Olfaktorische Geheimnisse

Wenn mir früher jemand erzählt hätte, er könne verschiedene Holzarten am Geruch erkennen, was hätte ich wohl dazu gesagt? Fest steht, wenn ich wie heute Nachmittag Holz säge oder hoble, erkenne ich häufig die Art am Geruch, den die feinen Holzstaubpartikel in der Atemluft hinterlassen. (Übrigens etwas, was sich stark einprägt und selbst Jahre später noch abrufbar ist bzw. ein bestimmtes Erinnerungsbild hervorruft.) Es muss allerdings immer auf diese Art pulverisiert sein, sonst riecht man meist gar nichts. Darunter sind ganz ungewöhnliche Gerüche, solche, die sich mit nichts anderem vergleichen lassen. Ich denke etwa an den Geruch des Feigenbaumholzes, des Ulmenholzes oder des Pappelholzes. Und dann wundere ich mich und versuche die Erscheinung des Baumes oder meinen Eindruck des Baumes mit diesem Geruch in Beziehung zu setzen. In der Regel gelingt mir das nicht, was mir zeigt, dass der Baum noch einige Geheimnisse birgt, die mir als Mensch verborgen sind, dass in ihm etwas steckt, was sich nicht wirklich festhalten lässt. Etwas, was seine Individualität ausmacht, und nur in kurzen und unwahrscheinlichen Momenten, wie dem Einatmen seines Holzstaubs, sich überhaupt erahnen lässt.

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