aufwändig und in mehreren Hinsichten problematisch. Aber es war wichtig, dass im Zuge der aktuellen Erfahrungen durchzuziehen, was bis zum Abend gelungen ist. Ungefähr die Hälfte der avisierten gleichartigen Aufgaben stehen noch aus. Aber die gehören zu einem Auftraggeber, so dass die Fleißkomponente im Vordergrund stehen sollte. Irgendwie ist es aber immer auch zufriedenstellend, nach viel Kopfzerbrechen und diffizilen Abläufen am Ende eine sehr zeitgemäße und zukunftssichere Grundlage geschaffen zu haben. Die moderne Relevanz und der große Raum, den die Technik für uns einnimmt, ist für mich immer wieder ein Thema und praktische Herausforderung. Über die Erfahrung dieser Herausforderung wie über die Konfrontation mit dem Themenfeld bin ich dankbar. Es ist einfach etwas Zeittypisches, an dem sich die Menschen immer noch und immer wieder abarbeiten. Zumindest das Bewusstsein, was daran fortschrittlich nutzbar ist, scheint in den letzten Jahren gewachsen. Zu diesem Bewusstsein gehört ebenso, die andere Seite – unsere natürlichen Grundlagen und Umfelder – mindestens genauso klar und aufmerksam im Blick zu behalten. Letztlich geht es um ein gesundes Gleichgewicht, eine gelungene Ausbalancierung zwischen Natur und Kultur, zwischen menschlichem Leben und Technik. Mir sind das Baumtagebuch und die verschiedenen Wunschbaum-Projekte beim Ausbalancieren sehr behilflich.

Echter Baumfrühling mit belebendem Gelb-Grün

Eigentlich wollte ich bei dem scheußlichen Wetter gar nicht vor die Tür. Aber verschiedene Erledigungen machten es doch notwendig. Dass am Ende so wenig dabei herauskommen würde, machte die Sache noch ärgerlicher. So hoffe ich, dass wir von solchen erzwungenen Exkursionen nicht noch eine Erkältung davontragen. Und dass wir die nahe Fastnachtszeit, traditionell ein Erkältungs-Hotspot, diesmal gut überstehen. Und dann wünsche ich mir sehr bald den Baumfrühling und das belebende Gelb-Grün der ersten Blätter und Blüten beim Spitzahorn herbei. Mit diesem Eindruck beginnt bei uns gewöhnlich der echte, weil dann schon stabil zu nennende Frühling.

Exkursionen außerhalb der eigenen Gedankenwelt

So ein Ausflug in unbekannte Gefilde hat auch etwas Anregendes und Horizonterweiterndes. Auch wenn das Ergebnis bislang nicht so berauschend zu sein scheint, sind Erfahrungsvarianten z. B. mit Angehörigen einer Branche, die ich eigentlich zu kennen glaubt, immer eine spannende Sache. So war ich heute v. a. in Sachen Kommunikation, Vermittlung und technische Expertise gefragt und herausgefordert. Meine Symbolthemen spielten dabei keine Rolle und wären bei den Gesprächspartnern auch nicht zielführend gewesen. Ich hoffe, mich auch in solchen Umfeldern erfolgreich und künftig noch besser bewegen und behaupten zu können, auch oder gerade, wenn sie recht weit von meiner eigenen Gedankenwelt entfernt sind.

Winterliche Motivatoren

Man glaubt es nicht, aber das Wetter ist immer noch ein Gesprächsthema zwischen Menschen, die sich nicht so oft sehen und nicht sehr gut kennen. So habe ich das heute beim Arztgespräch mit M. beobachtet. Aber ich schätze, das hängt mit dem ungemütlichen Winter und der anhaltenden Lichtarmut zusammen, die einfach jedem inzwischen auf die Nerven gehen. Da sind einige Minuten Sonnenschein ein echtes Erlebnis und ein Mutmacher, die die biorhythmischen Tiefphasen zu überbrücken hilft. Das ungewöhnlich umfangreiche Manufakturprojekt mit einer ganzen Reihe von Lebensbaum-Armbändern konnte ich heute abschließen. Die Armbänder waren ja schon vor mindestens einer Woche fertiggestellt, aber bis zum Versenden sind eben gewisse Trocknungs- und Liegezeiten notwendig. Heute war es so weit, dass ich das Set auf die Reise ins Nachbarland schicken konnte. Ein schöner Gedanke und auch so ein Motivator, der den Sonnenphasen in etwa gleich kommt.

Jahreszeiten symbolisch verlängern

Die Baumthemen sind nicht mehr nur über die Manufakturarbeit und das zuletzt auf 8 verschiedene Lebensbaum-Arten angewandte Kunsthandwerk aktuell. Auch in den gedanklich vorweggenommenen Planungen für den kommenden Frühling und in meiner redaktionellen Arbeit waren die Bäume heute wieder Thema. Interessant, dass sich diese Themenverlagerung mit dem Wechsel der Jahreszeit quasi von selbst einstellt und so oft die noch nicht angekommene Jahreszeit vorwegnimmt. Durch dieses Nachdenken, Austauschen und kreative Arbeiten ist für mich der Frühling schon jetzt präsent, auch wenn er in einem Baumfrühling noch nicht zum Ausdruck kommen konnte. Aber er liegt eben schon in der Luft – oder fliegt durch die Gedanken. Schön, dass ich jede Jahreszeit auf diese Weise verlängern und stärker mit den angrenzenden verschränken kann.

Persönliches Baumtagebuch von Bernhard Lux: Täglich begegne ich den Bäumen auf vielfältigen Wegen. An ihrem jeweiligen Standort in der Natur, in der Lektüre von Baum- und anderer Literatur, in der alltäglichen Reflexion, der handwerklichen Arbeit und im Gespräch mit der Familie oder Freunden und Kollegen. Es ist mir ein Bedürfnis, diese themenbezogenen Beobachtungen, Interaktionen und Kommunikationen in Form des Baumtagebuchs zu dokumentieren. Seit dem 20. November 2004 habe ich keinen einzigen Tag ausgelassen – ein Zeichen dafür, dass das Baumthema und der Baum als Archetypus tatsächlich im Alltagsleben verankert ist und vielfältige inhaltliche Assoziationen ermöglicht. So mag dieses Baumtagebuch jeden seiner Leser/innen auf die Spur einer je eigenen Beziehung zu den Bäumen führen.