Schlagwortarchiv: Rudolf Steiner

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Die sich entwickelnde Jahreszeit beobachten

Nun hat uns der zweite Feiertag, für den ich wie auch an Ostern und Weihnachten sehr dankbar bin, doch noch das passende Pfingstwetter beschert. Auf dem Rückweg von der Pfingstmesse sind wir in der Sonne gegangen, an frühsommerlich blühenden Pflanzen und üppig belaubten Kirschbäumen entlang. Dazu diese wärmenden Sonnenstrahlen und viel Helligkeit. Das sind, auch in der Landschaft, eigentlich die schönsten Wochen des Vegetationszyklus, da alles, was pflanzlich wächst, zu seiner Entfaltung drängt, Form gewinnt und seine Farben intensiviert, gleichzeitig eine Vielfalt von Ausdrucksformen umsetzt. Je nach Rhythmus in Form von Blättern, Asttrieben, Blüten oder gar schon Früchten. Irgendwie ist diese Aufwärtsbewegung, das Streben in Richtung Höhepunkt, spannender als die Rückwärtsbewegung. Das eine ist eben Ausdehnung, das andere Rückzug. Nach langen Winter- und durchwachsenen Frühlingsmonaten tut diese Öffnung nach außen, wie Rudolf Steiner gesagt hätte, in den Kosmos hinein, einfach gut. Und die umgekehrte Richtung der Innenschau kann in dieser Zeit ein wenig in den Hintergrund treten. Das wirkt auf mich wie eine Art Auftanken, wie wenn man einen Lichtvorrat auffängt und in sich speichert, der dann in Herbst und Winter kompensatorisch abgerufen werden kann. Wir haben vieles noch nicht verstanden und uns so richtig bewusst gemacht an diesem wunderbaren Wechsel und der internen Entwicklung der Jahreszeiten.

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Den gemeinsamen Ursprung aller Lebensformen anklingen lassen

Es war nicht das typischste Pfingstwetter, und auch sonst wirkte dieser Pfingstsonntag weniger feiertäglich als sonst auf mich. Er war aber dennoch durch eine ausgeprägtere Ruhe als andere Sonntage gekennzeichnet. Wie so häufig hat mich die nachmittägliche Lektüre zu Vortragsmitschriften Rudolf Steiners geführt, die ein Themenfeld behandeln, das mich gerade wieder stärker beschäftigt. Nicht der Feiertag selbst oder die symbolischen Implikationen der Rituale und Traditionen des Jahreskreises waren es diesmal, sondern das Wirken der Naturgeister beim Werden und Vergehen der Pflanzen. Natürlich hängt das wesentlich mit den kulturellen Formen zusammen, die im Umfeld des Frühlings entstehen konnten. Aber es geht noch weiter und ist Grundlegender. Wenn ich diese Gedanken Steiners nachvollziehe und mit der heutigen Zeit und meiner eigenen kreativen Geschichte verbinde, stelle ich fest, wie früh ich doch von diesen Fragen fasziniert war und wie stark sie mich immer wieder zu kreativen Projekten inspiriert haben. Denn was er dort mit Verweis auf geistige Wirkungen im Spannungsfeld von Erde und Kosmos beschreibt, entspricht ganz genau dem, was ich in meinen früheren bildhauerischen Arbeiten umsetzen wollte: Grundprinzipien des Lebens am Beispiel des Wachstums und der Vitalität der Pflanzen plastisch begreifbar zu machen. Da es meist Holzskulpturen waren, lag nicht nur für mich selbst die Verbindung zu den Bäumen als prominente Vertreter des Pflanzenreichs nahe. Was aber diese plastischen Formen aus der materiellen Substanz der Bäume ausdrücken, kann in grundsätzlicher Form über alle Pflanzen gesagt werden. Ich meine, darin wird etwas ganz Fundamentales in Bezug auf das Leben angesprochen. Etwas, das die Lebendigkeit in uns als Menschen selbst zum Thema macht und dadurch irgendwie auch den gemeinsamen Ursprung aller Lebensformen erinnern lässt.

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Menschen und Pflanzen – eine Entwicklungspartnerschaft

Sehr froh bin ich, während dieser Feiertage genügend Zeit und Ruhe für die Lektüre der Beiträge Rudolf Steiners zu den Jahreskreisfesten gefunden zu haben. Da u. a. auch Ostern thematisiert wird, war das zudem zeitlich sehr passend und besonders eindrücklich, am deutlichsten dabei der Vortrag zum Thema Ostern, der ebenfalls am Ostersonntag, 1. April, nur eben 95 Jahre zuvor in Dornach, Schweiz, von Steiner vor Mitglieder der anthroposophischen Gesellschaft gehalten wurde. Die zuletzt gelesenen Texte von 1923 gehören in den Bereich des Spätwerks, wenn man so will, bzw. der ausgereiften und sehr ausgefeilten und von Erfahrung gesättigten Lehren Steiners. Darin deutlich spürbar ist ein gewisser pädagogischer Ton, der Anspruch, Spuren zu hinterlassen, alltagstaugliche Anleitungen zur praktischen Weiterentwicklung der anthroposophischen Weltanschauung und Lebensweise zu geben. Ich finde das besonders anrührend, weil ein echtes Interesse, an wirkliches Überzeugtsein von der eigenen Lehre darin zum Vorschein kommt. Mit Themen, die auch zu seiner Zeit nicht sehr populär gewesen sein dürften. Und derart detailreich und thematisch weitgreifend, riesige Bögen spannend, ungeahnte Zusammenhänge aufdeckend, dass es einen mit Ehrfurcht und Bewunderung erfüllen muss. Er muss zwei Jahre vor seinem Tod bereits geahnt haben, dass es mit der Weiterführung seiner Lehre zumindest schwierig werden würde. Dass möglicherweise nicht so viel von seinen Erkenntnissen in die Lebenspraxis seiner Zuhörer und Gefolgsleute bis dahin eingeflossen war. Umso dringlicher die Appelle, Anthroposophie praktisch zu verstehen und eine tatsächliche geistige Entwicklung, einen Fortschritt durch disziplinierte Anstrengung auf anthroposophischem Gebiet anzustreben. Vieles davon erscheint mir 100 Jahre später nicht weniger wichtig und aktuell wie damals. Selbst die Sprache Steiners in diesen letzten Lebensjahren war merkwürdig modern und von heutiger kaum noch zu unterscheiden. Wenn dann gerade in diesen zuletzt gelesenen Vortragsmitschriften u. a. von einer Art Lebens- und Entwicklungspartnerschaft zwischen Menschen und Pflanzen ihrer Lebenswelt zu Rede ist, sehe ich mich einmal mehr in der Beschäftigung mit diesem historischen Gedankengut bestätigt. Dass die eigenen geistigen Entwicklungsbemühungen auch Auswirkungen auf die Pflanzen hat, denen menschliche Aufmerksamkeit und Beobachtung zuteil werden, das ist mir intuitiv aus meinen Wunschbaum-Projekten seit vielen Jahren vertraut. Eine geisteswissenschaftliche Hintermauerung zu studieren kann helfen, die eigenen Betrachtungsweisen, Erkenntniswege und Entwicklungen zu bestärken und ein Stück weit zu kontrollieren.

