Spätwinterlicher Ausflug

Ich hatte den richtigen Riecher. Zumindest was den richtigen Zeitpunkt zum Spazierengehen betrifft täusche ich mich selten. Und so wusste ich, dass der Nachmittag heute gut geeignet sein würde, den langen Gang an der Saar zu unternehmen. Ich ahnte zudem, dass der Fährmann in diesen Tagen seine Arbeit wieder aufgenommen hat, was sich durch einen Blick in die Zeitung auch bestätigte. Der Plan war dann klar: Zu Fuß am Leinpfad und meiner Lieblingsroute entlang auf die Höhe des Fährverkehrs, dann übersetzen, Kaffee trinken, und mit V., den wir dorthin gebeten hatten, später wieder per PKW zurück. Während des Weges kam die Sonne immer häufiger hervor. In diesen Phasen wärmt sie sehr angenehm. Jenes frühlingshafte Wärmen, das die neue Jahreszeit schon ankündigt und welches trotz Frosttemperaturen in der kommenden Woche häufiger auftreten wird. Recht reizlos die Vegetation, lediglich die wolligen Frucht-Überreste der Gemeinen Waldrebe sind mir ins Auge gefallen. Und natürlich die Ganzjahresattraktion Efeu, die jetzt eigentlich ihren fruchtigen Höhepunkt feiert, mit prallen, richtig tief violett-schwarzen Früchten, die an diesem fast vollständig vom Efeu ummantelten Baum in Unzahl flächendeckend zu sehen waren:

Efeufrüchte im Winter

Ganz ohne Schrecken gings dann doch nicht, denn die Fähre lag am gegenüber liegenden Ufer. Die für den Fall bereitstehende Glocke, von mir heftigst geschlagen, rief leider keine Reaktion hervor. Aus der Entfernung auch unmöglich zu erkennen, ob überhaupt jemand die Fähre besetzt hielt. Nach fünf Minuten dann ein Gegenbimmeln von der anderen Seite, schwächer und heller, so dass ich vermutete, es bedeutet, dass die Rückfahrt in Kürze beginnt. Tatsächlich aber war es das Signalbimmeln von Fahrgästen der anderen Seite, die damit erfolgreicher waren und den Fährmann aus seiner Baubude, der Baracke, in der er sich in Leerlaufphasen aufhält, gelockt hatten. Nun gut, so fiel der Schrecken und die wenig angenehme Aussicht auf den ebenso langen Rückweg zu Fuß von uns doch noch ab. Ein schöner kleiner Ausflug. Und auch M. hat es erkannt: Wenn sie, wie zunächst beabsichtigt, zu Hause geblieben wäre, so wäre der Nachmittag verloren gewesen. Wenn ich etwas von Pädagogik hielte, würde ich sagen: jemand hat tatsächlich etwas von mir gelernt.

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