Nivellierung

Die Landschaft zeigt sich derzeit in einem trostlosen Zustand. Beim abendlichen Spaziergang an der Saar waren die kahlen Silberweidensträucher am Flussrand, welche eine leichte Neigung zur Flussmitte hin zeigen, mit Treibholz und sonstigem Schwemmgut zugesetzt, was dem ganzen ein sehr unordentliches Bild verleiht. Ähnlich sieht es aus, wenn nach einer längeren Schneephase selbiger abtaut und platt gedrückte, schlammige Wiesen, pfützendurchsetzte Sandwege und nass-schmutzige Straßen hinterlässt, nur dass in diesem Winter noch kein wirklicher Schnee in unserer Region gesichtet wurde. Einen so eigenartigen Winter habe ich eigentlich noch nie erlebt, der es in keiner Weise vermag, jahreszeitliche Empfindungen irgendeiner Art zu evozieren. Man ist einfach nur sprachlos, weiß nicht, was man davon halten soll und befürchtet eine schleichende, aber zunehmende Nivellierung der jahreszeitlichen Differenzen im Allgemeinen. Das verweist auf nichts anderes als ein langsames Verschwinden der Jahreszeiten und damit der Spannung, welche ich gerade für unsere Breiten immer als so charakteristisch und kreativitätsfördernd angesehen habe. Wir werden lernen müssen, mit der Annäherung an subtropisches Klima umzugehen, und vor allem unsere Traditionen und jahreszeitlichen Rituale nichtsdestotrotz zu erinnern.

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