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Ostern, Jahreskreis und geistige Verortung

Bis auf das Wetter, das so gar nicht passte, durften wir einen schönen Osterfeiertag verbringen. Schön für mich, weil er die Ruhe und Feierlichkeit mit sich brachte, die ich traditionell mit christlichen Feiertagen verbinde. Die fühlen sich für mich grundsätzlich anders an als normale Tage und auch wie nicht feiertägliche Sonntage. Wenn ich Rudolf Steiners zahlreiche Vorträge zu eben diesem Zusammenhang nachlese, nämlich zur Bedeutung von Fest- und Feiertagen im Jahresverlauf, der uns das bewusste Erleben und Miterleben der Veränderungen in der Natur und unserer Rolle im dem Ganzen ermöglicht, dann sehe ich mich mit diesem Langzeitthema bestätigt, das ich so häufig und auch gerne im Baumtagebuch, in Gesprächen und auch in meiner Projektarbeit aufgreife, ausarbeite und für die je aktuelle Situation fruchtbar zu machen suche. So ist es kein Zufall, dass ich vor vielen Jahren die Bäume als Lebenssymbol für mich entdeckt habe und daraus ein eigenes Lebensthema gemacht habe. Sie stehen als prominente Repräsentanten und Spiegel dieser Prozesse und Zusammenhänge, aus denen wir bei bewusster Wahrnehmung sehr viel über uns selbst und unsere geistige Verortung und Entwicklung hinzulernen – oder besser: wieder neu verstehen lernen – können.

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Karfreitag, Jahreskreisfeste und Anthroposophie

Es war ein Karfreitag, der auch im Außen die Bedeutung des Tages augenfällig werden ließ. Und der genügend Ruhe und Zeit ließ, um ihm gerecht zu werden. Sehr froh bin ich deshalb, dass ich mit der erneuten Lektüre von Vortragsmitschriften Rudolf Steiners anregende Ausführungen zum geistigen Hintergrund von Ostern verinnerlichen konnte. Die Vorträge zu „Ostern als Mysterium der Zukunft“ stammen aus dem Jahr 1908 und wurden ebenfalls in der damaligen Osterzeit gehalten, vor genau 110 Jahren, kaum zu glauben. Und ein Vortragszyklus zu den jahreszeitlichen Festen von 1923, vor genau 95 Jahren, startete am Karsamstag, der 1923, wie der diesjährige, ebenfalls auf den 31. März fiel. Wenn das kein gutes Timing ist. Dieser erste Vortrag handelt vom Jahreskreislauf als Atmungsvorgang der Erde. Eine ganz interessante Betrachtungsweise, die den gesamten komplexen Zusammenhang der jahreszeitlichen Feste aus den geistigen Grundlagen der anthroposophischen Weltanschauung herleitet. Morgen will ich dann den zweiten dieses Zyklus lesen, der das Osterfest selbst in den Mittelpunkt stellt. Diese Betrachtungen Rudolf Steiners spannen den ganz weiten Bogen und schaffen es in der unerreichten Steiner‘schen Art, alles aufeinander zu beziehen, was für die geistige Entwicklung von Mensch und Erde von Bedeutung ist. Wenn das an unserem Erleben der Jahreszeiten und unserem Leben in Abhängigkeit von der jeweiligen Jahreszeit und ihren Festen eng geführt wird, wirkt es auf mich immer schon besonders anschaulich und gut nachvollziehbar. Nicht umsonst hatte ich vor Jahren bereits die Bedeutung der Baumsymbolik bei verschiedenen christlichen Festen, wie Weihnachten, Palmsonntag und Pfingsten zum Gegenstand eigener Texte gemacht. Das Baumthema entfaltet darin seine besonders intensive Lebenssymbolik und zeigt uns, wie sehr uns äußere Symbole in der nicht menschlichen Natur helfen, unsere eigene äußere und innere Natur, unsere Bestimmung und Entwicklung im Zeitverlauf besser zu beobachten und zu verstehen.

