2 mal Weihnachtsbaum

Nun sind die Rauhnächte längst vorbei, und der Tannenbaum taucht plötzlich wieder aus der Versenkung auf. In zweierlei Form gleich, und vielleicht doch nicht ganz zufällig. Denn der hellgrüne Badesalztannenbaum, mit Cellophan vor Feuchtigkeit geschützt, wartet schon seit der Adventszeit, in der ich ihn im Drogeriemarkt unter zahllosen weiteren Weihnachtsartikeln entdeckt habe, darauf benutzt zu werden. Sein Geruch war nicht wirklich spektakulär, dieser zeitlos wirkende Badezusatzduft, an den ich mich aus Kindheitstagen noch gut erinnern kann. Da hat sich anscheinend nichts geändert. An Kindheitstage erinnert mich auch das Ritual des Badens, damals grundsätzlich am Samstagabend stattfindend, während die Woche über das Waschen am Waschbecken mit zu jeder Jahreszeit kaltem Wasser üblich war. Zum Duschen bin ich erst viel später gekommen. Der stilisierte Tannenbaum, eine gepresste Badesalzform, hat mich also dazu bewogen, nach Jahren einmal wieder eine Badewanne zu besteigen, um auch hier festzustellen, dass sich nichts geändert hat, die selbst erzeugten langsamen Wellen des Wassers, das teilweise Eintauchen, die entspannende Wirkung auf die Muskulatur, die anregende Wirkung auf den Kreislauf. Spektakulär war aber doch der Tannenbaum selber, welcher sich im Bruchteil einer Sekunde in eine amorphe hellgrüne Wolke auflöste, sobald er in das Wasser gelangte, scheinbar freilich nur, denn die gesamte Form benötigte dann doch ca. eine Minute um sich zu verflüchtigen, eine gleichmäßige Färbung des Wassers hinterlassend. Einige Stunden zuvor hatten wir den diesjährigen Eingangstreppentannenbaum, eine Wurzelpflanze, umgetopft, um ihn Ende des Jahres wieder nutzen zu können, so er denn wächst, denn seine beiden Spitzen wurden unbedachter Weise gekappt, was ihn dazu nötigen wird, einen neuen Spitzentrieb auszubilden. Wir hoffen, dass er freistehend genug Licht erhalten wird, um das Jahr zu überleben. So haben sich Mitte Februar weihnachtliche Reminiszenzen eingeschlichen, ergänzt durch das brennholzfertige Sägen der Zypressenabschnitte, die bei der Schnittaktion unserer Hecken zwei Wochen zuvor angefallen waren.

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