Schlafende Pflanzen

Seltsam, ich habe heute erst die Geheimwissenschaft im Umriss wiederentdeckt. Das gebrauchte Buch musste ich vor einiger Zeit bereits gekauft haben. Mir war seine Existenz aber nicht mehr wirklich gegenwärtig. Wenn es auf Allerheiligen zugeht, zieht es mich wie von selbst zu Rudolf Steiners Texten hin. Und es ist gut, einmal wieder bei einer der Hauptschriften gelandet zu sein. Anders als die Vortragsmitschriften, die ich meist lese, sind das sehr durchstrukturierte, noch dichtere Texte, die auch eine Art pädagogische Zielrichtung erkennen lassen. Gut geeignet, um bestimmte Grundbegriffe der Anthroposophie zu rekonstruieren und in anderen Zusammenhängen besser einordnen zu können. Da ist immer auch vom Verhältnis der verschiedenen Ebenen, die einen Menschen ausmachen mit dem Reich der Pflanzen und Tiere die Rede. Einer der Vergleiche, nämlich zwischen dem Ätherleib und dem Sein der Pflanzen, ist mir bei der Lektüre heute wieder ins Auge gesprungen. Er war mir bereits bekannt, wirkt aber doch irgendwie verblüffend, wie so oft bei Rudolf Steiner: Dass die Pflanzen sich in einer Art permanentem Schlafzustand befänden, ein Zustand, den wir eben vom Schlafen kennen, wenn der Astralleib sozusagen den Ätherleib nicht Bewusstsein aktivieren kann. Wenn man diesen Gedanken weiterdenkt, wirken viele Darstellungen auch im Verhältnis der Menschen zu den Bäumen doch eher romantisch, von einer typisch menschlich bewussten Verstandesdenkart gelenkt. Es läuft auf das hinaus, was ich in verschiedenen Zusammenhängen gerne als den Spiegel bezeichnet habe. Die Bäume werden auf Grund ihrer grundlegenden Lebenssymbolik gerne als menschliche Spiegel verwendet. Das Nachempfinden pflanzlichen Lebens spielt eigentlich keine Rolle. Wenn von Baumsymbolik die Rede ist, dann ist das von vorneherein ein kulturelles Produkt, eine Möglichkeit, menschliches Empfinden und Wahrnehmen im Spiegel der Bäume anschaulicher darzustellen.

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