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Inhaltsdenken und Symbolkommunikation als Programm

Die Lektüre der Betrachtungen Rudolf Steiners zu Weihnachten und seiner Symbolik, in der der Weihnachtsbaum eine wichtige, aber nicht ausschließliche Rolle spielt, ist nicht einfach nur ein Ritual für die Zeit zwischen den Jahren geworden. Ich entdecke immer wieder Neues darin und glaube auch, die Vielschichtigkeit der Thematik zunehmend besser zu erfassen, die immer auch über den engeren Themenrahmen hinaus auf Grundsätzlicheres und weiter Reichendes verweist. Ich vergleiche das gerne mit dem, was ich von der Erzählung und Interpretation der Kirche kenne, auch mit dem, was wir als Kinder gelernt haben. Und stelle fest, dass selten ein Widerspruch besteht, diese Betrachtungen und Blickwinkel aber eine viel tiefer gehende Erklärung und sinnhafte Begründung bieten. An diesem Interesse hängt natürlich viel mehr. Es geht mir auch darum, die Beschäftigung mit Inhalten, symbolischen Formen, sinnhaften Erzählungen und Erklärungen für mich selbst, aber letztlich auch in meiner Kommunikation wieder deutlicher in den Aufmerksamkeitsfokus zu rücken. Mein Gefühl ist, dass wir diese Ebenen sträflich vernachlässigen, vielleicht sogar zunehmend vernachlässigen und uns damit ein Entwicklungspotenzial verloren geht. Nicht selten denke ich, wir sind in dieser Hinsicht rückschrittlich. Das rein formale Denken, das Arbeiten nach in Formen begründeten Verfahren ist ausschließlich praktiziert eine Sackgasse. Auch wenn ich das ohnehin immer schon verkörpere, das Inhaltsdenken und die Symbolkommunikation als Programm einer fortschrittlichen Entwicklung zu propagieren, soll mein vornehmliches Ziel in der Arbeit des kommenden Jahres sein.

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Kommunikative Wirkungen des Weihnachtsbaums

Es ist interessant und fast schon Tradition bei uns, dass die Besuche in den Wochen vor Weihnachten häufiger werden. Dann ist fast immer auch Gelegenheit, einen Blick auf den Weihnachtsbaum zu werfen, der auch in diesem Jahr wieder sehr gelobt wird. Tatsächlich fällt mir kaum etwas ein, dessen Ehrlichkeit und diskursive Qualität solchen Gesprächen angesichts und über den Weihnachtsbaum nahe kommt. Er ist wie ein Signal, das die Kommunikation auf den Nullpunkt zurückführt, alle Teilnehmer quasi zu Kindern werden lässt und in dessen Aura sich etwas wirklich Vorurteilsfreies und Offenes entwickeln kann. Von meiner eigenen anhaltenden Begeisterung für den Weihnachtsbaum als starkes Symbol einmal abgesehen, kann ich immer wieder feststellen, dass in Menschen, die vor dem Baum zusammen stehen und reden, etwas zutiefst Ursprüngliches im wahrsten Wortsinn zu Klingen gebracht wird. Es ist, wie wenn wir uns an die gemeinsame Quelle erinnern. Genau diesen Gedanken hat Rudolf Steiner in seinem so eindrucksvollen Vortrag vom 21. Dezember 1909 über den Weihnachtsbaum als Symbolum zum Ausdruck gebracht, den spätestens während der Feiertage noch einmal lesen will, zusammen mit seinen weiteren Vortragsmitschriften zu weihnachtlichen Themen.

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Zeichen und Symbole des Weihnachtsfestes

Ich freue mich, heute doch noch, unter dem nachwirkenden Eindruck der Weihnachtszeit die letzte Vortragsmitschrift eines Weihnachtsvortrag von Rudolf Steiner gelesen zu haben. In diesem Vortrag vom Dezember 1906 geht es um die Zeichen und Symbole des Weihnachtsfestes, wie immer brillant von den markanten äußeren Symbolen ausgehend wesentliche geisteswissenschaftliche Aussagen entwickelnd. In gewisser Weise vorbereitet war diese Ausführung von den Weihnachtsvorträgen der Jahre 1904 und 1905, die Weihnachten als ein Sonnenfest charakterisieren und in dem Zusammenhang den religionsübergreifenden Begriff des Sonnenhelden mit christlichem Glauben und der besonderen Stellung des Christentums unter den Religionen in Beziehung setzen. Dieser dritte Vortrag, der in dem kürzlich erworbenen Sonderdruck mit den beiden anderen herausgegeben wurde, führt den Gedanken weiter und bringt, wie ich finde, die anthroposophische Begründung des christlichen Mysteriums in besonders klarer Form zum Ausdruck. Deshalb ist dieser Text, den Steiner seinerzeit neben einem mit Wachskerzen beleuchteten und mit den im Vortrag erläuterten Symbolen behängten Weihnachtsbaum vorgetragen hat, für mich einer, den ich sicher noch öfter lesen werde, weil verschiedene zentrale Motive seines geisteswissenschaftlichen Denkens und Forschens darin in einer ungewöhnlich nachvollziehbaren und klaren Weise zum Ausdruck kommen. Wenn ich das lese, bedauere ich einmal mehr, dass ich, über hundert Jahre später lebend, keinen dieser Vorträge persönlich erleben durfte. Das muss außerordentlich eindrücklich für seine Zeitgenossen gewesen sein, was sich allein schon darin ausdrückt, dass nahezu alles, was Steiner weitgehend frei, von Notizen ausgehend, vorgetragen hat, stenographisch festgehalten und somit glücklicherweise der Nachwelt überliefert ist. Offenbar haben schon die Menschen damals sehr deutlich gespürt, dass darin ganz besondere geistige Inhalte vermittelt werden.

