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Verwandlung eines Riesen

Der ausgedehnte Stumpf, den ich vor zwei Wochen an Stelle der einmal riesigen und ausladenden Linde vorgefunden habe, hat bei der erneuten Begegnung heute einen merkwürdigen Eindruck hinterlassen. Es ist diese eigentümliche Mischung von Unverwüstlichkeit oder ewigem Leben und Verstümmelung. Den meisten Besuchern dort wird die Linde vermutlich garnicht auffallen. Denn der Baumstumpf ist kaum zu erkennen, da er viele junge Triebe ausgebildet hat, die dem Ganzen die Gestalt eines Busches verleihen. Vielleicht hält es so mancher für einen solchen und erkennt nicht die brutale Degradierung es einstigen Riesen. Warum mich das überhaupt so bewegt? Dieser Baum hatte lange Zeit eine dominierende Position im großen Innenhof des Gebäudekomplexes. Es war genau der zentrale und Schatten spendende Zentralbaum, an dem und um den man sich gerne versammelt hat. Ein Musterbeispiel für eine Linde und ihre besondere Gemeinschaftssymbolik. Es ist immerhin ein Trost, dass man sich nicht getraut hat, den Stumpf zu entfernen. Ich vermute, das hat nicht nur Kostengründe. Sicherlich hatte ein Skrupel seine Finger im Spiel.

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Ein fehlender Gemeinschaftsbaum

Ein anstrengender Tag mit viel Fahrerei. Aber mir war gestern schon klar, dass V. nicht drum herum kommt, die medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. So kamen wir nach einigen Jahren erneut an den Ort, den wir schon so häufig über längere Phasen besuchen mussten. Eine merkwürdige Vertrautheit macht sich dabei bemerkbar. Und doch ist es jedes Mal etwas anderes, begegnet man anderem Personal, geht es auch von der Sache her um etwas anderes. Die Konstanten sind aber die räumlichen Eindrücke, das Atmosphärische des Ortes, vor allem des begrünten Innenhofs der großflächigen Anlage. Und da ist mir sofort etwas aufgefallen, gerade weil es plötzlich fehlte. Die riesige Linde, die am Rand des Hofmittelpunktes Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte an ihrem Standort ausgeharrt hatte und den Eindruck sehr stark mitgeprägt hat. Beim Hinweg war ich mir noch etwas unsicher. Aber beim Rückweg habe ich ihn dann entdeckt, den Stumpf mit gewaltigem Durchmesser, aus dem schon wieder junge Triebe buschartig ragen. Schwer verständlich, warum sie gefällt werden musste. Aber man kann natürlich nicht in einen Baum hineinsehen. Vielleicht war sie einfach zur Gefahr geworden. Mit diesem gewaltigen Baum, der mit seiner Art zudem wie geschaffen war für den Innenhof eines Krankenhauses, ist aber etwas ganz Wesentliches verloren gegangen. Nur wer zum ersten Mal dorthin kommt, wird den Verlust nicht bemerken.

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Linde und Holunder

Eine recht ungewöhnliche Kombination enthält das aktuell in Arbeit befindliche Armband: Linde und Holunder. Der weiche Baum der Gemeinschaft, der Liebe, der Versammlung und Versöhnung. Und dieser Strauch, der durch Blüten wie Früchte gleichermaßen fasziniert, der aber viel diffuser, semantisch weniger eindeutig daherkommt. Bei der Linde spiegelt sich das sanfte Gemüt in der Weichheit des Holzes. Der Holunder dagegen legt eine unvergleichliche Sprödigkeit in sein Stützmaterial, das in der Bearbeitung fast kristallin wirkt und sich gerne dem exakten Bohren und Schleifen entzieht. Sehr gegensätzliche Gehölze, in ihrer Materialhaftigkeit wie auch bezüglich der Bedeutungen. Es ist deshalb spannend, sie in der Kombination zu beobachten und die ineinander sich verschränkenden Energien dieser Bäume aufzunehmen.

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