Erlebnisverluste inklusive

Schade, seitdem die Bäume in den öffentlichen Anlagen des ganzen Dorfs im letzten Jahr geschnitten wurden, sind sie nicht mehr so ,,nah“. Das hat vor allem mit den unten liegenden Ästen zu tun, die wie unter Zwang von der Stadt immer wieder entfernt werden. Für den aufmerksamen Spaziergänger bedeutet das, dass er die Blüten, Blätter und Früchte nur noch aus größerer Distanz betrachten kann. Dabei sind viele Details nicht sichtbar, die ihren Charme erst in der Nahsicht offenbaren. Da geht einiges von dem schon optisch wahrnehmbaren Reichtum der Bäume verloren. Und vergessen wir nicht: Die Bäume sind nicht bloß isolierte Lebewesen, die zufällig irgendwo verwurzelt sind und ansonsten so vor sich her leben. Sie sind Mit-Bewohner, deren Existenz und Gestalt wesentlich von unserer Achtsamkeit abhängt und in der Reflexion ihre eigentliche Form erhält. Die Bäume existieren vor allem in unseren Köpfen, welches Bild sich aber ausbildet, steht in direktem Zusammenhang mit der Reichweite der Beobachtung. Der ingenieurmäßigen und ökonomischen Denkart öffentlicher Grünanlagenpflege ist in den vergangenen Jahren schon vieles zum Opfer gefallen. Es tut mir immer wieder weh, das mitanzusehen. Gleichzeitig entwickele ich bei diesem Thema eine Art Wehmut, denn das so verhinderte oder zumindest behinderte Sehen der Bäume ist einfach verloren, Erlebnis- und Erkenntnisverluste für uns Menschen inklusive.

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