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Zur geistigen Grundlegung des Weihnachtsfestes

Bisher war ich immer davon ausgegangen, das Rudolf Steiners Vortrag zum Weihnachtsbaum als Symbolum chronologisch das älteste Dokument zu diesem Thema darstellt. Umso erfreuter bin ich, einen älteren, inzwischen wohl vergriffenen Sonderdruck dreier Weihnachtsvorträge gefunden zu haben, die Rudolf Steiner im Dezember 1904, 1905 und 1906 gehalten hat, jeweils maximal zwei Wochen vor Weihnachten. Interessant ist, die Einleitungen und Hinführungen zum Thema bei den verschiedenen Vorträgen zu vergleichen. Dabei gibt es Gemeinsamkeiten, in der Ausführung der Gedanken aber auch große thematische Differenzen. Gemeinsam ist, dass er immer von der damals aktuellen Rezeption des Weihnachtsfestes durch den modernen Großstädter ausgeht und dabei feststellt, wie weit die damit verbundenen Einstellungen vom eigentlichen Sinn der Weihnacht entfernt liegen. Wohlgemerkt sind das Feststellungen, die Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts getroffen wurden, die aber nichtsdestoweniger unverändert auf heutige Verhältnisse angewendet werden könnten. Auch zu seiner Zeit war offenbar die Geschäftigkeit und der Verkehr, die weihnachtliche Dekoration in der Städten opulent, die Menschen gehetzt und kaum noch den eigentlich Sinngehalt wahrnehmend. Und immer wird dabei auch der Weihnachtsbaum als herausragendes Symbol als Beispiel genannt, mit dem Hinweis darauf, dass es sich um eine relative junge und eigentlich erste seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verbreitete Tradition handelt. Dennoch schafft es Steiner, von diesen äußerlichen Symbolen weite Bögen zu spannen und am konzentrierten Beispiel moderner Wahrnehmung eines christlichen Jahresfestes die Grundgedanken und grundlegenden Zusammenhänge anthroposophischer Geisteswissenschaft kenntlich zu machen. Vielleicht rhetorisch nicht ganz so ausgereift wie die späteren Vorträge zum Thema sind diese, aber gerade deshalb hochinteressant, werden bestimmte Gedanken doch darin ausgebreitet und verständlich erläutert, die später in verkürzter Form wieder auftauchen. Dadurch erschließen sich mir immer weitere Ebenen dieser Texte und so nähere ich mich ach einem tiefer gehenden Verständnis dessen, was diese über hundert Jahre zurückliegenden mündlichen Äußerungen zu einer aktuellen Pflege und Weiterentwicklung des Weihnachtsfestes durch uns beitragen können.

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Das Licht in uns entzünden

Die Zeit zwischen den Jahren, die dieses Jahr ziemlich genau mit einer kompletten Kalenderwoche zusammenfällt, ist für mich ebenso bedeutsam und wichtig wie die vorangehende Adventszeit und die Weihnachtsfeiertage. Weihnachtszeit bedeutet für uns ganz traditionell die Zeit bis zum Dreikönigsfest. Die Raunächte und die dazwischen liegenden Tage helfen uns, das Jahr zu einem innerlichen Abschluss zu führen und mit dem Mehr an Tageslicht einen neuen Jahreszyklus innerlich vorzubereiten. Ich denke, das ist gerade vor dem Hintergrund permanenter Fixierung und Orientierung an Terminen und Fristen, Aufgaben und Erwartungen eine ganz wichtige Zwischenphase, eine der Phasen, wie ich es selbst empfinde, in der die Zeit zum Stillstand kommen kann. Deshalb versuche ich, bewusst Ruhezonen zu schaffen, tatsächlich die Alltagsdenkart und die Automatismen der Zeitorganisation zumindest stundenweise auszusetzen. Das erfüllt ungefähr die Funktion einer Meditation, stellt vielleicht eine besondere Form von jahreszeitlicher Meditation dar, mit der wir den Moment anhalten und einmal ohne Zukunftsplan betrachten können. Die Dokumentation und gewissermaßen kreative Verarbeitung des Weihnachtsbaums gehören auch dazu. Wichtiger aber noch ist für mich jetzt der Versuch, dem Nachzuspüren, für das der Weihnachtsbaum in seiner lichten Pracht eigentlich steht: das hoffnungsvolle Licht der Winterweihenacht in uns selbst aufleuchten zu lassen. Oder – wie es Rudolf Steiner in einem seiner Vorträge zum Weihnachtsfest dargestellt hat – den Christus in unserem Inneren zu erkennen, die Geburt der Christus-Erkenntnis in uns.

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Erlebnisebenen der Weihnacht

Es lag sicher an der für die Jahreszeit ungewöhnlich milden Witterung, mit dichter Wolkendecke und einer Landschaftswirkung, die so gar nicht zum Weihnachtsspaziergang einladen wollte. Der ist ohnehin anscheinend aus der Mode gekommen, war aber in manchen Jahren mit viel Sonne über Weihnachten nicht ausgeschlossen. Diesmal also ein extrem ruhiger erster Weihnachtsfeiertag, an dem sich die Familien in ihren Wohnungen eingeigelt haben. Vielleicht auch die beste Möglichkeit, die Ruhe in mehr oder weniger Gesellschaft zu genießen und aus dem Feiertag Kraft für den Übergang ins neue Jahr zu schöpfen. Und eine, bei der die Festbeleuchtung so richtig zur Wirkung kommen konnte. Ich bin sehr froh, dass ich in diesem Rahmen eines meiner Rituale pflegen konnte, die Lektüre der Texte Rudolf Steiners, die sich auf das Weihnachtsfest und seine Symbole beziehen. Es sind ausnahmslos Vortragsmitschriften. Ich habe mich diesmal entschlossen, die Texte chronologisch durchzugehen, beginnend mit dem einmaligen Vortrag von 1909 über den Weihnachtsbaum als Symbolum, danach die Vorträge der beiden Folgejahre zum historischen Wandel des Weihnachtsfestes und zu den inspirierenden Wirkungen des Festes für die geistige Entwicklung der Menschen. Die beiden weiteren Hefte meiner kleinen Sammlung sollen in den nächsten Tagen folgen. Aus einer Fußnote im Weihnachtsbaumvortrag habe ich erstmals auch entdeckt, dass es drei weitere Vorträge aus früheren Jahren gibt, die sich mit der Weihnacht und ihren Symbolen beschäftigen. Natürlich genau mein Thema. Die werde ich mir besorgen und ab dem nächsten Weihnachtsfest meinem Lektüreritual hinzufügen.

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Winterzeit und unbewusste Sphären

Die Tage vor Allerheiligen haben für uns immer schon etwas Aufwühlendes. Ich kann das auch in diesem Jahr feststellen. Es äußert sich im Körperlichen, trifft aufs Gemüt, wirkt sich nicht selten auch auf die Kommunikation aus. Gereiztheit ist da nicht selten. Und erfahrungsgemäß löst sich das erst während der beiden Feiertage wieder auf, manchmal auch erst später. Es hat bestimmt mit der größeren Aufmerksamkeit im Hinblick auf die verstorbenen Seelen zu tun, dass solche Stimmungen und Eindrücke regelmäßig entstehen. Aber wie bei so häufig bei Feiertagen gehen die Bedingungen im Außen, sprich das Novemberwetter, der Beginn des Winters, das immer weniger werdende und am Nachmittag schon früh vergehende Licht, eine enge Verbindung ein mit unserer inneren Befindlichkeit. Beides spiegelt sich ineinander, ohne dass wir uns dem ganz entziehen können. Mit dem Fallen der letzten Baumblätter ist das auch in der Seele angekommen, was wir während des leuchtenden Blätterherbstes ahnen, worauf uns diese Zeit quasi schonend vorbereitet. Dass nämlich das Leben sich mehr nach innen wendet, dass wir, wie Rudolf Steiner das ausgedrückt hätte, uns zurückziehen in Richtung der Erde, die sommerliche, ins Weltall gerichtete Ausdehnung umkehren und Hinabsteigen in die Tiefen auch unserer Seele. Bis wir zur Zeit der Wintersonnenwende, kulminiert im Symbollicht des Weihnachtsbaums, dem am nächsten kommen, was uns allen gemeinsam ist. Dem inspirierenden Funken, der göttlichen Quelle, der geistigen Heimat, an die wir uns dann am ehesten erinnern können, oder zumindest eine abgedämpfte Ahnung davon erhalten. So trägt uns das Beobachten der jahreszeitlichen Veränderungen in Sphären hinüber, die uns eigentlich immer präsent sind, aber allzu oft der bewussten Wahrnehmung verborgen bleiben.

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Ein altes Thema bleibt spannend

Bäume und Planeten, das Thema schwirrt mir immer noch im Kopf umher, weil der Zusammenhang faszinierend ist. Aber es von den Rudolf Steiners Ansätzen vom Beginn des 20. Jahrhunderts und deren Rezeption durch anthroposophische Nachfolger aus zu be- und verarbeiten, wollte mir bisher aus Zeitgründen nicht gelingen. Dabei kann ich mir immer noch vorstellen, die damit zusammenhängenden Fragen für die Auffächerung des Lebensbaum-Begriffs zu nutzen. Ob es allerdings als Background für eine neue Reihe von Baum-/Holz-Armbändern geeignet ist, da bin ich mir nicht mehr so sicher. Vielleicht ist der Zusammenhang zu unbekannt, als dass es gelingen könnte, ihn in eine symbolische Form einzubringen, die dann auch noch vermittelbar ist. Vielleicht ist das ja etwas zu weit hergeholt. Dieser Zweifel ist mir gekommen, nachdem ich den Band mit Steiners Aufzeichnungen und Zeichnungen wieder in Händen gehalten hatte, in denen er sich auf dieses Thema bezieht. Die inhaltliche Aufbereitung muss von diesen Texten und grafischen Reproduktionen ausgehen und dann miterfassen, was spätere Autoren zu dem Zusammenhang geäußert haben. Vielleicht doch noch ein Projekt für die Zukunft.

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Das Weihnachtsfest im Wandel der Zeiten

Es ist mir zur Gewohnheit geworden, an den Weihnachtstagen die Mitschriften der Vorträge zu lesen, die Rudolf Steiner zum Thema gehalten hat. Der Vortrag „Der Weihnachtsbaum – Ein Symbolum“ war einmal mein erster Kontakt zu Rudolf Steiners Gedankenwelt. Seitdem habe ich so vieles aus seinem Werk gelesen, zu den Grundlagen und Grundbegriffen seiner anthroposophischen Geisteswissenschaft, immer wieder aber auch zu speziellen Themen, die er in den Vorträgen so wunderbar tiefgehend und eindrucksvoll entfaltet hat. Interessant und faszinierend ist dieses Werk für mich vor allem, weil sich seine Vielschichtigkeit und Tiefe immer wieder verändert zeigt. Natürlich abhängig von den Themen und Erfahrungen, die mich jeweils aktuell beschäftigen, aber auch vor dem Hintergrund einer stetig besseren Kenntnis seiner Schriften und Gedanken. So sehe ich in eigentlich bekannten Textpassagen wesentliche Inhalte, die ich zuvor eher als Randinformationen betrachtet habe. Es ist schön, wenn sich die Bedeutungen auf diese Weise erweitern und in wachsender Komplexität erscheinen. Nach meinem Lieblingstext „Der Weihnachtsbaum – Ein Symbolum“ von 1909, den ich an Heilig Abend gelesen haben, habe ich mir heute wieder die in den Vorweihnachtstagen 1910 und 1911 gehaltenen Vorträge „Das Weihnachtsfest im Wandel der Zeiten“ und „Weihnachten – ein Inspirationsfest“ vorgenommen. Zwei stärker historisch vergleichende Betrachtungen zum Weihnachtsfest, in denen die damalige Zeit am Anfang des 20. Jahrhundert als die moderne im Verhältnis zur Rezeption des Festes vom 4. Jahrhundert n. Chr. dargestellt wird. Was wohl würde er aus heutiger Sicht sagen, in der es nicht mehr nur um elektrische Straßenbahnen geht, die mit Weihnachtsbäumen geschmückte Straßen der Großstadt durchkreuzen. Die heutige riesige Weihnachtsindustrie wäre noch deutlicher als Kontrastbeispiel anwendbar. In dem Sinne, wie Steiner es meint, hat sich also in den letzten hundert Jahren nicht viel verändert. Die naive Innerlichkeit und Beseligung in Erwartung des Festes und auch noch während der Raunächte kann auch heute noch nicht wirklich durch geisteswissenschaftliche Erkenntnis und Inspiration ersetzt werden. Und gleichgeblieben ist auch die Rolle des Weihnachtsbaums, der schon bei Rudolf Steiner, vor über hundert Jahren, als legitimes modernes Symbol aufgefasst wurde, das geeignet ist, dieses göttliche Licht in uns zu entzünden, das uns gerade während der Weihnachtszeit unserem Ursprung, der Einheit nahe bringen kann. So mag im Angesicht des leuchtenden und geschmückten Symbolbaums manche Seite tief in unserem Inneren zum Erklingen, die während des Jahres kaum jemals zu hören ist. Und dieses Erklingen mag seine Wirkungen bis zum nächsten Weihnachtsfest in unserer Seele bewahren.

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Das Äußere im Inneren transzendieren

An diesem Festtag konnte ich auf die Lektüre eines Textes von Rudolf Steiner natürlich nicht verzichten. Jedenfalls bin ich am Nachmittag dazu gekommen, nachdem wir den ganzen Vormittag mit Kochen und Backen zugebracht haben. Es war das eine Kombination, die passender für den Tag nicht hätte sein können. Mit den Ausführungen zur mittelalterlichen Mystik und deren Beziehung zur neuzeitlichen Weltanschauung bzw. dem Einfluss naturwissenschaftlichen Denkens bin ich noch nicht sehr weit. Aber es gab schon eine Passage, in der der Autor seinen Grundgedanken, dass wir die äußere Welt erneut in uns erschaffen und über beobachtendes Selbstbewusstsein das Individuelle in Richtung eines gemeinsamen Ursprung transzendieren können, am einfachen Beispiel der Beobachtung eines Baums erklärt:

„Mit der Erweckung meines Selbst vollzieht sich eine geistige Wiedergeburt der Dinge der Welt. Was die Dinge in dieser Wiedergeburt zeigen, das ist ihnen vorher nicht eigen. Da draußen steht der Baum. Ich fasse ihn in meinen Geist auf. Ich werfe mein inneres Licht auf das, was ich erfaßt habe. Der Baum wird in mir zu mehr, als er draußen ist. Was von ihm durch das Tor der Sinne einzieht, wird in einen geistigen Inhalt aufgenommen. Ein ideelles Gegenstück zu dem Baume ist in mir. Das sagt über den Baum unendlich viel aus, was mir der Baum draußen nicht sagen kann. Aus mir heraus leuchtet dem Baume erst entgegen, was er ist. Der Baum ist nun nicht mehr das einzelne Wesen, das er draußen im Raume ist. Er wird ein Glied der ganzen geistigen Welt, die in mir lebt. Er verbindet seinen Inhalt mit anderen Ideen, die in mir sind. Er wird ein Glied der ganzen Ideenwelt, die das Pflanzenreich umfaßt; er gliedert sich weiter in die Stufenfolge alles Lebendigen ein.“
(Zitat aus: Rudolf Steiner: Die Mystik im Aufgang des neuzeitlichen Geisteslebens und ihr Verhältnis zur modernen Weltanschauung, 2. Auflage der Taschenbuchausgabe, Dornach 1993, S. 22)

Obwohl dieses Beispiel an dieser Stelle nur der Illustration eines ganz allgemeinen Gedankens dient, kann die Wahl des Baumbeispiels nicht als Zufall angesehen werden. Tatsächlich nimmt Rudolf Steiner sehr gerne die Pflanzen, ihr Wesen und ihr Wachstum als Ausgangspunkt zur Erforschung des Geisteslebens. Und inhaltlich ist in diesem Ausschnitt etwas enthalten, was mich selbst sehr anspricht: Das innere Bild des Baums verbindet sich mit anderen Ideen. Was für jedes innere Begreifen des Äußeren gilt, kann für die Bäume als besonders verdichtet angenommen werden. Denn nur wenige Symbole besitzen die Kraft, Grundprinzipien des Lebens begreiflich zu machen und in ihrer besonderen Gestalt exemplarisch zu verkörpern. Das ist der Hauptgrund für meine Beschäftigung mit den Bäumen, unter der dieses Baumtagebuch nur eine Facette darstellt.

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Omega-Hoch

Interessant, in puncto Sonnenstunden waren bei uns die Monate April, Mai und Juni fast identisch. Auch das wieder ein Beleg für das tendenzielle Verschwinden der Jahreszeiten. Besonders die Frühlingsmonate waren in den vergangenen Jahren besonders Lichtreich, und oft auch der Herbst. Ausgerechnet im Hochsommer mischen sich aber verstärkt lange Regephasen oder wolkenreiches, gewittriges Wetter dazwischen, die sich negativ auf die Lichtbilanz auswirken. So können wir sämtliche Wetterklischees aus Kinderbüchern und Filmschnulzen allmählich vergessen und uns auf die Zuverlässigkeit des Unzuverlässigen einrichten. Dennoch spüren wir dieses Omega-Hoch, wie es die Meteorologen nennen, weil ein kräftiges Hoch von zwei darüber angeordneten Tiefs so eingedrückt wird, dass sich auf der Karte eine Silhouette abzeichnet, die an den griechischen Buchstaben Omega erinnert. Diese Omega-Hochs sollen besonders stabil sein, ein Grund dafür, dass eine Annäherung an den Hitzerekord vom Sommer 2003 durchaus möglich sein wird. Wenn ich die Aufenthalte in der prallen Sonne nicht zu ausgedehnt gestalte, nehme ich diese Wetterlage als sehr anregend wahr. Ich merke, wie sich dieses Ausdehnen des Geistes in Richtung Weltall auch für uns Menschen anbietet, wie es Rudolf Steiner für die kosmische Orientierung der Pflanzenwelt während des Sommers beschrieben hat. Das mit der notwendigen Konzentration auf zahlreiche kreative Projekte zu verbinden, wird die anregende Aufgabe der nächsten Wochen sein.

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Einblick in die Gründerzeit der Anthroposophie

Ich freue mich sehr, an diesem ruhigen Osterfeiertag endlich die Lektüre von Texten fortzuführen, die sich auf die Aktivitäten und Gedanken Rudolf Steiners zwischen dem Münchner Kongress 1907 und der Realisierung des ersten Goetheanums beziehen. Es ist spannend nicht nur die Konzepte und Gedanken mitzuverfolgen, die letztlich zur Abtrennung von der Theosophischen Gesellschaft und zur Gründung der Anthroposophischen Gesellschaft führten. Denn dabei geht es nicht nur um Steiners eigene Arbeit, sondern auch um die Widerstände, denen er begegnet ist und die abweichenden Schwerpunktlegungen und durchaus kontroversen Ausrichtungen innerhalb der Gesellschaft. Vor allem aber will ich die gedanklichen Hintergründe verstehen, vor denen die Ausarbeitung der Säulenarchitektur des ersten Goetheanums zu verstehen ist. Die Zuordnung von Planetenwirkungen und Baumarten ist dann der letzte Schritt in der Kette, die mich dann aber natürlich besonders interessiert. Zur Ausdeutung dieses Themas wird dann auch die Sekundärliteratur späterer Jahre von Interesse sein.

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Karfreitagsgedanken

Rudolf Steiners Gedanken zu Ostern haben so gar nichts mit der detaillierten christlichen Tradition zu tun. In dem Vortrag von 1908 hat er vielmehr das sehr deutlich umgesetzt, was schon seine Zeitgenossen so geschätzt und bewundert haben. Nämlich die Grundlegung, die Rückführung christlichen Gedankenguts auf seine Wurzeln, auf die eigentlichen geistigen Grundlagen, die nach seiner Darstellung in vorgeschichtlicher Zeit zu orten sind, in einer Zeit, in der die Menschheit in einer anderen Form, mit einem anderen noch übersinnlich begabten Bewusstsein auf dieser Erde gelebt hat. Die Fäden, die von dort aus aufzunehmen sind, enden bei der Entwicklung der christlichen Lehre und weisen vor allem in die Zukunft. Denn das ist es, was Steiner vor allem betont: Anders als das Weihnachtsfest verweist Ostern nicht nur zurück auf eine Zeit der Offenheit zur und Einheit mit der geistigen Welt, sondern erinnert gleichzeitig auf den zukunftgerichteten Sinn der Menschwerdung Gottes in Gestalt des Jesus Christus. Insofern sieht er das Christentum nicht bloß als Religion, sondern als etwas, das das gesamte kulturelle und geistige Leben der Zukunft wesentlich beeinflussen kann. Die Fernperspektive ist die Überholung der Religion selbst, die in dem Moment wieder so überflüssig wird, wie sie es vor der Abschneidung von der geistigen Welt schon einmal war, nämlich dann, wenn diese Durchdringen der Grenze wieder etwas Natürliches geworden sein wird, dann aber angereichert und gestärkt durch die Erfahrungen des wahrnehmenden Körperlichkeit. Eine faszinierende und sehr tiefgehende Grundlegung dessen, was uns Ostern eigentlich bedeuten kann. Es ist so bedauerlich, dass solches Denken nach Steiner keine sehr einflussreiche Weiterentwicklung gefunden zu haben scheint. Die wissenschaftliche Denkart einerseits und der schon zu seinen Zeit als sinnlos entlarvte Versuch wissenschaftlicher Erklärungen des Übersinnlichen ist stattdessen immer noch im Zentrum der Diskussion sogar spiritueller Thematik. Höchste Zeit, zum wirklichen Verständnis von Mensch und Kosmos das Grundlegende in den Blick zu nehmen.

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Vorausblicke in den Sommer

Auf die Feiertage freue ich mich diesmal sehr. Vor allem auf Ruhe, und darauf, dass ich die Vorträge Rudolf Steiners von 1908 über das Osterfest endlich lesen kann. Eine bessere Zeit dafür könnte es nicht geben. Nach außen ist in diesen Tagen mein Blick weniger gerichtet. Die meist kurzfristigen Aufenthalte draußen und die Spaziergänge lassen bisher keine Hochstimmung aufkommen, allerdings jetzt schon an den Sommer denken, wenn der Außenbereich auch zum Arbeiten zu unserem liebsten Platz gehört. Auf die ersten durch üppiges Laub gefilterte Sonnenstrahlen können wir uns freuen und auf die Konzerte der Vögel, die dann ihr Dauerquartier dort aufgeschlagen haben. Ob unser Feigenbaum dieses Jahr überleben wird? V. gibt ihm keine große Zukunft mehr. Und tatsächlich ist die Rinde großflächig so stark zerstört bzw. gar nicht mehr vorhanden, dass man sich ein langes Leben für diesen gebeutelten Baum nicht mehr vorstellen kann. Vielleicht aber wird er noch einmal Früchte tragen können und uns Mut machen, es mit einem neuen Artgenossen noch einmal zu versuchen.

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Heilig Abend zwischen Weihnachtsbaum und Kosmos

Wie oft ich den Weihnachtsbaum-Text von Rudolf Steiner nun schon gelesen habe, erinnere ich nicht. Aber die Lektüre dieser über hundert Jahre alten Vortragsmitschrift gehört mittlerweile zu meinem festen Programm an Heilig Abend. Dabei ist es erstaunlich, wie unendlich viele Facetten der Text enthält. So viele, dass ich immer wieder andere Inhaltsschwerpunkte wahrnehme, diesmal solche, die um das eigentliche Thema des Symbolbaums herum platziert sind. Aber so ist das bei den meisten Steiner-Texten: Sie sind so vielschichtig und so stark von einem universellen Wissen durchdrungen, dass tiefe Wahrheiten in der Behandlung fast jedes Themas zum Ausdruck kommen. Dabei hilft mir die umfassender werdende Kenntnis des Steinerschen Gesamtwerkes, das mich über den Horizont des jeweiligen Teilthemas hinausblicken lässt und mir hilft, verwendete Begriffe und Verweise mit Bedeutungen im Sinne des Autors füllen zu können. Da stellt mir dann mein selbst ausgewähltes Weihnachtsgeschenk eine neue Herausforderung. Es handelt sich um einen umfangreichen Band mit Programmausschnitten, Vorträgen und Berichten des Münchner Kongresses, an dem Steiner teilgenommen hat – Beiträge, die sich v. a. auf architektonische Projekte dieser Zeit beziehen – ergänzt durch einen Bildteil aus einzelnen kartonierten Reproduktionen von Steinerschen Zeichnungen, Entwürfen und handschriftlichen Notizen. Ich werde einige Zeit benötigen, um diese ungewöhnliche Veröffentlichung aus dem Gesamtwerk zu sichten und die für mich relevanten Teile einzuordnen. Worum es mir dabei aber vor allem geht, habe ich schon gefunden: Fotografien von Modellen und Reproduktionen von Originalzeichnungen Steiners zu den Säulenkonstruktionen des großen und kleinen Kuppelraums im ersten Goetheanums, jenes von Steiner entworfenen Versammlungs- und Vortragsgebäudes der anthroposophischen Gesellschaft, das später in Brand geriet und durch einen Betonbau ersetzt wurde. Die je sieben Säulen dieser Kuppelkonstruktionen bestehen aus je unterschiedlichen Holzarten, wodurch Steiner Bezüge zu den Planeten herstellt. Der Zusammenhang wurde später von anthroposophisch orientierten Autoren unter dem Titel „Bäume und Planten“ aufgegriffen und ausgeführt. Ich bin sehr daran interessiert, das herauszufiltern, was Steiner selbst über diese Dinge geschrieben und gedacht hat, welche gestalterischen Umsetzungen er dafür vorgesehen hat. Das könnte dann die Grundlage für ein neues Produkt der Wunschbaum-Manufaktur werden.

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Kontemplativer Auftakt der Weihnachtswoche

Ein schöner Auftakt der Weihnachtswoche war Ms Geburtstag. Mit der Wahl des Lokals lagen wir an der Reaktion der Freunde bemessen genau richtig. Alle haben sich wohl gefühlt. Und man merkte, die meisten Gäste waren bereits in weihnachtlicher Stimmung, anders als die Mitarbeiter, für die gerade diese Festtagszeit einen enormen Stress bedeutet. Auch für mich steht noch mindestens der Abschluss eines Projekts bevor. Heute konnte ich aber kleine Ruhe- und Kontemplationsphasen einlegen, u. a. mit der Lektüre der Mitschrift eines Vortrags von Rudolf Steiner, in dem er sich über die zwei Weihnachtsverkündigungen auslässt. Der Beitrag von 1921, also gewissermaßen zu seinem Spätwerk gehörend, ist außerordentlich dicht geschrieben, mit sehr vielen angerissenen, aber nicht ausgeführten Verweisen und komplexen Bezügen. Insofern kann er den Weihnachtsgedanken nicht so klar eingrenzen wie die früheren Vorträge zum Thema. Ich kann mir vorstellen, dass diese späten Beiträge auch den zeitgenössischen Zuhörern nicht so ganz leicht verständlich gewesen sein könnten. Denn in Steiners damals schon zu einer enormen Komplexität angewachsenen Denkart spielt so vieles hinein, dass der nicht permanent mit dem Steinerschen Werk Befasster vermutlich Verständnisschwierigkeiten haben musste. Dennoch der Grundgedanke ist schon verstehbar und wirft einen interessanten und sehr ungewohnten Blick auf das Weihnachtsfest: Die beiden Verkündigungen der Geburt Christi zum einen an die Hirten auf dem Felde und zum anderen an die drei Könige bzw. Weisen aus dem Morgenland stellen zwei verschiedene Arten auch für die damalige Zeit außergewöhnlicher Wahrnehmung bzw. Erkenntnis des Geistigen dar. Einmal mittels der Kenntnisse über den Lauf und die Konstellation der Planeten, und das heißt vermittelt über mathematische Erkenntnisse. Und zum anderen über ein traumhaftes Bewusstsein darüber, dass etwas Göttliches kurz davor steht, auf die Erde zu kommen. Es ist Steiners wohl einmaliges Verdienst und Fähigkeit, die Denk- und Empfindungswelt damaliger Menschen vorstellbar zu machen, unter denen die Hirten und Weisen mit besonderen Fähigkeiten ausgestattete gewesen sein mussten. Sie hatten etwas, nämlich Reste eines wiederum früher selbstverständlichen Hellsehens, eines natürlichen Einblicks in die geistige Welt, das uns heute fehlt. Dieser Vortrag ist insofern im Kontext der Steinerschen Vorstellungen über die Entwicklung von Mensch und Kosmos als Ankündigung zu verstehen, dass es für uns heute wieder – nach Erkenntnisfortschritten, die wir auf dem Gebiet der rationalen Erkenntnis zwischenzeitlich zweifelsfrei gemacht haben – darauf ankommt, in die geistigen Welt hineinblicken zu können, um z. B. zu einem Verständnis des weihnachtlichen Mysteriums zu gelangen, das ihm außerhalb äußerlicher Rituale gerecht wird. So geht Steiner auch in diesem Vortrag wieder auf den vergleichsweise jungen Brauch des Weihnachtsbaums ein, der aber hier ganz ungewohnt eingeordnet wird. Ich werden den Text erneut lesen müssen, um diese Facette der Steinerschen Weihnachtsauffassungen vernünftig einordnen zu können.

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